Allgemeine illustrirte Judenzeitung
- Journal
- Allgemeine illustrirte Judenzeitung
- Volume
- 2 (1861)
- Issue
- 12 (22.3.1861)
- Date
- 1861-03-22
- Page
- Seite 94 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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Census eingeführt worden, wodurch ein beträchtlicher Theil der Gemeindeglieder deS herkömmlichen Stimmrechtes verlustig wurde. Die orthodoren Gemeindeglieder nahmen auch Anstoß an L's. progressiver Richtung. So entspann sich rin leidenschaftlich geführter Prozeß, den die ungarische Hofkauzlek zu Gunsten der Wahl entschied. Auch in Papa war, wie in Gr. Kan., die Erbauung eines zweckmäßigen Schulhausedas Werk seiner Anregung. 1848 wurde er zum jüdischeu Seelsorger bei der Nationalgarde deS Vesprimer Komitats ernannt, um die mobilifirte Garde an die Drau zu begleiten. 1849 gerieth er in Folge von Angeberei in lOwöchentliche politische Haft. 1850 wurde er von der Szegediner Gemeinde einstimmig zum Rabbiner gewählt. Bald nachher trat daselbst eine Mädchenschule in's Leben 1851 war er Referent bei einer vom Bar. Geringer niedergesetzten Berathungskommissiou, welche ein Statut zur Regelung der jüri« schen Kultusangelegenheiten auSzuarbcitcn hatte. Seitdem hat Lbei verschiedenen Gelegenheiten auf Aufforderung der Behörden, namentlich der k. k. Statthalterei-Abtheilung zu Ofen, viele jütisch ׳theologische Gutachten abgegeben, und eem jüdischen Schulwesen in Ungarn tankenswerche Dienfte*gelciftet. Ter Berufung nach Lemberg (1853) und nach Brünn (1857) hat er keine Folge geleistet. Als Schriftsteller versuckte sich L. schon seinem 16. Jahre. Seine Jugendarbeiten, durchaus hebräisch und meist poetischen Inhalts sind nicht gedruckt worden. Als deutscher Schriftsteller trat er 1838 auf. Seine ersten Aufsätze erschienen in der Universal-Kirchenzeitung (Frankfurt am Main) und in der allgemeinen Zeitung des Judenlhums (Leipzig)- Sie sind meist der jüdischen Volks- und Religionsgeschichte gewidmet. L's Schriften in deutscher Sprache sinc: Einleitung in Chorins ״Kind des hohen Alters״ unter dem Titel ״Die Reform des rabbinischen Ritus auf rabbinischem Standpunkte." Wien, Strauß 1839. Ben Chananja. Blätter für israelitisch-ungarische Angelegen- Herten. Leipzig, Otto Wr'ganr,. 1844. ר.מ!°ר.ר Praktische Einleitung in die heilige Schrift und Geschichte der Schriftauslegung. Gr. Kanischa, Markbrer'ter, 1835. Biblische Geschichte. Zum Gebrauche der israel. Schulen im Kaiserthum Oesterreich. Wien, k. k. Schulbüchcrserlag. 1858. Ben Chananja, Monalschrift für die jüv. Theologie, I. Jahrgang 1858. ll. Jahrgang 1859. Szegedin, Burger, 1858 — 1859. Außerdem mehrere Predigten und Gclegenheitsreren, nebst zahlreichen Beiträgen in Jahrbüchern und jüv. Zeitschriften; worunter besonders bemerkenewerth: Tie Schicksale unr Bestrebungen der Juden in Ungarn 1. und 2. Artikel, in Busch'S Jahrbuch 1845 — 40 und die Geschichte des mäbr. Lande.srabbinates seit 100 Jahren in ״Wiener Blätter", 1851. In ungarischer Sprache sind außer Predigten unv mehreren Artikeln im ״Pesti Hirlap" und rem Nepelem" erschienen: .V magvar zsinagoga. Kelvilugosodott valläsosaag tiszta erkölcsiseg es biizsd liazafisdg az izraelitdkküzti elterjesztesdre. Papa 1*47. Zsidci valldselvek. JNIegdllapitva a nagy Siuhedrin ältal telutö l*<>7ben Parisban. F’ranczidbdl fordi'tva es jegyzetekkel. Pdpdn 1818; (letztere Schrift, so eben in einer zweiten Auslage zusammelt mit einer Abhandlung: .V magvar nemzetiseg es a’ zsidok, unter dem gemeinschaftlichen Titel: Törtenelmi es vallastudomdnyi ertekezesek.) Von hebräischen Arbeiten sind hcrvorzubebcn: 5-2: 2* אני־; ׳2׳ (rcligionsgrschlchttiche Erörterung über die Nazarener und Ebioniien im Thalmud); :,רמרלביב ‘־ד:־ über Reformen im Jureiuhume in: Jahrbuche He-Cbaluz. Lemberg,!853 und 1856. tWinter s Jahrb. 5621.) Der Anschluss der Hruger Iudengemeinde, und die Auünssnng ihrer Hauptschule. Hierüber brachte tieft vorzügliche Zeitschrift Nr. 8 eine Corresvondenz aus Prag, worin das Vorgehen der dortigen Repräsentanz, wegen Auflassung der jüdischen Haupt- und Untcrrealschule, sehr arg mitgenommen wird. Obne nun für die Häuoter der Prager israel. Gemeinde vlaidircn zu wollen, sondern nur um der Wahrheit und > dem Rechte die gebührende Ehre zu zollen, erlaube ich mir Folgendes zu entgegnen. Es ist schon viel, namentlich in Gemeinden größerer Städte, darüber debattirt worden, ob überhaupt eine jüdische Schale, welche dem Kinde alle - Wiffensnöthige bietet, durchaus erforderlich sei, oder ob bloß sogenannte Religtonsschulen genügen? Die Einen sprachen sich für Erstere aus, angebend, daS Kind müsse gewissermaßen den jüdischen Glaubensgeist in der Schule fürs Leben gewinneu. und hiezu sei eine rein konfessionell jüdische Schule nöthig. Die Gegner wieder behaupten, da- Besuchen rer Lehranstalten Andersgläubiger gewähre den Vortheil, daß die Heranwachsenden Bürger in, der Schulbank gleichsam das harmonische Zusammenleben sich allmältch aneignen. — Nun liegt freilich in jeder der beiden Ansichten viel Wahres, und können wir uns nur dann mit der Elfteren befreunden, so die jüdische Schule, eine wirklich spccifisch jüdische ist, so der jüdische Geist sie wirklich durchweht; sonst aber muß man schon der unnölhigen, unv in der Jetztzeit allenfalls nachtheiligen Sonderung wegen — der Erhaltungskosten gar nicht zu gedenken — ausrufen: טוב שלא ברא משנברא:. Unter jüdischem Geiste 'aber, der in der jüdischen Schule vorwalten soll, verstehen wir den herzerhebenden und glaubenswarmen Unterricht in der Religion der Väter, wodurch das Kind wenigstens mit rem Pentateuch in den untern, mit Propheten und Hagiographen in der Ursprache in den ober» Classen vertraut gemacht werke; dort aber, wo dieses nicht der Fall, wo der hebräische Unterricht stiefmütterlich behandelt, oder gar ganz verdrängt wird, dort ist das Bestehen einer jüdischen Schule eine Anomalie. Wie steht cs nun darum an der Prager israel. Schule? Wir haben alle Hochachtung vor dem uns bekannten Lehrpersonale dieser Anstalt; wir wissen im vollen Maße die Verdienste der Veteranen: Winternitz und Utitz, die Tüchtigkeit der Lehrer Fis ch e l, Singer u. s. w. zu würdigen; wir haben nicht da« Mindeste gegen die ausgezeichneten Leistungen der Lehrstätte, der sich Mädchenschule und Kinderbewahranstalt harmonisch anschließen, einzuwenden. Aber, fragen wir, wie stehts da um das heiligste Pallarium Israels, um das Alpha res jüdischen Unterrichtes? Wir' kennen die Anstalt genau, wir können Antwort geben. Seitdem der selige Wolf. Majer unterrichtsunfähig geworden, ward kein hebräisches Wort daselbst mehr vernommen; nicht Bibel nicht Propheten, ja nicht einmal das Erste, dem jüdischen Kinde Uncrläßlichste — das hebräisch Lesen — wird seitdem dort gelehrt. Tie Bemittelten, »inen Judenthum und jüdische Erziehung noch einigcrmaßen am Herzen liegen, lassen wohl hierin ihre Kinder privat unterrichten; — und die Armen? freilich -ist vor vier Jabren die Talmurthoraschule reorganisirt worden, aber kann diese allen Kinkern ras ersetzen, was ihnen die öffentliche Lehranstalt, so ungerechter Weise vvrenihält? Wir sehen demnach in dem Vorgehen der Prager Cultus-Rcpräsentan; durchaus nichts Arges; denn wozu eine eigene jüdische Schule mit solch' bedeutendem Kostenaufwande erhalten; oder sie der Stadt, die gewiß sehr gute Lehranstalten besitzt, aufbürken? Wir kennen auch riese so ziemlich, haben allen Respect vor dem .-,?רש das dort noch arg milunterläuft; Culiur und Zeit jedoch — wir sind der Ucberzeugung — werden auch über diesen mittelalterlichen Nachtrab recht bald ten Sieg erringen, und wirr gewiß die Prager israel. Gemeinde, das jüdische Interesse wahrend, für einen dem Geiste des Jurenthums entsprechenden Religionsunterricht Sorge tragen. Aber, wir wiederholen es, eine Schule erhalten, die keineswegs den jüdischen Anforderungen entspricht, hat heute zu Tage das Nachtheilige, daß man sich den Anschein gibt, als habe man zur Commune, der man doch nun ganz angehören soll, fein rechtes Herz gefaßt. Zum Schlüße noch Folgendes: Einen uns befreundeten geistreichen Mann frug man, als in .... der Reform- Cultus bestand, was er davon halte? ״Ich erkenne", sprach er, ״darin nur noch in so ferne Judenthum, als Christus nicht verehrt wird." — Die Prager jüdische Hauptschule ist in so ferne eine jüdische Lehranstatt, — indem dort kein רשעת herrscht. *) 8-8 i. E. *,) Und das wiegt in den Augen des geehrten Herrn Einsenders so leicht? oder halt er den vollständigen ״Lieg der Zeit über den mittelaltcrlicken Nachtrab"