Allgemeine illustrirte Judenzeitung
- Journal
- Allgemeine illustrirte Judenzeitung
- Volume
- 2 (1861)
- Issue
- 5 (1.2.1861)
- Date
- 1861-02-01
- Page
- Seite 38 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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—יו־• 38 •־י-— in vaterländischer Sprache daS Wort führte. Hiebei können wir nicht unerwähnt lassen, daß eine ״gyä8zbe8z4d Szechenyi Istvän emlek4re, tto. 25. Juli 1860 Marczali" erschienen ist, deren Ertrag dem Szechenyi- Denkmal gewidmet ist. Schon des patriotischen Zweckes wegen begrüßen wir Liese ^yüszbeszeä mit aller Achtung. Jedenfalls wollen wir das vcrdienstliche Streben des Herrn Rabbiners Morgenstern, das Wort (Lottes in der vaterländischen Sprache zu verkünden, mit Dank anerkennen. Bisher war uns in dieser Beziehung nur Ein Rabbiner in der Somogy vortheil bast bekannt, und zwar Herr Rabbiner Stern in Lengyeltoty. Derselbe hak bereits im Jahre 1856 in Läträny ein Requiem für den Vater des jetzigen Obcrgefpans, ferner im Jahre 1855 eine Syuagogen-Einweihungs-Rede in Osztopän und endlich am 0. Mai 1860 in Kcv.icsi ein Requiem für den ״größten Ungar" in ungarischer Sprache gehalten. Herr Stern hatte jedes Mal verdienten Beifall geerntet, aber LaS Requiem für Szechenyi war nack dem Ausspruche christlicher Notabilitäten eine Meisterleistung, zu welcher rer Text aus Ps. 118 ",׳'־א אמד. 2' א'יד, nem lialok 11a elek — wer wahrhaft lebt, der stirbt nickt, febr glücklich gewählt war. Bei solchen Beweisen von Liberalismus Seitens der Herrschaft und des Patriotismus Seitens der (Gemeinten und Rabbiner können die Juten in der Somogy frohen Mutbes der Zukunft harren. Ten entmutbigten Theil der Juden aber mögen derlei Berichte erheben! Al. .1. F. S Januar. Bor einiger Zeit hatte ich Gelegenheit die Musterbauptsckule zu Fünfkirckcn kennen zu lernen, und ward hiebei von so angenebmen Eindrücken erfüllt, daß ick mir die Freiheit nehme Sie um die Aufnahme einiger Notizen über diese Anstalt zu bitten. Vor allem ward ich nicht wenig von dem eben so prachtvollen als zweckmäßigen Gebäude überrascht, worin Alles, der Bet- und Prüsungssaal, Bibliothek und Ctaffenzimmer, herrlich auszestattet ist, und wobei ssch noch eine Tnrnanstalt, ein schöner Garten rc. rc. befindet. Das Gebäude hat seine Entstehung größtentheils der Opserwilligkeit des allgemein geachteten Herrn Adolf Engl so wie dem Eifer und der Energie der Herren Reinfeld, Gemeindevorsteher, und Goldstein zu verdanken. — Es wirken an der Anstalt 5 Lehrer und 2 Lehrerinnen. Der Director, Herr Pxrgrs, ein geborner Böhme, bestättigt die in öffentlichen Blättern ausgesprochene Behauptung, daß fähige Ausländer, auch unter gegenwärtigen Verhältnissen in Ungarn, nickt nöthig haben, das Land zu verlassen, indem derselbe mit Erfolg sich bestrebt der ungarischen Sprache mächtig zu werden, und so die baldige Einführung der ungarischen Sprache als durchgängige Unterrichtssprache auch seinersei's zu ermöglichen. Die Herren Gültniann und Goldschmidt, beide Nichtungarn, tragen bereits in ungarischer Sprache vor. Besonderen Eindruck machte aus mich des Ersteren Vortrag aus der ReligicnSlehre. So, dachte ich mir, soll und muß Religion gelehrt werden, damit dieselbe dem kindlichen Gemüthe für's Leben cingeprägt bleibe. In würdigster Weise rechen sich den Genannten die beiden Herrn Lehrer Üohn und Seligmann, Letzterer der beliebte Lehrer des ungarischen Faches, rücksickrlich des Eifers und der verdienstlichen Leistungen an; und ist es überhaupt eine erfreuliche Wahrnehmung, wie dieser Lehrkörper durch einträchtigcs, harmonisches Zusammenwirken die Ehre der Schule und ihres Standes zu wahren sich bemüht. MtN dem Vorbehalte Ihnen in Zukunft noch zuweilen von dieser wahrhaften Must er Hauptschule zu berichten, schließe ich meine heutige Mit- V theilung, nur noch die Bemerkung anfügcnd, daß hoffentlich auch der Herr Eomitats - Rabbiner, llr. Hirschfeld, bald unter die der vaterländischen Sprache völlig mächtigen Rabbinen wird gezählt werden können. l)r. 8...f. *d. Prag. Wir leben hier in einer sehr bewegten Zeit, bewegt nach außen und nach innen. Die Neugestaltung der Verhältnisse kann nicht ohne Einfluß aus uns bleiben; was nach außen geschehen wird, ahnen wir, waS nach innen, vermögen wir nicht einmal zu ahnen. Sowohl die Partei des gemäßigten Fortschritts, der liberalen Berfaffungsfreunde als auch jene der Nationalen, verspricht jede in ihrem Programme uns brüderlich die Hand zu reichen, letztere, deren Organ die ״Närodni liety" betont dies am öftersten und brachte vor wenigen Tagen einen Aussatz ״Hla« zida" (Stimme eines j Juden), in welchem sie beweist, daß die Annäherung der Juden zu den! deusschen