Allgemeine illustrirte Judenzeitung
- Journal
- Allgemeine illustrirte Judenzeitung
- Volume
- 2 (1861)
- Issue
- 7 (15.2.1861)
- Date
- 1861-02-15
- Page
- Seite 51 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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■י ׳«» 51 « — ' da- Wohl ttafCTC* Baterlande» mit zu ratheu uud za tagen, auch dadurch Zeugniß euerer Würdigkeit hiezu adligen, daß ihr jede obscure Anschauung uud jede Ftnsterniß aueuerer Mitte verscheuchet, uud de« lichte« Tag wahrhafter Aufklärung uud gedeihlichen Fortschrittebefvrdeft, und wöget ihr, die Bürger eine« autonomen Laude- und Staates, auch in euerer eigenen Mitte die Autonomie zu wahren streben.!ES gehörte zu den Vorzügen unserer früher» Gemeinden, daß sie, stolz am ihre Selbstständigkeit, ihre Angelegenheiten unter sich ordneten, fremde behördliche Interventionen uud richterlichen Urtheil-spruch weder bedurften noch wünschten. Die Gemeinden der fünf- Ziger Jahre, sich! im zarten Kindesalter glaubend, wollten des Gänge!- bandes amtlicher Instructionen und behördlichen Lommauden gar nicht entbehren und wähnten keinen Schritt und Tritt ohne die sich selbst geschaffene Krücke bureaukratischen NachhelfenS vorwärts thuu zu können, ohne zu fallen »der zu straucheln. Nun, da der Allerhöchste Wille Sr. k. k. Apost. Maj. am 20. Oktober 1860 seine Völker selbst reif erklärt, und jene morschen nicht mehr auShalten und helfen wollenden Stützen gebrochen hat, so zeiget auch ihr, daß ihr Männer seid, die selbstständig und festen Schrittes auf der Bahn ihre- GemeindelebenS fort und vorwärts schreiten! — Unsere ALnde und unser Verhallen. Eine konvulsivische Erregtheit gibt sich seit einiger Zeit in jübischeu Kreisen kund, wie sie nur in wichtigen entscheidenden Zeitepocheu einzutreten pflegt. Die Art und Weise, wie die Symptome derselben hervortreteu, ist verschieden. Bet dem Einen tritt ein Grad von Zuverficht bezüglich der bald zu erwartenden Gleichberechtigung zum Vorschein, die jedes noch so sehr mit der gehegten Hoffnung im Widerspruch stehend« Vorgehen von Seiten der Lorporationen oder Pri- »aten absichtlich -erkennt oder unterschätzt. — Ein anderer Thril der jüdischen Bevölkerung ist viel zu sehr von den einzelnen Vorfällen affizirt, von krankhafter Empfindlichkeit besessen, als eS für einen ungetrübten Blick in die nächste Zukunft förderlich ist. — Hieraus ergeben sich nach beiden Richtungen hin Ansichten und Meinungen, die von der nüchternen Anschauung der Dinge himmelweit verschieden find. Ohne Kampf kein Sieg! — Zur Führung des erstern wie zur Erringung des letztern ist vor Allem Besonnenheit, Fassung und Umsicht nöthig. Wer bei dem ersten Donner einer feindlichen Batterie sogleich den Muth sinken läßt, oder wer in seiner behaglichen Zuversicht die Erplofion gar,'nicht gehört haben möchte — beide eignen sich wenig dafür, den Kampf männlich zu bestehen. Man bilde sich ja nicht ein, daß die Gleichberechtigung der Juden in Ungarn in idyllisch-friedlicher Weise ihre Lösung finden müsse. So viele derjenigen, die über unser Glück und Geschick zu entscheiden haben, auch auf der Höhe der Zeit und der Humanität stehen, so werden doch auch gewiß Einige von niedrigen egoistischen Rücksichtrn geleitet, und diese werden und können eS nicht unterlassen, das Möglichste anzuwenden, um unsere gerechte Sache, wenn auch nicht völlig zu Hintertreiben, so doch wenigstenfür eine Zeit lang rückgängig zu machen. Diesen gegenüber haben wir uns, so viel als thunlich, rntschieden aber doch auch besonnen zu verhalten. Ihr feindseliges Auftreten darf uns in unserm gerechten. Streben nicht beirren. Wir würden ihnen zu viel Ehre erweisen, wollten wir sie als den Ausdruck der Nation'betrachten. Sie dürfen oft nur wie Wespen mit einem leichen Peitschenhieb verscheucht werden; und kommen sie wieder, nun denn, ft möge man sie auf dieselbe Art wieder ihres Weges weisen. Und selbst dann, wenn ein etwas empfindlicher Streich gegen unS geführt wird, dürfen wir dennoch den Muth und die moralische Ausdauer nicht verlieren. Wie hitzig immer der Kampf geführt werden möge, vergessen wir nicht, daß der Kern der ungarischen Nation unfern Dank und unsere Anerkennung verdient und uns niemals Ursache gegeben hat, daß das Vertrauen in ihren Gerechtigkeitssinn schwankend werde. — Fahren wir fort, wie wir begonnen, weihen wir alle unsere Aufmerksamkeit dem