Allgemeine illustrirte Judenzeitung
- Journal
- Allgemeine illustrirte Judenzeitung
- Volume
- 2 (1861)
- Issue
- 18 (3.5.1861)
- Date
- 1861-05-03
- Page
- Seite 142 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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142 h— In den Stunden der Noth, Wenn der Schmerze» Gebot Die Blicke dir wendet gen sben; Da willst du so gern Dein Leben dem Herrn Geloben. Solcher Stunden der Noth Gerenk' bis zum Tod; Und was du gelobt unv ersonnen In Leid und in Schmerz. Erprobe dein Her; In Wonnen! Minna Eohen. Zur Abbildung. Denkmale, welche der Geist der Zeit sich setzt, sind die einzig finnigen Monumente und haben als solche allein Bedeutung. solche- Denkmal sehen wir in dem Tempel der Leipziger israel. Gemeinde, dessen feierliche Grundsteinlegung am 9 September 1&34 staktfand. Ausgeschlossen von staatsbürgerlicher Gleichstellung, koHIt lange eine jüdische Gemeinde in Leipzig nicht festen Fuß fassen; eifersüchtigen Auges vom Hanoelsgeiste bewacht, war Wenigen die Er- Werbung des ׳Startbürgerrechts ausnahmsweise nur gegönnt, und der Geschichtsschreiber der Leipziger israel. Gemeinde *hat nicht tiefer in dem Schooß der Zeiten nach Quellen zu forschen als ein Drccnnium zurück. Tie Tau'ende von Juden, welche aus allen Weltgegenden in Leipzig zu den Messen zusammenströmen, durften nur in mehr als 20 einzelnen durch alle Straßen der Stadt zerstreuten Zimmern ihre religiösen Feste, deren wichtigste eben zur Zeit rer Messe fallen, begehen. Erst unter der Regierung des letztverstorbenen Königs Friedrich August wurde der israel. Cultus in Sachsen freigegcben. und unter rem regierenden König Johann wurde rer Bau der Leipziger Synagoge ausgeführt. Die Leipziger Synagoge ist auf dem au der spitzwinkligen Kreuzung rer beiden Centralstraßenarme gelegenen Bauplatze erbaut. Lei Eulwerfung res Planes, berichtet rer Baumeister-, der Israel. ׳ Architekt S i m o n s ö n aus Dresden, ein würdiger Schüler Semper'-, zu einem Gebäude von nur mäßigen Dimensionen, umgeben von der imposanten Gruppe, welche dir Eentralhalle mit ren umliegenrrn neuen Wohnhäusern bildet, konnte es nicht darauf angelegt sein, im Aeußern durch Großartigkeit zu wirken. Der Uebrlstand, taß die Grundform des Bauplatzes eine höchst unregelmäßige, verschobene ist, drängte vielmehr zur Bescheidenheit hin, ebenso sehr aber auch zu dem ernsten Bestreben, den vielen Anforderungen, di: man mit Recht an ein kirchliches Bauwerk stellen darf, möglichst zu genügen und alledem zum Trotz roch noch ein in sich abgeschlossenes Kunstwerk zu liefern. Bei rer Lösung der sehr schwierigen Aufgabe kam es zuvörderst darauf an, eie vielen Hinrernisse, soweit thunlich, geschickt zu überwinden und ras Ungünstige der Lokalität zn bcseitigen. Der hohe Giebel des Nachbarhauses mußte durch geschickte Anwendung gedeckt werden, d>e Straßenfronten mußten in gleicher Linie mit den übrigen Wobnhäusern und ohne Unterbrechung bebaut werken, dann war aber daS Gebäude, vorzugsweise in seinen Haupttheilen, so koch zu macken, daß es dem bedeutenden Einflüsse der mächtigen Eentralhalle u» d der meist vierstöckigen Wohnhäuser Trotz zu bieten im Stande sei. WaS aber die Architektur betnfft, so mußte auf die Wahl res Styles ganz besond rS Augenmerk gerichtet werden. Dieser hat hier nicht allein die Aufgabe, das Gepräge de- Zwecke-, dem das Gebäurc dient, an sich zu tragen, er muß in diesem Falle auch raS Bauwerk vor den umliegenden Baulichkeiten kutschieren auszeichnen. Diesezu erfüllen, dazu schien eie Durchführung des maurischen Styls mit seinen eigcnkhümlichen Hufeisenbögen am geeignetsten. Harmonirt tiefer roch so innig mit dem jütischen RituS! Wie die erobernden Mauren ihre Kunst, eine morgenläneische Blume, mit sich j nach Europa führten und zur höchsten Blüthe ausbildeten, so trug I auch raS jüdische Volk, freilich mäßiger« Sinnes, seinen Glauben > mit den mannigfachen, fremdartigen Gebräuchen und Formen herüber l in das Ausland unv bewahrte ihn fest unv unerschütterlich. > Die Hauptanorvnung ist dem Principe nach der Basilika entlehnt, wir finden hier das Haupts: