Allgemeine illustrirte Judenzeitung
- Journal
- Allgemeine illustrirte Judenzeitung
- Volume
- 2 (1861)
- Issue
- 15 (12.4.1861)
- Date
- 1861-04-12
- Page
- Seite 117 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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£e war tm I. 1389 unter der Regierung Wenzel des Fanlen. als eia zügelloser Pöbelhaufen einen wilveu Sturm gegen die Judenstadt unternahm. Die Juden sollten ihre» Glanben abschwören oder sterben. Urberrascht und zu schwach, fich der Ueberzahl entgegen zu stellen, floh ein Haufe von Greisen, Männern, Weiber» und Kindern in die Altneusynagoge. Die Wüthenden folgten, die Thüre ward erbrochen, und da auch nicht einer seinen Glauben »rrlaffrn wollte, so wurden sie alle — Kinder vor den Augen ihrer Mütter, Väter vor den Augen ihrer Söhne — alle, alle schonungslos niedergemrtzelt, und das Blut der Unschuldigen spritzte, ein reines Opfer, au de» Wänden des Gotteshauses rmpor. — ES ist merkwürdig, daß fich dieses ehrwürdige Gebäude bet den FeaerSbrünsten, von welchen die Judenstadt verheert wurde, un« versehrt erhielt. Der fromme? kindliche Glaube deS Volkes will währrnd der FeuerSbrunst deS I. 1558 zwei weiße Tauben auf dem Gipfel dieser Synagoge gesehen haben, die erst nach dem gänzlichen Erlöschen des FeuerS, alS die Altneuschule eines besonder» Schutzenicht mehr bedurfte, fich in die Lüfte emporschwangen und bald in den Wolken verschwanden. — (Nach PascheleS Sippurim.) Pr-t. (Zur bevorstehenden Versammlung jüd. Gemeindedeputirten.) I. Die große, seit lange so heiß ersehnte Stunde, fie hat geschlagen. — Versammelt find die Männer deS Vertrauens eineganzen Volkes, die Erkorenen der edlen ungarischen Nation. Was seit Jahren am Wohle deS Landes genagt, waS daS Herz und Gefühl eine- Freiheit liebenden Volkes verletzt, zerrissen, eS muß weichen dem Worte derer, die im Namen der Beleidigten, der Verletzten zu handeln berufen find und an dessen Stelle tritt, wäs eines edlen Volke- Wohl befördert, was der Freiheit, die ein jedes seiner Glieder beseelt und durchglüht — würdig ist. Es war solche Zeit schon zu wiederholten Malen da, wo Ungarn in Ketten erwachte, in Fesseln der politischen und socialen Sklaverei, dir es aber mächtig abschüttelte und den Drängern zu Füssen warf, fich dafür mit dem Bande der Eintracht kettend, und mit den Fesseln der brüderlichen Liebe umwindend. Die Zeit war schon zu wiederholten Malen da. Doch hatte Ungarn für die politische Sklaverei politische Freiheit und unabhängige S e l b st regierung, für die sociale Knechtschaft Gleichheit und Brüderlichkeit eingetauscht; — so »hat es diebisher nicht vollständig. Denn wo ist politische Freiheit, wenn ein Theil der Nation geknechtet, weil politisch rechtlos ist; wo ist Gleichheit und Brüderlichkeit, wenn ein integrirender Bruderstamm den anderen glücklicheren Stämmen in jeder Beziehung nachstehen muß. Und politisch geknechtet ist der Jude bisher, und den anderen integrirenden Stämmen muß der jüdische nachstehen, unterstehen! Dies ist auch eines der Uebel. die am Wohle des Landes ge« nagt, die da- Herz und Gefühl einewahrhaft freien Volkeverletzen müssen; auch dieses soll, muß, wird dem Machtworte de» Landtages weichen. Doch wie seid ihr, Juden Ungarns, bereit, den großen Akt der Gleichberechtigung entgegen zu nehmen? Ihr seid im Innern uneinig, zerklüftet, in Parteien zerspalten. Da herrscht Hader und Zank in euren Gemeinden wegen der Vorstände und Rabbinen, dort löst ihr eine der, im menschlichen Leben überhaupt, tm jüdischen insbesondere, kostbarsten Anstalten, d i e S ch u l e auf. Nichts FrsteS ist bei euch, nicht- Geregelteuud Beständiges! Paul e. Ailahy. ä. Die Wiederkehr deS Tage-, an welchem Graf Stephan Sz^chenyi, unsterblichen Andenkens, zur tiefsten Betrübniß der gesammten ungar. Nation seine irdische Laufbahn geendet, wurde auch im großen iSrael. Tempel mit einem würdigen Trauergottesdienst gefeiert. Ein Psalm und daS bei Trauerfeirrlichkeiten Übliche liturgische Stück wurden vom Eantor und Chor vorgetrage» und Herr Ober-Rabb. Dr. W. A. Meise! hielt eine der Bedeutung deS Tages entsprechende Predigt, in welcher er mit gewohnter Beredsamkeit daS Wirken degroßen Todtr» hervorhob, und die auf die ungeheure Menge, welche den