Allgemeine illustrirte Judenzeitung
- Journal
- Allgemeine illustrirte Judenzeitung
- Volume
- 2 (1861)
- Issue
- 14 (5.4.1862)
- Date
- 1862-04-05
- Page
- Seite 111 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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—*• 111 ״— unsere Gegner zurück und wir dürfen mit vollem Rechte die erhübe׳ nrn Worte deunsterblichen Dichter-: E» •nnyi baluereocM közt, Oly aok viazaly ntin Megfogyva bir — de tUrve non auf uns und unsere Leivm anwendeu; doch unsere Hoffnung ist und bleibt: M£g jöni keil, meg jöni fog Egy jobb kor. Hermann Brill. Briefe aus der Barauya. 11. 6-. Gegenüber den beinahe täglich in der TageSpresse rrgtstrtrten, da- Herz einejeden aufrichtigen Juden mit Wehmutb und Indignation erfüllenden Selbstverstümmelungen vieler mitunter auch bedeutenderen Gemeinden, die die kaum heraubrechende Morgenröthe der jungen Freiheit dazu ausbeuten, mit selbstmörderischem Arm die heiltgsten Pflanzstätten ihrer Kinder, ihrer eigenen Zukunft, erbarmungSloS uiederzureißen, die Fackel der Zerstörung in daunbetretbare Sauctuarium (die Schule) zu schleudern und dadurch, der Zeit gleichsam Hohn sprechend, da- Brandmal der Schande auf sich laden; macht sich wohl die Muttergemeinde diese- Lomitates durch ein entsprechende- Verhalten gegenüber der dortigen Musterhauptschule und den anderweitigen Institutionen einer öffentlichen Anerkennung würdig. — »Besonnen und sicher Vorwärts" ist ihre Devise, und das zur TageSordnung gewordene Nichtwartenkönnen und Ueberstürzea ist ihr fremd. Nicht über Nacht oder mit einem Ruck sollen Schule und Gotteshaus den UmwandlungS-Procrß überstanden haben, sondern bei ruhigem Blute überdacht, Stein auf Stein architektonisch geordnet, auf sicheren Fundamenten bafirt, gehe die Metamorphose von Statten, ohne Lärm, ohne Ostentation und Reklame, ohne emphatische Zurschautragung der patriotischen Gefühle; so weit eS mit der Ehre und den wahren Interessen de- Judenthums koordinirt. Ist man auch durch rin derartig mäßiges Tempo auSgesetzt, im Lager der Gegner als fahrläßig und lau verschrien zu werden, so kann man doch, weil im Verzüge keine Gefahr, auf den Beifall der Elite der Nation mit Bestimmtheit bauen. — ■ { Der Anregung des auf den mannigfachen Gebieten der Agronomie vortheilhaft ausgezeichneten Beirathes. Herrn I. Justus, wird eS zu denken sein, wenn die Musterhauptschule zum nächsten Frühjahr in den Besitz einer quasi lebendigen Naturgeschichte der Pflanzeu gelangt. Genannter Herr hat die eben so löbliche als Nachahmung-- würdige Idee, dir geräumigen von kunstfertiger Hand gezierten Gartenaulagen mit allen, dem Klima nach nur möglichen Pflanzenarteu, »ach Linse geordnet, zu bereichern, und hierdurch der Jugend da- Erfassen der Natur und ihre- Waltens zu veranschaulichen und zu verangenehmera. Gewiß ein allen denjenigen zu empfehlendes Beispiel, die dazu berufen sind, auf Schulangelegenheiten Einfluß zu nehmen, wenn wir die immensen Bortheile ins Auge fassen, die aus einem rationellen Unterrichte in den positiven Wissenschaften kür- Leben erwachsen. Sicherem Vernehmen nach soll an dieser Anstalt auch dem Turnunterrichte, wozu bereitvor 3 Jahren der wohlgeachtete Schulauffeher vr. Weißmaier den Impuls gegeben, und dem zur Zucht der Seidenraupen in zeitunk zweckentsprechender Weise Rechnung getragen werden. Schule und GotteShauS find ihrer moralischen Bedeutung nach so innig verknüpft, daß wir unS den Uebergang von ersterer zu letzterem gestatten dürfen. Hier erübrigt es bei allen Vorzügen, eines KardinalmangelS Erwähnung zu thun, der gleich einem bösen Alpe das Herz beschwert. ES ist dies der in diesen Blättern bereitgedachte bedrohliche Zustand des Hauses, das vermöge seiner Bestimmung die Wohnhäuser überragen sollte. Wohl erfreuen wir unS mit Hilfe unsereS ehrwürdigen Seelsorger- und des talentvollen CantorS eines beinahe wenig zu wünschen übrig lassenden Gottesdienste-; aber der löbl. Vorstand wolle nur bedenken, daß oft bange Ahnung von einem leicht möglichen Einsturze den stillen Beter überschletcht, und daß es namentlich in den Augen de- Fremden bizarr erscheinen müsse, in einem vom Zahne der Zeit so arg mitgenommenen Gebäude, wo die befangenen Sinne von Furcht absorbirt werden, einer geistigen Er- Hebung theilhaft werden zu wollen. Darum frisch ans Werk, ein