Allgemeine illustrirte Judenzeitung
- Journal
- Allgemeine illustrirte Judenzeitung
- Volume
- 2 (1861)
- Issue
- 15 (12.4.1861)
- Date
- 1861-04-12
- Page
- Seite 116 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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116 M Unk »adie ernstere Schwester der Poesie, die Philosophie, betrifft, so haben die jüdischen Forscher den Arabern nicht nur ihre philosophischen Systeme entlehnt, nnd dieselben in Saft nnv Blut in sich zu umwandeln gewußt — wie z. B. der KelLm der Ara« ber sich ganz ju den Juden hinüber verpflanzte, so daß die beiden Gaonen 31 Saadia und R. Hai selber Mutakallimin genannt wurden — sondern, und eben diehaben wir hier vorzüglich im Sinne, die bedeutendsten philosophischen Werke der spanischen Araber haben sich im Originale fast gänzlich verloren, ja, es ist in der Sprache, in der sie geschrieben wurden, fast keine Spur mehr von ihnen vorhanden, doch zum Glücke hatten die Juden dieselben ins Hebräische übertragen, und auS Spanien vertrieben, mit sich geführt und derart Spanten-״ edelste Kleinodien sich und der Welt erhalten. Al-GazLli zum Beispiel, unstreitig einer der größten und gefeiertsten spanischen Araber, schrieb bekanntlich eine Menge philosophischer Werke, darunter jedoch folgende zwei hochobrnanstehen: MakLfid al-Fal-fifa (.die Bestrebungen der Philosophen") und Tehgfot al-Falüfifa (.das Uebereinanderstürzen der Philosophen"). Allein von diesen beiden für die Geschichte der Philosophie so hochwichtigen Werken besitzen wir kein einziges arabisches Original mehr, sondern sie find uns nur durch hebräische Uebersetzungen erhalten worden. Ganz dasselbe gilt von dem noch viel größern und berühmtern Forscher Jbn-Rofchd oder Averrhovs, da auch dessen Werke zumeist nur in hebräischer Uebersetzung vorhanden find. Ja, in allen muselmännischen Ländern hatten zu einer Zeit, wo aiber die Philosophie von Staatswegen ein unerbittlich strenges Ketzergericht gehalten wurde, die philosophischen Schriften, um sich vor dem sichern Feuertode zu retten, ihre Zuflucht zu den Söhnen Israelgenommen, die dieselben, um sie vor allen Verfolgungen sicher zu stellen, entweder in- Hebräische übersetzten, oder auch in der Originalsprache ließen und nur die arabischen Buchstaben mit hebräischen vertauschten. — ZV AüMmg. Die Alt»e«sy«agoge in Prag gehört bekanntlich zu den alterthümlichsten Sehenswürdigkeiten der monument- und sagemekchv» Stadt; und schwerlich verlaßt ein Tourist die Metropole Böhmen-, ohne dieses rin Jahrtausend alte israelitische Gotteshaus besucht zu haben. — Bielfach find in Poesie und Prosa die zahlreichen Legenden bearbeitet worden, welche an dieses Gotteshaus sich knüpfen, in welchen zumeist die Riesengestalt des hohen Rabbi Lob hervorragt. — Hier möge einiges Wenige von der Erbauung dieser Synagoge Platz finden. Die Altneusynagoge ist nächst der Synagoge zu WormS, wo sich schon zur Zeit des zweiten Tempels eine Jubengemeinde aufhielt, das älteste BethauS in der Iudenheit. — Einer alten Ueberlieferung zu Folge soll zur Zeit des zweiten Tempels auch an der Stelle, wo jetzt Prag steht, schon eine blühende Stadt und darin eine Judengemetnde eristirt haben, die Stadt aber später zerstört und die Einwohner vertrieben worden sein. — Mag diese Angabe nur der Mythe angehören. allenfalls werden die Juden in Böhmen schon zurzeit de- Heidenthums gefunden; ihre spätere zahlreiche Einwanverung soll im I 850 unter einem der nächsten Nachfolger der Libussa stattgefunden haben, und schon der älteste Chronist Böhmens, Cosma-, erzählt von der kräftigen Unterstützung, welche die Juden dem Herzog H o st i w i t im Kriege mit den Deutschen geleistet haben. dass leur orgueil national et daas les passioas ralgaires; 1U ont eu an moyen jge, surtoat ta Espagae, an nombre prodigieax de Tersifieatean; mais on troare rarement dant lean podsies >e soaffle divin , les seatnnents grands et geaereax. Le« poetes jaifs, nonrris de la leetnre des prophetes et des poetes sacris de l’antiqaite, troaraient dans les soarenirs da passe, daas les souSrances da present et dans les esperances d’ua glorieax areair, des inspirations ▼arides qai maaquaient aas Anbei. Les podsies arabes sollt essentiellement locales; pour les bien apprdcier, il faat pouroir «e transpoiter dans les temps et les lieax, qai lear ont donne naiasance. La podsie des juifs a an caractere plas anirersel; lears elegies, empreintes d’ane sombre mdlancolie; lears hymnes et lears prieres, qai respirent le plas profond Sentiment religieax et an« toachante resignatioa; lears legons de morale et de Sagösse, recueillies an miliea des rnines et des tomeeaax, troareront da ressentiment dans tont« les coears; car il y a la des pensees et des emotions poar les hommes de toas les pays et de toas les siecles.