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Allgemeine illustrirte Judenzeitung · 1862-04-05 · 14 (5.4.1862) · p. Seite 109

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Journal
Allgemeine illustrirte Judenzeitung
Volume
2 (1861)
Issue
14 (5.4.1862)
Date
1862-04-05
Page
Seite 109 (sequence 5)
Language
German
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keit, nichtS^zerstörender als WillkÜhr, nichts unerträglicher als Laune. 1 Wäre eaber demzufolge nicht natürlicher, damit anznfangen, vaß man daS Aufhören dieses unglückseligen Zustandes urgire. Meiner umnaßgrblichen Ansicht nach sollte von Seite der Tonangeber ein Aufruf zur BerftändtgungAllrm vorangehen, dann ein, der Genehmignng derautonomm Gemeinden zu unterbreitende- und durch höhere Sanktion zu stützende- Schulstatut ausgearbeitet, ein organischer Schulplan erwogen. Pflichten und Rechte des Lehrers festgesetzt werden, und ich bin dann gewiß, der Lehrer werde mit Freuden jedem Direktor sich fügen, von dem rS übrigens unzweifelhaft, wie von HomerS Königen gelten kann: rer Erste, der Beste, der Sachverständigste, er sei der — Direktor. In der That der jüdische Lehrer zieht nicht den christlichen Direktors sondern nur raS Schul g e se y, und wen» eS auch daS mangelhafteste wäre, vor. welches dieser stets befolgt. Ebensowenig ists die prekäre Lage der Rabbinrn, die ihm Sorge macht, ob sie ibn stützen könnten; nicht dies ists, weshalb er sich sträubt, in rem Rabbiner seinen Dtrektor zu begrüßen; es ist vielmehr einzig und allein die Ueberzeugung von der Unmöglichkeit dessen Befriedigung zu erwerben, so lange nicht beide nach einem feststehenden Normativ sich richten können. Sträubt er sich dock ebenso gegen das in vorMärzltchrr Zeit beliebte System rer medizinischen Dir7c!orcn. deren manche am Ende glaubenj die Autonomie der Gemeinde r deren Schulen seien nur da< um durch sie den Lehrer nach Herzenslust tyrannisiren zu können,. und die Autonomie dir Gemeinde durch sultanijche Willkühr zu inaugurtren schon sich beeilte׳.׳. E:׳rtich mc'nre ich, sollte eS dem Aufbau auch nicht wenig fö'derlich s in, wenn einmal die Direktoren in »pe sich die Mühe nähmen, thatsachlich an rrn Tag zu legen, daß sie es rrken« nen. da- Wohl der Schule hänge auch vom Wohl des Lehrers ah, daß sie also für ihn, rer sich nickt stlöst Helsen kann, mit einiger AuS׳ dauer kämpften. Es wä׳e virliricht auch nicht verkehrt gebaut, wenn die Thätigrr't dam't b׳ gönne; n,7hr Vertrauen wenigstens würde rs sicherlich erzeugen. P e st. 24. März I8Sl. y, .־r. Die Indentrage in der barschen Hammer der Abgeordneten. Zn der 19. Sitzung am 20. März stand der P a u r'sche Antrag auf der Tag So-.dnung. Derselbe bezweckt bekanntlich die Aufhebung deS ״Malrikeis" und anderer in dem Edikte vom I. 1813 enthaltemi Beschränkungen, bezüglich der Ausäßigwachung und des Gewrrbsbttriebes oer Israeli!,:,. (S. .Allg. Jilus-r. Iudenz." Nr. 13, Bayern.) Abg. Münch «ls Referent leitet die Diskussion unter Bezugnähme auf seinen Vortrag, in welchem die Geschichte dieser Frage niedergelegt ist, ein, und bemerkt unter Anterm Folgende-: Die Zudevftage gehöre seit mehr als zwanzig Jahren zu den stehenden Fragen der Zeit: die Grundsätze des Rechts, der Moral und der Volkswirthsckaft, ras Princip rer Gleichbrik deS Gesetzes und vor dem Gesetz für alle Staatsangehörigen erfordere die bürgerliche-und staatSbürgerliche Gleichstellung der Israeliten. Fast alle rivilisirlen Länder haben schon seit Jahren diesen Forderungen Genüge geleistet. Gleichstellung bestehe in Preußen, Württemberg, Baden, Nassau, Sachsen u. s. w., zum Thril auch in Oesterreich; und Bayern, dessen Regierung unv Volksvertretung sich vorzugsweise zu den freisinnigeren Grundsätzen bekannt haben, und sich dazu so lange bekennen müssen als die Verfassung bestehe, habe die beschränkenden Bestimmungen fortbestehen lassen. Die Beschränkungen gehören längst vvrübergegangenen Zeiten an, und die Juden von 1861 seien ganz andere als die von 18 l3. Nach seiner Ueberzeugung hätte man schon viel früher die Beschränkungen bezüglich der Ansäßigmachung und deS Gewerbsbetriebbeseitigen sollen; dieselben seien ebenso ungerecht als schädlich für die Aolkswirthschaft, indem sie nicht allein die bessere Tntwickelung de- CapiralS behindern, sondern erfahrungsgemäß viel Arbeit-- krast dem Land entziehen. Der Referent schloß mit den Worten r laßt u«S gerecht werden den 40,000 Staatsangehörigen, die schon längst mit uns die gleichen ordentlichen und außerordentlichen Staats-, Kreis- und Gemetndelasten «ragen; laßt uns eine veraltete Jnstitution beseitigen, die