Allgemeine illustrirte Judenzeitung
- Journal
- Allgemeine illustrirte Judenzeitung
- Volume
- 2 (1861)
- Issue
- 18 (3.5.1861)
- Date
- 1861-05-03
- Page
- Seite 141 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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— ״ 141 Wie sehr nun auch der Hiither Israels selbst diese inneren Risse zum Heile des Judenthums zu umwanreln wußte, so bleiben diese!- den doch immerhin auf das Tiefste zu beklagen, weil rS für jedes Volk, und für Israel mehr noch als für alle andern Völker, keine größere Kalamität geben kann, als innere Spaltung und Zerklüftung, Kampf und Zwietracht zwischen den Brüdern Eine- Volkes und Glaubens. — Der Genius der Geschichte wird stets erröthen, wenn es solche Vorgänge zu erzählen gilt, unv gewiß bilden die Erinne« rungen r ran wahrhaft traurige Srfiraherinnerungen. AuS tiefster Seele woücn wir daher Gott bitten, den ewigen Wächter und Schi» mer deS Jurenthums, daß rr uns ferner vor jedem inner» Bruch und Schisma bewahre unv daß wir, Söhne der alten Jakobsfamilie, eine ״Alliance israelite universelle“ im edelstcn Sinne deS Wortes bilden mögen — ja in dem Sinne jenes Mivraschwortes; ויחן שם ישראל נגד ההר■ — כאיש אחד בלב אחד• Zur beborstehenden Reorganisation der Hester israel. Gemeinde. Endlich glauben wir dem Zeitpunkte nahe gekommen zu sein, in welchem die Reorganisirung der Pester israel. Gemeinde von statten gehen fot. Eine geraume Zeit ist bereits seit der ersten Anrrgung nutzlos vrrübergeschritten. Um so eher ist eS zu hoffen, daß bei der bevorstehenden Neuwahl rin Jeder bestrebt sein wird, seinen Einfluß in heilsamer Weise geltend zu machen unv die wichtige Aufgäbe im wohlveruandenen Interesse der Gesammtheit zu lösen. Hiezu ist aber vor Allem das richtige Vcrständniß res Zieles nöthig, um dessentwillen dir Wahl überhaupt eingeleitet wird! Dieses dem SOger Ausschüsse bei Entwurf der Statuten vorgeschwebte Ziel allgemein einleuchtend und anschaulich zu machen, ist der Zweck nachfolgender Zeilen. Hiezu scheint rS uns unumgänglich nöthig, einen kurzen Rückblick auf die Vergangeichelt zu richten. In den finstern Zeiten des Druckes und der Verfolgung konnten die Juden an die Spitze ihrer Gemeinden nur Reiche stellen, weil nur diese im Stande waren, fle zu schützen und zu vertreten. In' Ermangelung jedes gesetzlich begründeten RecbtSbodenS, der Willkühr und dem Haffe preis gegeben, konnte nur durch Geld die Abstellung einer Beschwerde, die Abwendung einer der Gesammtheit drohenden Gefahr bewirkt werden. Daher mochte sich traditionell die Ansicht gebildet haben, daß auch jetzt, wo Gott sei Dank die Gleichheit vor dem Gesetze uns die beüc und sicherste Stütze gewährt, bei der Wahl der Vertreter ausschließlich auf VcrmögenSstand derselben Rücksicht genommen werden müsse; während wir mehr auf die sittliche Höhe und Intelligenz der Männer achten müssen, die uns nach Außen vertreten sollen. In den letzt entschwundenen Jahren wurde diese vorgefaßte Meinung noch mehr bestärkt, anstatt nach dem Beisviele jüdischer Gemeinden in andern Ländern, beseitigt zu werden. Dies kam daher, weil der Besitz gegen die Intelligenz in vielen Stücken auffallend begünstigt war. Während nämlich der Jude in Bezug auf Handel und Industrie seinem christlichen Mitbürger nahebei gleichgestellt war, sah sich die jüdische Intelligenz von jeder höhern, ehrenden Wirksamkeit aufs strengste ausgeschlossen. Hieraus ergab sich eine gewisse Spannung zwischen dem bevorzugten Reichen und dem zurückgesetzten Intelligenten, die sich sogar in geselliger Beziehung in nachiheiliger Weise geltend machte und endlich dahin führte, daß dem Manne des Wissens jeder direkte Einfluß auf das