Allgemeine illustrirte Judenzeitung
- Journal
- Allgemeine illustrirte Judenzeitung
- Volume
- 2 (1861)
- Issue
- 7 (15.2.1861)
- Date
- 1861-02-15
- Page
- Seite 54 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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Vorläufig ist jede Bedeutcnheit unter den Juden ei» Brand vom großen Herde der alte» Schule in di« neue Zeit hinein versprengt! Wa» moralische Tüchtigkeit und Kampffertigkeit anbelangt, Thatkraft und Willensmacht die uusere Matadoren besitzen, so find daS Erbstücke aus einer früheren Zeit, und müssen audiesem Gesichtspunkte beurtheilt werden. Ebenso wird man die DuplicitSt ihre- Wesennicht verkennen, man wird die Einheit des Gussevermissen, audem jede Erziehung hervorgrhen sollte, man wird die Eigenthümlichkeiten einer zu ffüh aufgereizten Denkkraft nicht übersehen, man wird die autodidaktische Einseitigkeit aber auch ihre Selbstständigkeit im Urtheile begreifen, die alle diese Männer kennzeichnet. Aber so interessant die Betrachtung einesolchen inner« Lebenslaufes ist, so stumpft die Wiederkehr desselben doch am Ende ab — und es wird am Ende doch langweilig immer denselben Gang von der Jeschiba zur Univerfität zu machen, wie es in der Regel geschehen muß, wenn man eine ganze Gallerie jüdischer Biographien durchschreitet, und dabei nicht das geheime Leben des Geistes — das freilich überall eia anderes ist — belauftben darf, und nur den äußeren Verlauf an sich vorüberziehen läßt. — Kurz! Der die Biographie eines lebenden jükischeu Gelehrten niederschreibt, hat die traurige Alternative vor sich, entweder ind'scret, oder langweilig zu sein, unv es ist eben so unbequem für den Schriftsteller seinen Zeitgenossen zu contrefeien, wie für diesen, bei lebendigem Leibe sich biographirk zu lesen. Indessen trotz dieser bitterbösen Einleituizg, eie ^ich schon seit Jahren auf dem Herzen hatte, löse ich mein Wort in Folgendem ein, als ein Kind der Zeit, die Sünden der Zeit selber verübend, deren Brkenntniß ich von vorne hinein abgelegt. Pest. Herr Großhändler Moritz Blaß in Pest, durch seinen WohlthätigkeitSsinn, so wie auch durch sein gemeinnützige- Streben rühmltch bekannt, hat der isr. Muster-Hauptschule 12 mit Glas und Rahmen versehene Bilder berühmter Dichter und Rabbinen zum Geschenke gemacht. Durch diese Gabe hat die Anstalt rin zweckmäßiges Lehrmittel und eine schöne Schulzierde erhalten. Solche Bilder fordern den Lehrer auf, von diesen berühmten Männern mit den Kindern zu sprechen, deren khatenreichcs Leben in herzerhebcnder Form zu schildern und von deren Gesinnungen und geistreichen Werken das Wiffenswürdigüe mitzutheilen. Solche Bilder veredeln den jugendlichen Sinn für dgs Schöne, erwecken Begcisterung für ras Wahre und Gute und erwärmen dir kindlichen Gefühle für das Nationale und Patriotische. Indem wir nun dem geehrten Herrn Moritz Blaß für dieses zweckmäßige Geschenk den wärmsten Dank hiermit öffentlich au-drücken, können wir nicht umhin den Wunsch und die Bitte binzuzufügen, daß diese nun gegründete Schulwalhalla durch Einsendung an- Lerer Porrraits bereichert werden möge, und erlauben uns als besonders passend vorzuschlagen: die Bilrergallerie der ungarischen Köoige, die der ungarischen Dichter, das Portrait des großen unsterblicken Szcchenvi, das des seligen Jost, die Abbildung dehies. isr.-Cultustempels. Die Namen der edlen Schulwohlthäter unv Jugend freunde werden in die Chronik dieser Anstalt verzeichnet und deren Gesckenke durch die Zeitungen veröffentlicht. Tie vor mebreren Wochen vom Herrn Schönfeld gegründete und in dieser geschätzten Zritsckrift angeregte Bibliothek erfteute sich der wannen Tbeilnahme, so daß dieselbe schon jetzt den Candiraten zur Benützung übergeben werden konnte; möge qnch dieser Schul. Walhalla das Wohlwollen des geebrten Publikums zu Theil werden. A. Lederer, Direktor der isr. Molüerbauptschule. f. Gegen Mitte März d. I. erscheint hier ein>^weibändiger Roman, unter dem Titel: ״A zsidok magyarhonhan''\tte Juden in Ungarn), von Szentkirälvi Jstvan, dessen Ten»nz dahin gehen soll zu beweisen, wie ungerecht es sei, die Gleichbemchtigung der Juden an irgend welche Bedingungen