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Allgemeine illustrirte Judenzeitung · 1861-04-26 · 17 (26.4.1861) · p. Seite 134

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Journal
Allgemeine illustrirte Judenzeitung
Volume
2 (1861)
Issue
17 (26.4.1861)
Date
1861-04-26
Page
Seite 134 (sequence 6)
Language
German
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י 134 ״— Hirsch ist in Hamburg im I. 1808 geboren, bekleidete nach einander die Räbbinate in Oldenburg und Emden, ward 1847 als mährischer Ober-LandeSrabbiner nach Nikol-Hurberufen; verließ diesen Posten 1852 und lebt seitdem in Frankfurt a. M. als geistlicheS Oberhaupt der von der dortigen Hauptgemeinde lo-getrennten altorthodoxen Partei, unter dem Titel ,Rabbiner der i-raek.^ RrligionSgesellschafi.* AlS Schriftsteller trat H. 1836 mit ,19 Briefe über Indenthum von Ben Usiel" auf. welchem bald 1837 daS größere Werk: ,Ehoreb, Versuch über Jßroel'S Pflichten* folgte. In diesen Werken gab sich Hirsch sogleich als Vorkämpfer der altorthodoren Richtung gegen die Bestrebungen Ezeizenach'S, G e i g e r'S u. A. kund Außerdem erschienen »-׳hrere kleinere polemisch: Schriften gegen die reformistische Richtung, welchen Kampf er in der von ihm in Frankfurt herausgegebenen Monatschrist ,Jeschurun* unermüdlich fortsetzt. - Geist, Kraft und Beredsamkeit werden ihm von Freund und Feind;verkannt, wenn auch Diele mehr symbolifirenden Flitter als Tiefe in ihm finden. Wissenschaftllche Forschung ist ihm fteme, und an thalmurijcher Gelehrsamkeit ist ihm mancher seiner Gegner überlegen. Nichtsdestoweniger ist der Einfluß, welchen er durch Wort unv Beispiel übt, ein höchstbedeutenrer. Sein jüngstes Auftreten gegen den gelehrten Seminarvirector in BreSlau. vr. Z. Frankel, und dessen Werk: ,Hodegetik zur Mischnah* hat, wie bekannt, auch von Seite konservativ gesinnter Rabbtnen und Gelehrten herbe Rügen und Zurechtweisungen gegen ihn und seine Richtung hervorgerufen. Albert Cohn. t Lchlu». •׳) Indem Albert Cohn ׳eine Privatstellung der öffentlichen vorzog und darauf verzichtete, seine erlangte ausgedehnte Kenntniß der orientalischen Sprachen im Lehramte glänzen zu lassen, geschah dies nicht etwa in selbstsüchtiger Liebe zu den Annehmlichkeiten und 'Genüssen, die ihm da» Hau» und die Stadt, worin er lebte, boten. Er hatte blos rer grauen Theorie entsagt um die golrnen Früchte j>om grünen Baum des Lebens seinen Brüdern iu Nah und Ferne zu reichen; wozu ihn gerade scine Beziehungen in und zu der Familie reS Frer'herrn v. Rothschild so wie seine vorhergegangenen Studien in hohem Grave befähigten. Das Vertrauen, die Anerkennung und Würdigung, deren er iu genanntem weltberühmten Hause sich erstellte, machten ihn zum Anreger uud Vollstrecker der wahrhaft großartigen WohlthätigkeitSakte, wodurch diese» HauS, mehr als durch seinen Reichihum, unserlvfchkiche Denkmäler in den Herzen seiner GlaubenSbrüver sich gesetzt; und die Kenntniß der Zungen de- Ostens eröffnet»» der Menschensteundlichen Thätigkeit Albert Cohn'S einen größeren Wirkungskreis, als er gemeiniglich gegönnt ist, einen Wirkungskreis, ver von den Säulen de» Herkules bis zu ver syrischen Wüste sich erstreckt. — Wir beabsichtigen hier keineSwegeS eine genaue Darstellung der Reisen-Albert Cohn'S in Afrika and Asien, die alle nur das Wohl und Heil feiner Glaubensgenossen zum Zwecke hatten, noch eine Aufzählung seiner Leistungen daselbst, zu geben. Eiuige wenige Einzelnheiten mögen hier Raum finden. — Nachdem A. C. 1842 in Paris schon einen ,Verein für iSrael. Handw erkenn neu*, welchem 1845 ein ähnlicher für .Handwerker* folgte, gestiftet, bereiste er im Herbst drS lrtztgeaanntrn Jahre» ganz Algier, um über die Zustände der dortigen ISraelftea «nd die besten Mittel zu ihrer geistigcn unv politischen Hebung sich genaue Kenntniß zu verschaffen. Gelegenheit zur Anwendung dieser gewonnenen Kenntniß ״ward ihm bald darauf 1846, indem er von der Regierung %. Philtpp'S mit ver Ausführung ver Orvonnanz vom I. >845, betreffen» die Regelung der jüdischm Angelegenheiten in Algerien beauftragt wnrre. — Unter A. C.'S Leitung wurden Consistorien »rganisirt. Schulen ins Leben gerufen, und kann ohne Bedenken die vVllige Gestaltung der algerischen Juden zu ftauzöfischen Bürgern zum großen Tbeile sein Werk genannt werden. Cohn »achte noch wiederholen!