iss und die Nebenschiffc wieder. Dem Mittelschiffe (in Anordnung. Maßen und Verhälmissen mit dem Tempel Salomonis übereinstimmend), dessen LLugenachse dem Ritus gemäß von West nach Ost fich erstreckt, schließen sich die Seitenschiffe von der Form eines durch örtliche Verhältnisse fich ergebenden Paralleltraprzes zu beiden Seiten symmetriich an. Rechts auf dem Bilde, an der hintern Ecke des Gebäudes schließt ein Gitter einen kleinen Borhof ein, durch welchen man zu dem etwas von der Straße zurückliegende« Hauptportale gelangt. Steigen wir die wenigen Stufen hinan, um einen Blick in ras Innere zu thun, so kommen wir zuerst in eine geräumige, durch Oberlichtfenstcr beleuchtete Halle, zu deren Rechten sich ein Zimmer für den Prediger befindet, von welchem aus derselbe direct auf die Kanzel g'langen kann. Wir kommen nun in die Vorhalle, an deren Eure die Treppe nach den westlichen Emporen und der das Stockwerk über dem Betiaale einnehmenden Castrllanwohnung liegt- Das AUerhriligste stellt sich äußerlich durch einen Rundbau (an der Straßenecke) rar, welcher kuppelförmig überdacht und mit einem Oberllchkfenster versehen, einer großen, die Borhangrrapirung bekrönenren reichbemalten Rosette ein mattes Licht leiht. Drei Bogenöffnuagen, je an den beiden Langseiten r,׳s Mittelschiffs, vereinigen dasselbe mit den Seitenschiffen, in denen sich zwei übereinanderstehenre, auf eisernen Säulen ruhende Emporen befinden. Das HauS trägt an seiner Außenseite drei hebräische Inschriften — über dem Haupchoital: ,Gesegnet sei Jever, der da kommt im Namen des Herrn, lyir grüßen euch aus dem Hause des Herrn. Mächtig zeigte sich ׳er Herr indem er uns leuchtete." Psalm 118, 26, 27; über rem ersten Eingang: ״Haus Jacobs, auf und lasser unS wandeln im Lichte des Herrn." Jes. 2,5; über dem zweiten Eingang, dem Knaulh'schrn Hause gegenüber: ״Mein HauS soll ein Belhaus genannt werden über alle Völker." Jes. 56, 7. Zu beiden Seiten veS Altars befinden sich zwei Gedenktafeln in hebräischer Schrift, die eine zur Eriunerung an König Friedrich August, der den israel. Cultas freigab, die andere an König Johann, unter dessen Regierung der Grundstein gelegt und der Bau auSgcfübrt wurde. DaS Gebäude enthält 1600 Sitzplätze und kann demnach gegen 2000 Personen fassen. von welcher Zahl die kleinere Hälfte sich auf die Emporen »ertheilt. von wo aus auf allen Sitzen vermöge ihrer tribünenförmigen Anlage, das Ceremonicll und der Prediger wahrgenommen werden können. Die Synagoge trägt ein imposantes Acußcrc und ist jedenfalls eine Zierde rer Stabt und ein wohlgelungeneS Werk; im Innern ist sie ebenso edel als geschmackvoll und freundlich und akustisch gebaut. Eingeweiht wurde die Leipziger Synagoge am 10. September 1855 durch den Herrn Rabbiner in Dresden, l)r. Landau, und den damaligen Leipziger Prediger, Or. A. Jellinek. Neun Tage später, am 19. September, besuchte der gerade in Leipzig anwesende regierende König Johann die Synagoge, derselbe Fürst, welcher als Prinz im Jahre 1838 in der ersten Kammer dir Worte gesprochen: ״daß es ihm leid lhue in einem Lande zu leben, wo Un- ״tertbanen noch um Gleichberechtigung bitten müssen." Gorresyondenz. Göncz (Abaujvär), im April. In unserer Gemeinde, die viroa 65 jüdische Familien zählt, gelang cs endlich durch unsägliche Mühe unv nicht geringe Geldopfer den Herren Bernhard Gold st ein, Or. Bernhard Adler, Moritz Glück unv Adolf H o r o v i tz eine Schule ins Lcbin zu rufen — und an deren Spitze einen ״geprüften", zugleich aber auch wissenschaftlich gebildeten Lehrer, Herrn Abraham Schiff, zu stellen. In einem Zeiträume von 12 Monaten machten dre Zöglinge, trotz der Schwierigkeiten die das erste Jahr der Grün« düng einer Schule, überhaupt in Oberungarn, wie dies ein jeder Sachverständige weiß, bietet, höchst erfreuliche Fortschritte; die Kinder fingen, anstatt drS frübern Kandcrwälsck. ziemlich rein zu sprechen an. Mehr brauchten nun unsere Finsterlinge, die hier leider die Mehrheit bilden, nicht, um energisch gegen die Schule auszutreten! ״Heute schon', schreien sie, ״sagen unsere Kinder anstatt ,Tatr"^ ״Vater", später