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Allgemeine illustrirte Judenzeitung · 1861-03-29 · 13 (29.3.1861) · p. Seite 98

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Journal
Allgemeine illustrirte Judenzeitung
Volume
2 (1861)
Issue
13 (29.3.1861)
Date
1861-03-29
Page
Seite 98 (sequence 2)
Language
German
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|« ««sere bezugnehmend auf unsere vorläufige Anzeige in Nr. 11 richte» wir hiemit au unsere Leser die ergebenste Einladung zur Pränumeration auf unser Wochenblatt, welches vom 5. April d. I. augefangen, jeden Freitag im bisherigen Formate und Umfange, sowie in gewohnter Ausstattung unter dem Titel: mifl 9 heranSgegebr« *#n Pr. W. A. Mel sei, Miteigenthümer. Brrleger und verantwortlicher Redakteur Jos. Bär mann, erscheinen wird. Wenn das Hervortreteu unserer Blätter vor 8 Monaten noch vielleicht einer Rechtfertigung bedurft hätte, so glauben wir heute einer solchen überhobea zu sein; und wenn der Bestand"eines neuen jüdischen Organes in Ungarn damals nur als nicht überflüssig zu bezeichnen war, so könnte heute mit Fug und Recht die Nothwendigkeit desselben anerkannt werden. Ja gerade bei der Erregtheit der Gemülher und der Spannung der Geister ob der hochwichtigen allgemeinen Fragen, welche die Gesammtmonarchie und unser ungarisches Vaterland insbesondere beschäftigen, und bet der hiedurch veranlaßten scheinbar ungünstigen Stimmung für speciell jüdische literarische Unternehmungen halten wir, und wir können mit Beftiedigung sagen, halten alle Einsichtigeren und Besseren unter uns für gedoppelt nöthig, die Wirksamkeit eines journalistischen Organes, daS fich's zur Aufgabe stellt, das Interesse und die Theilnahme an jüdischen Angelegenheit zu wahren, den Gefühlen des Staatsangehörigen und Patrioten Rechnung tragend, doch auch das!üdische Selbstbewußtsein zu nähren und zu kräftigen und der heuchlerischen Wegwerfung und unwürdigen Selbstvergessenheit eatgegenzutrrten, außerdem aber allem Edlen und Heilsamen im Synazogen-, Gemeinde- und Schulwesen kräftig und beharrlich das Wort zu reden. — An der Erfüllung dieser hochheiligen und wichtigen Aufgäbe wollen diese Blätter unter gemeinsamem TÜel auch fortan mit ungeschwachter Kraft und Ausdauer, unter der bisherigen literarischen Leitung, rüstig fortarbeuen; und wie sie in dieser Beziehung ihr Streben und Mühen unverringert bewahren, so werden sie anderseits, wofür schon der Name des geehrten Herausgebers des bisherigen ,Lärme!" bürgen mag, durch die Vereinigung mit diesem gewiß an Reich- Halligkeit und Mannigfaltigkeit gewinnen. — Möge die Theilnahme deS P. T. Lesepubli'kums uns nicht entgehen, und mögen auch unsere bisherigen geehrten Mitarbeiter unS so!tan durch ihre geschätzte Mitwirkung erfreuen. Letzterehoffen wir um so zuversichtlicher, als wir ihnen die Versicherung geben, daß ihnen die Freiheit und Unabhängigkeit in Besprechung der Zustände und Angelegenheiten, innerhalb der Grenzen, welche Sitte und Anstand und vor Allem die Ehre und die Würde des Judenthumes setzen, ungeschmälert bleibt. — Ganzjährig: 8 fl. ö. W. — Halbjährig: 4fl. ö. W. — Für die bisherigen Abonnenten des ״Carmel" bis zum 1. October d. I.: in Pest % fl. 50 kr. ö. W. und auswärts 3 fl. ö. W. Geldsendungen, Packele und Briefe sind zu senden: An das Verlags-Comptoir d. ״Carmel, Allgemeine illustrirte Ju denseitung“, Zrinyigasse, Hotel Europa, Pest. Pest, am 28. März 1861. JOS. -- Die Israeliten