neue- Gotte-Hauist ei» unabweisbare- Bedürfoiß geworden, und daß es die Fünstirchner Gemeind» vermrg, bewies der vorige Vorstand durch dstr Herßkvung et»»« hmrltchen Schulhause-. Thue eS der jetzige Vorstaad durch׳ ei» entspreche^«- Gotte-Hans. .Keiner wird zurück« stehe» ei»e» Stein z»m große« Bane beizutrage», ans dasodann zwei sprechende Monumeut« der Nachwelt die Opferfteudigkeit einer nicht großen, zusammenhalteuden Gemeinde verkünde». — Die La»dtagS»«hlen find in diese« Lomitate höchst liberal a»Sgefallen und ist unsere Hoffvuug nicht z« sanguinisch. wen» wir auf die endliche günstige Lösung der leider noch immer eine ,Frage״ bildenden Emaucipation mit Bestimmtheit rechnen, ungeachtet debekannten Gebelfers aller »Ktrchenzeimugcn". ״Volk-freunde", ,Hirnük'S" ic. — Die baldige Realifiruug einer unter de» Fünfkirchuer Israeliten aufgetauchtrn Idee, ein eigene- Laßno zu bilden, wäre recht löblich und dürfte eine Verschmelzung diese- Vereinemit dem dortigen ״Magyeritd egylet״, namentlich für letzter», der die Geburtswehrn noch nicht übrrstandeu, von Nutze» sein. — Ebenso und noch wett nachdrücklicher ist der von Fünfkirchen unweit gelegenen Mtniaturgemeinde SikloS die baldige JnangriffSnahme eineneuen Schulbaues zu empfehlen. Die in diesem Stuhlbezirke auf Jükai gefallene Wahl zum Laudtagsdeputirten hat bet den Bekenner» der hier harmonisch zusammenlebruden verschiedenen Lovfesfiouen, die freudigste Sensation erregt, namentlich bei denjenigen, dse daerst jüngst veröffentlichte Programm dieseruhmreichen Dichter-. wie sei»« den Geist wahrer Toleranz athmeuden Schriften zn lese» Gelegenheit hatten. — Bewundernswürdig ist der Fretmuth. welcher in dem vom Warschauer Oberrabbtner MeiselS an alle jüdische Gemeinden Polengesandten Circulare ausgedrückt ist, und kann man sich der Ueberraschung nicht erwehren, wenn man die Beweise der Brüderlichkeit liest, di« dort den gemeinsamen Druck, dagleiche Leid zur Ursache haben. Möge doch die Sonne der Freiheit ihre erquickenden Strahlen senden auf alle unsere leidenden Brüder in Nah und Fern, י. Signale aus Böhmen von Rabbiner Ehrenthei^iA/Horic. VIII. Die GemeinderathSwahlen find vorüber, und fast in allen Land- "städtchen find Juden in den GemeiudeauSschuß gewählt worde». Der gesunde Sinn de- Volke- — der oft der sogenannten Intelligenz zum Beispiel dienen dürfte — hat sich wieder einmal bewährt, und so kam eS. wie man hört, daß in dem kleinen Landstädtchen L h o tz e n ein sehr achtbarer Jude, Herr Goldmann, sogar zum Bürgermeister gewählt wurde. — Nur Böhmisch Letppa soll in dieser Beziehung ein sehr inhumanes Beispiel gegeben haben, und doch gibt es dort auch sehr achtbare intelligente jüdische Bürger, die eS würdig gewesen wären, im Rathe der Stadt zu sitzen. Doch wer will mit der Intoleranz rechten, die der Freiheit ׳goldige- Licht nur dazu benützt, um in der finsteren Rumpelkammer verjährter׳Borurthelle her- * umzustöbern und daalte Rüstzeug elender Au-schließung-gesetze hervorzusuchen? — eS wird wohl auch dort Tag werden. — Auch die Wahl für den Landtag ist vorüber, die Juden haben überall gewählt und sind also in einer Beziehung freier als ihre ungarischen Glaubrnsgenossen. dieCandidaten haben fast Alle ״Gleichberechtigung der Confessionen" in ihr Programm ausgenommen vederemo! Vor einigen Tagen hat Böhmisch - Leippa den jüngst aquirirten neuen Rabbiner Or. Bäck aus Schaff« installirt. D1-. Bäck, der * Sohn des Rabbiners zu Krummau, Schwiegersohn de- Herrn Ober- LandesrabbinerS Placek in Boskowitz, ist rin sehr junger Mann, der seine Studien in Wien gemacht und zu schönen Hoffnungen berechtigt. — Wir brauchen junge Kräfte in Böhmen, wir brauchen aber vor Allem einen festen unerschütterlichen guten Willen und energische Thatkraft und Thatenlust, — vieles ist in Leippa zu schaffen, Tempel und Schule bedürfen der regenerirenden Hand, die Gemeinde ist opferwillig, Lehrkräfte find vorhanden, wir rufen daher dem jungen Amtsgrnossrn ein herzliches "!צלח ורכב, zu! — Die Herren Lehrer der hiesigen jüdischen Volksschule haben in dieser Woche bet Gelegenheit der halbjährigen Prüfung? in Gegenwart deS geehrten Cultu-vorstande- und mehrerer sehr achtbarm Gemeinde- Mitglieder die untrüglichsten Beweise eineloben-wrrthen Fleißes und getreuer Pflichterfüllung gegeben, die Prüfung lieferte die befriedt-