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Allgemeine illustrirte Judenzeitung · 1861-03-01 · 9 (1.3.1861) · p. Seite 68

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Journal
Allgemeine illustrirte Judenzeitung
Volume
2 (1861)
Issue
9 (1.3.1861)
Date
1861-03-01
Page
Seite 68 (sequence 4)
Language
German
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68 bewirkt; er muß zdiesem Zwecke auch die geeigneten Mittel in Anwendung bringe«. Ja den erwähnten Correspovdenzen sind zweierlei Heilmittel angegeben; das eine ist positiver, daandere negativer Natur. — DaS^lobenSwerthe, nachahmungswürdige Wirken de- ״braven׳' Rabbiner- Fischer zum Heile der Schule ist ein solchep o si t i v e s Heilmittel. Diejrnigm Rabbinen, die gleich diesem würdigen Seelsorger alwahre Bolkslehrer die Ueberzeugung gewonnen haben, daß sich nur da mit Erfolg weiter bauen lasse, wo schon ein solider Unterbau aufgeführt worden, daß die Schule demnach ein nothwendige« Fundament für ihre eigene seelsorgertsche Wirksamkeit sei, solche einsicht-volle Männer werden eS als ihre heilige Pflicht erachten, scharfe Wacht z» -halten, daß keinfrevlerische Hand die Grundpfeiler ihre- Strebenwanke» oder gar fallen mache; mit allen Waffen de- WorteS, de- Geiste- und ihreganzen Einflusses werden sie gegen ein solch ruchlose- Unternehmen ankämpfen, um kraft ihres göttlichen Amteder Liebe und Belehrung Förderer und Beschützer der Schule zu sein, wenn sie auch nicht laut eineobrigkeitlichen Deeretes Direktoren oder Inspectoren derselbcn heißen. — Heber- Haupt find wir der Ansicht und wir glauben, sie ist auch die einer großen Mehrzahl unserer Standesgenossen, daß ein solches hochhrrziges Streben, wie e- Herr Rabbiner Fischer im vorliegenden Falle an den Tag gelegt, die wirksamste UeberzeugungSkraft besitze, daß die Ansprüche der Rabbiner auf das Jnspeetorat ver Schulen nicht nur im Principe gerechtfertigt seien, sondern daß auch deren Realisirung der Schule zum wahren Bortheile gereichen müsse. Sollten es aber doch manche Rabbinen auwas immer für einen Grund unterlassen, sich in dieser Zeit der Gefahr der bedrängten Schule mit aller ihnen zu Gebote stehenden Macht anzunrhmen, nun so möge sie auch die ganze Wucht der Verantwortlichkeit treffen, daß eine hoffnungsvolle Generation, die zum Fortschritte berechtigt und befähigt ist, auf die abschüssige Bahn de- Rückschrittegedrängt wird; mögen sie ihre eigene Verblendung verdammen, wenn sie die unausbleiblichen Eonseaurnzen eipesolchen Verhalteneinst erfahren; mögen sie es daun auch gerechtfertigt finden, wenn sie dem VrrdammungSurtheile der Mit- und Nachwelt verfallen. Das tadelnswerthr Vorgehen des Gemeindevorstehers Zucker in Tokai bezeichnen wir als ein negatives Heilmittel. Möchten doch die jüdischen Gemeinden daraus ersehen, wie nothwendig es bei der Wahl eines Vorstehers sei, mehr den Grad seiner Intelligenz, als dessen chasfidischeS Glaubensbekenntniß zu berücksichtigen. Herr Zucker ist dem Berichte nach ein sogenannter Chassid; wir müssen also annehmen, daß er mehr im Interesse der Religion, als vielleicht auS einer ankern Rücksicht die Auflassung der Tokaier Schule anstrebt. Indem er nun die Jugend seiner Gemeinde aus den lichten Räumen der Schule in die Dunkelheit des Cheders verweist, hegt er wahrscheinlich die löbliche Absicht, sie dadurch einst auf jenen geistigen Standpunkt zu versetzen, den er und die übrigrn Verehrer des Heiligen zu Sander bereits rinnehmen. Was und wie hat aber der Chassidi-muL bereitfür da- Gesammtjudenthum gewirkt? — Liegt in ihm vielleicht jene erhaltende Kraft, cie dasselbe bei seiner Brrübrung mit der Außenwelt vor Zersetzung sichert? Sind vielleicht aus seiner Mitte jene wackern Kämpen hervorgegangen, die mit ebenioviel Ruth als Geschick die Angriffe unserer Feinde erfolgreich zurückgeschlagen haben? Sind etwa jene großen Männer, die es sich' zu ihrer ruhmwürdigen Lebensaufgabe gemacht haben, das richtige Derständniß des so vielfach geschmähten und verkannten Iudenthums zu vermitteln, von dem Eheder zu dieser erhabenen Mission besähigt worden? Oder waren es endlich die frömmelnden Jünger des CbassirismuS, deren geistigen Bestrebungen und Erfolge unS die so lange vorenthaltene Würdigung errungen haben?... Von den unerschünerlich feststehenden Granitfclsen der Thatsachrn hallt uns in tausendfältigem. Echo ein weithinschallendeS ״Nein" entgegen, das Geschrei des Chassidismus gewaltig übertönend. Und, wenn wir auch von der Gesammthrit des JubenthumS