Mannheim
Compact Memory

Allgemeine illustrirte Judenzeitung · 1861-05-03 · 18 (3.5.1861) · p. Seite 143

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Allgemeine illustrirte Judenzeitung
Volume
2 (1861)
Issue
18 (3.5.1861)
Date
1861-05-03
Page
Seite 143 (sequence 7)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
91% known words query
IRI
…/4884143-5427051-5427135--373-4884477
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

143 werden sie anstatt in den Tempel, ins Theater gehen, und am Ende werden sie gar ״Kofrim." — Jeder Versuch, die Schule länger zu erhalten, war vergebens. - und so löste fie sich nach ihrem einjährigen Bestehen auf. Diesem Beispiele folgte auch Szantä. eine Stadt mit oiroa 200 jüdischen Familien, deren ehrwürdiger Rabbiner Herr Jsak Nathan Lipschitz im ״Mainzer Israelit" gegen die stereotppirte Philippson'sche Bibel Protest r 1>ob. Derselbe Rabbiner errichtet sich eine Jefchiba, welche dem Der «ehmen nach schon viele Jünger (siehe .Ben Chananja"!861, N5 .׳, Seile 38...) zahl». Di. Ujhrlyer Schule scheint auch nur, seitdem sic zur Muster- Hauptschule erhoben, und vom dortt'gen Rabbinate unabhängig wurde, neues Leben bekommen zu haben. Die dortigen Jeschiba-Iüngrr erlauben sich schon manches deutsche Buch zur Hand zu nehmen, und manch verstohlenen Blick in andere jüd. Zeitschriften als den .Mainzer Jsraeliien" zu werfen! In Kasch au und Tokaj haben die Schulen bekanntlich schon daS Zeitliche gesegnet..— In Tällya und Mad, Parak nnd TolcSva wirken noch alte Cheder-Lehrer. Wohin man in unserer geisteSfinstern Gegend blickt, sieht man nichts' als das größte GeistrSelend! Und möge sich der allgütige Vater auch unserer erbarmen und ausrufen ״es werde Lickt", damit daS Licht, dessen sich schon alle Welt erfreut, auch uns zu Thril werde'. Ignatz Goldstein. Lipt« Sz. Miklös, im April. Am 8. d. M. wurde b:i unS dasAndenken deS verewigten Grafen S t e f L n Szschenyi auf eine sehr würdige und solenne Weise gefeiert. Unsere schöne Synagoge, mit dreifarbigen und Trauer - Fahnen verziert, bot einen erhebenden Anblick Die Solrnnität begann mit einigen passenden hebräischen Gebetstücken, welche vom hiesigen Cantor auf eine sehr rührende u. herzergreifende Weise vorgetragen murren. Hierauf bestieg Herr A. Samuel Steiner, autor. Rabbiner und Lehrer an unserer Schule, die Kanz! und hielt eine sehr gehaltreiche und gediegene Rede. Anknüpfend an den Spruch unserer Weisen: "re. rc. ג׳ כתרים הן» - und daraus die Lehre gewinnend, daß die Ehre eines hochgefeierlen und glorreichen Namens ein wahres Kleinod ist. welches nicht mir dem Besitzer erbleicht, sondern als hellglänzender Stern noch den spätesten Geschlechtern leuchtet und in die Ewigkeit hinüberstrahlt zeigte der Redner, in welchem hohen Grade der Verewigte, schon dadurch unsere Bewunderung verdient, daß wir bei ihm auch die andern drei Verdienstkronen vereint finden. Denn außerdem, daß er die Krone des Wissens und die der geistigen Herrschaft über die Herzen nnd Gesinnungen der Söhne seines Vaterlandes besaß, gebührt ihm auch mit vollem Rechte die Priesterkroneindem er die Hauptaufgabe des Priesterthums, das Wort GottrS zu verkünden durch die edelsten Beispiele der Wohlthätigkeit und genieinnützigen Lhätigkeit in seinem Wirkungskreise, durch seine Thaten, durch seine ׳ Standhaftigkeit bei seinen Ucberzeugungen und Grundsätzen in den Stürmen des Lebens, auf die schönste und herrlichste Weise erfüllte. Von "den hohen Verdiensten des Gefeierten sprechend, hob der Redner eines der Vorzüglichsten hervor und benützte dabei auf eine eigenthümlick.׳ aber sehr treffende Weise den Bibelvers: .כח מעשיו הגיד לעמו לתת רתם נחלת גויס"; Um seinem Baterlande daS angeborrne Erbe der Nation, die Freiheit, zu verschaffen, hat der Hochgefeierte es mir dessen ihm innewohnenden Kräften bekannt gemacht. Er hat den Söhnen seines Vaterlandes gezeigt, wessen fie fähig find, zu welcher Höhe sie sich aufzuschwingen vermögen, so eS ihnen nur nicht an ernstem und festem Willen gebricht. Wilhelm Schtk. Prag. ״Alea est jacta!" Die Würfel sind gefallen; Kollin hat, wie man hört, einen Rabbiner gewählt, — wer, glauben Sie wohl, ist der AuSerkohrene, rer den Platz des frommen, edlen Dulder-, deS sei. Rabbiners Frank einzunehmen berufen ist? etwa ein Mann, der milden Sinn mir wahrer Frömmigkeit zu paaren, und die Schäden einer noch in vielen Bezirhuugen der Regeneration bedürfenden Gemeinde zu heilen »ersteht? etwa ein Mann, der rin heiliges Anrecht auf