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Allgemeine illustrirte Judenzeitung · 1861-02-22 · 8 (22.2.1861) · p. Seite 63

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Journal
Allgemeine illustrirte Judenzeitung
Volume
2 (1861)
Issue
8 (22.2.1861)
Date
1861-02-22
Page
Seite 63 (sequence 7)
Language
German
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1׳ 63 den übrigen Stadtschulen näher find als der Josephstädter, so wißt ihr doch zu gut, daß die armen Juden die Josephstadt bewohnen und für ewige Zeiten bewohnen werden, denn in derselben stehen ihre Synagogen und Brthäuser, und für die Kinder der Armen war diese Schule zu erhalten. Die Reichen schicken ohnedies gar nicht »rer wenige von ihnen ihre Kinder in die Josephstädter Schule, und lassen ihre Kinder, wenn fie selbe in der Religion ihrer Vater wollen erziehen lassen, jüdische Privatinstitute besuchen. Wohin sollen nach zehn Jahren die armen Juden ihre Kinder in die Schule schicken? — In eine solche, in welcher der Judenhaß nicht nur noch nicht auSgestorben sein wird, in welcher er vielleicht mit oder ohne Absicht weiter genährt werden wird, in eine solche, wo daS Bischen Judenthum, das ihnen von anderer Seite beigebracht wurde, in mannigfacher Weise auf- Spiel gesetzt werden wird. Repräsentanten der CultuSgemeinde! hat euch bei Verhandlung dieses Gegenstandes die Furcht ergriffen, rS könnte der Anschluß zurückgehen, wenn ihr nicht in den Willen der Stadt eingeht? Ihr dürft überzeugt sein, und jetzt seid ihr eS auch gewiß, daß selbst bei dem gesicherten Fortbestand der Schule der Anschluß stattgefundrn hätte, und daß die Stadtgrmeinde endlich darein gewilligt hätte, wenn ihr weniger nochgiebig gewesen wäret; allein Motive die man. ohne bitter zu werden nicht aufzählen kann, ließen eS zu, daß die Schule dem Anschlüsse geopfert wurde, und dadurch habt ibr euch in trauriger Weise die Erinnerung der Nachwelt gesichert. Hätte doch wenigstens Einer von euch rin Separatvotum schriftlich eingelegt! Doch zu furchtsam unv zu engherzig; und — doch nein! Die Verhältnisse der Schule sind nun ein fait accompli und uns bleibt nichts übrig, als — bei der bevorstehenden Neuwahl vorsichtiger zu sein und nicht mehr Männer zu wählen, denen daS I ch mit allen seinen eiteln Appendices höher steht, als daS Interesse der Nachkommen. Ob die Beleuchtung, die Pflasterung, die Erhaltung der Feuerspritzen u. s. w. aus diesem oder jenem Säckel bestritten werden, ist einerlei, ob aber die Kinder an dieser oder jener Schule unterrichtet werden, ist nicht einerlei! — Um recht zu zeigen, was unsere Repräsentanten der Cultusgemeinte grthan, soll noch noch, eine Notiz über den Teplitzer Anschluß (um den Leser nicht mehr zu ermüden) in Kürze mitgetheilt werden. Die Verhältnisse mögen wohl in Teplttz weniger complicirt. als in Prag gewesen sein; allein das Princip, daS aus dem Teplitzer Anschlusse bervorleuchtet, hätte auch in Prag gewahrt werden können. Die ״Bohcmia" schreibt über diesen Anschluß: DaS von der Judengemeinde einzuzahlende AusglrichnngScapital beträgt 30,000 fl. ö. W., welches Heuer mit 10,000 fl., im Jahre 1864 mit 10,000 fl. und 1867 mit 10,000 fl. eingezahlt wird, Dafür werden alle Mitglieder der ehemaligen Judengemrinde — EultuSsachen ausgenommen — vollkommen gleichberechtigt den übrigen Angehörigen der Stadtgemeinde Teplih, die Familienhäupter der ehemaligen Judengemeinde erlangen das städtische Bürgerrecht, und auch bezüglich der Schule wurde bestimmt, daß in dem neuen Schulgebäude den Israeliten zwei Schulzimmcr und die Mitbenützung eines PrüfungSsaalrs eingeräumt werde, und die Stadtgemeinde Teplitz gegen Einziehung der Schulgelder die Anstellung und Dotirung des iSr. Lehrers übernimmt. — Repräsentanten der Prager CultuSgemeinde, nehmt euch ein Beispiel an jenen der Teplitzer, welche von beiden haben mehr für die künftige Generation zur Erstarkung im Judenthume bei Gelegenheit des Anschlusses an die Stadtgemeinde grthan? i— Ueber eure Nachgiebigkeit, welche euer JndifferentiSmus oder eure Ohnmacht bei der Verhandlung der Schulangelegenheit erkennen ließ, wird die Nachwelt strenger zu Gerichte fitzen, als wir rS vermögen, doch — es wird zu spät sein, wie es jetzt schon zu spät ist; uns habt ihr nichtgelassen als dir traurige Reflerion und — die Vorsicht bei den Neuwahlen. — Bayern. K. (Schluß.