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Allgemeine illustrirte Judenzeitung · 1861-03-29 · 13 (29.3.1861) · p. Seite 99

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Journal
Allgemeine illustrirte Judenzeitung
Volume
2 (1861)
Issue
13 (29.3.1861)
Date
1861-03-29
Page
Seite 99 (sequence 3)
Language
German
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. 99 tat« sie seit ihrer Zerstreuung lebten, wo sie unaufhörlich fich de» fchäftigen mußten im Aufsuchen der geeigneten Mittel, um ihr nur aus bewegliche» Gütern bestehende» Vermögen zu erhalte», fortzupflanze«; u»v circuliren zu lasse», viel dazu beitrugen, um ihren Geist und ihr Interesse auf alle Eombinationen, deren diese Art de- Reich» thums empfänglich war, z« lenke«. Aber von dem Momente an, »o der bewegliche Reichthum eine herrschende Macht geworden, seitdem die Circulation »nd die Beweglichkeit deS öffentlichen und privaten Bermögens da» große Gesetz der Bolkswirthschaft ausmachen, konnte die israel. Bevölkerung, seit langer Zeit erfahren in diesem Fache, den ersten Ranetnnehwen unter den Finanzmänner«, die den neuen Ftnanzthevrieu huldigen. Und die Anwendung dieser oortheilhasten volkSwirthschaftlichen Systeme hat nicht» gemein mit den elenden Gebräuchen der Geldzähler und der schändlichen Wucherer, kür welche das allgemeine Bor» urkhnl und selbst daS der höheren Massen den Rest deS verfolgten Israels halten wollte. Männer, deneu man die Ausführung der Eisenbahnnetze, diese» großen Beförderungsmittels für Fortschritt und Eintracht zwischen den Nationen, dankt, die große Arbeiten zum allgemeinen Nutzen auSgeführt, Döifer und Städte umformt, die Mittel für Credit und In» dustrte vervollkommnet, in einer so kurzen Zeit, dagesellschaftliche Bermvgen verzehnfacht und in alle Bolksklassen -eben und Beweglschfeit gebracht. — diese Männer leisten der Gesellschaft Dienste, die man nicht genug zu bewundern und anzuerkennen weiß. An der Spitze dieser für da- Wohl der Gesellschaft so großen Unternehmungen stehen fast überall ausgezeichnete Israeliten. Nein! das sind nicht BanquierS im gewöhnlichen Sinne deS Wortes, wie. man Rothschild, Pereire und andere mehrere zu nennen pflegt, das sind gcistige Kräfte, BolkswirthschaftSverbefferer. welche mit den neuen industriellen und finanziellen Formeln der socialen Thätigkeit einen unendlichen Impuls gegeben haben. Und neben ihnen diese auserlesenen Ingenieurs, inspirirt von ihren Ideen, welche den so wunderbaren Fortschritt in der großen Industrie der öffentlichen Arbeiten bewirkten. In der That! die industrielle und finanzielle Welt erkennt seit langer Zeit ihre Superiorität an, diese wird aber nicht bewirkt durch die materielle Macht deS Geldes, sondern sie fußt auf dem Principe der moralischen Macht der Intelligenz. Wenden wir uns nun weg von dem volkSwirthschaftlichen Kreise, wo sie ihren großen Einfluß fast mit Niemand theilen, wo ihre stau» nenswerlhr Tbätigkeit fast ohne Gleichen ist; betrachten wir sie in den andern gesellschaftlichen Verrichtungen und siehe l dieselbe Erschetnung stellt fich uns dar. Dir freien Professionen werden von vielen angesehenen Israeliten auSgeübt. Der Gerichtsstuhl, die Medizin, die Literatur, die schönen Künste, die Tribüne, die Politik, die Univerfi ät. das Lehramt, die Akademien, dse gelehrten Gesellschaften verzeichnen mit Ehre eine ziemlich große Anzahl von Israeliten. Franck, Hal^vy und Munk haben ihren Sitz im franz. Institut als würdige.Belohnung für ihre Werke, die sie erheben zum esten Range unter den Philosophen, Gelehrten und modernen Beifassern. Am kaisrlichen Gerichtshöfe zu Air fungirt ein Kammerpräsident, der streng am iSrarl. Glauben festhält; an dem zu Paris einer der ausgezeichnetesten Räthe, der zugleich Mitglied des Central-Consistoriums ist. Die Avvocatenkammer nennt mit Stolz neben einer Menge von talentvollen jüdischen Advokaten die Namen Crömieur, Bedarride von Montpellier, Bädarride von Air, ältester Vorsteher und Maire von Air, in den schlechtesten Tagen von' 1818. In Bordeaur ist einer unserer Glaubensgenossen als Ad« junct sehr geehrt und geschätzt , und z׳> Lyon wirkt einer als Rath bet der Pläfectur. Zu allen Zeiten finden wir sie in der Mitte un» serer gesetzgebend« Versammlungen, als: Alcan, Ennery, Goudchaur, Königswarter. die zugleich Gelehrte find, Leopold Iaval, mit dessen Namen die Gründung deS schönsten landwirth schaftlichen Institutein Frankreich verknüpft ist. Selbst in den höchsten Regionen der öffentlichen Amtswirksamkeit treffen wir sie: Crömieur als Jufttzminister, Goudchaur als Ftnanzminister, Achille Fould als Staat-minister und des kaiserlichen Hanse», »ach ein»« berühmten politischen Lebe» unter,der Julirrgierung und u»t«r der Republik von 184&. . j Einen nicht weniger bemerkbaren Platz.vehme» ste?