Allgemeine illustrirte Judenzeitung
- Journal
- Allgemeine illustrirte Judenzeitung
- Volume
- 2 (1861)
- Issue
- 18 (3.5.1861)
- Date
- 1861-05-03
- Page
- Seite 139 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 92% known words query
- IRI
…/4884143-5427051-5427135--369-4884473- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
139 Übung poltt.-bürgerl. Rechte jedem Kleinhäusler nachstehen. SS wurde jedoch allgemein und einstimmig der Beschluß ausgesprochen, sich passiv zu verdaltrn und durchaus beim Landtage keine Petition einjubringen und zwar aus folgenden Motiven: ׳ 1-ten-. Ist die Gleichstellung der Ungarn mosaisch. Confession kein Akt der Gnade, um die man wohl bittet, sondern eine Frage deS Rechtes. drS bisher unverdienterweise vorcnthaltenen Rechtes und ist der Schmerz der Hintansetzung ein noch so großer, sind die Empfindungen der Ausschließung von dem Genüsse polit. Rechte noch so wehmüthig; noch viel niederdrückenter wäre die Schmach, wenn die Ungarn mosaischt^Coufession in diesem Lande um die Gewährung dessen bitten und betteln müßten, waS ihnen im Widerspruche mit den in ganz Europa zur Geltung gekommenen Grunkprincipien des Rechtes und der Gerechtigkeit vorenthaltcn wird — hat doch auch die ganze ungar. Ration in den letzten verhängnißvolle» ll Jahren unter dem Drucke der Entziehung all ihrer gesetzlich und historisch begründeten Rechte geseufzt, und sich dennoch durch keinen Schritt der Bitte erniedriget, sondern im Bewußtsein ihres guten Rechtes sich durch ein edles vassiveS Verhalten vor der ganzen Welk verherrlicht. . 2-tens. Sind die Ungarn mosaisch. Confession zu sehr überzeugt und durchdrungen von den erleuchteten und hochherzigen Gesinnungen der ungar. Nation und ihrer hier versammelten freisinnigen Bertrelcr, daß sie erst für nöthig erachten sollten, die ׳Aufmerksamkeit derselben auf die Unhaltbarkeir deS rechtlosen ZustandeS der Ungarn mosais. Confession hinlenkrn zu müssen. Die edle ungar. Nation, welche die Fabne der Freiheit und der Gleichberechtigung in allen Bestrebungen aüssteckt. kann es Angesichts von Enrop und deS über alle Vorur- »heile mächtig erhabenen Zeitgeistes unmöglich länger dulden, daß in ihrer Mitte eine Bevölkerung von 4M 000 Seelen, — welche sich als friedliche und strebsame Dolksklasse bewährt, zuin Sklavcnthum vcruriheilt sei. — Die edle ungar. Nativ r mit ihrem angcbornrn und bewährten Sinne für Freiheit und Rr..'tsglrichheit kann eswunmöglich mit ihrer Urberzeugung und mit ihr. Würde vereinbar finken, daß eine Glaubcnsgrnosscnschaft, welcher i> ch tausendjähriger harter Verfolgung und Unterdrückung endlich in allen civilisirten Staaten Turopa'S dir Pforten der Gleichberechtigung geöffnet wurden, nur in ihrer eigenen Mitte die Fesseln der Hintansetzung und der AuSschlicßung forttragcn solle. 3-tcns. Eine Petition, rin Memorandum, eine Vorstellung zur Erwirkung der polit. Gleichberechtigung der Ungarn mosais. Confcssion, was könnten sie Neues rnthaltrn, daS nicht schon längst desprachen und nachgewiesen worden ist. Sind dock die Acten über die Frage bereits längst geschlossen : sind doch alle Einwürfe deS Wahnes, des Aberglaubens, drS Vorurtheils und deS Hasses, welche bisher ihren finstern Kampf gegen die Zulassung der Israeliten zur bürgerl. politischen Gleichberechtigung führten, längst entkräftet, glänzend wider legt, und vor der Sonne des aufgeklärten Zeitgeistes in Nichts zerronnen! Könnten die Ungarn mosaisch. Confession etwa kräftigere und triftigere Motive Vorbringen, als es selbst die hochherzigen Vertreter und gefeierten Männer rer edlen ungarischen Nation in früherrr und neuestrr Zeit unaufgefordert, und nach ihrer innersten Urberzeugung ausgesprochen haben? Mir vollem Vertrauen und mit voller Beruhigung wollen es daher die hier versammelten Gemeinde-Repiäsenta ten den erlen Vrrtretern der ungarischen Nation überlassen, in tiefer Angelegenheit selbst die Initiative zu ergreifen, sie find kessen vollkommen überzeugt, daß der Landtag in seinen edlen Bestrebungen nicht säumen wird, den gerechten und begründeten Wünscheu ver Ungarn mosaisch. Confession bald, recht bald. Rechnung zu tragen, und sie aufzunehmen in die Schanzen der staatlichen Gleichberechtigung um bei E'füllung gleicher Pflichten mit den übrigen Bevölkerungoklaffen ein gleichbeger'sterteS Streben und. Wirken für vaS Wohl deS ideuern Vaterlandes bethätigen zu können, und darum wollen sie sich aller