*) Die Einweihung der neuen Synagoge in Wassertrüdingen sanv am 22. v. M. nach einem gedruckten Programm und unter Thcilnahme sämmtlicher Beamten der Stadt und und der Gerichte und zwar in ihren Staatsuniformen :c. statt. Der Herr Landrichter v. Merz hielt im Gotteshaus eine schöne anerkennrnve Rede und Alles ging aufs Beste von Statten. Wir sehen hiebei von einige» Unregelmäßigkeiten im Programm ab und freue» unS, daß auch in dieser Gemeinde, welche früher von einer zwar sehr ehrbaren, aber der Stabilität übermäßig huldigenden Familie bedeutend beeinflußt worden war, dem Fortschritte durch Zulassung deutscher Gesäuge und durch daS Bestreben dem Akte alle mögliche Feierlichkeit zu geben, gehuldigt ward und constatiren noch, wie man durch den ftühern Anschluß deS RabbinatS an einen fernen Rabbiner der ultraorthodoren Richtung, entgegen einer Minorität, welche den Anschluß an daS Rabbinat Ansbach wollte, in eine doppelte Fatalität kam. Man hatte nämlich jenen Rabbiner, der durch seinen schlechten Bortrag zu der Feier nicht passen wollte, zum Verzicht auf die Einwrihungsrede veranlaßt und den alS ausgezeichneten Kanzelredner bekannten Rabbiner, Herrn G r ü n b a um auS Ansbach, dazu eingrladen, der hinwiederum seine Zusage von jenem Derz.'cht abhängig erklärt hatte. Herr Rabbiner vr. Feuchtwanger auS Neutra konnte seinem Versprechen verschiedener Ursachen wegen nicht Nachkommen. Am Festtage aber fiel rS dem verzichtet habenden Rabbiner, Herrn Weiüköpf aus Wallerstein ein. sein Wort wieder zurückzunehmen, wodurch die Feier fast eine Störung erlitten hätte. Am Ende aber glich sich die Sache noch dadurch auS, daß die Andächtigen zwei Festreden zu hören bekamen. — Ein Herr Wolf K o h n aus Mt. Erlbach, in München verstorben, hat die Zinsen eines Kapitals von 1000 fl. zur Unterstützung jüdischer Studirenden re. mit der sach- und zeitgemäßen Kläusel testamentirt: ״Würden jedoch im Laufe der Zeiten arme jüdische Studirrnde zum Genüsse von durch christliche Stifter gespendete Stipendien zugelaffen werden, so sollen auch christliche Studirrnde vom Genüsse des von ihm gestifteten Stipendiums nicht ausgeschlossen sein." Der Aeußerung des Herrn Rabbiner Ehrentheil am Schlusse seiner ״Signale auS Böhmen" in Nr. 2 d. Ztg. über die Nothwendigkekt und den Werth jüdischer Jugendschriftcn ftfmhit gewiß jeder bei, der eS mit unserer Jugend und unserer Religion wobl meint. Der ehrwürdige Herr scheint jedoch die Kram er'scheu ״Jugend- und Volksschriften, *) welche diesem Bedürfnisse Rechnung tragen, יnicht zu kennen. Wir machen ihn auf dieselbe aufmerksam. Nermischte Nachrichten und Ioüzen. — Ein Brief Horns. ״Magyarorszäg" bringt einen aus Paris datirten Brief unseres rühmlichst bekannte» LandSmannes und Glaubensgenossen Horn E d e, in welchem letzterer die von Seiten der Redaction an ihn gerichtete Frage beantwortet: ob und aus welchen Gründen die Sympathie der Frai;vsen für die ungarische Bewegung seit einiger Zeit abgenommen habe. Den Hauptgrund in gewissen vorgefaßten Ansichten der Franzosen erkennend Und widerlegend, findek Horn die ihm gemachten Vorwürfe wegen provisorischer Wiedereinführung deS Zunftwesens, der Stockprügel und namentlich den wichtigen Umstand, daß der Genuß der bürgerlichen Rechte vom Glaubensbekenntnisse abhängig gemacht worden, wohl für bedenklicher; bemüht sich indeß noch immer seinen französischen Freunden begreiflich zu machen, daß dies keine endgültige Beschlüsse seien und nur im Interesse der Wiederherstellung constiiu- tioneller Gesetzlichkeit gefaßt werden mußten. Salus publica 81*!״ :ma lex e8to — u. s. w. — , Auf die Aeußerung: ״Du kannst unsere Bewegung n:cht rW ״verstehen", — schreibt H. weiter, fiel man m«r ins Wort: ״Unsere ״Bewegung? Wie so denn unsere? Laß doch diese Anmaßung sein! ״Seit zwei Jahren sprichst du in so vielen Flugschriften, in Hunderten ״Aufsätzen und tausend Correspondenzrn. die u in die deutsche, bel- ״gische, französische, englische und italienische Presse einzuschmuggeln ״wußtest, vor ganz Europa als Ungar; und es gelang dir beinahe, ״von der ausländischen öffentlichen Meinung als einer der Rcpräscn- ״tauten der ungarischen Sache angesehen zu werden; wahrend du ״daheim im Vaterlande auch nicht das kleinste Recht besitzest, über die ״öffentlichen Angelegenheiten zu sprechen; während dort dein christ- ״licher Stiefelputzer eher ein Minister - Portefeuille erhalten kann als ״es^dir gestatttet, in rer Versammlung des letzten Dorfes gleichen *) Dieselbe» und, 4 Bändchen, bet dem Derfaiser zu Altcnmuhr, bei An-bach in Bayern, gegen portofreie Einsendung eines preuß. TbalcrS zu haben. *) Liebe Nr. 7.

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