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Allgemeine illustrirte Judenzeitung · 1861-05-03 · 18 (3.5.1861) · p. Seite 140

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Journal
Allgemeine illustrirte Judenzeitung
Volume
2 (1861)
Issue
18 (3.5.1861)
Date
1861-05-03
Page
Seite 140 (sequence 4)
Language
German
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* 40 נ » sprochen, so war sie am allerwenigsten darauf gefaßt, in der AnschaaungSweise über die Emaneipationsfrage Ansichten, wenn auch nur vereinzelt, vorwalten zu sehen ^.welche von den voranlcuchtenden Beispielen und gesetzlichen Bestimmungen aller europäischen Staaten, in denen unsepe Glaubensbrüder als gleichberechtigt mit allen übrigen Bewohnern unbedingt ausgenommen worden find, so wesentlich vifferiren. Die Israeliten UngarnkSnnen und werden nie und nimmer ihre Hand dazu bieten, um zwischen Bruder und Bruder eine Demarcation-linie zu ziehen, fie müssen vielmehr jedes derartige Anfinnen mit Entrüstung von sich weisen. Wenn man die hie und da austauchenden Uebelstände in den Vordergrund schiebt, um ein solches Vorhaben zu beschönigen, — so vergißt man ganz die große Masse von Tugenden zu bewundern und anzustaunen, welche fich trotz tausendjährigen Druckes eben in den untersten Schichten unserer Glaubensbrüver so glanzvoll erhalten haben, und welche die ficherste Garankte bieten, daß bei Abstreifen rer Fesseln und bei der ausgehenden Freiheits-Sonste auch die etwaigen Schattenseiten bald verschwint^n werden- Die General-Versammlung glaubt daher in vollkommener Uebereinstimmung mit allen ihren Glaubcnsbrücern im 8aode^«u bandeln, indem fie gegen jedweve theil- oder klassenweise Emaucst»- tion ihren feierlichen Protest diesem Protokolle einverleibt. 14, Herr Präses bringt rie Frage zur Abstimmung, ob anläßlich!cs vorangeführten Zwischenfalls eine abermalige Einberufung der sammtlichen Gemeinde-Repräsentanten veranlaßt werden soll? Die Majorität spricht sich dahin aus, daß zu einer derartigen abermaligen Versammlung vor der Hand keine Veranlassung vorhanden sei, und dieselbe somit zu unterbleiben habe. 15. Nachdem bereitmehrere der erschienenen Herren Bettreter Pest verlassen haben, und ein Theil sich noch heute zur Abreise anschickt, so bringt Heir Präses die Frage zur Entscheidung, auf welche Weise die bereits gutgeheißenen Protokolle und das Protokoll der heutigen Sitzung authenticirt werden soll. Die Versammlung ermächtiget mit vollem Vertrauen mit der Ruthenticirung deS Protokolls den Herren Präses ussd Picepräses, die Vorsitzer rer Gemeinde Pest und die beiden Herren Schriftführer. -46- Herr Präses spricht seinen Dank der General-Bersammlnng auS für die würdevolle Haltung in den Beraihungen, ebenso dem Pester Vorstände für dessen umsichtige Beachtung der Zeuveroältnisse und Einberufung dieser Versammlung, endlich den Herren Schriftführern für eaS rasche Erledigen aller schriftlichen Arbeiten. Dagegen sprach Herr Oberrabbinrr Leopold Löw den Dank der General-Versammlung für Herrn Präses aus, der rie Berathung mit voller Würde und mit musterhafter parlemcntarischer Ordnung leitete, und somit wurde die General-Versammlung geschlossen. Dr. W. A. Meisel. Le»- Holländer. S. W. Schoßberger. M. A. Weiß. Ignatz Barnay. Le» Adler. Historische Frühlrngsmnnermlgen. Bon Dr. A. Sch «»iedl, Rabbiner u Proßnitz. III. V ie Sefirah. י־ ת ם לכם ממחרת השבת s י ס Wir baden in einem frühern Artikel bereits davon gesprochendaß in dem offenen, empfänglichen Sinn für die Natur und ihre Erscheinungen der Sohn Israels nicmals Andern nachstand. Ja, obschon der Hebräer in seiner Spracht für den Begriff Natur ursprünglick gar keine Bezeichnung kennt, *} so hat diese doch zu allen Zeiten einen begeisterten, tiefinnigen und sinnigen Bewunderer an ihm gefunden. *) Denn der Ausdruck טבע ward erst dem arabischen טביעה »achgebtldet, und wurde damit blo« die »atura!»iura», bezeichnet. (Vgl. hierüber Kusart I, 71; Ul, 23; V, 10. More I, 72.) Höchst eigeathümltch ist die folgende Etymologier לכך נקרא הטבע בשם הזה בי יטבע ד.«ודם ביון פעולתו וירד לבא- שחת אם לא יזהר בו, כסי שבא בפעולות ים ולא ידע לשונו ופובע, בן הארס קרוב שיסתפק פתוך חכמו־ת. הפבע באותו—. ומופתים שנעשו לישראל עיי פשה רביגו עיר. ולא יאמין רק הדברים הטבעיים המוחשים לעין. — (בחיי על התורה פ׳ מסעי)., Der neudebräische «««druck .