Allgemeine illustrirte Judenzeitung
- Journal
- Allgemeine illustrirte Judenzeitung
- Volume
- 2 (1861)
- Issue
- 10 (8.3.1861)
- Date
- 1861-03-08
- Page
- Seite 78 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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Beim Landtage werden acht Deputirte die Somogy vertreten, und können diese - «er sie auch sein mögen — judeufeialich sich geberden, wenn an der Spitze de- Comttatein Manu wie Herr von JaukovitS steht, deffe» Kundgebungen seine Gerechtigkeit-- liebe und Großherzigkeit bezeugen, der auf weine Anspnl^e bei Gelegenheit seiner Jnstalltrung in KapoSvär vor einem zahlreichen Publiktkm, seine Antwort mit ״Kedves izraelita polgärtarsaim“ begann, und im Verlaufe derselben, unsere Religion aldie Mutter der seiniqen hochschatzend, die große Versammlung zur Bruderliebe und Eintracht mahnte und aufforderte? — Die Landesvertreter werden die Einsicht haben, daß der unga-׳ rische industrielle Jsraeltte zur Hebung und Förderung des Wohlstandes im Lande ungemein viel beiträgt, und daher sein Wunsch bezüglich der Emanckpation umsomehr gerechtfertigt erscheint, als auch die verschiedenen der magyarischen Zunge unkundigen, in Sitten und Gebräuchen vVN einander abweichenden Nationalitäten und Confessioneu, doch der bürgerlichen Gleichstellung theilhaft find.' Aber kennt die Landesvertretung auch die Übeln Zustände der Jsraelitengemeindeu? die schwankende Stellung unserer Schulen und Rabbinen. diesen Krebsschaden allen Fortschrittes? Wie viele Gemrinden erwarten in der Gleichberechtigung leider den Zeitpunkt, der sie nicht nur von ihren Rabbinen, sondern vom Principe des Rabbinats gänzlich^efreien soll. Wird die Matrikelführung, die Verkündigung der Ehen re. nicht vernachläßigt und endlich aufgehoben werden, und die More-Zedek-Wirthschast nicht wieder aus der Asche sich er׳ beben und den alten Unfug und die alte Unordnung wieder herbeiführen? — Der Zusammentritt eines isr. Landes-Comite's, zum Theile aus intelligenttn Rabbinen bestehend, wäre ein kräftiges Mittel, solchen zu erwartenden Uebergriffen entgegenzuarbeiten. — Mich. Morgenstern, Bezirksrabbiner. Waltzen» Ende Februar. Unsere Gemeinde, eine Ansiedelung in Folge der Landtagsgesetze vom I. 1840, zählt gegenwärtig circa 130 tncorpon'rte Gemeindeglieder, und bietet leider in jüngster Zeit ein Bild der Unordnung und der Parteiung dar. Einige Unzafriedene. 13 an der Zahl; überreichten dem l. Comitate eine Klage gegen den Vorstand, resp. den ersten Vorsteher als frühercn Casfier, und ersuchten: das l. Comitat möge denselben zur Rechnungsablegung aufforvcrn und außerdem eine Vorstandswahl im Sinne der I848ger Gesetze anordnen. — Trotzdem diese angerufenen Gesetze das Cultuswesen der israrl- Gemeinden gar nicht berühren, und wiewohl der verlangte Rechnungsausweis bereitim November v. I. den betrefsenden Revidenten übergeben worden. ward das Gesuch der 13 Gemeinreglieder günstig beschieden und eine Zuschrift deS l. kön. Stuhlrichters in diesem Sinne unserem Vorsteher;»gestellt. — Eben am 22. r. M., als eineHtzung in Angelegenheit des projectirten Tempelbaues anberaumt war. eröffnete rer verdienstvolle Vorsteher, Herr G- Braun, daß er die Wahl einer Bau - Commission nicht vornehmen lassen könne, da er sich zufolge des ihm zugekommenen .stuhlrichlerlichen Schreibens zum Rücktritte veranlaßt fühle. — Nachdem die Versammlung Kennrniß von dem Inhalte deerwähnten Schreibens erhalten hatte, beschloß sie eine Eingabe an die l. Comitatsbehörde zu richten, welche auch sofort von 82 Gemeindeglicdern unterfertigt wurde, worin das Ansuchen gestellt wird, daß der jetzige, im Wege rer allgemeinen Wahl an die Spitze der Gemeinde gelangte Vorstand, in seinen Functionen bestätigt werde. — Noch habe ich Ihnen zu melden, daß in einer am Purim- ,r e st e im Hause des genannten Vorstehers stattgehabten Abendunter׳- baltung auch für das Penisi-Monument 12 ff. gesammelt wurden. — Es fehlte bei—-tiefer Gelegenheit nicht an ungarischen Toasten für die gefeiertesten Namen des Landes und unseres Comitates, — außerdem für den ״Magyar Egylet“ und Herrn Oberrabbiner Löw in Szegerin. — Galyai La-zl« Wie» Tie in Nr. 7 dieser Zeitung abgevruckte Erwiederung des Dr. Eisler contra Rabbiner Hochmuth erfreuet sich unter den