Tempel füllte, den tiefsten Eindruck machte. — Zum Schlüsse wurde da- Szüzat gesungen. — Am selben Tage. 8. April. versammelte» fich die Mitglieder de- ״Izraeliu magyar egylet" Nachmittag- 3 Uhr in den Berein-localitäteu zu einer Trauerfeier und wurde» nach einer Eröffnungsrede de- Herrn Präfidenten Dr. Rozsay Gedichte uud Denkreden von den Herren Dr. Mezet, S. Brody, A. Dur. K. Groß und dem als.Gast anwesenden Ehrenmitgliede de- Vereine-, Herrn Rabbiner Stein-- hard aus Arad vorgetragen. Eine Rede deS Dr. M. Munk und die Abfingung deS Szäzat schloffen die Feierlichkeit. J. B. Sonntag den 7. d. M. fand die Generalversammlung deS ״Israelin» magyar egylet" und die Wahl einedefinitivm AuS» I schusseS statt. Zum Präses wurde Herr Dr. Rozsay gewählt. — Den Ehrenvorsitz in der Versammlung führte der ehrwürdige Rabbinrr in Arad, Herr I. Steinhard; das Ehrenpräsidium de- Vereinewurde dem vormaligen Reformprediger Herrn Horn in Paris übertragen. Ä-ornsxondenz. Stuhlweißeuburg» im März. (Verspätet.) Kaum ist von einem Zweikampf zwischen Gemeinde und Rabbiner berichtet worden, und schon ringt abermaleine Gemeind.e über eine ähnliche Wunde die Hände. Unser Herr Rabbiner, Dr. Gugenheimer, der als Seelsorger die Worte: ״der Herr segnet sein Volk durch Frieden" stets vor Augen haben sollte, scheint zu vergessen, daß das theuerste Gut Israel- Friede und Eintracht sei, uud ließ sich von Böswilligen dahin bringen, daß aus den bereitseit längerer Zeit herrschenden Wirren nun eine förmliche Spaltung Platz gegriffen hat. In einer am 7. d. M. vom löbl. Stadtmagistrate angeordneten Sitzung, die der Herr Stadlrichter E. Z sä mb Sri mit tief eindringenden Worten eröffnete, kamen die Gemeindestatuten zu Verlesung, deren Ausarbeitung in einer Gemetndefitzung 14 Tage vorher solchen Individuen anvertraut wurde, die nur daS Wohl der Gemeinde zu fördern streben. Don beiden Parteien wurde die erste Abthrilung der Statuten mit größter Bereitwilligkeit angenommen, und schon freuete -flch jede- Gemeindemitglied, daß vie Herzen der seit lange sich feindlich gegenüberstehenden Brüder ein FriedenSband verknüpfen werde. Wie sehr wurde aber unsere freudige Hoffnung bald in Bitterkeit umgewandelt, als der andere die Synagogenordnung betrefsende Theil verlesen wurde! Unser Hirsch'scher Jünger fing an schrecklich zu faseln, und bestand auch jetzt hartnäckig darauf, daß da- Htnweglaffen deS Nrkom l'enenu, der schwarze Vorhang am 9. Aw, da- Lesen der Haftorah durch den Cantor, unsere Religionssatzungen verletzen. Daß nun obige Einrichtungen seit lange auch in andern Gemeinden bestehen, darüber wurden unserem Ehafib Gutachten von anerkannten Rabbinern vorgelegt, darunter auch vaS Gutachten des ehrwürdigen Herausgebers dieser Blätter, welcheer mit den Worten niedrrdonnerte: ״Ein Rabbiner, der den Sabbat durch das Orgelspiel entweihen läßt, dessen Gutachten ist durchaus nicht maßgebend, und er könne darum kein Haarbreit vom Sch. A. weichen." Als hierauf unserem Ehaffid der Vorwurf gemacht wurde, warum er also im Tempel die Trauung vollziehe? da ward, er beinahe schamroth, daß er keine Sylbe zu antworten im Stande war, bis geschwind ein ähnlicher fanatischer ״Lamdan" mit einem ״Hetter" zur Hand war; eben derselbe ״L a m d a n", welcher im vorigen Jahre bei Gelegenheit der Berhrirathung seiner Tochter fich nach einem Dörfchen begeben, um dort die Trauung unter freiem Himmel »ollztihrn zu lassen. Unser verehrter Herr Stadtrichter, die Willkühr und den Fanatismus dieser Leutchen erkennend, suchte die aufgeregten Gemüther zu besänftigen, auf seine Ermahnungen gab die eine Partei der andern in mancher Beziehung nach, die Sitzung wurde geschloffen und die feindlichen Brüder schienen mit einander auSgesöhnt. Jedoch unser Rabbiner war wohl über den hergestellten Fn'eden herzlich betrübt, denn er benützte den darauf folgenden Sabbat um durch eine Kanzelrede fernere FriedenSstörungen hrrvorzurufen, indem er die Majorität zu Götzendiener» stempelte und seine Abdankung ankündigte. Seine Resignation wurde von Pen Meisten mit voller Freude ausgenommen, und schon trösteten wir u»S damit, unseren Romantiker aus unserer Mitte scheiden zu sehen, aber er wollte fich zu unser« Leidwesen von hier durchaus nicht lossagrn, sondern,