Elementen, das Fernstehen derselben von der czechischen Natton : ׳ nickt Schuld der Juden sei, und daß bei Einhaltung des im Programme , dieses Blattes angeführten Entgegenkommens und bei der Einführung einer praktischen böhmischen Grammatik (etwa nach Ahn'S Methode) in den jüdischen Volksschulen nach zehn Jahren nicht nur der gewünschte Erfolg allgemein bemerkbar sein wird, sondern daß es der eiserne Fleiß und die rege Phantasie des Juden dahin gebracht haben wird, daß er nach zehn Jahren in czechischer Sprache zu dichten verstehen wird. Der Verfasser jenes Aufsatzes in den ״Närodni llsty" glaubt auch, daß nicht nur in grauer Vorzeit, sondern selbst bis vor der Schlacht am weißen Berge die Juden sich des czechischen Idioms bedient haben müßten, er glaubt einzelne Schimmer für diese Ansicht gefunden zu haben. — Im Vorbeigehen erlauben wir uns die Wahrheit seiner Ansicht zu bestättigen; auf Grabsteinen deS alten jüdischen Friedhofes findet man hie und da Namen der Verstorbenen, welche czeckisch stnd, oft fanden wir den Namen (Wlk) gleichbedeutend mit dem heute gebräuchlichen Namen ״Wolf", dann findet man hier auch ttotz ver Germanisirung noch unter den Lebenden Namen czechischen Ursprungs, so hat der Jargon das czeckische ״LIriva" in den Frauennamen ״mSc", den Namen der ״Libussa" in ein ״־£״.׳:״ verwandelt. — Doch um zu der Eingangs erwähnten Neugestaltung unserer Verhältnisse zurückzukommen, so glauben wir über dieselben nach außen hin auch schon in einem früheren Berichte eine gewisse Andeutung gegeben zu haben, wie sie sich aber nach innen gestalten werde, vermag das Auge nickst im Vorhinein zu durchblicken. Stürme wird es geben, wenn die Culusrepräsentanz aufgelöst und Neuwahlen stattfinden werden. Das Comitö, wie es jetzt besteht, umfaßt Männer, welche Herz und Gemüth, Verstand und Muth haben, und mit aller Kraft dahin wirken, um die Interessen der Gemeinde zweckmäßig zu wahren und würdig zu vertteten; eS gibt aber auch Männer in demselben, welchen die Interessen der Gemeinde zu wenig nahe gehen, welche nicht im Stande ihr Ich dem Ganzen zu opfern, welche mehr auS Eitelkeit als aus innerem Drange am grünen Tische in der BeleleSgasse sitzen; — daß diese Männer bei den Neuwahlen alles daran wenden werden, abermals aus der Urne hervor zu zehen, läßt sich leicht denken, daß aber die Wähler alles dgran wenden sollen, solche Namen gar nicht in die Waklurne zu bringen, das kann nicht genugsam und nicht zu oft gesagt werden. Wie es in solchen Zeiten auch wohl thut einen Mahnruf zu hören, welcher an die Nichtigkeit deS Erdenlebens erinnert, uns erinnert, daß wir unser Le» ben dem Wchle des Ganzen, der Verherrlichung des Judenthums widmen sollten und der Vorbereitung für das große Jenseits — wie es wohl thut auch einen solchen Mahnruf zu hören, davon konnte man sich hier in jungster Zeit überzeugen. Nach den Statuten unserer Bcerdigungs - Bruderschaft muß jährlich an עי־כ ד״ה "ט im 1Saale des Vereinslokales eine Drascha gehalten werden, seit einigen Jahren wird mit dem Vortrage derselben unser würdiger Prediger, Herr Professor Kämpf betraut. Wie er an dem erwähnten Tage alle Herzen zu rühren wußte wird in der Erinnerung der anwesenden Hörer noch lange fort leben; dabei wußte er auch die Art seiner Vortragsweise, durch die geistreiche Wiedergabe talmudischer Stellen aus den verschiedensten Traktaten, selbst die noch immer bei uns zahlreich vertretene Partei der Orthodoxen für sich zu gewinnen; sie glaubten bei einer Drascha zu sein und doch klang das reinste Deutsch zu ihren Ohren; i andere glaubten bei einer Predigt zu sein und eine Fülle talmudischen Wis- | sens welche Herr Professor Kämpf bei dieser Gelegenheit an den Tag legte j überzeugte wieder, daß man es hier nicht mit einer gewöhnlichen Predigt zu! thun habe. Eine dankenswerthe Anerkennung fand eS, daß Herr Professor i Kämpf auch den Manen des im v. I. verschiedenen Herrn Rabbiners Frank, dann der hier verstorbenen Herren Joseph Lieben und Joachim Pisling ein Zeichen der Erinnerung gegenüber den Zuhörern weihte. Möge! es Herrn Professor Kämpf noch lange vergönnt sein in solcher, außergewöhnlicher, Geist und Herz erhebender Weise zu seinen zahlreichen Hörern und Verehrern zu sprechen. Kürth, Anfangs Jänner. (Schluß.*) Die Hand aufs Herz! Uebt er nicht selber gar oft Rischus gegen sein eigen Fleisch und Blut? Wenn in der iSr. Gemeinde zu Sch... Jahre lang mit dem für 300 fl. jährliche Besoldung die Rabbinats-Funftionen mitversehenden Religionslehrer gestritten wird, daß er zu den Gemeindelasten contribuircn solle, und dieserhalb Magistrat und KreiSregierung, die frellich zu Gunsten deS Letztern die Gemeinde abschlägig *) Siehe Nr. 4.