Mannheim
Compact Memory

Allgemeine illustrirte Judenzeitung · 1861-02-01 · 5 (1.2.1861) · p. Seite 37

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Allgemeine illustrirte Judenzeitung
Volume
2 (1861)
Issue
5 (1.2.1861)
Date
1861-02-01
Page
Seite 37 (sequence 5)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
92% known words query
IRI
…/4884143-5427051-5427111--263-4884379
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

! —•H! vollberechtigte Staatsbürger ihre Stimmen abzugebeu haben werden — daläßt sich leicht errathen. Daß sie mit ihrem politischen Einfluß zu jeder Zeit dort zu finden sein werden, wo da- Recht, die Ordnung, die Achtung vor dem Gesetze, die Freiheit und Wohlfahrt de- Vaterlandes sein wird, daß ist gewiß. Niemals aber werden sie, die selbst viele Jahrhunderte hindurch ein gedrückter, rechtsloser Volksstamm waren, sich in der Ausübung ihrer politischen Rechte von etwaigen Antipathien gegen einzelne BolkSstämme und Konfessionen leiten klaffen. Die Juden würden in demselben Augenblicke ihre eigenen Ansprüche auf Gleichberechtigung ungültig machen, wenn sie aufhören würden an dejm Grundsatz fest zu halten, der in ihrer ReligionSurkund« so einfach, so kräftig nnd klar — ohne alle Klausel — ausgesprochen: ״Ein Gesetz und Ein Recht soll sein für euch und für den Fremd« ling, der unter euch heimisch geworden ist." Die ״Araber Zeitung" schämt sich wie ersichtlich, demnach nicht ihre Spalten der Erörterung der Judenfrage zu öffnen, während unsere großen politischen Blätter der Hauptstadt, mit AySnahme de- ״Magyarorszäg" rin stolzes Schweigen darüber beobachten. — Am allerwenigsten haben diese Blätter» was wir aber durchaus nicht miSbilligen, die SomoSer Prügel-Affaire als confessiohelle Frage behandelt, und eS ist das Epitheton Jude zur Bezeichnung des Pasternak nur ungefähr so,gebraucht worden, wie man selbemore consueto auch nie beizufügen unterläßt, wenn zufällig der oder jener Verbrecher und Uebelthäter zu den Bekenner» dealten Testa» mcnteS sich hält. Trotzdem wird jetzt in den nachträglich auS SärvS ein» laufenden Vertheidigungen und Ehrenrettungen des Stuhlrichters Jränhi nur so gethan, als hätten die Blätter, welche die Prügelstrafe einstimmig verdammt haben, auS purer Vorliebe für die Juden gesprochen und für die» selben ein Justizprivilegium beansprucht. — Eine solche Vertheidigung, re» spective Klage über Verläumdung deS Stuhlrichters erhebt der 2. Vicenotar Alexander BujänovicS im ״P. Naplü" v. 24. v. M. — Die Ceran* laffung wird von diesem in derselben etwas unklaren Weise angegeben als die« bereits durch Herrn v. Ujhäzh selber geschehen, der Strafact selber dagegen so gemüthlich geschildert, als wäre eS darauf abgeseheu in dem Le» ser ein, Gelüste nach etwelchen Stockprügeln zu erwecken. Es ist da von Handküffen nach Empfang der Schläge, von Danksagung für die nur zu gelinde Strafe rc. rc. die Rede. Sogar die Rücksicht auf den Feiertag des Bestraften ist nicht außer Acht gelaffen worden, indem die Prügel erst ״nach Sonnenuntergang als schon Kerzen angezündet waren" (demnach bei Beleuchtung deS äußeren Schauplatzes) applizirt wurden. — Aus gleicher Tonart klingt ein von D. Ghula Mär. an den Redacteur des ״Magyarorszjig" und in demselben Blatte v. 26. v. M. veröffentlichtes Schreiben, worin der Absender die erthcilte Prügelstrafe mit dem Principe der Gleichberechtigung rechtfertigt, indem der Jude Pasternak, weil er etwa die Schläge durch Geld ablöfen konnte, doch nichts voraus haben dürfe vor jenen auf gleicher Bildungsstufe stehenden Mitbürgern aus dem Bauernstände, gegen welche die Prügelstrafe ohne Bedenken angewendet wird. Diese Strafe sei zwar — so bemerkt der Schreiber in einer Note -׳- im Jahre 1848 für Persönlichkeiten welche die Qualification zur Nationalgarde besitzen, abgeschafft worden, in die Kathegorie dieser Individuen gehöre aber jener Pasternak nicht. Schade, daß Herr Ghula sich nicht deutlicher darüber auSspricht, weswegen P. nicht in jene Kathegorie gehöre. Der 22. Ges. Art. v. I. 1848 hatte Juden nicht ausgeschlossen; wenn dennoch damals ehrenwerthe Bürger und Patrioten an mehreren Orten die Aufnahme der Juden ver» weigerten, so war dies eine Mißachtung eben derselben Gesetze, die heute nut solcher strengen Pietät gewahrt werden. — Pest. (Privatmittheilung.) Die zur Ausarbeitung eine« WahlstatutS berufene 50ger Commission hat auS ihrer Mitte ein engere- Comitö, unter rem Vorsitze des Herrn N. GotteSmann, bestehend auS den Herren Bacharach, Sam. Brüll, Dr. Hasenfeld, Dr. Hirschler, M. Jellinek, I. Sern, Lanhi, Dr. Rozsah, Sigm. Schoßberger, Jos. Ullmann und dem Schriftführer Herrn Barnah gewählt, um ihr den Entwurf deS bezeichneten Statutes