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Allgemeine illustrirte Judenzeitung · 1861-02-22 · 8 (22.2.1861) · p. Seite 62

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Journal
Allgemeine illustrirte Judenzeitung
Volume
2 (1861)
Issue
8 (22.2.1861)
Date
1861-02-22
Page
Seite 62 (sequence 6)
Language
German
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—*• 62 vermeidliche Folge der vollen religiösen und politischen Gleichbrrechtigung aller Nationen und Nationalitäten — ein Princip, das Niemand jetzt offen anzugreifen wagt — gewährleistet werden. Wir fordern auch nicht vom Landtage die Emancipation der Juden als ein besonderes Gesetz, sondern daß derselbe es als Grundrecht ausspreche, daß der Genuß der bürgerlichen und politischen Freiheit von dem Religionsbekenntniß völlig unabhängig ist,.wie dies in der französischen/belgischen, preußischen und sogar in der octroyirten Verfassung vom 4. März 1849 der Fall ist. - Jedenfalls ist das ganze Schreiben des Vorstandes in Pest nnzeitig und verfrüht, da es in seiner jetzigen Fassung mehr schaden als nützen kann! ES sind diese Angelegenheiten zu wichtig und zu heikelig, daß dazu die größte Vorsicht uno Besonnenheit nöthig ist, die man jedem Vorsteher auf dem Lande nicht zumuthen darf. Möge der Pester Vorstand in seinen Rundschreiben vor Allem mit mehr Bedacht und Takt zu Werke gehen, und an das Sprichwort denken: ״Reden ist Silber; Schweigen ist Gott! — Hriefr aus der Warauya. K. — I Verstatten Sie mir, hochgeehrter Herr Redakteur, zu dem Bericht, welchen Nr. 3 Ihrer beliebten Zeitschrift aus der Feder des Herrn vr. S. in Siklds enthält, eine, wie mich dünkt, nicht unwesentliche Berichtigung Ihnen mitzutheilen. Las prachtvolle und in jeder Beziehung zweckentsprechend aus» gestattete Fünfkirchner neue iSr. Musterhauptschulgebäude verdankt sein Entstehen wohl der umsichtigen Geschästsleitung des dortigen Vorfianres, nicht minder aber der besonder» Opfcrwilligkeit der Gesammtgemeinde. Indem nun der sehr achtbare Herrr Doktor dreien Herren die Krone aufs Haupt drückt, so verletzt er dadurch, ohne es zu wollen, eine ganze für alles Schöne und Erhabene begeisterte Gemeinde. Das Lrhrpersonale der gedachten Lehranstalt wirkt stets darauf hin, die Schüler in religiöser, wie in intellektueller Hinsicht auszubilden und sie zu frommen Juden, treuen Familiengliedern und dem Daterla:.d: in Liebe und Treue anhänglichen Bürgern zu erziehen; — die Nichtungarn dieses für seinen heiligen Beruf erglühten LehrkörperS find auch unausgesetzt bemüht, sich in möglichst kürzester Frist die schöne Laqressprache eigen zu machen, um den nationalen Anforderunzen der Gegenwart vollkommen entsprechend ihrem Amte vorzustehen. — roch ist bis jetzt der Unterricht der ungarischen Sprache in allen Kyabenclaffen ausschließlich in der Hand des dieser Sprache vollkomm^ mächtigen Lehrers, Herrn Selig mann. Alle übrigen Fächer aber werden und müssen in deutscher Sprache vorgetragen werden, weil kaum der zehnte Theil der Schuljugend im elterlichen Hause die ungarische Sprache als die der Conversation hört. — Aus dem erwähnten Berichte geht hervor, daß Herr Gutmann Lehrer der Religion und der hebräischen Sprache sei, hier scheint der geschätzte Herr Doctor blos die Namen verwechselt zu haben, indem Herr G o l d s cb m i d t Lehrer dieser Fächer ist. Der Comitatsrabbiner, Herr Dr. Hirschfeld, schon jetzt eine hervorragende Persönlichkeit unter den ungarischen Rabbinen, ist in der Thar nahe daran, auch zu den der Landessprache vollkommen määm'gen Rabbinen gezählt werden zu können, und ist er aber auch bestrebt, den nationalen Elementen in der Gemeinde Anerkennung und die gehörige Würdigung zu verschaffen. Auf seine Anregung und durch sein Wirken im Vereine mit dem erwähnten Musterhauptschullehrer, Herrn Seligmann und mehreren strebsamen jungen Leuten ist ein ״^laßvarito e^-led" in Fünfkirchen gegründet worden, und ist bereits eia provisorischer Ausschuß mit der Ausarbeitung der nötbizen Statuten beschäftiget. Wünschen wir diesem schönen zeitgemäßen Institute eine förderliche Zukunft, ein erfreuliches Aufblühen in der Reihe seiner Brüderinstitute. — Noch üben wir eine Pflicht der Gerechrigkeit, indem wir bei Gelegenheit auch die ersprießlichen Leistungen res dortigen jugendlichen Eantors gedenken. Herr G o l d st e i n, ein musikalisch - gebildeter, talentvoller und mit einer vorzüglichen Stimme begabter;unger Mann, hat schon in der kurzen Zeit seiner Wirksamkeit viel zur Verschönerung und Verherrlichung des Gottesdienstes beigetragen. Ad vocem Gottesdienst! Möge es die ehrsame Fünfkirchnrr Gemeinde dem Schreiber dieser Zeilen nicht übel nehmen, wenn er fie zur baldigen Angriffsnahme eines neuen Gotteshauses, wie es der Bedeutung der Stadt und der Zahl der Gemeindeglieder erforderlich ist, dringlich mahnt. Es ist wahrlich ein unerquicklicher Anblick, wenn da- Ohr von den angenehmen Tönen des Gesanges ergötzt und das Auge von dem klaffenden Gemäuer angewidert wird. Wer von uns erinnert sich da nicht an die vortreffliche doppelsinnige Deutung des Verse-: מה נורא המקום הזד.