Vaterländischen zu. Pflegen wir die Sprache, die Geschichte, die Gesetzgebung de- Landes. Unterlassen wir ttotz aller äußern Anfechtungen und Störungen nicht durch Wort und T h a t zu beweisen, daß wir eine» Vaterlandes würdig find, und da- Vaterland wird — muß sich unerschließen! Dies ist zugleich die beste Art, wie wir unseren Feinden zu begegnen haben! F. Schulkrsze. Andiatnr et alter• part. I Herr Rabbiner Hochmuth hat in Nr. 1 des «von Chananja“ den Wunsch ausgesprochen, eS mögen die Gemeinden Ungarn'- darum petitioniren, daß e» ihnen erlaubt sei, ihren Rabbinen da- Amt eines Direktors au jüdischen Schulen anzuvertrauen. Dir leben der Ueber- Zeugung, daß der würdige Rabbiner nicht pro domo, sondern um Willen der Sache gesprochen hat, und darum dürfte eihm lieb sein, wenn auch wir diesen Blättern unsere Meinung anverttaurn. ob auch diese mit der seinigen nicht übereinstimmt. Wir behaupten, daß weder der Schule noch der Gemeinde besondere Vortheile erwachsen würden, wenn der Ortsrabbiner zugleich als Schuldirektor zu fungiren hätte, und wollen dieses eines Weitern erörtern: Zuerst glauben wir ist der Gang der theoretischen Bildung deangehenden Rabbinen der Neuzeit — und von diesem allein ist doch hier die Rede — nicht derart, daß er auch ein praktischer Lehrer sein kann; und doch ist dieses die erste Bedingung für den tüchtigen Director, der muß vor allem ein praktischer Lehrer sein. ES ist nicht wahr, was man so oft sagen hört, es sei im Vergleiche zu früheren Tagen heute so leicht Rabbiner zu werden. Etwadeutsche Lektüre, oberflächliche Bekanntschaft mit dem באר היטיב und frischer Muth, das ist alles , was ein junger Rabbiner braucht, während die Alten sich nicht allein in den Talmud versenken sondern alle seine Commentarie» und Compendien durchstukieren mußten. ES ist diesenicht wahr. Der heutige Rabbiner muß ein gebildeter Theologe sein, nnd hat er auch den Talmud nicht derart zu behandeln 1כוע״ד, פיל,» בקופא דנזחטא?, so muß er ihn dafür mit kritisch sichtendem Blicke, an der Hand historisch linguistischer Forschung studiren. Der heutige Rabbiner muß, soll er auf der Höhe der Zeit stehen, die klassische Literatur. Orientalia und Archäologie sich eigen gemacht haben, er muß in der Philosophie bewandert, sich in Naturwissenschaften umgesrhen haben und dazu noch ein tüchtiger Talmudtst sein. Das braucht beharrlichen Fleiß und' Ausdauer, und nimmt die ganze Jugend des sich bildenden Rabbinen in Anspruch; wo soll er da noch Zeit hrrnehmen ein pädogogischr- Seminar zu besuchen und durch mehrere Jahre sich zum praktischen Lrhrer zu bilden? Gehen wir aber noch einem Schritt weiter und setzen wir den Fall, es wäre wirklich eine Gemeinde so glücklich einen Mann gefanden zu haben, der bei allen Studien, die er für sein künftiges Amt als Rabbiner durchgemacht, noch Zeit gefunden hat, ein Lehrer- Seminar zu besuchen und dann sich zum tüchtigen Lehrer zu bilden, und sehen wir ob dann dem Rabbiner — soll er seine Pflichten als solcher erfüllen — auch noch die Zeit bleibt an der Schule den Posten eines Direktor» ganz auszufüllen. Bor allem muß der Direktor nicht allein die Lehrer sondern auch die jedesmaligen Schüler kennen, wenn er in der Lage sein soll über den Fortschritt der Schule und der Schüler sich Rechenschaft zu geben. Der Direktor soll aber haeigrntliche Lehramt nicht vergessen und darum wird an jeder guten Schule von ihm gefordert, daß er selbst Hand anlege und 1 bis 2 Stunden täglich selbst unterrichte. Der Direktor hat weiter die Pflicht in gewissen Fällen den Lehrer zu suppltren. Er muß ferner — wenn die Schule nicht in den alten Schlendrian verfallen soll — immer auf der Warte stehen, und den Fortschritt belauschen, der in der Schulwelt vor sich geht, um die Lehrer darauf aufmerksam zu machen. AlledaS braucht den ganzen Mann und nimmt seine ganze Zeit in Anspruch. Er kann und soll wohl auch sich wissenschaftlich beschäftigen; doch muß alles und jedes Wissen ihn zur Schule führen, von da muß e- SuSgang und dorthin die Rückkehr nehmen, wenn der Direktor nicht nur halb sondern ganz seinem Berufe leben will. Fragen wir nun Herrn Hochmuth, ob denn dem Rabbiner, welcher ebenfalls auf der Höhe der Zeit stehen soll, und daher an den in der theologischen Welt curfirenden Fragen unv Verhandlungen innigst partiziptren muß, außerdem zu predigen, rituale Fragen zu beantworten hat, der Friedensstifter *