Allgemeine illustrirte Judenzeitung
- Journal
- Allgemeine illustrirte Judenzeitung
- Volume
- 2 (1861)
- Issue
- 13 (29.3.1861)
- Date
- 1861-03-29
- Page
- Seite 103 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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—י** 103 **•— «»- der ledige« Passivität in eine brdauern-werthe Aktivität über« treten. Sie haben nämlich allein eine» Eantor aeceptirt. Und wahrlich l!'»ppetit vieot «n mnnxeant, der erste Warf ist gelungen. Herr Kotschmarov au- Triesch ist — wadie Befähigung und da- Talent zum modernen, deutsch«polnischen Santor betrifft — eine wahre Aquifition. Nun soll auch bald ein besonderer Prediger berufen werden. ES fehlt noch ein eigener Friedhof und —, di« Leitha allein wird nicht mehr die Scheide zweier redenSartlich gewordenen Machtbestrrbungen werden, wir werden forfan hier wenigstens auch von diesseits und jenseits de- — DegakanalS zu sprechen haben. הפככם!אם כחמר היצר יחשב. O die Verk.hrtheit! Verstehen wir es besser als der gütige Schöpfer, der uns da heranwachsen ließ zu einer großen Gemeinde, und uns als solche hat erhalten durch der Jahre lange Reihe? Wie matt wird da der Geist, wo die Gesammtheit tn Species fick zerklüftet! Mbckten doch die Führer der Oppofition bedenken, daß zwischen einer Regeneriruug der Verwaltung und einer Zerklüftung der Gemeinde ein gähuenrer Abgrund liegt, in welchen leicht die zahlreichen armen Familien der Vorstart ״Fabrik" stürzen können! Aus Böhmen, 25. März. Die Wiener ״Presse" ergeht sich in sehr heftig-u Vorwürfen gegen die Prager Israeliten. weil dieselben nicht Herrn David Kuh, Nedacteur des ״Tagesboten", sonkern Herrn Ritter v. Lamme! und Herrn Dr. T e d e S c o zu ihren Landtagsrrputirtcn gewählt haben. Der Corrcspondent der ״Presse "erzählt, die Israeliten Prag'S hätten sich durch Drohbriefe von Seite der Czechen rinschüchtern lassen, waS erster« gar nicht zu ihrer Ehre ckaracterisire. Ohne uns Über die Entrüstung der ״Presse', als eines Organes der specicll deutschen Partei in Böhmeu zu wundern, müssen wir doch den Prager Israeliten zu dem richtigen Takte Glück wünschen, den sie bei dieser Wahl bewiesen haben. Nicht als ob wir daS Mährchen von den Drohbriefen glaubten; wahrlich, einer Partei, die Männer wie R i e g e r uud P a l a c k y *) an ihrer Spitze hat, stehen weit edlere Mittel zu Gebote. Auch hätten wir gegen die Candieatur deS Herrn David. Kuh um so weniger einzuwenden, als er in 'deM Streite' wegen der Kvniginhbfer Handschrift, welcher äs jure morali ein rein wissenschaftlicher hätte bleiben, sollen, sich als ganz charakterfester Mann erwiesen hat. Aber mit der Wahl deS Herrn Kuh hätten die Israeliten Prag'S sich zu jener politischen Partei bekannt, welche Herr David Kuh und sein Organ, ״der Tage-- bote", so eifrig vertreten. Nun aber können wir nicht einsehen, welche besondere Verpflichtungen die Juden Prag'S unv Böbmen's gegen die deutsche Partei haben; etwa für die noch in frischem Andenken stehen׳ den judenfti'nvltchen Vorgänge tn Saaz oder dafür, daß man in Böhmisch Leippa nur darum so eifrig für die Gemeindewahlen agitirte. damit nur ja kein Jude gewählt werde, oder gar dafür, daß in den specifisch rein deutschen Krooländern Tirol, Steiermark rc. Juden gar nicht geduldet sind? — Wer, wie Schreiber dieser Zeilen, jahrelang sich unter der rzechischen sowohl als brutschen Dcvölkerung Böhmen'- bewegte, muß, mag der Ursprung seiner Bildung immerhin germanisch sein, den Czechen seine ungetheilten Sympathien widmen. Wir verweisen unsere Leser nur auf die herrlichen Schilderungen unseres gemüthlichen Leopold Kompert, in avelchen das freundliche Zusammenlebrn der Juden und der Czechen in so schönen, und was noch mehr ist, in ganz wahren Farben geschildert ist. Soviel wir aber wissen, ist Herr Ritter v- Lämmel rin Fi- , nanzmann. Herr Dr. Tedesco ein Mediziner, uud Leute dieser beiden Kategorien find meist Cosmopoliten, höchst selten nationale Ultra'- und somit haben die Juden Prag'S in ihrer Wahl wahlweise die Feindseligkeit gegen die Czechen vermieden, ohne den Deutschen irgendwie zu nabe zu treten. — Schließlich mögen hier noch einige erfreuliche Wahlresultate aus Böhmen erwähnt sein: In Budin wurde ein Israelit, Herr Gabriel T a u S z i g, zum Bürgermeister; in Raudnitz a. d. Elbe die Herren M o r a w e tz' und P o l l a k zu Gemeindrräthen und sechs andere Juden zu städtischen Ausschüssen gewählt. Herr Fürth, der von einer sürböhmischrn Handelskammer für den Landtag gewählt wurhe, ist