״“ u. s. w. in der, פרשת ויצא von un* srrem Herrn Comitatsrabbiner gehaltenen nutzreichen und geistvollen Predigt! *) - d. Prag. Was im v. I. voraus gesagt und befürchtet wurde, hat dennoch statt gefunden, Prag hat seine Schule für die isr. Jugend für die Zukunft aufgelassen t Der Anschluß der Josephstadt an die Hauptgemeinde ist abgeschlossen, das h. Staatsministrrium hat mit Erlaß vom 22. Jänner l. I., Z. 627, das abgeschlossene Uebereinkommen in der Anschlußfrage genehmigt und für beide Theile als rin bindendes erklärt. Das Einkaufscapital blieb bei der Feststellung vom Jahre 1859 nach dem AuSspruche der damaligen Prager Kreiskrgierung, 146,818 fl. 56*/,0 kr. C. M. und ist, nachdem bereits seit 1851 jährlich 12,000 fl. bezahlt wurden, der Ueberrest in zehn Iahresraten nach Abrechnung per an die Stadt nun übergehenden Realitäten der Judengemeinde zu bezahlen. Die Einzahlung dieses Ueberrestes übernimmr die Judengemeinde als Gesammlkörperschaft, und müssen alle Cullussteuer zahlenden Israeliten Prag's, auch die sich vom Lande ansiedelten oder binnen diesen zehn Jahren noch vom Lande ausiedrln werden, zur Anschlußsteuer beitragen Nachdem bestimmt wurde, daß alle Lasten der Josephstadt, mit Ausnahme der von Cultuswesen entstehenden, von der Stadtgemeinde getragen werden, gelangt auch die jetzige Josephstävter Haupt- und Unterrealschule in die Erhaltungspflicht der Prager Stadtgemeinde — aber unter welchen Modalitäten. Es steht der Hauptgemeiade ohne Einsprache der Cultusgemeinde frei, diese Schule aufzulassen und für den Unterricht der isr. Jugend in anderweitiger Weise zu sorgen; das angestellte Lehrpersonal, mit Einschluß deS Direktors, wird noch durch zehn Jahre (incl. 1870) aus dem Stadtbudget besoldet, sollte nach Ablauf dieser Zeit noch Jemand von dem gegenwärtig angestellte» Lehrerperfonal angestellt oder pensionirt sein, so wird die CultuSgemeinde für den wettern Fortbezug der Gehalte oder Pensionen zu sorgen haben, falls die Stadtgemeinde diese betreffenden Personen nicht anderweitig verwenden will. Einzelne während dieser zehn Jahre erledigt gewordene Lehrerposten können durch christl. Lehrer besetzt, entbehrlich gewordene Lehrer pensionirt, auch sämmtliches Lehrerpersonale unter Aufrechthaltung ihrer seitherigen Bezüge durch christliche Lehrer ersetzt werden; auch kann, unter Sicherung der Eristenz der angestellten Lehrer nach dem seitherigen Ausmaß, diese iSr. Schule gesperrt und die isr. Jugend an die Benützung der bereits bestehenden oder noch zu errichtenden übrigen städtischen Lehranstalten verwiesen werden. Nur für den Fall, daß höher» Orts eine besondere konfessionelle Schule für Israeliten angeordnrt würde, hat die Stadtgemeinde für die Errichtung und Erhaltung derselben zu sorgen; sollte die Errichtung mehr als einer solchen Schule nothwendig werden, oder sollte selbst die Errichtung einer einzigen konfessionellen Schule nicht höhern Orts angevrdnet sein, so wird die Errichtung und Erhaltung derselben, so wie jene des Religionslehrers überhaupt, der CultuSgemeinde obliegen. Repräsentanten der CultuSgemeinde! hat euer JndifferentismuS oder eure Ohnmacht den Stand der Schule in solcher Weise angeordnet? Ihr habt vergessen, daß der abgesonderte Religionsunterricht allein für daS Kind nicht auSrricht, um es im Judenthume zu erzlehen, daß für ein jüdisches Kind der gesammte Schulunterricht sich auf jüdisch-religiösem Standpunkte bewegen muß, und in dieser Weise habt ihr für unsere Nachkommen sehr schlecht gesorgt; dadurch, daß ihr den Fortbestand der isr. Schule nicht einmal in Frage gestellt, sondern für das Aufhören derselben gesorgt, habt ihr euch kein Monument gesetzt; alle eure Einwände dagegen sind gehaltlos. Wenn auch viele Juden in der Stadt zerstreut wohnen, und ihre Kinder *) Dir seben den ferneren Berichten des geehrten Herrn Einsenders mit Vergnügen entgegen. Red.

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