vorzulegen. Dem Vernehmen nach wird daS Elaborat dieses engeren Comite schon in den nächsten Tagen vollendet sein, und die Berathung der Plenar-Commission darüber beginnen. — Wir? n>— glauben keiner Indiskretion uns schuldig zu machen, wen» wir die Grundzüge des Entwurfes, so viel wir davon erfahren haben, hier veröffentlichen. Kanu doch diese Mittheilung nur dazu dienen, daß sick die Ansichten und Meinungen über die brennende Frage des Gemeindelebens um so früher klären, und daß gewiffe Ausstreuungen, welche dahin zielen, ängstliche Gemüther damit zu schrecken, als wäre eS nur auf die Bildung einer neue« Reformgenoffenschaft abgesehen, in ihrer ganzen Leerheit erkannt werden. DaS projectirte Statut Nun will durch die Gesammtheit der contribuirenden Gemeiudeglieder zuvörderst einen Gemeindeausschuß von 156 Manneru wählen lassen, wobei von jedem CenfuS abgesehen ist. Diese 150 Männer repräfentiren die Gesammtgei^einde in allen wichtigeren Angelegenheiten, wie bei Aufnahme gewiffer Functionäre, Besteuerung u. dgl., und sollen, abgesehen von diesen Fälle», 1- oder 2mal jährlich zusammen berufen werden. Die eigentliche Gemeindeverwaltung ist fünf, für die versckiedenen Verwaltungszweige, als CultuS, Schule, Humanitätsanstalten Kaffa und Finanzen einzusetzenden auS je 6 Mitgliedern und einem Vorsitzenden bestehenden Ausschüssen anvertraut. Die Leiter dieser Ausschüsse bilden den eigentlichen Vorstand, und werden so wie auch die AuSschußmitglieder durch die 150 Gemeinderepräsentanten gewählt. Dieser letztere Theil des Entwurfes coincidlrt, wie - ersichtlich, mit dem in Nr. 20 d. Bl. v. I. veröffentlichten Vorschläge. Wenn dies nicht bloS Zufall, so würde eS unS, wir müssen eS gestehen, nicht nur als Freunde dieser Zeiffchrist recht sehr freuen, sondern noch mehr darum, weil eS zu den seltenen Beispielen von Beachtung und Erwägung journalistischer Erörterung gehörte und ein Gegenstück abgäbe zu jener souveränen Verachtung, womit die ״KahalS" alten SthleS das ״Zeitungsgeschreibsel" zu behandeln sich gefallen. Ad vocem ״KahalS" alten SthleS muß wohl anerkannt werden, daß unter diesen sich häufig, wenn auch nicht immer gebildete, doch gescheidte, praktisch kluge Männer sich befanden. Es zeugt aber sehr wenig für die praktische Klugheit, geschweige von Loyalität, wenn derselbe Vorstand, der am 20. vorigen Monats einer Conferenz angewohnt und an einer in dieser Conferenz beschlossenen Wahl Theil genommen hat, dann hintenher gegen alle diese Vorgänge Protest einlegt und so, weder zur eigenen Ehre noch zum Heile der Gemeinde, deren endliche Organisirung in die Ferne zu schieben Miene macht. Sapienti 8at! (£orrrfj>on&rnj. Pest. In einer Zeit, wo so viel für und gegen den Juden geschrieben und gesprochen wird, ist eS wahrlich kein Wunder, daß ein Theil der jüdischeu Bevölkerung, im Kampfe zwischen Hoffnung und Furcht, mit Aengstlichkeit der nächsten Zukunft entgegensieht. Thatsachen, wie die in Veßprim und Säro«, lassen sich nicht beschönigen, und sind vielmehr geeignet, selbst den Hoffnungsstärksten zu entmuthigen. Um den Eindruck solcher Ereigniffe zu schwächen, und die Furcht, die sie einflößten, zu verscheuchen, gibt.e« nur ein Mittel: daS ist daS Entgegenhalten erfreulicher Ereigniffe, die uns darthun, daß die hochgestellten Persönlichkeiten im Lande eine andere Meinung vom Juden haben, und gegen ihn anders handeln. So will ich denn dem großen Leserkreise dieser geschätzten Blätter folgendeangenehme Factum mittheilen. LadiSlau« v. Jankovich, gegenwärtig Obergespan in der Somogh, war im Jahre 1848 Obergespan in Slavonien, in Veröcze, wo so großer Judenhaß herrschte, daß eS eines Tagezu einem Judenkrawall gekommen war. Da erschien der Herr Obergespan selber auf dem Tumultplatze und sprach ein ermahnendes Wort zu Gunsten der Juden. Doch welch' ein diffonirendeS Echo fand dieses Wort! Ein Schuß! Der edle Ungar von echtem Schrot und Korn, neinee szoroa 6rtelm4ben, ließ sich davon nicht abschrecken, er verblieb am Platze und nahm sich der Juden väterlich an; aber leider vergeblich — e« fiel ein zweiter Schuß! Darauf sprach der Herr Obergespan: a zsidök istene megraent engem. Diese Worte in Begeisterung gesprochen, wirkten auf daS aufgeregte Volk, eS erkannte darin einen Finger GotteS; die Massen zerstreuten sich, und den Juden ist nichtgeschehen. — So benimmt sich ein hochherziger Magharel — So können wir denn unfern Glaubensbrüdern in der Somogh, wo Herr v. Jankovich jetzt Obergespan ist, vom Herzen gratuliren. Wie bekannt, hat die Somogyer Judenschaft dem Herrn Obergespann die ehrerbietigste Beglückwünschung dargebracht, wobei Herr Rabbiner Morgenstern auS Marczali

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.