die Anerkennung seines rabbtnischen Wirkens im Schoße der jüdischen Gemeinden erworben? nichtvon dem Allem — Herr vr. Gugenheimer, rer vielgewanderte, Teschrn- Aussre-Stuhlweißenburgischcn Angedenken- — ist c». — Friede in den Gemeinden war bis heute in Böhmen noch viel häufiger als sonst irgendwo zu finden, und die Behörden hatten zwischen Rabbiner und Gemeinde selten' oder nie Zwistigkeiten zu schlichten; warum mußte doch auch zu unS endlich der moderne Herostrckt«- kommen, um höchst wahrscheinlich die brennende Fackel der Zwietracht in den Tempel de- Friedenzu werfen? — Wir möchten dem juugen Manne nur, da er bereits gewählt ist, zu bedenken gehen, daß Böhmen durchaus kein Boden für seine religiösen, Israrlbegkückende« Theorien ist. — daß eS eben so weit von Kollin nach Studlweißenbürg als von S. nach K., daß unsere Behörden für Boi-Ehaloh- Kämpfe, für schwarzes-Poroche-strettigkeiten und rabbinisch-philosophische moderne Anathemata keine Zeit haben. — Möge der neue Kolliner Rabbiner feine Zeit und seine Aufgabe hier in Böhmen beffkr begreifen als bisher, dies wünschen wir um de- JudenthumS willen. Wahrlich, nicht etwa eine persönliche Abneigung dictirt uns diesen unfreundlich klingenden Gruß an Rabbiner De. Gugenheimer; נ~ weißenburger Wirren׳ haben ihm eine traurige Berühmtheit -«schafft, und wir wünschten, daß diese Zeilen ibm ein Alemevto werden. — Schließlich köünen wir den Wunsch-nicht unterdrücken, daß die jüdischen Organe doch, etwas heimischer würden in den jüdischen Gemeinden, daß ״Judenzeitungen" nicht bloS auf dem Lebrpulte der Rabbinen und Lehrer, sondern anck auf dem Lesetische de- Kaufmannes. vorzüglich aber auf dem sogenannten grünen Tische im jü» dischen Gemeindehause aufliegrn und dort aufmerk'am gelesen werden möchten; — es würden dann die Gemeinden jene Männer besser kenneu lernen, die berufen sind, idre religiösen Interessen zu vertreten fie würden dann nicht in die Lage kommen, bei Besetzung der Rabbinate das unselige Protectionswrsen herrschen zu lassen, es würde dann mancher später tiefbeklagte Mißgriff nicht geschehen, und bei Rabbinerwahlen könnten die nur allzusehr dominircaven Einflüsse von Außen her sich nicht so oft und so srbr geltend machen, wie die» biS^Pt leider tar Fall ist. -X- Hapern. kt. Der bekannte Antrag Paur'S über unsere Verhältnisse ist bereits im III. Ausschuß der l. Kammer einem Refcrenten, dem Fürsten Hohenlohe, zugewiesrn worden und läßt sich aus dieser Wahl auf eine diesem Antrag der Abgeordnetenkammer günstige Stimmung schließen, wie dinn auch bereits die ultramontanen Blätter eine zusttmmende Sprache führen. Die neueste Nummer des ״BolkSboten", dessen Agitation, natürlich durch die hinter ihm stehende Partei, uns früher so wehe that und den von der H Kammer bereits angenommenen EmancipationSentwurf im I. 1849 hintertriejb, läßt sich also vernehmen: ״ES kann sich in der That bter nicht um Zu- oder Abneigung gegen die Juden handeln, sondern es handelt sich um Gerechtigkeit und 'Billigkeit und um Beseitigung offenbarer Widersprüche gegen die Moral; es handelt sich überdies um dir verständige Berücksichtigung der Zustände uud Verhältnisse, die heute ganz anders sind als 1813. Deshalb glaubt der Volksbote auch nicht zweifeln zu können, daß die Kammer der ReickSrathe dem Beschlüsse der Abgeordnetenkammer gleichfalls beitreten werde." Der .,Volksbote" ist ftkilich zu diesem Glauben erst spät gekommen. und er wird hoffentlich auch nichts dagegen haben, wenn die von dem Staatsminister v. Neumayer in drr Debatte in Aussicht grstsllte Dereinbarung der Ministerien zur Anstellung der jüdischen Kandidaten im Staatsdienst, gegen welche nach seiner Aeußerung kein Gestbestehe, zu Stande kommen wird. Nur dem Grwerbverrin des altbaycr'schen Städtchens Tölz, das früher einen l)r. Sepp und jetzt einen, mit seinem beschränkenden Antrag total durchgrfallenen Abge» ordneten Doppelhammer in die Kammer geschickt. bleibt der traurige Ruhm, einen solchen nunmehr bei der I. Kammer ringebracht zu haben, drn sich deren 2. Präfidrnt, Graf R. v. S e i n S - heim, der chenffl - Pilsach unserer ersten Kammer, angeeignet und dadurch Gelegenheit nehmen wird, seine Galle gegen uns zu er» gießen und seinen rractkonären aufgrwärmten Kohl aufzutischen, der ihm mit einer kleinen Gesellschaft allein bleiben wird. In Regensburg hat rine jüdische Person außerehelich geboren und ist der Knabe in den Bund Abrahamausgenommen worden.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.