- lich dieselbe Reise, dehnte dieselbe auch auf die Nachbarstaate» au». und sind außer seinen praktischen Leistungru für die Hebung der dortigru J-raeliten »och seine Berichte über dir Vorgefundenen Zustände werthvoll und schätzenSwürdig. — Ein anderer Schauplatz segensreichen Wirkens war daS heiltge Land und die heilige Stadl. CS ist bekannt, wie engltsche Missionäre das leibliche Elend eine» Theilrs der jüdischen Bevölkerung benützten, um den Abfall vom väterlichen Glauben zu fördern. Diesem rntgegenzutreten. bettachteten Montefiore und Elise Herz geb. v. Lämel als heilige Pflicht; der dritte im edlen Bunde ist daS HauS Rothschild, in dessen Aufttage, mit rastlosem Eifer, kluger Umsicht und ftommer Hingebung. A. C. herrliche Anstalten nnd Einrichtungen dort ins Leben rief: rin Spital, eine Leihkasse iür unverzinsliche Darleh— an Kunst- und Gewrrbetreibendc, eine Anstalt für Wöchnerinnen, eine Mädchenlehranstalt, Anleitung 40 junger Leute zu Handwerken and wöchentliche Brodvertheilung im Namen seiner Gattin. *) — Israelitische Schulen in Egypten und Eonstantinopel sind Cohn'S Werk, und wußte er überall durch seine Frömmigkeit und durch gemüthvolle Ansprachen dir Herzen für seine Unternehmungen empfänglich zu machen. — Die Thätigkeit Albert C v h n's in den letzten Jahren bei den Vorgängen in Marokko und den Verdächtigungen in Syrien ist den Lesern noch in lebhafter Erinnerung. — A. E o h n'S Wirken fand Unterstützung und Anerkennung selbst von Allerhöchsten Personen, so von Sr. Majestät dem Kaiser von Oesterreich wie nicht minder vom Sultan, der ihm in schmeichelhaften Dorten seinen Dank für daS auSvrückte, was er für da» Wohl seiner jüdischen Unterthanen gethan. In seiner zweiten Heimath, in Pari», bekleidet er die Stelle eine- ,Präsidenten der Israel. Wohlthätigkeit--Commission (k>re»id«-nt <1u vomite de bienfaisance israslite), in welcher Eigenschaft er manche ftommr und segensreiche Anstatt, wie das von R o r h s ck> i l d gegründete Hospital geweiht und geleitet, wie nicht minder aus eigenen Mitteln gestiftet und hervorgerufen hat. — DaS nimmerrastende.Streben für n'ru- .עבודד hat aber Cohn die Wissenschaft nicht vergessen lassen. Mit scharfem Auge ver« folgt er alle Bewegungen auf dem Gebiete der Geister, und manche- - wissenschaftliche Unternehmen hat ihm die endliche Realifirung zu verdanken. Wir nennen nur die Veröffentlichung des ״IesaiaS von S. D. Luzzato" und die Edition beS M o r e im Arabischen und iu ftanzvfischer Uebersetzuug von Munk. — Diese kleine Skizze genügt wohl schon, um rö zu rechtfertigen, wenn ein Franzose ihn unlängst genannt: ,den unermüdlichen Orga- ,nisator der Israel. ,Chariti' in Frankreich und der ganzen Welt, ,der als ftommer Missionär jederzeit bereit, für die Sache unserer ״verfolgten Brüder einzustehen und ihnen die Freundeshand zu die- ,ten, um sie zu erheben in den Augen ver anderen Völker und in ,ihren eigenen Augen* (fi.he Nr. 13 d. Bl.. Seite 99). Gewiß würde der Antrag im ,B. Chan." Nr. 15: .den hochverdienten Albert Cohn zum Ehrrnmirgliede aller ungarischen Gemeinden zu ernennen" — wenn er in der stattgehabten Versammlung jüd. Gemeiude-Repräsentanten zur Berathung gekommen wäre — vollstimmtgen Anklang gefunden haben. — V»st. (Privatmilheilung.) Vor 3 Jahren hatte bekanntlich der israel. Großhändler, Herr I. Leopold, in der Generalversammlung des Pester bürgl. privil. HandelSftandeS den Antrag gestellt: ,daß nach dem Hinzutritt der iSrakl. Kaufleute nunipehr drei Borsteher, darunter rin JSraelite, gewählt werden sollen, und daß in den einzelnen Sbtheilungen stet» wenigstenelu J-faestte an den Berathungeu theilnehme. — Der Anttag wurde seiuex Zeft gebilligt aber nur nach seiner 2. Hälfte verwirklicht. — Am 17. d. M. kam nun Herr Leopold auf diesen Anttag zurück. Dankbar anerkennend, daß die J-raelitea seit ihrem Eintritte in da- Gremium keinen Grund über Zurückweisung zu klagen harren, wies er doch' auf die schiefe Stellung hin, in welcher sich gegenwärtig die Juden in unserem Da- *) Stehe I. Reich'« ״Beth-ri" II. •) Siede Nr. 16 ״!ur Abbildung." T

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