Allgemeine illustrirte Judenzeitung
- Journal
- Allgemeine illustrirte Judenzeitung
- Volume
- 2 (1861)
- Issue
- 14 (5.4.1862)
- Date
- 1862-04-05
- Page
- Seite 108 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 92% known words query
- IRI
…/4884143-5427051-5427129--343-4884450- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
108 ״— Uns erscheint fie günstig ge»»g, da- »tr die Schmähen de- J»de»ch«»S t» Rah u»d Kerne darauf »envrtst». Mögen ße Hierandie et»zig wahre» und not-wendige» Bedingungen für die Rntionalisirung der Jude« erkennen lerne»! Möge» ße lernen, was de»u eigentlich erforderlich sei, «« ande« Jude» einen begeisterten, hingehendste» Patrioten zu «ache». Möge» ße es endlich einsehev und »ffe» gestehe«, daum die Jude» für die Ration «nd ihre Sache zu beseelen, vor alle« diese Ration eine« kleine« Beweis ihrer aufrichtigea Annäherung an die gedrücktere u»d beschranktere Klasse an den Tag z» legen habe. Möge» fie schließlich fürder unterlaffen, von Bedingungen z» faseln, die unserer Gleichberechtig»ng unumgänglich vorauszugehen habe» — sondern hinfort die Gleichberechtigung aldie allein unabwei-barste Bedingung für die wahrhaft zu erfolgende Nationalisirung anerkennen! Fragt man übrigens, ob unsere Warschauer Glaubensgenossen recht daran gethan, sich in dieser gefühlvollen Stunde der Nation anzuschließen, ohne die Lehren der Vergangenheit und die Aussichten für die Zukunft ernst zu erwäge»? so antworten wir darauf mit einem unbedingte» I a. Mögen die Folgen von Seiten der Regierung oder auch der Nation welche immer sein, so haben fie damit bewiesen. daß sie die Pflichten gegen das Vaterland zu erfüllen wissen und daß sie würdig sind, einem solchen.al» freie gleichberechtigte Bürger anzugrhören! F־n. Die neue Dsukunde. Da- Kind müht sich mit dem Bau de- Kartenhauses; der Knabe sieht'-, lächelt, und baut Schlösser — (n die Luft; der Jüngling fieht's, lächelt, und baut — auf Sand, auf schwanfern Grund; der Mann fieht's, lächelt, und baut — verkehrt! Wer lächelt, wenn er dies sieht? Der Inwohner gewiß nicht, für den gebaut wird, auch der Nachbar nicht, der sich nicht genug weitab fühlt: der Menschenfreund nicht, der die Folgen überschaut; es lächeln nur, die noch außer diesen übrig bleibe» und ihr Haus unerschütterlich fest wissen, doch gleichgiltig bleibt Keiner. Wäre es nicht lohnend zu untersuchen, ob da- Kind mehr Häuser aus Karten, der Knabe mehr Schlösser in der Luft, der Jüngling mehr auf Sanv, oder der Manu mehr verkehrt baut? Wäre eS nicht eine verdienstliche Erfiadüng. die neue Baukunde. die Wissenschaft dieser Bauarten, zu begründend Zeigt doch jede Aufbau-Saison, wie auch die gegenwärtige, zahllos die Baumeister, denen diese Art zu bauen besonders zusagt, unv werden doch hiebei Muster so vieler originellen Style an den Tag gefördert, als selbst die gemeine alte Baukunde kaum aufzuzahlen vermag: ägyptisch-sinster, indisch-unharmonisch, babilonisch-verwirrt, griechisch — leicht-, maurisch — halbfertig, gothisch eckig u. s. w. u. s. w. Mau besehe nur die neuesten Monumentalbauwerke für Scbule und Gottesbaus: Ja, die Theorie ist über Alles herrlich, fie verjüngt Greise und macht Erfahrene weise! Da sehen wir zunächst ein altes ehrwürdiges Haus, das höchstens einer Reparatur bedarf, niederreißen, um den griechisch-leichtfertigen Amalgamirungsbau auf dem schwanksten Grund aufzuführen. Prag, die Mutterstadt echten Judenthums, kann es nicht verschmerzen, eaß in ihrer Schule seit dem Tode ihrer berühmten Hebraisten der eigentlich jüdische Unterricht nicht gut genug bestellt ist! Prag, die Metropole des Landes, wo Musik und Pädagogik blüben, kann eS nickt ertragen, daß ihre Jugend nicht die harmonischeste jüdische Erziehung in ihrer Schule genießen; wathut Prag? Sucht es den W. Meter zu ersetzen? in der Schule andere Saiten aufzuziehen und diese harmonisch zu stimmen? Nein, es beschließt den Einsturz des alten Hauses, und eingedenk keS unbestreitbarsten Satzes boroirter Pävagogik, der da lautet: Glaubt, erziehen heißt nur angewöhnen! stößt es seine Kinder hinaus in die Schule de- RischuS, damit fie sich »anRtschus gewöhnen", vulgo amalgamiren! Aber begreifen denn die Prager Bauleute nicht, wie vielfachen praktischen Mangel sie dem eine« theoretischen entgegensetze»? oder ist eS gar nicht in Anschlag zu bringen, daß dem jüdischen Kinde n«l vom fibelpflichtigen Alter angefange« die Nichtachtung und Verletzung der Sabbat- «nd Fest« tage und die Feier der Sonntage und katholischen Kirchrnfeste zur Schul- Pflicht werden soll? hofft