Allgemeine illustrirte Judenzeitung
- Journal
- Allgemeine illustrirte Judenzeitung
- Volume
- 2 (1861)
- Issue
- 15 (12.4.1861)
- Date
- 1861-04-12
- Page
- Seite 118 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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—־•** 118 י atu den Skandal herbeiführea. daß seine fanatischen Anhänger mit ihm den Tempel verlassen, und ihre Kinder sogar der Schule entzoge« haben. So tveit har es endlich ein Seelsorger gebracht, daß er, anstatt jede Friedensstörung mit Kraft zu unterdrück« n, nur ״Risckuß" und Cdilul Hasche« auf daS H upt der hiesigen Gemeinde geschleudert hat; «eßtvegen jeder ehrenhafte Jude nur den Stab über diesen sogenannten ״Jißroel'-Menschea brechen wird. (— i— KSrmeod, 22. März. Geehrter Herr Redakteur! In Würdigung einer der Tendenzen Ihres gesch. Blattes, auch daS heilige Interesse unserer jüdischen Schulen zu wahren, hoffen wir, daß Sie die Aufnahme dieser Zeilen uns umsoweniger verweigern werden, als dieselben bestimmt find, Ehre zu geben einem Manne, dem Ehre gebührr. Es ist dies eia Lehrer unserer Gemeinde, Herr A. Dresbuer, der seit 1. Mai v. I.. an welchem Tage eine 3klasfige Schule hier eröffnet wurde, an derselben fungirt und durch seine Leistungen die Sympathie sämmtlicher Gemeinreglirder sich bereits erwarb. — Ueber alle Erwartung jervch ist die heute Vormittagvon 8 bis 12 Uhr aus den sämmtlichrn Lehrgegenständen ftattgrhable Prüfung ausgefallen. Nicht nur voir benanntem Herrn Lehrer, sondern auch von Sr. Ehrwürden, dem hiesigen Rabbiner und noch andern Prüfungsgästen wurden Fragen an die Kinder gestellt, unv so kurz und bündig, so deutlich und präcis von den Geftagten beantwortrt, daß alle Anwesenden darüber ganz entzückt waren, und nur mit Ausdrücken rer größten Zufriedenheit das Prüfungszimmer verließen. Wir aber glauben uns einer der angenehmsten Pflichten zu entledigen, indem wir dem wackern und berufstreueu Lehrer, Herrn A. Drrsb-ner, öffentlich unfern innigsten Dank aussprechen. Mi! diesem Danke vereinen wir nur noch den Wunsch, daß unsere Gemeinde, bei rer diesmaligen Wieverbesryung der andern zwei Lehrersttllen-, durch welche auch unserer vaterländischen Sprache Rechnung getragen werden soll, eine eben so glückliche Akquisition mache! dann sind wir zu rer angenehmen Hoffnung berechtigt, daß unsere Schule bald blühen werde. Mehrere Gemeindrmitgliever. — <1. Prag. (Verspätet.) Zwhi heiße Wochen siuv an uns vorübergegangen, in welchen die hiesigen Gemeindeglirver zu beweisen hatten, ob bei ihnen ras czechische oder das deutsche Element prärominire oder prävalire, oder ob sie sich so recht in der Mitte zwischen beiden Elementen zu bewegen verstehen. — Die Gelegenheit, dazu boten die Wahlen im Stadtvcrorvneten-Collegiuin und zum Landtage. Bei erster« zeigte sich ein bedeutendes Hinnrigen zur czechischen Partei, wenn auch die in der Josephstart gwählten Männer zumeist der sogenannten Mittelpartei avgehörten. Die Wahl siet^auf Herrn Gustav Kischl, Fabrikanten, Herrn Dr. Gitschin, bisherigen Stadtverordneten, Herrn Wolfgang Löwenfeld, kais Rarh, Assessor beim Prager Handelsgerichte und Herrn Dr. Friedrich Wiener, Advokatcn. Außerdem wurden noch in der Altstadt gewählt Herr Joseph Lippmann, Lanquier, von der czechischen unv Herr Leopold Edler v. Portheim, Fabrikant, von der Mittelpartei vorgeschlagen; endlich wurde auf vcr Neustadt rer von der czechischen Purtei vorgeschlagene und prokegirte Herr Fabrikant Mar Dormitzer gewählt. Es sitzen nun im Startverorkne.cn-Collegium sieben Israeliten, eine Zahl, die, wenrr man raS Verhältniß rer israel. zur christl. Bevölkcrung in Betracht zieht, eine mehr als genügende. Offen gestanden, muß man kiese vrrhältnißmäßig größere Zahl dem größer« Einflüsse rer czechischen Parteiführer zuschreiben, denen ihre Parteigänger aufs Wort glauben: erster? haben auf der Altstadt Joseph Lippmann und aus detMrustadt Mar Dormitzer in ihre Eanrivatenliste aufgenommen, und beide wurden auch in rer Hauptwahl mit bedeutender Stimmenmehrheit, demnach zumeist von christlichen Wählern gewählt. Ueber die Agitationen, welche zu diesen Wahlen in der Josephstadt flattgefunden. muß uns jeder Bericht erlassen werden, eS möge schmutzige Wäiche an einem andern Orte ausgewaschen werden; auch über die Agitationen bei den Landtagswahlen werben wir nicht viel berichten, da sie den Lesern »heilweise aus andern öffentlichen, den sogenannten großen Blättern bekannt sein dürften. Daß der Redakteur des ״Tagesboten aus Böhmen" sehr viele Chancen dafür hatte, in der