Allgemeine illustrirte Judenzeitung
- Journal
- Allgemeine illustrirte Judenzeitung
- Volume
- 2 (1861)
- Issue
- 6 (8.2.1861)
- Date
- 1861-02-08
- Page
- Seite 46 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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—»« 46 י־י einstimmig für die dem Entwürfe zu Grunde liegenden Principie». Der hierauf gestellte Antrag, die Discusfion der einzelnen Paragraphen auf leine folgende Sitzung zu verschieben, wurde beseitigt und sogleich dieMeritoriscbe Verhandlung über den Entwurf begonnen. Das von rer bisherigen Gepflogenheit Abweichende in demselben fließ nicht so« wohl auf Gegner, als vielmehr auf Bedenken, ob der Neuheit uid der muthmaßlichen Schwierigkeit in der Ausführung. Jndeß wurde nach kurzer Debatte, woran sich die Herren I. Kern, M. Jellinek und E. Posner betheiligten, der Entwurf mit einigen unwesentlichen Aenrrrungcn und Zusätzen einstimmig angenommen. — Mangel an Einheitlichkeit in den Spitzen und Lockerung deS GesammtorganismuS wird von mancher Seite dem Statute zum Vorwurf gemocht; worauf wir nächstens zurückkommen wollen. — Korrespondenz. Kascha«. *) Ich habe in Nr. 16 dieses Blattes v. I. meine Stimme für eine Sache erhoben, die wegen ihrer Heiligkeit und religiösen Bedeutung weder in das Gebiet der Partheikämpfe hinübergespielt werden, noch als Aegide zum Zwecke persönlicher Angriffe dienen darf. — Ich meine, die i« Argen liegenden Schulzustände KascbauS. — Alle redlichen und gebildeten Männer meines Umganges sind wohl dafür Zeugen, daß die Gefühle, welche mich bei Sbfassnug jenes bezeichneten Aufsatzes leiteten, riner lautern, von kleinlichen Arßerlichkeiten Nicht getrübten Quelle entströmten. Dennoch wurde nicht nur die Aufrichrigkeit meiner Intentionen dnrch H. I. M. in Nr. 20 d. Bl. v. I. verrächtigt, sondern ich ward beinahe mit dem Stempel res VerläumderS gebrandmarkt? Durch diese Prozrdur bin ich vor Ihr Forum gestellt, eine Innanz, vor der ich mich beuge, und vor die ich ein zweites Mal mich nicht wagte, ohne die mir zur Last gelegten unbegründeten, ehrverletzenden Anschuldigungen abgewälzt zu haben. Irre ich nicht, so sollte die Replik, Apologie oder besser Schmähschrift deS Herrn I. M. — denn der Aufsatz hat eigentlich keinen bestimmten Charakter — eine Wiekerlegung dessen enthalten waich in Bezug auf die hiesigen Schulzustänre vorgrbracht. Und doch muß eine flüchtige Gegeneinanderstellung der beiden Auffäze zeigen, daß die vermeintliche Widerlegung des Herrn I. M. nichts anderes erzielt Ha77 als die deutlichste Erhärtung alles dessen, was ich tn meinem Aufsaze in schooendster Weife geltend gemacht. ״Bis zum Jahre 1859 belief sich die fire jährliche Einnahme rer hiesigen israelitischen Knltusgemeinde auf nicht mehr als 1800 6. ö. 23., welche durch die Fleischabgabe erzielt wurde. Daß dieser kleine Betrag, viel zu gering für den unumgänglich nöthigen Gemeindebedarf, nicht genügend war, um davon noch eine Schule unrcrstüzcu zu können, ist einleuchtend genug. «S ist daher dieerste unwahre Angabe des Herrn I. G., daß diese Fleisch- .׳. bgatrr rin Theil der Einnahmsquellc zur Best reituvg. der Sch ul kosten gewesen sdi.« Dies die eigenen Worte des Herrn I. M- und ich kann dem Herrn Gegner, den ich sonst achte nnd schätze, ob dieser merkwürdigen Behauptung meine aufrichtigste Aklamation nicht versagen. Nur möchte ich den Beweis hergestellt haben, daß ein Einkommen das zur Deckung eines Gemeinrcbutgets nicht hinreicht, auch nicht einen Theil der EinnahmSquelle zur Bestreitung eines Gemeinrebedürfnißes bilden könne, und in wiefern die Behauptung res GegentheilS geeignet ist, als Unwahrbeit bezeichnen zu werden. Auch da wo von der Creirung der Schult die Rede ist, leistete Herr I. Mseinem Klienten nicht die beste» Dienstt. Denn trotz deS Weihraudbt«. der hier mit verschwenderischen Hänren ausgestrent wird, kann man die fast ironisch klingende Behauptung nicht ohne Kopf- ,chüttel» entgegennehmrn. daß in einer Gemeinde mit so viel Bildung und Intelligenz im Schoße und eine» sehr energischen und willen-kräftigen Vorsteher an der Spizr, ei»? der wichtigsten Institutionen nach kurzer Dauer in Rauch anfgehen kann!!.' Und rer weitergeltend gemachte Umstand, daß anch der Austritt eines *) i:1־ri'vatci. Rco. taleutirten