Allgemeine illustrirte Judenzeitung
- Journal
- