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Allgemeine illustrirte Judenzeitung · 1861-03-22 · 12 (22.3.1861) · p. Seite 93

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Journal
Allgemeine illustrirte Judenzeitung
Volume
2 (1861)
Issue
12 (22.3.1861)
Date
1861-03-22
Page
Seite 93 (sequence 5)
Language
German
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—«» 93 »־— an nöthiger Ruhe und Pflege und an einem, vor jedem störenden Einflüsse sicheren Unterkommen oft beeinträchtigt wurde. Diesem Uebelstande abzuhelfen, gründete er nun seine berühmte: Heilanstalt für arme Blinde. Ueber die Einrichtung dieseherrlichen Denkmalder Großherzigkeit und Menschenliebe ist bereits Einige» in Nr. 9 d. Bl. v. I. berichtet worden. Nähere- und Ausführliches kann der Leser aus der, von dem verewigten Gründer selbst veröffentlichten Monographie: Die Augenkrankheiten der großen Ebenen Ungarn's und statistische Uebersicht der Leistungen der Privat-Augeukranken-Heilan« st alt für Arme j־U Großwardein v. I. 1830 — 1856, Großwardein, 1857, erfahren, so wie auch aus einem Berichte, welchen der berühmte Watt mann in Nr. 12 drr ״Wiener mediz. Wochenschrift" v. 2. 1847 darüber witgeiheilt hat, welcher Bericht mit den Worten ringeleitet ist: ״Da Refcr. Gelegenheit hatte, diese ״Heilanstalt zu besuchen und sich sowohl von dem humanen, die ״Nächstenliebe im höchsten Grade bekundenden Unternehmen als auch ״von der sehr zweckmäßigen Einrichtung, freigebigen Unterhaltung und ״fruchtbaren ärztlichen Hilfe und Pflege der armen heilbaren Blinden ״und Augenkranken zu überzeugen; so findet er sich veranlaßt, die ״Einrichtung und den Bestand dieser nachahmungswürdigen Hetlan- ״stalt zur Kenntniß des weiter verbreiteten ärztlichen Publikums zu ״bringen." — Die Anerkennung seines Wirkens und Strebens blieb Dr. F r. Groß nicht auS. Von seiner gesellschaftlichen Stellung haben wir bereits gesprochen; wir fügen noch hinzu, daß er Präses des adeligen Cafino's in Bihar gewesen, und daß bereits i. I. 1834 in einer General-Congregation deS Biharer Comitatrs der Antrag gestellt wurde: ״Sr. Majestät die Bitte zu unterbreiten, den Berdiensten ״demenschenfreundlichen Arztes vr. Friedrich Groß eine wür- ״dige Auszeichnung angedeihen zu lassen." — Oeffentliche Danksagungen wurden ihm von Seite der Comitatsbrhörden bei mehreren Veranlassungen zu Theil; und seine ungar. jüv. BerufSgrnossen richtcte» an ihn 1844 eine in vaterländischer Sprache abgefaßte, höchst rhrenvolle und prächtig ausgestattete Adresse. — Mit warmem Herzen nahm vr. Groß vor und in dem Jahre 1848 lebhaften Antheil an allen Bestrebungen seiner Glaubensgenossen zur Verbesserung ihrer bürgerlichen Stellung, er war zu öftrren Malen Mitglied der Dersammlungen und der Landcsdeputationen, die zu diesem Zwecke beriethen und wirkten, und offcnbarte hiebei stets seine innige Anhänglichkeit an seine Glaubens- und Namensgenossen, wie zugleich seine begeisterte Liebe zum ungar. Vaterlande, in dessen Sprache er sich auch' elegant und kräftig auszudrücken wußte. — Seine patriotische Gesinnung. auS der er niemals Hehl zu machen suchte, that der Würdigung seiner Verdienste durch die Behörden und hochstehenden Persönlichkeiten in den letztverflossenen Jahren keinen Eintrag. 1855 wurde er zum Mitgliere drr ständigen Medizinal-Com Mission im Großwardeiner Verwaltungsgebicte ernannt; 1856 erhielt er den Auftrag, nähere Daten über seine Heilanstalt ״die schon seit mehreren Jahren die Aufmerksamkeit der Behörden auf sich gezogen" zu liefern. auS welchem Anlasse er die oben erwähnte Monographie veröffent׳ lichte; am 26. Mai 1857 beehrten Se. k. k. Apost. Majestät die Anstalt mit Allerhöchstem Besuche, und bald darauf ward ihm das goldene Verdien st kreuz mit der Krone an die Brust geh. stet. — Nicht lange mehr, nachdem ihm diese-hohe Zeichen irdischer Ehre zu Theil geworden, ward es ihm noch gegönnt segensreich zu wirken und zu arbeiten. — Schon am 2. Jänner 1858, nach nur zweitägigem Unwohlsein, schloßea sich seine Augen, unv kehrte er in die ewige He,imath zurück um am Throne Gottes den höchsten'unvergänglichen Lohn seines edlen Thun's zu empfangen- — ״Die Theil- ״nähme" — berichtet ein Augenzeuge — ״war eine außerordentliche, ״ja beispiellose. Die Gesammtbevölkerung wurde von der Nachricht ״seines Todes erschüttert. Während dreier Tage strömte Alle-, das ״geliebte, im Leben stets von liebevoller Heiterkeit und Freude um- ״strahlte Antlitz noch einmal zu schauen und daselbst zu beten — ״und zu weinen. Eine eben so unermeßliche Menge begleitete Den, ״welcher so Bielen ihr Licht wieder geschenkt, zur finstern Ruhe- ״stätte — und erhebend und tröstend war der Anblick der vielen ho- I ״hen Beamten (darunter auch Militär in Gala) und Magnaten des ״großen Bihars, die sämmtlich dem evlen Verblichenen bis in den ״tsrael. Friedhof zu Fuß das Geleite gegeben, während ihre Prunk- ״Equipagen — bet 50 an der Zahl — dem Leichenzuge laugsamen ״Schrittes folgten."... ״Er wurde auf einer ״Mittah", an deren bei- ״den Seiten je 20 Fakeln traurig den doppelt trüben Tag beleuch- ״tetrn, bis auf den Gottesacker von Juden und Christen ge- ״tragen."... ״Dieser schloß sich auch die Talmud - Thora - Schule, so ״wie eine lange Rcihe der hies. israel. Hauptschuljugrnd mit trauer- ״umhüllten Fahnen an, während fast sämmtliche Cultusgenossenschaften ״Bihars und der benachbarlen Comitate theils durch ihre Vorstände ״oder Rabbiner, theils durch Beide zugleich vertreten waren." Das herrliche Denkmal, welches vr. Groß sich gesetzt, die Heilanstalt, besteht fort und wird im Geiste deedlen Gründers er-! halten und geleitet durch die Herren vr. Dr. Albert und Ludwig Groß, welche, Ersterer Bruder und Eidam, Letzterer Sohn des Verewigten. sich auf diese Weise als würdige Erben seines Namen- und seines Ruhmebewähren. Wollten wir in Kürze das Leben und Streben des vr. Friedrich Groß kennzeichnen, so könnte dies kaum besser geschehen, aldurch die wenigen Worte au» der Rede, welche der rhrw. Rabb. zu Arad, Stein hard, am Sarge gesprocheu: .Er hat durch s-.in Beispiel gezeigt, daß der Jsraelite hoch- ״stehen kann, ohne hochgestellt zu sein, daß er bet seinem engen ״Leben-kreieinen weiten Wirkungskreis haben kann; ״daß man reichen Segen spenden kann, ohne reich zu sein, wohl- ״thätig ohne wohlhabend zu sein-"... ״Das Zeichen kaiserlicher ״Gnade hast du nur kurze Zeit auf der Brust getragen, doch du ״lässest es hier; daS Zeichen göttlicher Gnadenwahl, das du in der ״Brust getragen, du nimmst es mit dir und sein Glanz wird nicht, ״erlöschen ewiglich."... Sein Bildniß, wohl das erste eines Juden, ist im Prster Natiönal - Museum in der ״Galerie verdienter Männer" ausgestellt worden. — (Nach I. Reich ״Beth-El.") Lur Abbildung. Löw Leopold, Oberrabbiner in Szegedist, einer der bedeukendsten und gelehrtesten Rabbinen Oesterreich'S. geb. 22. Mai 1811 in Czernahora, Brünner Kreises in Mähren, stammt väterlicher Seits von dem berühmten׳ Mährischen Landesrabbiner Mendl-Krochmal und dem durch die Sage so sehr verherrlichten Löwe ben Mualel in Prag ab; mütterlicher Seits ist er Urenkel Meier Löb'S, Rabbiners zu Horkc von 1743 — 1793. Er wurde in der Kindheit im Hebräischen und Deutschen von Hauslehrern, im Böhmischen und in der Musik von Ortsschullehrern unterrichtet. Von seinem elften Lebensjahre an waren Thalmud und rabbinische Bibelkommentatorrn seine Hauptbeschäftigung. Er besuchte (1825—1830) die Thalmudschulen der brrühmten Rabbinen Deutschmonn (Trebitsch und Collin), Frankel (Leipnik) und Perlcs (Eisenstadt). Neben der Ihalmudischen Dialektik, in welcher er eine nicht gewöhnliche Gewandtheit erlangte, betrieb er daS Studium neuhebräischer Dichter unv las deutsche Bücher, die ihm eben der Zufall in die Hand führte. Erst der Umgang mit Schwab in Proßnitz. wo L. als Privatlehrer und dann als öffentlicher Lehrer des Hebräischen wirkte (1831 —1835), gab seinen Studien eine solidere Richtung. 1835—1839 studirte er in Pest, wo er im Studium der klasfischeu Literatur von Schedius unterstützt wurde. in Preßburg am evang. Lpceum, wo er die filosofischen und einen Theil der theologischen Köllegien, und in Wien, wo er die Universität besuchte, und bei St. Anna Hauptschullehrer wurde. 1840 wurde er Rabbiner zu Großkanischa, wo durch ihn die auf vr. Mor. Hvsschetzky's Anregung einige Jahre früher in'» Leben getretene Schule bedeutend gehoben und ein Verein für Anleitung der jüdischen Jugend zu Handwerken und Künsten gegründet wurde. In seinen ersten Amtsjahren machte er sich die ungarische Sprache eigen, in welcher er bei mannifachen Anlässen predigte. 1845 begann seine journalistische Thätigkeit zu Gunsten der Emanztpation der Juden. Seine Artikel in dem vielgelesenen ״Pest» Hirlap" machten großes Aufsehen. 1846 folgte er einem Rufe nach Papa. Zum Behufe seiner Wahl war aber daselbst auf Anregung der wohlhabenderen und gebildeteren Gemeindeglieder von der Grundobrigkeit ein i

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