Allgemeine illustrirte Judenzeitung
- Journal
- Allgemeine illustrirte Judenzeitung
- Volume
- 2 (1861)
- Issue
- 13 (29.3.1861)
- Date
- 1861-03-29
- Page
- Seite 102 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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■י 102 Kind noch, Hab' Ich «ktgejubelt Dankeslieder, lusiberanscht; Meines Volke- Freiheitsstinge« Hab' ich andachtsvoll gelauscht. Jüngling, Mann bin ich geworden; Jener Lieder süßer Ton, Hat noch lang mir »achgeklungen — Doch als Lied nicht, nein — als Hohn! Freiheitslieder soll ich fingen. Und mein Herz ist voll von Harm! Fest der Freiheit soll ich feiern. Und in Fesseln liegt mein Arm! Muß vergang'ner Zetten denken. Will ich kosten Freiheltslust; Freiheit ist für mich erstorben, Lebt nur noch in stiller Brust! — Völker, die ihr frei geworden. Gebt auch uns der Freiheit Theil! Wir auch haben mitgerungen Um de- Lebens höchstes Heil! Nicht seit gestern, nicht seit Tagen Warten wir der Freiheit Herd, Nein, seit Tausenden von Jahren Schon mein Volk im Fest fie ehrt.' Das, was ihr als Recht erstritten. Als deS Ruhmes besten Lohn, U»S gilr's höher noch al- All»S — F r e i h e i t ist uns R e l i g i o n! Heinrich Reis- V"t.׳ K. Das in diesen Blättern bereits erwähnte ungarische Gesangbuch für den isr. Tempel liegt uns nunmehr unter dem Titel: ״Izraelita vallaaos 4nekek a nvilvanoa isteni tisztelet, az iekolai 48 a bäzi ähitat szimära, imaköuyvve rendezte cs zen4vel kiadta Friedmann. Mor. a Pesti izraelita közs^g fökantora, magyaritotta Tatay Adolf, zur Einficht vor. DaS Buch enthält die früher» deutschen Lieder für Sabbat und alle Feste des Jahres mit bekgevruckten Melodien; es find zusammen 200 Lieder, darunter einige alte vom Publikum bereits gekannte und 1l neue, vom Ober- Cantor Friedmann componirt. Den musikalischen Theil anbelangend, haben ßch maßgebende Musiker dahin ausgesprochen: daß diese Gesänge, im edlern Kirchenstyle gehalten, sowohl in der Schönheit der Melodien als auch in der von musikalischen Studien zeugenden Harmonisirung dem Zwecke vollkommen entsprechen. — Der Nutzen diese- Buchebesteht darin, daß die Gesänge zu einem förmlichen Gebetbuche geordnet find, daß der Gesang stereotyp bleibt und darum von der ganzen Gemeinde gesungen werden wird, was zur Hebung der gottesdienstlichen Andacht viel beiträgt. Ferner eignet fick das Buch für den Gesanguaterricht in der Schule und für die häusliche Andacht, indem diese Lieder auch am Clavier gespielt, von angenehmer und erbaulicher Wirkung find. Endlich wird durch dieses Buch unter den gegenwärtigen Verhältnissen einem immer mehr sich herausstellenden vaterländischen Bedürfnisse abgeholfen, indem es d׳n patriotischen Gemeinden die Einführung des ungarischen Idioms in Synagoge und Schule ermöglicht. Herr Obrr-Cantor Friedmann hätte nun seine Verdienste um die Verherrlichung des Gotte-rienste- «m ein Bedeutendes vermehrt, und wäre es nur zu wünschen, daß die löbl. Cultusvorstände und Schuldirectionen das zcitgen äße Unternehmen und die trefflichen Leistungen des verdienstlichen Herausgebers durch Verbreitung des in Rede stehenden Buches würdigen möchten. Bezüglich der Ungar. Uebersetzung, die der talentirte Herr A. Tatay lieferte, Haben sich verläßliche Fachmänner, -wie Jokay Mor. und Täth KLlmän günstig ausgesprochen. — Wir sehen dem größern Werke, welches Herr Friedman» in seinem Vorworte zu diesem Buche verspricht, mit Freuden entgegen. L. Dieser Tage ist in der Handesschule de- Herrn vr. Fischer die Semesteralprüfung abgehaltrn worden. Herr Fischer hat bei dieser Gelegenheit seinen gegründeten Ruf al- Pädagog neuerdings bewährt. Die Prüfungen in dieser Anstalt sind keine Schauprüfnngen. wo die elvstudirten Fragen nur an einzelne, abgerichtete Schüler gestellt werde»; sondern wir hatten das Vergnügen hier zu