Jofephstadt zum LandtagSdeputirten gewählt zu werden, ist ebenfalls bereits den Lesern der ״Allg. illustr. Juden,." bekannt; es ist also nar noch zu erwähnen, daß er dam« nicht durchgedrungen, weil — nicht etwa einzig und allein sich die Wähler durch Branduud Drohbriefe und vaS Verhältniß K u h's zur czechischen Partei iuS Bockshorn jagen ließen, sonveru «eil der gewählte Deputirte Herr Dr. Ludwig Tedesco (von der deutschen Partei vorgeschlagen) eine so bedeutende Menge Agenten hatte, daß sie den Wählern die gerade nothwrndige Anzahl Stimmen, aber auch nicht Eiue mehr, abzuringeu, mancher erzählt auch, abzuschwatzen wußten. Das Jnteressante dabei ist, daß diese Agenten genau wußten, wie vieler Stimmen der Eanvidat noch bedurfte, um die absolute Majorität zu haben; doch — der Gewählt ist eia Ehrenmann und darum wollen wir solche erlaubte Kunstgriffe gern gelten kaffen; der zweite Canvidat. welcher mit bedeutender Majorität gewählt wurde, ist Herr Leopold Ritter v. L ä m m e l. Wir leben hier in der angenehmen Hoffnung, daß das israel. Element bei unserm Landesparlament würdig vertreten sein wird, um so mehr, da außer den genannten Herren noch von der Pilsner Handelskammer Herr Joseph W. Fürth,. Fabrikanr in Strakonitz, gewählt wurde; und während wir diese Zeilen schreiben, dürfte auch der genannte Redakteur, Herr Kuh, bei den Nachwahlen von einem Lanrbezirke als Deputirter gewählt sein. Und nun ein oder einige Worte an den wackern Vertheidiger der Auslassung unserer iSrael. Hauptschule. Als wir jenen Brief in Nr. 8 der ״Allg. illustr. Judenz." schrieben, welcher bei dem größten Theile der hiesigen israel. Bevölkerung eine warme Aufnahme gefanden, wußten wir, daß unsere Repräsentanten der Cultusgemeinde einen Lagueronniere finden werden, *) der für das Zweckmäßige ihres Gkbahreus in die Schranken treten wird; aber daß es in so schwach motivirter, so leicht über den Haufen zu stoßender Weise geschieht, wie in Nr. 12 d- Bl., hätten wir wahrlich nicht g'dacht. Wir danken der geehrten Redaktion dafür, daß sie in ihrer Nachschrift für unsere Ansichten zum großen Theile einstehk. so wie wir Herrn S. S. i. E. danken, daß auch er ״viel Wahres" in unserer Ansicht gefunden. Wir aber glauben uns entschieden dafür aussprechen zu müssen. daß das jüdische Kind nur die rein konfessionell jüdische Schule nöthig habe; ״den Bortheil, daß die Heranwachsenden Bürger in rer Schulbank gleichsam das harmonische Zusammenleben sich allmählig aneignrn', — den Vortheü darf man den jüdischen Kindern erst bieten, wenn sie in ver Religion ihrer Väter sich vollkommen befestigt haben, und im Stande find, allen Verlockungen genügend zu widerstehen, so wie allen vielleicht zu erduldenden Kränkungen mit erhebendem religiösem Gefühle den genügenden Grad von Resignation entgegen zu halten-, und darum wird die specisisch - jüdische Schule ein ewiges Bedürfaiß für jüdische KU ver bleiben und darum genügt es bei Kindern nicht, wenn blos ״für einen dem Geiste des Judenthums entsprechenden RrligionSunterrich:" Sorge getragen wird. Wenn aber ver Lagueronniere der Eultusreprasenkanz rer hiesigen Schule den Vorwurf macht, daß sie nickt vom jüdischen Geiste durchweht sei, daß nicht das Wort Gottes in der heiligen Ursprache in derselben gelehrt werde, ja daß nicht einmal das Hebräisch ° Lesen in derselben gelehrt werde, so fragen wir - Wer trägt die Schuld, daß die Schule nicht so ist, wie sie sein soll? — wer ander« als die Repräsentanz der hiesigen Cultusgemeinde! Es bat einst eine Zeit gegeben, wo die hiesige Schule Musteranstalt genannt werden konnte, an welcher die hebräische Sprachlehre gelehrt, an welcher Bibel tm Urterte den Kindern beigebracht wurde, beides fteilich zufolge der damaligen Verhältnisse nur als außerordentlicher Gegenstand — daß aber mit diesem Unterrichte auch die gute Zeit der Schule verschwunden, verschuldet allein die Cultusrepräsentanz. Eingedenk ihrer Mission, die in dem Worte ״Cultus" ihre eigenlliche Bebeulung findet, hätte sie mit all' ihrer Kraft für das Wesen des Cultus, für die Hebung desselben, und für alles was auf denselben irgend einen Bezug bak, einstehen sollen; allein dergleichen gesebah wenig, oder gar nicht. Der grüne Tisch in der Bel e l e s gaffe wurde von Männern eingenommen, die in ihrer Mission eine politische Bedeutung wähnten. Von diesem Standpunkte auS br- '1 Der Verfasser des Aufsatzes in Nr. 1צ der ״ALg. illustr. Juden,.", He. S. S. t. E., stebt, da« können wir versichern, durchan« in keiner Be»ie bung zur Lul1u«gem.-Repräsentanz in Prag. Red.