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Allgemeine illustrirte Judenzeitung · 1861-03-08 · 10 (8.3.1861) · p. Seite 79

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Journal
Allgemeine illustrirte Judenzeitung
Volume
2 (1861)
Issue
10 (8.3.1861)
Date
1861-03-08
Page
Seite 79 (sequence 7)
Language
German
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Aürth» tm Februar. Eben Willens, einen Bericht über die, durch den theilweise veröffentlichten bezirk-gertcht-Srztlichen Bericht hervor gerufene Indignation abzustatie«, kam mir Rr. 5 Ihresehr geschätzten Blattes zu Händen, in welcher eine Correspondenz au- ,Bayernder Angelegenheit Erwähnung thut. Um so eher fühle ich mich aber auch jetzt bemüßigt, ein Lieferst hierüber zu liefern und die Sache in wahrem Lichte darzustellen, als auch ich qua»! einigermaßen dabei beiheiligt bin. Der in beregter Correspondenz angeführte Satz: ,Im amtlichen Sanität-berichte u. s. w. fanv auch in dem hier gern gelesenen, äußerst liberalen ״Nürnberger Anzeiger״ Ausdruck, und ehe ich denselben noch gelesen hatte, fragte mich ein sehr respektables Mitglied drS hiesigen vrrehrlichen iSrael. Vorständeum meine Meinung hierüber. — Mein Befremden war um so größer, als ich jenen Bezirks- Gericht-arzt etwas genauer und zwar von sehr guter Seite zu kennen die Ehre habe. Ich säumte daher nicht, mich zu demselben zu verfugen und um geneigten Aufschluß zu bitten. Verletzt von jenem Angriffe und gerne bereit, meinem Wunsche zu gewähren, hatte rr die Gefälligkeit, mir den dirsfälligen Manualact vorzulegrn, aus welchem ich die Ueberzeugung schöpfte, daß die Sache sich ganz anders verhalte, und rin gleichzeitiger Einblick in dessen Einlauf-Journal belehrte mich, daß er sich am 7. v. M. — ich war am lO. bei ihm — an die königl. Kreisregierung mit der Bitte wandte, ihm die Ver« öffentlichung des angefochtenen amtlichen Berichtes zu gestatten; da ohne speeielle Erlaubniß derartiges in Bayern nicht geschehen dark. Ich meinerseits nahm keinen Anstand, andern Tags eine Bericht»- gung im ״Fürther Bote" zu veröffentlichen, deren wesentlicher Inhalt: ״daß die indem gericht-ärztlichen Berichte pro 1858-59 über die hiesigen Wohlthätigkeitsanstaltrn enthaltene Auslassung über den WohlthätigkeitSsinn der iSrael. Bevölkerung dahier nur Rühmliches und Anerkennenswrrthes enthalte, wovon Schreiber die moralische und juridische Ueberzeugung hat, und was die bald zu erhoffende amtliche Berichtigung de- Weiteren darthun dürfte, daß aber jeder PassuS, aus dem Zusammenhänge gerissen, leichtsinniger oder böSwilliger Weise. leicht entstellt werden könne"; wozu die Redaktion, die den gravirenven Artikel bereitausgenommen hatte, die Bemerkung voranschickte, daß eS sie freue, von unparteiischer Seite eine einst« »eilige Rechtfertigung zu vernehmen. — Unterm 14. v. M. erfolgte nun wirklich im ״Nürnberger Anzeiger" die amtliche Berichtigung, aus wrlcher hier das Wesentliche eine Stelle finden möge: ״Wo es gilt, Wohlthätigkeit zu üben, überall ist die iSrael. Bevölkerung dabei. Mag der Grund hirzü in bessern Verhältnissen, Ostentation oder religiösem Bewußtsein liegen, die Thatsache ist gewiß, ebrnso die, daß sämmtliche vorgenannten Bedingungen die hier besitzende christliche Bevölkerung zu jedwedem andern Verbrauch, nur nicht zu Wohlthätigkeitszwecken aneifern. — In einer der Sitzungen der christlichen Armenpflege während deS Jahrrs 1858 bemerkte der Unterzeichnete, daß die christliche Bevölkerung zwar Bedeutendes leiste, daß sie aber in gar keinem Verhältnisse stehen mit den Leistungen der iSrael. Bevölkerung dahier. In oder kurz nach der berrgten Sitzung wurde dem Unterzeichneten der Vorwurf gemacht, daß er die christliche mit der jüdischen Bevölkerung in Parallele gestellt habe, was deshalb nicht Platz greifen könne, da bei dieser in der Mehrheit bessere Verhältnisse, bei Allen religiöser Gebrauch durch Abgabe de- Zehnten des Erwerbes, bei Vielen Ostentation der Hebel sei. In dem folgenden Jahresberichte nahm der Unterzeichnete Akt von jenem Urtherle, berichtete die Thatfachen, erwähnte der Meinung und knüpfte daran die Ansicht, daß bei der christlichen Bevölkerung die gleichen Hebel sich vorfiuden, ohne gleiche Krastäußerung in Wirksamkeit zu setzen re. re. De. Adolf Matr." Hieraus folgt zur Gewißheit, daß nur Vortheilhaftes und durchaus nichts NachtheiligeS für die hies. JSraeliteu berichtet wurde, sowie mir Herr I)r. Mair schon früher sagte, daß manche christliche