Allgemeine illustrirte Judenzeitung
- Journal
- Allgemeine illustrirte Judenzeitung
- Volume
- 2 (1861)
- Issue
- 14 (5.4.1862)
- Date
- 1862-04-05
- Page
- Seite 110 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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fn feist« Land-erlchtSbezirk auch sicht emanelpiel würden. Abg. Reb « y ist für den «n-schußanttag, will jedmtz, dsß de« Hunfirhandel ׳ der Jude« energisch entgegentrete« »erde. «dg. Boys spricht sich gegen da- Eheverbot zwifihe» J-raelite« nnd Christen an-, und anpfiehlt die jüdischen Candidateu für den Staatsdienst der Berückfichtignng der Staatsregierung. Abg. L h e l i« -: Die Inden müsse« alle staat-bürgerlichen Pflichten thrilea, rsei also auch billig» daß mau denselben anch alle staat-bürgerlichen Rechte gebe- Abg. Doppel- Hammer »ill de» Anttag dahin «odtfictren: daß die Niederlassung von der Bewilligung der Gemeinde abhängig gemacht werde. Bei der hierauf vom ersten Präsidenten gestellten Un> terstützung-frage hat sich auch nicht eine einzige Stimme für diese Modifikation erhoben. Hierauf sprachen sich noch die Herren MedtkuS, Beer und Nickelstr den Anttag au», letzterer mit de« vedaueru, daß der Anttag nicht noch weitergehend, und in demselben nicht eine völlige Gleichstellung der J-raeliten mit den Christen beanttagt ist. Der königl. Staatsminister de- Innern: Ich hatte bereitbeim Beginn der Debatte Beranlaffung genommen di« Ansichten der Regierung über den Anttag de- Hrn. Paur darzulegen. Im Laufe der Debatte find aber weitergehende Anttäge gemacht worden, zum Theil mit direkter Adresse an den Ministerttsch, und ich sehe mich daher veranlaßt, noch einiges zu bemerken: Diejenige Frage, welche direct an unS gerichtet war, betrifft die Anstellungsfähigkett der israelitischen Candidateu. Der Abg. Römich bedauert, daß die israelitischen Candidateu keiae Gewißheit haben über ihre Anstellungsfähigkeit. Ich glaube eine Gewißheit kann hier in keiner Weise gegeben werde«, alle christlichen Candidateu find in ähnlicher Lage. Keiner kann sagen ob und wann eh angestellt werden wird, hier handelt eS sich um eia Krovrrcht. Bei der hierauf erfolgten Abstimmung erhob sich fast die ganze Kamwer zum Zeichen der Zustimmung zu dem vorliegenden Antrag. Pest. (תלמוד תרדד) Die Einschreibung zur Aufnahme in die hiefige .תלמוד ותח־ד findet Statt am Sonntag den 7. d. M in der hiefigeu RabbinatS - Kanzlei. P. st. den 3. «pril 1861. Dr־ Oberrabbiner. ». Die Generalversammlung des ״IrraelitamagynreZ^- Ist" wird nächsten Sontag d. 7. Avril l. I. N. M. 3 Uhr im Vereinslocale (Marktplatz Nr. 2. Baumgarten'sches Haus) stattfinden, wozu die P. T. Mitglieder, und auch Jene, die dem patriotischen Vereine beizutreten wünschen, höflichst geladen fink 8. Dienstag den 2. April hielt im kleineren ComitatshauSsaale. unter Borfitz des Herrn A n a st. T o m o r i. die zur Ausarbeitung eine- Vorschlages über Verbesserung der Volksschulen aiedergesrtzte Commisfion eine Sitzung, a« welcher Berathung auch der. nebst mehreren katholischen und evangelischen Seelsorgern zum Mitgliede dieser Com- Mission ernannte Oberrabb. Herr Dr. W. A. Meisel Theil nahm. Corresxondenz. AuS Großwardein ist uns eine ״Einer für Alle" unterfertigte Replik gegen den in Nr. 9 der;Allg. Jllustr. Juvenz.- abgedruckten Bericht unseres Correspondenten. A-f. P.-, resp. gegen dessen Auslassung über die Lostrennung der neuen ״ungar. Gemeinde", zugekommen. Der Umfang und der heftige Ton, so wie die mancherlei persönlichen Ausfälle rer Replik gestatten nicht dieselbe ihrem ganzen Wortlaute nach mitzutheilen. — Um aber doch dem ״audiatur et altera pars״ gerecht zu werden, entnehmen wir der Erwiederung das Wesentlichste, auf Thatsachen und Zustände Bezügliche. — Die Auflösung —der dortigen Schule wird eben so bitter wie von unserem obbezeichneten Eorrespondenten beklagt, um so mehr als der Vorwand, eS seien die Lehrer nicht genug der ungarischen Sprache mächtig gewesen, ein lügenhafter, indem der Lehrkörper bereits vor Monaten sogar beim Unterrichte der hebräischen Gegenstände die vaterländisch« Sprache in Anwendung bringen wollte. — Die Auflösuug sei da- Werk einer Dunkelparthei gewesen, die, vom Rabbiner unterstützt, auch deu Skandal in der