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Allgemeine illustrirte Judenzeitung · 1861-02-22 · 8 (22.2.1861) · p. Seite 59

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Journal
Allgemeine illustrirte Judenzeitung
Volume
2 (1861)
Issue
8 (22.2.1861)
Date
1861-02-22
Page
Seite 59 (sequence 3)
Language
German
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» 59 *+•— zurückvrängen. nicht übergehen. Sie tritt wie der Geist eines Er» schlagene» unwillkürlich hervor, und fordert Sühne und Genugthuung. — Aber nicht diese« ist eS, waS unS zu den folgenden Zeilen Deranlaffung gibt. Uns veranlaßt vielmehr der in dem erwähnten Aufsatze gemachte Vorschlag, behufs Gründung eines eigenen merkantil» politischen Journals in ungarischer Sprache, welches die Erörterung jüdischer Interessen zur Aufgabe haben soll, zu einigen unmaßgeblichen Bemerkungen. Wenn es auch nicht zu leugnen ist, daß die bestehenden, rein jüdischen Zwecken gewidmeten Zeitschriften in ihrer Vertheidigung nach Außen deshalb als weniger wirksam sich erweisen, weil sie auf einen beschränkten, meist jüdischen Leserkreis angewiesen sind; so ist doch ebensowenig abzusehen, wie so durch das Jnslebentreten eines diesen Zweck mitverfolgenden, merkantil-politischen Journalerin bessr» res Resultat zu gewärtigen sei. — So bald dieses Journal vorzugSweise und ausnahmsweise die Angelegenheiten der Juden verfechten würde, so würde es dadurch schon den Stempel eines rrclusiven Judenblattes, mithin auch den der Parteilichkeit an sich tragen; welcher Umstand den Leserkreis desselben ebenso beschränken würde, wie den aller bis jetzt erscheinenden jüdischen Journale. Oder könnte der Umstand, daß das Blatt von jüdischen Kräften begründet und geleitet werde, verborgen bleiben?! Hat nicht ein hier bei einem jüdischen Buchdrucker erscheinendes Blatt, trotz des UmstanoeS, daß der Redacteur ein Christ, nicht ohne hämische Beziehung öfters die Ehre, im ״Pesti Hirnük" unter dem Namen seines Verlegers angeführt zu werden? Und geschieht dies nicht bloS in der Absicht, um einige daselbst erschienene Aufsätze im Interesse der Juden, zu entkräften nnd abzuschwächcn? — WaS würde ״Pesti Hirnök" erst zu einem wirklich von jüdischen Journalisten geleiteten Blatte sagen, und was würde das nicht immer vorurtheilsfreie Publikum davon halten? — Wir wünschen keine besondere Berthe,'vigung, so wenig, als wir Sonderrechte wünschen. Wir stehen nicht als Angeklagte auf der Sünderbank, um eines eigenen Anwaltes zu bedürfen. Die An» spräche die wir erheben, sollen und müssen von dem Rechtssinne de- Volkes anerkannt werden, als Forderung der Vernunft und Huma» nität; und wann sind öffentliche Organe zu entschuldigen gewesen, wenn sie der Stimme der Zeit nicht Gehör verliehen?! Nicht das Aussprechen mehrerer, wenn auch noch so gerechter Klagen und Beschwerden genügt hier. ES muß die« von solchen Männern ausgehen, die als warme und erleuchtete Vorkämpfer freisinniger Institutionen bekannt sind, deren Wort so schwer ins Gewicht fällt, daß auch ihr Schweigen beredt wird. — Wenn es uns gestattet ist eine Ursache zu finden, weshalb die ersten uugarischen Organe, namentlich aber ras freisinnige ״Pestt Naplä* bisher die Sache der Juden allzulau betrieben haben, so möchten wir als plausibelsten Grund dafiir annehmen, eS habe den Leitern und Vertretern der öffentlichen Meinung bedünken wollen, als bilde die Lage der Juden im Lande nur eine sekundäre und dazu noch vor Einberufung des Landtags nicht zu lösende Frage. — Mit eine Worte, die