Wohlthätigkeitsanstalt dahier keinen Bestand hätte, wenn die Jsrar- Uten sie nicht bestenunterstützen würden; uno kann es nur al» Urberrilung betrachtet werden, daß Letztere in erster aufwallender Hitze fernere Unterstützung der ״Krippenauftalt" u. dgl. kündigten, ohne den «uSgang der Sache abgewartet zu haben. Eine zu große Reizbarkeit ist hier um so weniger am Platze, als einem derartigen Beamten gar 1 Manches in die Hand gegeben ist, wobei er leicht Vergeltung üben kann; was freilich von dem edlen Charakter de- Herrn vr. M. zum Glücke nicht zu befürchten ist. Zu meinem Bedauern habe ich Ihnen zu melden, daß der ״Fürther Botemit dem letzten v. M. sein kurze» Leben geschloffen hat. Der geringfügigen Unterstützung, durch Inseraten re-, deren er sich zu rrfteuen hatte, ist seine geringe Lebensfähigkeit zuzuschrrtben. Beklagenswerth bleibt es jedoch, daß diejenigen, die anfangs alle Hebel in Bewegung setzten, sein Erscheinen zu ermöglichen, und dem ,Tagblatteeinen Lonrurrenten entgegenzustellen, nicht Alles aufboten, dem Kinde, welchem sie zu Gevatter gestanden, ein längere- Dasein zu fristen. Ueber unsere politischen Verhältnisse wechseln bi'Hgug Befürchtungen mit Hoffnungen noch immer ab. — Seiten» 4zes hics. BorstandeS wurde nicht nur der Abgeordneten-Kammer, sondern auch der königl. StaatSregirrnng eine geeignete Vorstellung überreicht. Sch. Vermischte Nachrichten und Uotizen. Vukovär (Slavonien). Wir danken Gott, daß gerade dieser Mann (Graf PejäcSevitS) als Obergespann hieher gekommen, der immer als ein aufgeklärter Menschenfreund und' eifriger Verfechter auch der Rechte der Juvcn bekannt war, und dem seine an die jüvische Deputation gerichtete freundliche und erhebende Antwort gewiß aus innerstem Herzen entquollen ist. Auch unser Rabbiner hat Sitz und . Stimme in der Congregation, und ist sogar sein Name auf den Einladungrn an die Deputirten mitgefertigt. T. O. Pozsega. Auch hier sind Israeliten in die ComitatS«CoNgregation gewählt. □ Wien. In der Wählerversammlnng des Bezirkes Leopoldstadt hatte der pens. Hofrath Herr v. Mayern seine Wahl zum Gemeinderalhe abgelehnt und die Wahl eines Israeliten als Ehrensache empfohlen. Er drückte sich hiebei folgendermaßen auS: ״Auf Eine» erlaube ich mir aufmerksam zu machen. Die politi'che Freiheit geht allerorts Hand in Hand mit der Gleichberechtigung der verschie« denen Religionen. Während man in Rußland den Juden gewaltsam den Bart scherte, wählte dastreng christliche, aher freieste Volk Europa's, wählten die Briten nicht nur Juden in ven Gemrinderath ihrer Metropole, sondern ein Jude war bereits Lordmayor London'». Uns Leopoldstävtern, in deren Mitte Israeliten so zahlreich wohnen, kommt es zu, wenigsten» Einen derselben in den Gemeinverath zu schicken. Ja, wir sind als Ehrenmänner dazw gewissermaßen verpflich» tet, indem wir die Hunderte ihrer Stimmen, welche sie für unsere be» reits gewählten Räthe abgaben. benützt haben. Indem ich dem ersten Wahlkörprr, dem natürlichen Sammelplatz der Intelligenz unserer Borstadt, gegenüber diesen Antrag stelle, wird wohl jede Debatte darüber überflüssig und nur nöthig sein, sich über die zu wählenve Persönlichkeit zu verständigen. Schließlich muß ich noch bemerken: Ich heiße Mayern, ein Name, ähnlich dem vielfach bei Jsraclitcu vorkommenden Mayer. Glauben Sie nicht etwa, daß ich pro domo sprach. Meine Familie ist eine uralt katholische, und kein Tropfen Juvenblutefließt in meinen Adern, aber eS kommt in Wallung, wo tmmer ich sehe, daß unverjährbare Menschenrechte mit Füßen getre» ten werden." Wien. Ueber die bei Berathung der LandeSwahlordnungen aufgetauchte Frage, ob auch jene Israeliten in Galizien, welche keine Unterrealschule ooer Gymnasium absolvirten und daher kein Grundbesitzrecht haben, in die Kathegorie derjenigen zu setzen seien, welche im Vollgenusse bürgerlicher Rechte finv, soll der Mintsterrath — nach der ״Oesterreich. Ztg." — sich dahin erklärt haben, daß die Beschränkung de» PossessionSrechtS nicht darunter verstanden werde, und daß daher die bezeichneten gallischen Israeliten, wenn sie die sonstige Qualtfication besitzen, auch wahlberechtigt seien. — UebrigenS soll dem Reichsrath ein die Beschränkung der Befitzfähigkeit der galizischen Juden aufhebender Gesetzentwurf vorgelegt werden. — Wien. Bei der demnächst zu erwartenden Reorganisation de» Josephinumsoll unter anderm auch die religiöse AuSj schltrffung Wegfällen. <•

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