«tt» in »er Literatur, 1» den Wissenschaft«. t, der Journalistik, t» der Geschichte, wie überhaupt in allen Sphären deS Geiste». Wir nennen, Sa l» vador, Gerson Lävy. Wogue. Bloch, Ley« Gozk»«, Ennery, Alerander Weil, Lohen, Horn. Lahe»«.».«, über alle Albert Lohn, ein Gelehrter und wohlchsttiger Ran». Er ist der unermüdliche Organisator der israelitischen ,Charit«" tu Frankreich und der ganze» Welt, er ist als ftommer Missionär jeder» zeit bereit, für die Sache unserer verfolgten Brüder eiazustrhen und ihnen die Freundeshand zu bieten, um sie zu erheben in den Augen der andern Völker »nd in ihren eigenen Augen. Die schöne» Künste betreiben eine Menge unserer ReltgionSgenoffen; in der Musik machen Meyerbeer und Halevy ihre Ansprüche geltend und neben ihn« JuleS Cohen, Alkan Emile, JonaS, Offenbach, Se» ltgman u. a. m. Alljährlich erhalten i« Eonservatorinm viele i-rael. Zöglinge den StegeSpreiS, und die natürliche Anlage» derselb« für Musik ist daselbst zum Sprichwort geworden. Die Maler- und Bildhauerkunst betreiben Lehmann. Adam, Salomon Ulmanu u. a. m. Die dramatische Kunst verzeichnet uns Hunderte, die auf französischen Bühnen großen Erfolg errang«, und Allen voran die arme Rachel, die den Jnbriff deS tragischen Gente's unserer Zeit ausmacht. Nock find wir nicht zu Endel Unter d« sich aufopfernden der Verfolgung ihr Privilegium war. An der Spitze diese» geachteten Standes steht als erster Arzt der franz. Armee der berühmte Professor von Val-de-GrLce Michel 8 6vp, zugleich einer der vorzüglichsten Schriftsteller. Ergeben diesem edlen Frankreich, welcheihre Kette» gebrochen, find sie ihrem neuen Baterkande mit Liebe zugethan und waren stet» muthig und tapfer, wo es galt die Ehre »nd da- Interesse der Nation zu vrrtheidigen. Tapfer kämpfen sie in den Reihen der Armee an der Seite ihrer Brüder anderer Religionsbekenntnisse und steigen von Rang zu Rang. Und sie kommen hierin nicht blo» der grsetzlichen Vorschrift, die jeden französischen Bürger verpflichtet Soldatendienst zu leisten, nach, sondern es ist ihr Charakter und ihr Muth, die sie zur Handhabung der Waffen hlnztehen, al» würdige Nachfolger^ ihrer heldenmüthigen Vorfahren, die allein im Altertbume durch 100jährigen Widerstand, die bis dahin unbesiegbare Macht der Römer, der Beherrscher der ganzen Welt, im Zügel hielten. — Unter den 4000 Zöglingen, die seit 1830 die polytechnische Schule besuchten, gehör« mehr al» 100 der i-rael. Religion an und die, welche aus dieser Pflanzstätte für Krieger hervorgegangen, gelangten bet der Ar» tillerie und beim Geniecorps zu hohen Stellen. — Während die jüktsche Bevölkerung kaum den 400strn Theil der franz. Nation ausmacht, verhält fich die Zahl der tSrael. Zöglinge in den Militärschukrn wie 1:40. Und in allen Branchen der Armee, bei den Intendanzen und Ambulanzen, fungtren Angehörige des Mischen Glaubenals HS- Here Beamte. Sie wirken auch fast an allen öffentlichen Schulen. Im CollSge de France hört man auf raS Wort deS sehr gcachteten Ad. Frank, im Eonservatorinm für Künste und Handwerke drängt man fich zu dcn Vorlesungen des Herrn Alcan, den Lehrstuhl für Philosophie und Literatur zu Douak nimmt Auguste Dtdal ein, und zu Napoleon-Vend-e Isidore Cahen, den die neue Berufung ant-rael. Seminar für die ihm von der ultramontanen Partei zugefügte Unbill schadlos hält. — I» den LycSen, in dee Normal- und Primarschule unterrichten Israeliten neben katholischen Professoren die französische Jugend. Fügen wir noch Hinz« die staunenSwerthe Entwickelung, «eiche die jüdischen Schulen und die iSraelit. Anstal:« überhaupt genommen haben. Eine beträchtliche Anzahl von auSgezeichnrt« Lehrern «n» hervorragenden Männern im Erziehung-fache ertheiten unfern ju»g« Religion-genossen vrn Elementar« und höher« Unterricht in »llen Fächern *

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