שעי■ היחיד פיו) תולחח) ist dem griechischen <pv01g natura nachgebildet. Die ersten Blüthen, die er in dem Lenz- und Wundermonat Nissan an den grünenden Zweigen erblickte, legten ihm stets auf die Lippen eine Dankformel an Gott, ״der es an Nichts hat fehlen lassen in seiner Welt." Und wenn die Frühlingssonne ihren goldenen Strahlenregen erwärmend und belebend niedrrsendet, da erhob der jüdische Greis in Mitte des beengten GhettogaßchenS, daihm nur einen schmalen Streifen des blauen Himmels zu erblicken gönnte, zu diesem dankerfreut sein Auge, und La der Sprache der Propheten, die durch täglichen Gebrauch ihm geläufig war, recitirte er den bekannten Spruch: שמש ערקה ומרפא בכנפיה: — Und würdet ihr da diesen Greis gefragt haben, welches ihm die liebste Zeit des JahreS sei, er hätte sicherlich euch geantwortet: Die Zeit des jungen Frühling-, die Zeit von Prßach bis Schabuoth. Und dock ist diese so wunderliebliche Zeit, die nur geschaffen scheint, Freute zu wecken in allen Herzen, für den Sohn Israels nichts weniger als eine Zeit der Freude. Gerade in dieser schönsten der Jahreszeiten, wo die Erde ihr bestes und heiterstes Festkleid angelegt, werden düstere Grschichtserinnrrungen wach in der jüdisch fühlenden Brust. Ja, wem unserer Leser brauchten wir eS erst zu sagen, daß dieVSefirahtage eine Art Trauertage für den Sohn Israels sind? Mögen die geneigten Leser uns jedoch gestatten, hier einige von den düster» Geschichtserinnernngen hervorzuheben, die die Tage der Sefirah in uns anregen. Zunächst erinnern sie uns unwillkührlich an das Traurigste, das einem Volke widerfahren kann: die Zwietracht und Zerwürfniß im eigene« Schoße — an Sektirerei und Schisma im Herzen deS Einen Glaubens. Ja unwillkührlich erinnern sie uns an den SavukälsmuS. eben so wie an den Karäismus. Hatte dock eben rie Bestimmung der Sefirah, daist, die Festsetzung des Tages, von dem die Zählung bis zum Wochenfeste zu beginnen hatte, auch einen von reu Strcipunkten gebildet zwischen den Pharisäern und Satukäeru, *) wie später der Aaraiten gegen die Rabbaniten. **) Wohl ist es wahr, daß der Streit zwischen Peruschim und ZedilklM, dann zwischen Karäein und Rabbaniten auch manches Gute mit sich geführt hat. Der!Lenker der Völkergeschichte in seiner anbetungSwürdigen Weisheit weiß aber immer auch das Beste zum Guten zu lenken! — Denn eben gerade in Folge jener feindlichen Reibuugen im Schoße des Judenthumes sind geniale, wundervolle Geistesfunken aufgebsitzt; unv so wie die Stürme der Natur wohl die schwächer» Bäume niederbrechen. während die kräftigen Baumstämme ihre mächtigen Wurzeln in Folge der Stürme nur. um so tiefer in die Erde senken; oder wie die Kriege «ur altersschwache Nationen ihrer Vernichtung entgegenführen, während die starken und jugendkräftigen Völker nur um so gestählter und glorreicher aus den Kriegen her Vorgehen, — völlig so hat das Juventhum in Folge dieser innern Stürme und MeinungSkämpfe an Aufschwung, geistiger Ent- Wickelung und Kräftigung gewonnen. Wie beim Beginn res zweiten Tempels, in Folge der testrucliveu Tendenzen der Sadukäer, alle Männer von Kopf und Herz in Jeracl sich aufgcrüttelt fühlten, sich um das ererbte heilige Palarium kampfgerüstet zu schaaren, und so das bis dahin brach gelegene -Gesetzcsstudium jene wundervolle Rührigkeit entwickelte, der wir das großartige Schriftthum der Mischnah verdanken; — eben so hatten wieder nach Abschluß des Talmuds, als in den jüdischen Lehrsälen die scharfsinnigen halachischen Debatten immer mehr und mehr verhallten, an die Stelle des unermüdeten geistigen Schaffens und Weiterbauens die abgeschlossenen Thesen (הלבות פסוקות) der Saburäer traten, und die zu den Füßen der Lehrer sitzenden Schüler in geistigen Schlummer gesunken waren — da hatte wieder ver auftauchende Antagonismus des KaräerthumeS die in Schlummer gesunkene» Geister mächtig aufgerüttelt, Allenlte kampfesmuthig in die Rüstkammern von Schrift und Tradition, und mit den dlankesten Waffen der Bibelforschung, Grammatik, Eregese und Philosophie gerüstet, rnhete man nicht, bis das angreifende Karäerthum besiegt und gävzlick aus dem Felde geschlagen war. *) Bgl. hierüber Menachot 65 a; Megillat Ta'anit X, 2. **) E« ist die« der einzige Punkt, den der KarätSmu« mit dem Sadukät-muS gemein hatte, und der vielleicht mit betgetragen haben dürste, die Karäer mit de« Name« Sadukäer zu bezeichnen — eine Bezeichnung, gegen die jene so eifrig protestirte». (Vgl. Dock Mord’chai, cap. 3.)

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