Schritte enthalten, welche nur angethan wäre», die hochherzigen Gesinnungen der erlen ungarischen Nation in ihrem hrUstrahleuden Glanze zu verdunkeln. Mit diesem einstimmig gefaßten Beschlüsse, der auch mit jener Meinung vollkommen übereinstimmt. welche die nicht erschienenen Gr-! mtin'Otn in ihren Zuschriften aussprechen, ist auch die Aufgabe dieser General-Versammlung erfüllt — und wird eS zugleich als Beschluß ausgesprochen, daß diese-״Protokoll im ganzen Umfange <m Drucke verössenilichet, jeder israelitischen Gemeinde mehrere Exemplare z»-rsendet, und eine möglichst ausgedehnte Verbreitung desselben durch das Präsidium veranlaßt werden möge. Fortsetzung am 18 April 1881. 10. Die Protokolle vom 16. und 17. d. M. werden verlesen und vollkommen gutgehrrßen. 11. lieber Antrag des Herrn Oberrabbiners Leopold Löw wurden die von den nicht vertretenen, und zum Thetl auch vertretenen Gemeinden ringelaufenen, «ub 5 speciell erwähnten Zuschriften nochmals ausführlich verlesen, und hat die General - Versammlung aus denselben die Ueberzeugung geschöpft, daß der Inhalt derselben mit ihrem gestern gefaßten Beschlüsse vollkommen übereinstimme. 12. Herr Präses bemerkt hierauf, daß zwar die eigentliche Mission rer General-Versammlung mit dem gestern aaSgcsprochenrn Beschlüsse erfüllt und erledigt sei. da jedoch Herr Dice-PräieS Leo Versammlung rntschrivrn, ob sie geneigt ist. die Mittheilungen dieser Herren aufzunehmen und in Verhandlung zu bringen. Dir Genrral-Dersammiung spricht sich für die Verhandlung aus. 13. Herr Leo Holländer ließ hierauf den in .Magyar Sajto" heute mit der Aufschrift rsiäo emancipatiö überschriebenen Artikel verlesen, und erklärte, daß mehrere daselbst angeführten That» sachcn nicht dem wahren Sachverhalt entsprechen, namentlich muß es dementirt werden, daß die Confcrenz bei Sr. Hochgeboren, Herrn Grafen Eduard Karolyi. über eigenes Ansuchen der iSrarl. In״ telligrn; in Pest stattgefunden habe — da die Zusammenkunft dort — durchaus keinen amtlichen, sondern nur rinen Privat-Charakter hatte, und mehr zufällig durch daS vom Herrn Grafen, dem Herrn JulluS Holländer gegenüber ausgesprochene Wohlwollen, ihm eim'ge Mjtgliec-er der eben hier versammelten Gemei'nde-Repräsentanten vorstellen zu dürfen, veranlaßt worden ist. Er muß eS ferner enischiedrn von sich und allen dort anwesend gewesenen Hksren zurückwrisen, als ob von irgend einem derselben die mindeste Andeutung zur Anbahnung einer thrilwriscn oder klaffenweisen Emanctpalion der Israeliten Ungarn's gegeben worden wäre, — im Gegentheil haben alle dort anwesend gewesenen Herren erklärt, auf diese dort erst gemachte Eröffnung :!i.cht oingchen unv in keinerlei Weise ihre etwaige Müwirkgng zur Organisirung eines derartigen Projektes rusagen zu können. Indem er nun die Dementirung des Zeitungsartikels sich und den dort anwesend gewesenen Herren in officirller Weise vorbehält, bittet er diese Erklärung auch diesem Protokolle einzuverleiben. Herr Oberrabbr'nrr Leopold Löw und Herr Präses Obrrrabbinrr De. Meisel bestätigen vollkommen die Erklärung des Herrn Vorredners und fügt Erstrrrr noch hinzu, daß seinerseits wohl von der Ersprießlichkeit eines ins Lrben zu rufenden allgemrinen CultuS- Vereins, * *) ebenso vom Herrn Obrrrabbiner vr M e i se l von den in Preußen bestehenden erscbDerenven gesetzlichen Normen für die Einwanderung im Allgemeinen ohne konfessionellen Unterschied Erwähnung geschehen, ohne dieses jedoch mit der beantragten klaff,״- weisen Emancipation der schon im Lande ansäßigen Glaubensgenossrn irgendwie in Verbindung zu bringen. wogegen sie nur die Einwirkung moralischer Mittel zur Beförderung der Civilisation und der Sittlichkeit auch ip den untersten VelkssSichten als die ausschließlich würdevollen gesetzlichen Hebel zur Beseitigung etwa vorhandener Mißstände empfohlen haben. Die Versammlung nimmt tiefe Mittheilung zur Kenntniß, und indem sie ihre Beruhigung darin findet, daß die ref,rir,»r,n Herren die Widerlegung dein dem ZeituiigSartikel entstellten SackverhalteS ihrerseits schleunigst zu bewerkstelligen übernommen haben, spricht sie ihr wahres Bedauern über diesen Vorfall aus. Wenn dieselbe in ihrem gestern gefaßten Beschlüsse ihr volles Verti auen auf die erleuchteten Gesinnungen der versammelten Herren Landesvertreter auSge- *) In der Erklärung d,s Herrn Oberrabbtner- Löw, welche die Ungar. Blätter brachten, heißt c- ״n,iv«1ü6e,> egyUi." (Kulturveretn.) Red. *