absehcn und nur ras Interesse unserer ungarischen Glaubenöbrüder berücksichtigen, finden wir sovanu vielleicht dieses durch die vernichtenden Bestrebungen des Chassidismus gefördert ' Glauben renn Herr Zucker und Consorten wirklich, daß uns eie ungarische Nation in den Rath des Landederufen werde, um an dem schaffenden und erhaltendrn Werke der Gesetzgebung Theil zu nehmen, nachdem wir unsere eigenen Institutionen mit vandalischer Wuth zerstört haben, oder daß 1« der Atmosphäre de- Eheder- Männer heranreifen können, die einst mit freiem, nagetrübtem Blicke über da- Wohl eineganzen Lande» wachen sollen? — Mögen diejenigen, denen die Gemeinden Israel» ihr Geschick vertrauensvoll in die Hände gelegt, diewohl beherzigen und nicht im blinden Fanatt-muS die Pflanzstätte» de» Geiste» zerstören! Der Tag dcr Ernte, er wird herannahen; wehe, wenn er statt de» goldnen nährenden Saatfeldes nur wilde» Gestrüpp und ungenießbare Disteln vorfindet! Der Fluch einer ganzen Generation würde dann unfehlbar diejenigen treffen, die durch ihren Unverstand solch' Erend heraufbeschworen! Caveant consules! — Heinrich Stet», Mustcrhauptschullehrer. Unsere Million. Die Volk-meinung glaubt an eine innige Sympathie zwischen dem die Welt regierenden Geld und dem Juden, und wenn eS von dem französischen Soldaten heißt, daß jeder den Marschallstab in seinem Tornister trägt, so halten es die Meisten für auSgemacht, daß jeder Jude eine Anweisung auf eine Million al» Angebinde mit auf die Welt bringt. Aber leider werden nur die Wenigsten dieser a piacere lautenden Wechsel von dem Banquirr der Vorsehung, dem Glück, honorirt, und gar glücklich'schätzt man den, der auch nur die kleinste Abschlagszahlung erhalten; die allermeisten aber werden mit ihren gerechtesten Forderungen zurückgewiesen und alles Protestirea bleibt erfolglos. Der Jude sagt: Jeder muß einmal einen Haupttreffer machen, nur den rechten Zeitpunkt erlebt nicht Jeder, und die meisten find schon längst todt, da ihre Hoffnungen sich verwirklichen; unsrre Freunde und Feinde aber können sich die Begriffe Jude — und reich sein von einander nicht getrennt denken; das bodenlose Elend, den herben Kummer, die unerträgliche Noth, die Entsagung und Verzweiflung mit dem großen Heere ihre» Gefolges, wie sie in jeder jüdischen Gemeinde Hansen und wüthen, find durch all die löblichen und unübertrefflichen Einrichtungen, die wir ererbt habe», und die wir unter allen Stürmen und Drangsalen nie aufgegebea, und auch ferner ungeschwächt, und in zeitgemäßer Umgestaltung aufrecht halten, für die Außenwelt zumeist unsichtbar und unwahrnehmbar gemacht, so daß unsere christlichen Mitbrüver den Wohlstand Einzelner für da» dem Juden, als solchem, Ehararteristische erachten, und diese» Maßstab bei BcuriheUung jüdischer Zustände immer zur Hand nehmen. Doch wie ganz ander» verhält es sich in der Wirklichkeit; — umgekehrt, das Judenthum ist ilinigst verschwistert und, kann man sagen, identisch mit Armuth; selbst der Reichthum der Reichen ist mehr ideel als reel, mehr Gedanken alS Besitzthum, allen Stürmen, allen Zufällen ausgesetzt, und" so sehr mit der Person de» Besitzer» in innigstem Zusammenhang, daß sich die traurige Erscheinung fast jedesmal bei dem Ableben eines jüdischen Reichen wiederholt, daß den Nachfolgern und Erben weit weniger verbleibt, als nach dem Umfang des vom Verstorbenen betriebenen Geschäftes und den äußerlichen Abzeichen seiueS Wohlstaadrs mit Recht erwartet werden dürfte; — daher die Wenigsten unter uns an die wohlgedeckte Tafel mühelos sich setzen können, sondern zumeist haben wir Alle von vorne anzufangen, um im Schweiße des Angesichtes unser Essen uns zu verdienen, und wir können alle mit dem Lichter sagen: ״Wer nie sein Brod mit Thränen aß. Wer nie die kummervolle» Nächte Auf seinem Bette weinend saß. Der kennt euch nicht, ihr himmlischen Mächte." Aber — wir sind nun einmal in der öffentlichen Meinung die Reichen, im Besitz allen VelMögens, und wer nun Geld braucht - unv wer braucht es nicht? — wendet sich an uns, bald, mit liebevollen schmeichelnden Worten an unsere G.oßmuth, Opferliebe, Hoch- Herzigkeit appellirenv, bald auch mit offenen oder verdeckten Drohunge», uns manchmal auch mit — Anwendung von Gewalt, die natürlich die beste Staatsraison ist, der wir nicht widerstehen. Da heißtes dann, die Juden haben gewußt allen Verdienst an sich zu ziehen, sie wußten am besten die Umstände auSzubeuten, ihre Klauen erfaßten

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