ebenfalls J-rarlite. m —I. *) Und die famose Schrift de« jüngeren P.? (Red.) Andrich«* (Galizien). Wie verschieden die Ansichten dar chrtßlichr« Mitbürger deöstrrr. Katsrrstaateüber die Z«be» «ud Judenthum find, erhellt audm Be»«gu»gt» bei den jetzigen Wahlm. Wahrend in böhm. Le i p a die Juden von den Wahlm ganz au-geschlossen wurden, sind tn B u t s ch o w i - (Mährm) 3 Juden o»it Stimmenmehrheit gewählt worden. Und während es in. gewissen Gegenden an Verfolgungen, Beschimpfungen und Jnveetiven jeder Art gegen die Juden nicht, fehlt, wiesen die hochherzigen christl. Bürger der Stadt Wieselburg (Ungarn) einen beabsichtigten Judenkravall mit Entrüstung zurück, und bedeuteten dem Urheber dieseschätzdltchrn Planes, daß er die Stadt binnen 24 Stunden verlassen müsse, wtdrlgen Falls er für seinen ersonnenen Frevel schwer büßen müsse. I» Anvrichau tauchte soeben das abgeschmackte Märchen, das sich bereitüberlebt hatte, עלילת דם nämlich, wieder hervor. Eine bei einem Juden dienende christl. Magd erzählt weit und breit,' daß mehrere Juden ihr »ach dem Leben trachteten, um ihr Blut zu Osterkuchen zu benützen. Sie will sogar die Besprechung selbst belauscht habe». Als aber unsere humanen Beamten von dieser Verläumdung,Kunde erhalten, ließen sie dir Verlqumderin verhaften, um ihr eine gebührende Strafe angedeihen zu lassen; diese aber leugnete die Thatsuche ihrer Aussage unv machte sich aus dem Staube. Zweck der ganzen Geschichte war, die BevölkMstst aufzureizen; von wem die Idee auSgcgangcn ist, läßt sich permuthen — j In Folge der Auflösung׳SeS Wadowttzer Kreisehaben die jüd. Gemeinden dieser Gegend beschlossen, sich von der Muttergemeinde Oswiecym zu trennen und sich selbstständig zu constituiren. Daß da- Gemeinde-Kränzchen zerrissen wurde, und hin und her geschleudert wird, ist nicht zu bedauern. Sehr zu bedauern aber ist der Er-KretS- Rabbiner, de^igenllich bloS Matrikenführer war, da ihm außer dieser FuurtioWkeine Thätigkeit zugestanden wurde und jetzt auch dieser Geldzufluß verringert werden wird. Wer weiß, wie lange dieser Zustand in Galizien dauem wirp, und die meisten Rabbinen in Galizien bloS Matrikenführer sein werden. Diel besser wäre eS, wen« die Aufsicht über Matriken dem Staate anvertraut würde, »ie c« reitin Preußen,der Fall ist. 2S(jr kommen zur Zeit n'Äaufvresr- T'dktinl ausführlicher zurück, und wollest hier nur kurz *aÄrutrss',׳ dadies für die Gemeinden sowohl, als auch für den Rabbiner ersp^krß, licher wäre. Sehr wundern müssen wir uuS, daß Herr E. I. BlÜ ch er sichal- Rabbiner des Wadowitzer KreiseauSgiebt (vgl^ Hebe. Bibl. vou Dr. M. Steinschneider. Jahrg. III-, S. lO^N. 1054), wgS er weder 6s jure noch de facto ist. Daß Hekr Blücher auch Re» dacteur der polnischen Bibel ist, muß auch rin נם sein, und erinnern ' wir an unfern Urahn Joseph, dem rer.מלאך. in einer Nacht ע׳ לשונות beibrachie. Wie wird es mit dieser Redartiöu au-sehen? Etwa so wie mit der Erpedition der hebr. Grammatik von demselben Verfasser? Herr Schreiber, gewesener Rabbiner-in MatterSdorf. hielt vorige Woche (פ׳ וקרא) seinen Einzug in Krakau. Näheres später. Der Streit Hirsch-Frankel, wegen der von Frankel in seinem hebr. Werke דרכי המשנה (Hovrgctik) zu Grunde gelegten Ansichten über die jüdische Tradition war ursprünglich und eigentlich ein principieller Kampf, und artete auf Veranlassung einiger herben Ausdrücke von Seiten Hirsch's durch die Schüler, Freunde und Verehrer Frankel's in ein persönliches Zerwürfniß auS, wobei zu bedauern ist, daß kein Maß an Gehäßigkeitrn und Verleumdungen ge-^ * spart wurde. Wenn sich Frankrl in seinem genannten Werke nicht klar ausgedrückt, was für ihn die einzige Entschuldigung sein kann, und was wir anzunehmrn geneigt sind, insbesondere, da Frankel die hebr. Sprache nicht leicht handhabt *), so wäre eunsehr lieb, wenn Frankel sich entschließen möchte, jetzt wenigstens seine Ansicht ksar auseinander jetzen zu wollen, um entweder die ihm zur Last gelegte Schuld von sich abzuwälzen', oder seine Behauptung zu verteidigen. Wir werden, so Gott will, in einiger Zeit auf diesen Prtctptenkarnpf ringehen, und ihn näher beleuchten. zyx. *) Dgl. z. B.: S. 1. Z. 4: מעלה שניר; das. Z. 2,». u.: רכות החירות; S. 5, 3. 8: חירות התורה; S. s, Z. 21: המלאכה זאת (auch da« Wort המלאכה unpassend); das. Z. 28: בעיון על פני (Gründlichkeit mit VberflLchlichte«»?«); 6. 6, Z. 17: עלה על זכרינם; das. Z. 24: 8 •©;גדעון, Z. 12: למלכים יונים; das Z. «3: ויתנחלו; das. Z 22: והורקה מכלי אל כלי; E. 11, Z. 5:בתרגום זה היוני u. a. «. t