weder mit den Grundsätzen de- Ehrtstenthum» noch 1 «1t der Aufgabe der Eivüisatt« i» Einklang geibracht zu »erden venmeg. und die anßrr Bayern kein einiger eivilifirier Staat mehr feanb Der Staat-minißer v. Neumayr: er habe bereisin der Ansschnßfitzung de» Standynnkt dargeleg», von welchem au» die Staat-- regirrnng de,׳Antrag de- Abg. Paar betrachte. Der «eseuttiche Inhalt sei i« AnSschußprotekell enthalte,. Es »erde genügen hierauf Bezug z« nehmen, und hier die Erklärung und die Versicherung abzugeben. daß de« vorliegenden Anträge von Setten der Staat-regiernng keine Schmierigkeit begegnen «erde, im Fall derselbe zum Beschluß de- Landtagerhoben würde. Hr. Paur: Er habe dle Befriedigung erhalten, daß der Ausschuß dir Motive-seine- Antragzu den seintgen gemacht habe. Sein Antrag sei ein Postulat der absoluten Gerechtigkeit, der Humanität — ein Postulat jener gesunden Politik, welche die Liebe der Staatsangehörigen zum Datnlaud auf dem Wege de-Rechtthunerzeuge; ein Postulat einer unabweisbaren Eonsequrnz, denn ehabe keinen Sinn mehr Staatsangehörigen, welchen im hohen Maß, wie dies im Verlause der Zeit geschehen sei, politische Rechte im Land eingeräumt seien, die natürlichsten Rechte, die Wahl rer Hcimaih, der Ansäßigmachung, den Be!rieb der Gewerbe, wenn nicht ganz zu versagen, so doch im höchsten Grade zu erschweren. Sein Antrag werde grthrilt:von der öffentlichen Meinung. Alvor zwölf Jahren die Judenemaacipation verhandelt worden «et. habe sich dagegen ein Theil der Presse geäußert, und seien emgegrnstrebende Adressen eingekommrn; diese Wahrnehmung habe man die-- mal nicht gemacht — ein Beweis sowohl für die Beschrivrnheit de- Antrag-, wie dafür daß lrtzerrr gewiß von der ganzen Ration und jedem Unbefangenen gutgeheißen werde. Esei Zeit, daß die beschränkrnvrn Bestimmungen abgeschafft werden, denn da- Edikt habe bewirkt, daß die jüdische Bevölkerung durch Auswanderung der kräftigen Jugrnv bedeutend abgenommen habe. Er sei während seiner anwaltschafllichen PrariS oft Augenzeuge der entsetzlichen Opfer gewesen, womit diese Auswanderungen bei dem bekannten innigen Familienleben der Israeliten verbunden gewesen seien. RegterungSratb v. G u m p - penberg stimmt für den Antrag, doch nicht ohne Bedenken. Abg. Römich: er würde dem Ausschußantrag zustimmeu., wenn er auch noch viel weiter ginge, und nehme hiebei Veranlassung, die Aufmerksamkeit der StaatSregierung und der Kammer auf folgende Punkte zu lenken: 1 die Juden müssen ihre CultuSkosten aus eigenen Mitteln bestreiten, obwohl sie zu allen Staatslasten und daher auck zu den Kosten deS christlichen CultuS beitragen; ebenso liegt ihnen 2. die Erhaltung ihrer Elementarschulen allein ob, während die christlichen Schulen aus Gemeinderassen unterhalten »erden, zu denen die Juden als Gemeindeglieder betzustruern haben; der 3. Punkt betreffe die Form deS israelitischen Eide-, der in der Pfalz in Ctvilsachen immer in der Synagoge abgeleistrt werden müsse. Ein 4. Punkt brtrrffe da» Anstellung-Wesen, indem man juagk JSraeliten alle Vorbedingungen zur Anstellung durchmacken lasse, und sie endlich nach langem Warten doch nicht anstelle — in dieser Beziehung bitte er ssm deutliche und bestimmte Erklärung darüber: 0 b die Israel iten, und in welchen Fächern, aus Anstellung zu b offen haben. Sodann bestebe eine «״gemeine Rechtsungleichheil in Bezug -auf die Ehr, indem in den einen Theilen der Pfalz ein Ehehinderniß zwischen Juden und Christen brstrhe, in ren anderen dagegen nicht, und endlich müsse er darauf noch aufmerksam mache», daß Israeliten, welche rem diesseitigen Bayern angtbören, und sich in der Pfalz nieverlaffen wollen, geradezu wie Ausl ä n d e r behandelt werden. Er wünsche daß derartige AuSnahmSzustände beseitigt »perden, indem dieselben bei den jetzigen sociale» Verbältniffen mehr schaden als nützen. Abg. F ö ck e r r r hält die Israeliten für fähig in die Rechte einzutreten, die ihnen so lange vorenthalten worden; man könne und dürfe hier das Borurtheil nicht aufkommen lassen, denn von solchem seien auch, was er entgegen den Brmrrkungen deS Hrn. Regieruogsrath» Gumpprnberg erwähnt» müsse, die Landgrricht-vorstSnde nie ganz frei. Auch er (Redner) sei au» einer Provinz, wo ein lebhafte- Borurtheil gegen di« JSraeliten herrsche, und er wisse, daß er sich mit seiner heutigen Abstimmung bei seinen Wahlmännrr» nicht einschmeicheln werde — allein er müsse nach seiner Ueberzeugung stimmen, und noch bemerken, daß, wenn es auf die Ansichten der königl. iaudgericht-vorstände ankamt, er und seine Freunde

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