“ (Melange! etc. pag. 159.) Die erste Synagoge der Prag» Judengemeinde war wie die meisten Häuser au- Holz gebaut. Als aber die Prager Judenschast sich so vermehrte,' daß die Andächtigen nicht mehr Raum im Gotteshanse fanden, waten, im I. 4690 n. Ersch. d. 8., d. i. 929 der üblichen Zeitrechnung» die Vornehmsten der Gemeinde zusammen, und beschlossen eine schöne, große Synagoge an- Stein zu erbauen. Ein öder Hügel in der Indenstadt, von Steinhaufen, Gestrüpp und halbverfanlten Bäumen überdeckt, sollte geebnet, und auf demselben das neue Gotteshaus erbaut werden. Bei dem Umgraben dieses Hügels stießen die Arbeiter auf mehrere ganz unversehrte Mauern ans weißen Quadersteinen, welche die Wände eines alten Gotte-Hausezu sein schienen. Diese Bermuthung wurde zur Gewißheit erhoben, als man eine hellige Schriftrolle auf Hirschpergament und einige Gebetbücher in hebräischer Schrift vorfand. Zu jener Zeit waren gerade zwei Abgesandte der Gemeinde zu Jerusalem in Prag, welche Geld zur Unterstützung der Armen in der heiligen Stadt sammeln sollten. Da dies Männer von ansgezeichneter Weisheit und tiefen talmudischen Kenntnissen waren, so wurden sie beim Bau von der Gemeinde, deren Rabbiner ein großer Talmudist, Namens Rab Chtsde war, um Rath gefragt. Man war besonders darüber tm Zweifel, was man mit den Slrinen der aufgefunkenen Mauern machen sollte. Die beiden Jerusalemitrr aber sprachen: Es müssen bestimmt hier schon zur Zeit dezweiten Tempels Juden gewohnt und dieses Gotteshaus gebaut haben. Da nun diese Steine einmal dem heiligen Zwecke geweiht und auch noch gut erhalten und brauchbar sind, so soll «an diese Steine zu dem Neubau verwenden. Dann rathen wir Euch auch., diese Synagoge, wie jene in Ttberias, das ist. nach dem Bilde des heiligen Tempels in Jerusalem zu bauen. Mögt Ihr daher auch die Fenster שקופים *מומים (1. B. d. Kön-, Cap. 6) machen. DaS mächtige Gewölbe werde durch zwei Säulen getragen, und einige Stufen sollen in daS Innere der Synagoge führen, die tiefer liegen soll, da es heißt: Aus den Tiefen ruf ich zu dir. o Herr! — Einige meinten zwar, es wäre dieeine Entweihung der Hei» ttgkeir dejerusalemitischen Tempel-, endlich stimmten alle den Fremden bei, und die zwei Palästinenser verließen Prag, beladen mit reichen Gaben für die Armen der heiligen Stadt. — Zur Ausführung des Baues wurde ein sächsischer Architekt, Namens Lirensky, berufen. Der Bau ging schnell von Statten, und schon zwei Jahre später, am Schebuothfestr im I. 931, wurde die neue Synagoge feierlich eingewetht. Man nannte diese Synagoge deshalb die Alt- »enschul, weil die.neue Schule aus den Steinen der alten gebaut wurde. *) Die Altneusynagoge ist in dem gothisch - germanischen Styl gehalten, welcher die mittelalterliche Architektur in Europa charakterifirte, und in seiner vollkommensten Ausbildung in Deutschland zn finden ist. Man kann schon von außen drei Thetle unterscheiden; die Männersynagoge, jene für die Frauen, und ein kleines Betztmmer/ in welchem zumeist der Gottesdienst für jene abgehalten wird, welche verhindert find, die Synagoge zur Zeit des allgemeinen Gottesdienstes zu besuchen. Die zwei letztern Theile, namentlich aber die Frauensynagoge, scheinen einer spätern Zeit anzugehören. Der Eingang befindet sich an der Südseite und einige Stufen führen in das Innere. An dem Innern des Gebäudes sind durchaus keine wesentlichen Veränderungen vorgenommen worden, **) und rin Jahrhundert hat die Mauern in das tiefste Schwarz gehüllt. Da in mehreren Versen der Namen Gottes an den Mauern angeschrieben ist, durften die Wände nie übrrtüncht werden. Aber auch dieser Jahrtausend alte Staub ist dem-Juden eine heilige Vergangenheit, denn an den Wänden hastet das Blut seiner Baker, das sie willig für ihren Glauben verspritzten.!_ ן *) Einige geben dem Namen einen hebräischen Ursprung ai Tnaj (Sy . *תגא) bedingungsweise. j **) 3m I. 1784 wurde die hölzerne mit vergoldete« Schnitzwerk reich I verzierte Bunde«lade durch die große Ueberschwemmung beschädigt, und der praj ger Rabbiner Ezechiel Landau ordnete an, daß die neue au« gegossene« Metall > angefertigt werde. E« wurden zu diese» Zwecke von allen Vemeindegliedern j Gaben, die in metallenen Geräthschaften bestanden, angenommen. Und «ancher Arme gab, um auch sein Scharflein beizutragen, nichts — als einen zinnernen Knopf-