Lehreraus dem Lehrkörper nicht wenig zum Verfall der Schule brigetragen habe, kann den Gründern dieser Schule gegenüber, die in ihre Schöpfung keine größere Konsistenz legten, als ein mit Lapivarlettern ausgestellte- ArmuchSzeugniß betrachtet werden. — Wie traurig wäre eS um viele wichtige und sehr nützliche Anstalten bestellt, wenn die Ausscheidung eine- Mitgliedes, und fei es einenoch so wichtigen, — den unbedingten Verfall deS Institutes nach sich ziehen müßte! — Kür die einzigen mir zugestandenen wahren Worte bin ich Herrn I. M. zu innigsten Dank verpflichtet, und erlaube mir die Bitte künftig nichtzu ignoriren. Ich habe Manches gesagt, was Herr I. Mmit gänzlichen Stillschweigen überging, und da ich einmal im Fluße bin, will ich noch eines Umstandes erwähnen, der unS Beiden in gleichem Maße dienlich fein dürfte, und ein kleines Supplement zu meinem früheren Aussaz bildet. Ich brzeichnete in meinem Aufsatze als die Quelle der Mittel zur Erhaltung der Schule, das.Schulgeld, und die sehr wenig fühlbare Fleischabgabe, und knüpfte hieran die Bemerkung, daß b-i einem Stand von circa 200 Familien eine tägliche Zunahme.zu erwarten war. Und ries ist ganz richtig! Ja, und warum hat Herr I. M diesen Satz nicht angefochten % Warum? Darum, weil hier wieder eine Unwahrheit liegt, die auch eine kleine mißliebige Wahrheit in sich birgt. — Die Fleischabgabe hätte viel ergiebiger ausfallen müssen, wenn nicht, ein nicht unbedeutender Theil der Gemeinde, — den Herr I. Mübrigengenauer kennen dürfte, — sich dieser Abgäbe auf eigenthümliche Weise entzogen hätte. — Der Schicklichkeit halber glaubte ich diesen Gegenstand bisher verschweigen zu sollen, koch da der Herr Gegner darauf den größten Akzent legte, daß ich den Grund der ungünstigen Sachverhältnisse in der obersten Leitung der Gemeinde zu suchen geneigt war, so wollte ich zu bedenken geben, ob die Konsequenzen eines derartigen Zusammenwirkens andere sein könne, als die so unglücklich vertheidigten. J. G. Wanbtmnßtn aas dem Gebiete -er mährischen Gemein-,״. Nachdem Sie die Mühe nicht scheuten, sich in meiner bildungsfähigen und opferfreudigen Gemeinde G. ein wenig umzusehen, so wollen Sie es auch nicht uuterlaffe», meine partes adnexas, meine Filialgrmeinden K. K. wenn auch nur flüchtig kennen zu lernen. K. K. bedeutet im vorliegenden Falle nichi kaiserl. kö nigl., sondern Ko ritsch an und Kostelez. Ich zweisse überhaupt, ob ein Rabbiner daö Recht oder die Pflicht habe, und wäre er auch Keeisrabbiner, sich k. k. Kre iS ra b b in e r zu fertigen, wie dies mancher böhmische Kreisrabbiner faktisch bejahte. Ein Rabbiner ist Diener der Gemeinde, Diener des Königs aller Könige, kessen göttliches Wort er verkündigt, dessen himmlischen Willen er lehrt, dessen magna charta er erklärt, rem er die Steuer der Wahrheit rinzuheben und zu entrichten hat, dem er Gut und Blut zu weihen und zu heiligen hat, aber nicht Staatsdiener. Er hat auch den Staat nicht um Hilfe und Beistand anzurufen, wenn z. Bder Sabbatbräutigam zu wenig, unv die Sabbatbraut zu oft gerufen, wenn die Tora welche Moses dem Volke Jsr. znr Beherzigung und Verbreitung rorgelegt, statt nach deutschem, nach spanischem Ritus, als Israel Panier und Zier emporgehoben wird. Korilschan war in den antediluvianischen Zeiten, wo die Ehestandsaristokraten, ich meine die Familianten. noch kn Mähren an der Tagesordnung, und die Emigrantfamilien an der Ordnung der Nacht waren, in welcher sie den -eiligen Bund der Ehr, nach dem Gesetze Moses und Israels, wenn auch nicht nach den Gesetzen ScariS des CodifikatorS der Ausnahmegesetze der mährischen Juden, schießen — Korilschan war damals die erste Gemeinde Mährens. Die erste Gemeinre Mährens? fragen Sie, eine Gemeinde'von nur 36 Familiantrn und 10 Emigranten. Ich will Ihnen das erklären In jenen gepriesenen schrankenreichrn und gedankenarmen Zeiten, waren nicht nur in den einzelnen Städten Ghettl errichtet, ganz Mahren und Böhmen waren rin großes unv weite- GMo, der mährische Jude durfte nicht in Böhmen wohnen et vice versa. Böhmen war für Mahren Ausland, Mähren für Böhmen. Als ich nach meinen in Prag vollendeten Studien nach Hadern in Böhmen zum Rabbiner berufen ward, reichte die Gemeinde ganz unbefangen das Gesuch um Bestätigung beim k.