jüdische Gemeindewejen systematisch entzogen wurde. Nichtsdestoweniger hat dieser Thcil. der Gemeinde in jüngster Zeit Gelegenheit gefunden, seine Liebe und seinen Eifer für da- Judenthum in unverkennbarer Weise an den Tag zu legen. Die Intelligenz war es, die mit Muth und Besonnenheit gegen die Feinde unsere- Rechtin die Schranken trat und die noch jetzt in diesem Sinne wirksam ist. Verlangt sie nun auch nicht nach Dank und Lohn, so kann ihr doch nicht länger die Beachtung tm Gemeinveverbande entzogen bleiben, die sie verdient. Wahlberechtigte der Pester Cultus-Gemeinde! In den vom 30ger AuSschusse entworfenen und demnächst zur Ausübung kommenden Statuten ist das Hauptaugenmerk dahin gej richtet, daß künftighin weniger auf die äußere Qualifikation des zu! Wählenden gesehen werde, als auf die persönlichen Eigenschaften, die rr besitzt: vor Allem auf Charakter, Gesinnung, Kenntnisse, energi» sches Wollen, religiöse Pietät und Gemrinsinn. — Ueberhaupt soll bei der Wahl mehr der innere als der äußere Mensch, mehr was er ist als was rr hat, berücksichtigt werden. Nicht als ob der Reichthum gar keine Berücksichtigung verdiente, sondern nur, daß er nicht als einzige und vorzügliche Eigenschaft dezu Wählenden betrachtet werde. Ebensowenig sind wir der Ansicht, daß die Bildung allein schon zur Vertretung der Gemeinde berechtige; ja sogar möchten wir diejenigen, welche bei all ihrem anerkannten Wissen der Kenntniß und der Sympathie für jüdisch religiöses Leben ermangeln, durchaus nicht empfehlen. Wie könnten diese auch bei Fragen, die das Religiöse, die Schule und ähnliche Institute berühren, ihren Einfluß ohne schädliche Folgen geltend machen! Folget dem Geiste der Wahlstatuten und bedenket, daß eS hauptsächlich darum zu thun ist, solche Männer als Vertreter und Vorsteher zu gewinnen, die geeignet sind, da- Wohl deS Allgemeinen fördern, unsere Würde zu wahren und gegen alle äußeren Eind Angriffe mit Rath unv That zu wirken. Männer deS Geistes unv Charakters, der humanen Richtung und religiösen Pietät vermögen allein uns dem Ziele unserer Wünsche, gleichberechtigt und geachtet dazustehen, näher zu bringen. Darum hängt so viel von Eurer Einsicht und Eurem Eifer ab. Wählet die Würvigsterl, wählet die Besten l - g - Trost im Utidkil. In des Unglücks Macht, in der beiden Nacht Mußt nimmer du zagen und klagen; Der Erbarmer wacht; nun so streb' mit Macht, Getröstet tri» Leid zu ertragen. O schau' nicht empor zu den stolzen Höh'n, Wo die Großen der Erde thronen; Du mußt in die Hütten rer Armuth geh'«, Dann wird dich dein Vater belohnen! Und ob dich gebeuget des Kummers Joch, In der Hütten verschwiegenem Raume Da schaust du voll Grauen manch' Elend noch. Das nimmer geahnt du im Traume. Dann schlägst du zerknirscht an das reuige Herz, Dann wirst du voll Demuth dir sagen: ״Mein Bruder erträgt so unendlichen Schmerz, Unv ich wollte klagen und zagen?“ Doch weihe dem Elend nicht Thränen allein Und Worte, die labenden, süßen; Es stärke der Herr dich, zu enden die Pein, Es wird dich Sein Segen umfließen 1 Wenn dann du gelindert des Armen Qual, Wie wird eS prophetisch dir klingen: Vertraue! dein Vater entsendet den Strahl, Auch dir deine Nacht zu durchdringen! Wie dich der Erbarmer zum Boten geweiht. Das Leid deine- Bruders zu enden, So hält er schon Boten des Heiles bereit. Sie nahen — dein Glück dir zu spenden! — In des Unglücks Macht, in der Leiden Nacht Mußt nimmer du zagen und klagen; Der Erbarmer wacht; nun so eil' mit Macht. Den Trost in die Hütten zu tragen! In drn Stunden der Aoth. In den Stunden der Noth, Wenn Verderben dir droht, Da bebt deine Seele und schauert, Sie denkt voller Qual Ihrer Schuld ohne Zahl; * Sie trauert!