Sache sei nicht spruchreif und müsse, wie so vieles Andere, bis zur Stunde der gesetzlichen Entscheidung in Geduld und Ergebung getragen werden. Dieser Ansicht mästen wir iw AUgemeineu selbst btü pflichten. Nur hätten wir erachtet, daß dem Volke gegenüber mittler» "weile die Sache von diesem Standpunkte zu erörtern gewesen wäre, da sich sonst — wie; es sich leider hie und da bestätigt — manche für die Juden nicht allzu ermuthigende Mißverhältnisse ergeben, denen sich gar wohl hätte Vorbeugen lassen. Trotz alledem wollen wir nicht annehmen, daß dievon Seite der ungarischen Presse aus Lieblosigkeit geschehen sei. Sie hat bis jetzt öfters Gelegenheit gkhab« einzusehen, daß es mit dem ewigen Vertuschen und Verhüllen nicht vorwäns geht. — Mag sie ohne unser Hinzuthun ihre Pflicht zur Ehre des Vaterlandes erfüllen oder den Tadel der außrr-ungarischen Presse verdienterweise erndten. Besonderer politischer Organe aber von unserer Seite bedarf es keineswegs! F-n. Drei Sonette. 90t t. Du wagst das Dasein Gottezu verneinen? Du willst den Schöpfer leugnen, Erdensohn? — Und sieh', die Welt ist seiner Liebe Thron; So blick' umher und schaue den Alleiaen! In seinen Werken will der Herr erscheinen Und zeigt sich mild im schwachen Halme schon; Nicht achtet Er der Thoren Wahn und Hohn Und haucht ein Ahnen in den Geist der Seinen! Du schaust ihn nicht, du fühlest nur sein Walten — Und siehst du deine Seele sich gestalten, Die nur ein Strahl vom Licht des Höchsten heißt? — Du stolzer Mensch! — Aus seiner Hülle Thaten Willst deinen Geist, den kleinen, du errathen; — So schau' im Weltenkörper Gottes Geist: Offenbarung. O nimmer hat den Einen, Ewig-Wahren Der Menschengeist, der irrende, enthüllt! War Hellas selbst von Göttern doch erfüllt, Um die noch heute sich die Heiden schaaren. Am Horeb ließ der Herr sich offenbaren, Da zog das Licht gen Westen hell und mild, Und fern im Osten lehrten Schwerter wild, WaS der ״Prophet* im Gotte-wort erfahren. Wohin geströmt der Thora Lebensquelle. Da weilt die Wahrheit in de- Lichtes Helle, Und Nacht regiert, wo Offenbarung fern. So lebe treu dem Gotteswort hienieden. Dann zeugst du selbst in deinem Gottesfrieden: Der Seele Heil ist rin Geschenk vom Herrn! י- Dergettnng. Ein Richter weilt und ein Vergelter wacht! Ist die Verheißung dir ins Herz gedrungen? — In deiner Brust ist dein Geschick entsprungen; Des Glückes Born ist keine Erdenpracht! Hast du gefühlt die Schrecken einer Nacht, In der mit Reue wild dein Geist gerungen? Und hielt der Seele Frieden dich umschlungen? Dann magst du ahnen der Vergeltung Macht! Nicht Geist, noch Rang wird unfern Werth bedingen Und soll nur stählen uns'rer Seele Schwingen, Den höchsten Preis der Tugend zu erringen! Wie Jeder seine Kräfte Gott geweiht; Nach diesem Maße steht der Lohn bereit, Und säumt er hier, so winkt die Ewigkeit! Der Ktgtndsgtir. ES ist der Frommen Pflicht, so lehren uns're Weisen, In Wonne und in Leid den Herrn der Welt zu preisen, Für jeden Hochgenuß zu danken ihm allein Und ach! der Seele Fleh'n im Schmerze ihm zu weih'n! Und wer den Bruder lenkt, so künden die Rabbtnen, Zu frommem SegrnSspruch, wird Segen selbst verdienen; Nur wenn am Himmel strahlt des Regenbogen- Licht, Dann bete still allein und ruf' den Bruder nicht! — Wie leuchtet hell und mild der Lüfte Frtedensbogrn, Den zu der Menschen Trost der Herr der Welt gezogen! So lang der Farben Gluth durch dunkle Wolken bricht, 1 Verstößt der Weltenhort die bange Erde nicht! *

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