Synagoge 1»ermsachte, als der Gemeinde-Präses, Herr L. S. deu Borttag de- Gebetefür Fürst und Vaterland und die Verkündigung der Ehen in der Landessprache einführen wollte. — Die Anklage« gegen da- Wirken de» dortigen Rabbinermüssen wir ihrer Haltung' »egen übergehen, mit Ausnahme deeinen Punkte-, daß dessen Religionsunterricht als ein illusorischer bezeichnet wkd. Gegen die Auflösung der Schule habe der Präses Herr L. S., so lange es auging, gekämpft und zur Rettung seiner Ehre, selbst nachdem er die betteffende Akte unterschrieben, eine» Protest zu Protokoll gegeben. Auch habe derselbe sogleich der neuen Gemeinde 500 fl. zur Gründung einer neuen Schule angetragen. — Bezüglich dieser neuen Gemeinde heißt es schließlich: ״Aber unist e» Ernst mit unfern Bestrebungen. Wir wollen rin von allen Schlacken *) geläutertes Judenthum, wir wollen eine geordnete Verwaltung, wir wollen einen geregelten Gottesdienst, wir wollen endlich einen dem Zeitgeiste angepaßten ausreichenden Jugeudunterricht." ״Um dieses zu erreichen, haben wir, ein kleines Häuflein von ' 150 Mitgliedern, eine Last von 4—5000 fl. ö. W. jährlich auf uns genommen; wahrlich, ein solches Streben, eine solche Aufopferung, verdient Anerkennung und nicht Verunglimpfung." Gr. Decskerek. Ende März. Zu den wichtigsten Aufgaben des nächsten Reichstages gehört unstreitig die Lösung der Judenfrage; eS muß diese Angelegenheit in den Kreis der Verhandlungen grzogm und im Geiste des neunzehnten Jahrhunderts entschieteu werden. Zuvörderst dürfen wir es als glückverheißende» Omen betrachten, daß die Eröffnung der ungarischen Legislative mit dem Schluß unserer Osterfeier, de- B efr eiung sfestes zusammeufällt; denn dieses Fest weckt in dem Herzen jedes Israeliten die Erinnerung an den Auszug aus Aegypten, aus dem Hause der Knechtschaft, und e» verdient hervorgehoben zu werden, daß an den Abenden, wo ringsum die Freude leuchtet, der Jüngste an der festlichen Tafel die naive Frage aufwirft: Warum ist denn diese Nacht ausgezeichnet vor allen andern? worauf der Familienvater die große und rührende Antwort giebt: Mein Sohn, wir waren Sklaven in Aegypten; es ist diedie Jahresfeier des großen Tages unserer Erlösung. UnS dünkt,.daß die Bekenner einer Religion, die solche Gefühle ob der erlangten Freiheit nach drei Jahrtausenden noch weckt und pflegt, wohl würdig sind, der Rechtsgleichheit theilhaft zu werden. Es mußte sich deshalb diesmal wo unser theuereS Vaterlad an einem bedeutungsvollen Wendepunkte stebt, die feste und unerschütterliche Ueberzrugung aufdringen, daß die würdigen Vertreter der edlen unzartscheu Nation alle auf den Marsyas - Rücken deS Juden gestülpten Beschrankungen mit Einemmal, ohne Rückhalt, wegwälzen und unS deu ungeschmälerten Bollgenuß aller Rechte und Freiheiten zuerkennen werden. Wir haben wahrlich oft und lange angesucht, prtitionirt, gebeten, kniefällig um endliche Gewährung unserer Wünsche gefleht — um Erfüllung solcher Forderungen, die vor dem Richterstuhl der ewigen Moral vollkommen und unbestritten als billig anerkannt find. In England, Holland, Belgien, Frankreich und Preußen, in dem wiedererstandenrn Italien sind unsere Brüder den übrigen Bewohnern gleich« gestellt; soll auf die blühenven Gauen des gesegneten Pannoniens von dem civilifirten Europa mit Fingern-gedeutet werden? Müssen wir Diejenigen, die, herangerankt am Spalier der Privilegien, sich so gerne auf das h i st o r i sch e Recht berufen, daran erinnern, daß Ungarn'S erster König eS war, der die für die damalige Zeit nicht genug zu bewundernden Worte schrieb: omnes homines uniue sunt conditionis? daß Bäla IV., einer der größten Regenten, mittelst DecreteS von 5. December 1251, die Verhältnisse der Juden im Sinne echter Toleranz regelte? Doch nur der Ungunst der späteren Jahrhunderte, den endlosen Kämpfen der glorreichen ungarischen Nation gegen den Halbmond und gegen die übrigen Dränger kann es zugeschriebeu werden, daß auch unsere Zustände sich so düster gestaltet haben? All die heftigen Angriffe eines zermalmenden Hasses, all' die rohen AuSbrüche der wahnwitzigen Berfolgungswuth, die wir erlitten und — zum Hohn unserer Zeit — noch immer erdulden, fallen mit doppelter Wucht nuf *1 La« verstehen di« Herren darunter? Red.