zu knüpfen untg daß die Selbstftänd^keit und die verfassungsmäßige Freiheit der u Nation in so lange jeder sittlichen Garantie ermangle, bis Gleichberechtigung der Juden ausgesprochen wird. Wenn, arischen licht die wie wir hoffe», die Durchführung der Aufgabe, die sich der Verfasser i» seinem Programme setzt, eulfpricht, so dürfte da» Werk von allen Freuuden der Literatur und der Humanität auf- Freudigste zu begrüßen -sein. Die Wohnung de- Verfasserder auch Pränumerationen auf das genannte Werk entgegennimmt, ist: Waitznrr Straße Nr. 18, 1. Stock, Thür Nr. 9. --- Mit Nächstem verläßt der dritte und letzte Band der unter dem Titel: ,Nachtgedanken eines Erblindeten." bestbekannten Gedichte von dem em. Lehrer an der hiesigen Normalhauptschule, Herrn Salomon Rosenzweig. die Presse. Diesem Bande find auch eine beträchtliche Anzahl Gedichte in ungarischer Sprache beigegeben. Wir wünschen, daß die edle Theilnahme für dieses Unternehmen sich auch diesmal wie bisher glänzend bewähren möge. Corresyondenz. Gr. KanizSa. Am 12- Jänner feierte Herr Oberrabbiner Fasse! das 25jährige Jubiläum seiner seelsorgerischen Wirksamkeit. In einer begeisterten und begeisternden Predigt, welche der Jubilar an diesem Tage, einem Sabbate, hielt, zeichnete er mit kräftigen Worten die verschiedenen Phasen unserer religiösen und politischen Entwickelung im abgelaufenrn Zeiträume, so wie Stürme und Sonnenschein, welche abwechselnd den Horizont des Judenthums trübten und erhellten. Ein inbrünstige- Gebet zum Lenker der Schicksale fand Widerhall in jeglicher Brust, und manche Thräne stahl sich aus den Augen der ergriffenen Zuhörerschaft. Da- Lehrerpersonal brachte in corpore seine Glückswünsche als Tribut der Hochachtung für den Mann der Wissenschaft, und der Liebe für den anspruchslosen Menschenfreund. — Das Werk vLT'vi צדק, die mosaisch-rabbinische Tugend- und Rechtslehre res Herrn OberrabbinerS Fasse! wird demnächst bei Herrn Markbreiter hier in zweiter Auflage erscheinen. Der Herr Verfasser gedenkt eine ungarische Uebersetzung genannten ^Werkes zu veranstalten, deren Verleger gleichfalls Herr Markbreiter sein wird. An hiesiger Schule wurde der Reallehrer Herr E i ch b e r g auf feierliche Weise zum Direktor der Anstalt ernannt. Im Gegensätze zu anderen ähnlichen Ernennungen ist die Wahl deS Herrn Eichberg aus freiem Antriebe der Gemeinde vor sich gegangen und — was noch mehr sagen will — von seinen AmtSgenossen mit Arclamation ausgenommen worden. Das Cinverständniß des Lehrkörpers sollte — im Interesse der Schule — allenthalben als erstes Erforderniß für die Zuläßigkeit solcher Wahlen angesehen werden. LI. Gr. Decskerek, 8. Februar. Bei dem am Februar hier stattgefundenden feierlichen Einzug des Herrn Obergespanns Lad iSlaus Karütsonyi de Beodra machte auch eine Deputation der Israeliten des. Torontaler Comitates Hochdemselben ihre Auf- Wartung, und von dem hiesigen Herrn Rabbiner D. Oppenheim wurde dabei folgende Ansprache gehalten : Herr Ob ergespann! ״Die Vertreter der JSraeliten deS Torontaler Comitates, durchdrungen von den begeisterten Gefühlen und Empfindungen, die alle treuen Söhne deS Vaterlandes beseelen, stimmen ftrudig und herzlich ein in den tausendstimmigen Jubelruf, der Sie heute so warm begrüßt und empfangen hat. DaS Jahrzehend, in dem das Vaterland die theuerstrn Güter, die kostbarsten Freiheiten entbehren mußte, hat die Liebe und die Verehrung, die Hochachtung und das Vertrauen, das Sie, verehrter Herr Obergespann! in Ihrer öffentlichen Wirksamkeit sich erworben, nicht erschüttert und nicht vermindert. Ja, um so lauter, um so inniger schlagen Ihnen heute nach ven Jahren der Prüfung die Herzen entgegen! Wir alle und mit uns viele Tausende und aber Tausende blicken zu Ihnen auf voll Zuversicht und mit den lebhaftesten Empfindungen, aldem würdigsten Repräsentanten, als der sichersten Bürgschaft unserer Verfassung und unserer Freiheft. Besonders find edie Israeliten, die stetmit inniger Treue und Hingebung, mit Aufopferung und Selbstverleugnung das Vaterland geliebt, und für dessen Wohl und Wehe — die Gefchichte ist Zeuge dessen — in allen Lagen und Verhältnissen die auftichtigsten