hiesigen Lesern großen Beifalls. Dr. Eisler hat durch seiu offenes Wort sich mehreremal schon um unsere Schulen Verdienste erworben. Bon einem gewiegten Literalen hier erscheint demnächst die Biographie unseres greisen Mannheimer. Es wird diese- Buch National - Eigenthum »er Juden Oesterreich'- werden, — da Mannheimer dle Seele desjenigen Tempels ist, welcher da- Vorbild aller reformirten Synagogen de- Katserstaatks wurde. — Gott erhalte ihn noch lange! — A. B. Signale au» Nähmen von Nabbiner Threntheil in Horte. VH. Erwartungsvoll blicken wir zu unseren Brüdern jenseits der Leitha hinüber, wir dachten sie in der ereignißreichen Periode, in der die hochherzigen Magyaren in vollen Zügen aus dem Frriheitsbecher trinken, alle auf Rose» gebettet, und fühlen uns daher doppelt schmerzlich bewegt, wenn die TageSblätter uns fast alltäglich den Schmerzensschrei irgend eineim Freiheitsmorgen der Nation von finsteren Gespenstern des HaßcS verfolgten jüdischen Bruders bringen. Möge eS bald besser werden l — Wir unserseits im stillen, geschäftsthätigen Böhmerlande harren ruhig der Dinge, die da kommen werden für uns. — In einigen Gemeinden haben einige Fi nsterlinge, denen der Zopf noch gar zu lang hinten hängt, es versucht, die Juden bei den stattfindenben Gemeinderathswahlen von den Wahlen au-zuschließen, doch haben die allgemein zum politischen Selbstbewußtscin gelangten Juden diese Schmach nicht ruhig hingenommen, sie haben ihr gutes Recht gesucht und — gefunden. Durch den Anschluß der früheren Prager Iudenstatt an die städtische Commune, -bei welcher Gelegenheit auch die israel. öffentlichen Lehranstalten an Letztere übergehen, und zwar unter der Bedingung, daß dieselben in Zukunft auch mit christlichen Lehrern besetzt werden können, dürfte wahrscheinlich von Seiten der jüdischen CultuSgemeinde Sorge getrogen werden, daß verdienstvolle jüdische Lehrer nicht willkürlich entfernt, und die Spitzen der Stadtgemeinde bewogen werden, nur solche christliche Lehrer an die Spitze jüdischer Schulen zu stellen, die vorurtheilsfrei genug sind, die Verschiedenheit der Confessio» nicht zu einem Quell der Lieblosigkeit gegen jüdische Schüler zu machen. Unliebsame Erfahrungen mahnen zur Vorsicht. Vor ungefähr zehn Tagen erhielt ich einen Ruf nach P r e l a u c, um am Sarge eines im Leben als Biedermann allgemein geachtet gewesenen dortigen jüdischen Einwohners zu sprechen. Ter Verblichene, Herr A. Weiß, ein schlichter einfacher Mann, faßte kurz vor seinem Tode den rühmlichen, gottgefälligen Entschluß, in Prelauc, wo bis jetzt nur ein gemiethetes Betlocale die jüdischen Andächtigen aufnahm, aufseine eigenen Kosten eine Synagoge zu erbauen. Erhalte noch die Freude, selbst den Grundstein legen zu können, und den Unterbau sich erheben zu sehen. Er ist nun wohl eingezogen in die ewige Heimat, doch hat er dafür gesorgt, daß sein begonnenes Werk aus seinem Nachlasse der würdigen Vollendung entgcgengcführt werte.!11:׳! — So eben erhalte ich auch dir Einladung, in Panian einen Tempel einzuweihen; auch in diesem Städtchen war früher nie eine Synagoge; und ist es nur den aufopferndsten Bemühungen der kleineu Cultusgemeinke und ihrer würdigen Vertreter, so wie den Aufmunterungen des ehrw. Herrn Kreisrabbiners Haller zu danken, daß künftig eine schone, dem hochheiligen Zwecke vollkommen entsprechende Stätte der Anbetung Gottes für unsere Glaubensgenossen in Planian bestehen wird. — Am 12. März soll, so Gott will, die Einweihung des neuen Gotteshaus!- durch Herrn Krcisrabbiner Haller, und durch den Schreiber dieser Zeilen — auf Verlangen der Cultusgemeinve — stattfinden. Auch in M a l l i n nächst K u t - tenberg, soll in Bälde eine neuerbaute Synagoge ringeweiht werden. — So ist denn Gottlob roch noch ein gute- Stück jüdisch-religiösrn Geistes in dem arg verschrienen ' böhmischen Judenthume zu finden; möchten wir die Spuren desselben doch nur recht bald und oft nicht nur in den Synagogen, sondern auch in den heiligen Räumen des jüdischen Familienhauses zu sehen bekommen. Dahin gehen unsere pta desideria. — Dem geehrten Herrn K. Correspondenten aus Bayern danken wir für die Erinnerung an die Krämer'schen jüdischen Jugendschriften, unv wäre zu wünschen, daß dieselben La österreichischen Buchhandlungen vorräthig waren. —