bemerken, daß selbst wenig begabte Schüler geistig entwickelt werden. Die anwesendeu PrüfungSgäste waren von dem gründlichen Wissen der Schüler überrascht, unv besonders lobend haben sich einige gebildete Kauflrute über den praktischen Unterricht in der Buchhaltung, im Rechenfache und in der Hanvelsgeographke ausgesprochen. — Die schriftlichen Ausarbeitungen in der Buchhaltung «. s. w. ließen nichts zu wünscheu übrig. p. Wie alljährlich ward auch diesmal am ersten P e ß a ch»Abend das Seder-Mal den Zöglingen deS tSrael. HaadwerkSverrineS im Gemrindesaal veranstaltet. — Ein von den Zöglingen in ungarischer Sprache gesungenes Lied eröffaete die Feierlichkeit, dann hielten Se. Ehrw. Herr Oberrabb. vr. W. A. Meise! und der VereinSpräse- Herr 3- Kern passende Ansprachen an die Zöglinge sowohl, wie an die zahlreich anwesenden BeretnSmitglteder. worauf der Vortrag der Ha gada h durch Herrn Obercantor Friedmann und endlich das Festmahl folgte. — Comsxondenz. □ Temesvar. im März. Der Amtsantritt des Herrn Rabbinrrs vr. Schmied! ist seit Monaten schon in die Länge geschoden. Die gegenwärtigen Verhältnisse hierlandS seien jetzt von so wenig einladender Ait, daß man nicht einen sichern Posten aufgeben könne, um hieher zu überficdeln. DikS wirv aleiner längeren Darlegung kurzer Sinn zur Entschuldigung angegeben. Wir bedauern die Beeinträchtigung der Sympathien, welche daS neue Oberrabbinat durch diese Motivirung deS Aufscbube- und über- Haupt durch diesen Aufschub erfährt. — Wenn eine Gemeinde in ihrer Wahrheitsliebe so weit sich ergeht, dem von ihr in allen Ehren gewonnenen Seelenbirten zu gesshen, wie sehr und wie balv sie seine- Einwirkens, seiner Brrmittelung zwischen den, der Entladung nahen Partcistreitigkeiten,berarf. und derselbe auf die vollbrachte Ratificirung eines Vertragspunktes Bezug nehmend das bedeutungsvolle Wort ausgesprochen hat: ״Von diesem Augenblicke dünke ich mich Ihr Rabbiner!": dann ist rS kaum begreiflich, wie dennnoch irgend etwa-, sei es eine siebtnfach erhöhte Gcspensterseherei, Herrn vr. Schm, zurückhalten kann. Se. E rwürden, der weit unv vi,!gerühmte Rabbiner vr. Schmidl wolle riese Frrimüthigkeit um so eher verzeihen,-alsie durch das traurige Faktum bervorgerufen ist, welches durch sein langes Ausbleiben hier zu Tage gefördert wurde. Seit undenklichen Zeiten bildete hier die jüdische Bewohnerschafl der inner» Stadt unv der Vorstädte, gleichwie bei den andern Confessionen, nur eine Gemeinde. Die Vorstädte bringen ebensogut ihre Vertreter in die Repräsentanz wie die Sefardim, welche hier ihre historischen Rcchtc haben. Die Vorstadt ״Fabrik" hat an Gemeinveglircern das stärkste Contingmt. Schon im vorigen Jahre kamen von dieser Seite gröbliche Anklagen gegen die Gemeindeverlretunz vor das Forum der avministrativen Behörde, die ihre ״unpartei'schcn" Recherchen anstellen ließ und nach Prüfung der ungerechtfertigten Angriffes mit Anwendung der ״eisernen Faust" drohete. Wie seitdem diese in die Brüche ging, weiß Jedermann. Was Wunder also, daß, nachdem der ersehnte Friedenöpricster, auf den aller Augen gerichtet waren, nicht gekommen und die Gemeindevertretung inzwischeu es auß.-r Acht ließ, durch sich selbst die große Angelegenheit zu irgend einem Ende zu bringen, daß jetzt auch hier nicht nur der Wunsch nach einer Restauration allgemein geworden; sondern daß die Zweigcommune ״F a b r i f ״ sich abzulösen, und sich selbstständig zu eonstituiren gedenkt. Jedermann ist davon überzeugt das Ausbleiben deö Hcrrn Rabbinerhat diesen Bruch gefördert. Es scheint, als wenn auch daS avoptirte Instrument eines Organisirungs-Comite's, daS ln einer der letzten Generalversammlungen eingesetzt ward, eine jener Aibcit n zu vollziehen hätte, welche die griechische Mytde zum Erempel aller erfolglosen Bemühung aufstell,; denn schon sind die ״Fabrikler"