n der französischen Gesellschaft. (Rach ״>* Verite x»ra<1ite“, bearbeitet von Dr. Ungerleider.) Erwägt man, welchen Platz das iSrael. Volk in der modernen Gesellschaft einnimmt. welche Rolle seine Söhne und seine Repräsentanten in ihr spielen, so scheint uns die Behauptung nicht ungerecht׳ fertigt, daß man stolz sein darf, diesem erwählten Stamm anzugehören, der. so lange Zeit verfolgt, sich, so bald das Joch deS Unter« drückers von seinem Nacken schwand, schnell und glänzend wieder erhob unter den Augen der Völker und unter dem Schutze des gerechten Gottes. — Achtzehn Jahrhunderte der Sklaverei und rer Schmach schienen bei diesem geächteten Volke für lange Zeit die edlen Eigenschaften der Seele, das Gefühl für Gutes unv Schönes vernichtet zu haben. Diesen Heloten aller Nationen mußte durch ihr langes Märtyrerthum alles Selbstbewußtsein für persönliche Würde, aller Geist für die großen Ideen und erhabenen Tugenden, jegliche Anlage für Kunst. Wissenschaft und Literatur, kurz für Alles, was den socialen und moralischen Fortschritt ausmacht, abgehanven gekommen^ sein. Diese- Volk mußte überdies, als ein niedriger Spielball der Regentenlaunen und unaufhörlich der Gefahr ausgesetzt, von dem Orte, wo e» ihm erlaubt war, ja» Zelt aufzuschlagen, weggejagt zu werden, ohne Sicherheit für die Familie, für Leben und Eigenthum, sich »ergraben und aufzehren in den materiellen Sorgen für seine Existenz, in den Spekulationen f.ir seine Vertheidigung und Erhaltung, und Allevernachlässige», wa- Geist und Bildung bettifft. Wie viele Jahre, oder Jahrhunderte vielleicht werden nöthig sei», u« daisraelitische Volk tu seine frühere Würde etnzusetzen. um in seiner Seele den göttlichen Strahl, der durch die Finsterniß der Knechtschaft verdunkelt und vielleicht für immer verlöscht worden, wieder anzuzünden? Ein halbes Jahrhundert kaum ist verflossen, seitdem daS civilisirte Frankreich die Grundsätze der Brüderlichkeit und der allgemeinen Freiheit proclamirte, durch deren Einfluß die Fesseln von Israel gefallen. Folgen wir in diesem plötzlichen Uebergange dem Reste des jüdischen Volkes. Was wird aus ihm im Schoße der modernen Gesellschaft? Welchen Gebrauch macht es von dieser, ihm so wunderbar zurückerstatteten Freiheit? Wir finden die Israeliten anfangs in einer Minorität, verschwindend und unmerklich in der Mitte von 36 Millionen Einwohnern, welche die französische Nation ausmachen, und noch heute erhebt sich nicht die israelitische Bevölkerung Frankreichs, trotz der Anziehungskraft, die dieses Land der musterhaften Gleichstelluug Aller, auf die Juden der andern Länder ausüben konnte, zur Zahl von 100,000 Seelen. Diese kleine Anzahl besitzt aber eine geistige Kraft und eine moralische Stärke, deren wenige andere Stämme fähig sind. Wie wenige Jahre genügten denselben, um sich zu afsimiliren mit den verschiedenen Elementen der Gesellschaft, die sie frei gemacht, und in ihren Schoß aufnahm. Eine kurze Zeit ist seitdem verstrichen und schon nehmen sie Theil an Allem, was daS gesellschaftliche Leben begründet, an Allem was erhaben, fortgeschritten, geistig und fruchtbar sich darstelll- , Man machte ihnen oft die außergewöhnlichen Vorzüge in finanzicllen Geschäften als Charaktermerkmale zum Vorwurfe, ein Schriftstellet nannte sie sogar von diesem Gesichtspunkte auS ״die Könige de- Zeitgeistes.-׳ Es ist in der That gewiß, daß die Verhältnisse, unter 3927

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