man tm Hinblick auf die Macht der Angewvhnung, trotz Rischus, auf Amalgamirung (Sandboden:), was hofft man dann wohl als Wirkung derselben Macht zum Ersatz für den mangelnden urtertliche« Bibelunterlicht? (verkehrter Bau!). Glaubt man, daß dis katholische Kinderschule den jüdischen Kindern zu lieb, die Schulgebete verbannen, die antächtige Beehrung des CrucifireS und der Heiltgen verbiethen, oder doch davon die jüdischen Kinder dispenfiren wird? da irrt man wirklich gewaltig, und das läßt sich nicht nur theoretisch, sondern auch praktisch, nicht nur » priori, sondern ganz erfahrungSmäßig darthun. Man gehe z. D. bei nnin eine der christlichen Kleinkinder - Bewahranstalten, wohin israelitische Eltern der lieben Reinheit der Sprache orer der Bequemlichkeit wegen ihre Kinderchen schicken und sehe zu, wie der L׳hrer den Gast angenehm vor Allem damit überrascht, daß er z׳igt, wie fertig die jüdischen halbgeretteteu Seelen da- Kreuz machen. Da t erun se r bet en. Rosen kr anz küssen u. s. w. können! Man trete in die Klosterschulen für Mädchen, wohin unsere reifen Töchter aus Mangel einer geeigneten jüdischen Schule zur Beendigung der Dolksschulkurse, zur Vervollkommnung in den Handarbeiten oder zur Absolvirung des Kurses für Präparanvinnen gehen inlißen, und erbaue sich an dem Zeugnisse deS strengen Kattcheten, daß die jüdischen Schülerinnen am vorzüglichsten den Katechismus gelernt, daß sie zu Ende rcS Monats die meisten heiligen Bilder als Beweise ihres Fleißes und ihrer Aufmerksamkeit Nachweisen können, daß selten Eine für sonst Anderes bestraft wird, als weil sic den MorgengotteSdienst in der Kirche versäumt, daß aber doch die meisten der Auszeichnung sich verdient bewähren, einen und selbst mehrere Tage die Medaille mit dem Muttergottesbilde und dem Christkindlrin am Halse zu tragen! u. s. w. u. s. w. Doch dem Allen, beiße cs, kann ja die ReligionSschule abhelfen! Nun daS ist gewiß eine ausgemachte Wahrheit. Sir wird besonders durch die Erfolge bestätigt, welche der normale Religionsunterricht sür Real- und Gymnasialschüler erzielt, die freilich wenigsten- 4 Jahre im Schutz der väterlichen Lehre gestanden, bevor sie rem Kampf und dem Widerspruch mit ihrem Schullcben preisgegegeben wurden. Der Satz: .-!vrvn התלמוד עקי אלא »h ist. besonder» religiösen Unterricht anlangend, wahrscheinlich Unsinn, renn der Unterricht kann vernünftiger Weise gar ohne Erziehung und Uebung, am besten aber im direkten Widerspruch mit riesen, gedeihen. Dabei ist die als reife Frucht von selbst in die Hand fallende Amalgamirung (??!!) reiner Gewinn! Ich weiß nicht, vielleicht versteht man sonst etwas anderes darunter, aber mir will es nicht einleuchten daß fie auf diese, «uv schon gar. daß fie n u r auf diese Weise gefördert wird. Nachdem ken und Erfahrung widersprechen dem. Jedenfalls zittern wir vor dem Beispiel, ras uns Prag gegeben und beten wir inbrünstig, daß nicht auch bei uns noch die Frage: Volksschule oder Religionsschule? alS offene erklärt werde. - Zittern wir aber vor dem erwähnten Bau als Nachbarn, deren HauS nahe genug, und leider unbefestigt da stebt, so besorgen wir nicht Minderes als Inwohner. eie verkehrten Anstalten ׳wabrnehmend, die unsre Meister in Rücksicht des Neuaufbaues zu treffen sich anschickcn Ich meine die wiederholt beregte jüdische SchulenrirektorSfrage. — Ich glaube, unsre Weisen sprechen es aus, daß man zuerst da» Haus bauen, und dann Thüren rinsetzen, für Lüftung sorgen und den Wächter bestellen müßr. Nun frage ich, ist unser SckulhauS schon aufgebaut, sind seine Thüren schon eingesetzt, ist für gesunde Luft in der׳- selben schon so weit gesorgt, daß man sich um den Wächter umsteht? Es ist roch wenigstens eine beachtenswerthe Erscheinung, raß der jüdische Lehrer, der doch der natürlichste Anwalt der Gemeinde-Autonomie sein sollte, daß der jüdische Lehrer in Ungarn, sage ich, ohne Ausnahme itr opponirt. und ich habt Lehrer gesprochen, die eS mit dem Judenthume und seinen Angelegenheiten so aufrichtig, wie irgend jemand. meinen, und, ich gestehe es, mit Erstaunen fand ich in ihnen die heftigsten Widersacher dessen, was doch unstreitig die erste Bedtngung für die Eristenz der Gemeinde bildet. Irrig wenn nicht boS- Haft wäre es anzunehmen, daß beschränkter Egoismus den Grund dieser Erscheinung abgebe. Man forsche aber nach, und man wird sinden, wie sich diese Herren sämmtlich das Wort Autonomie mit Willkühr, Gesetzlosigkeit, Laune u. s. w. übersetzen, und gewiß die Erscheinung ist zur Genüge erklärt. Nichtist verderblicher, al- Gesetzlofig-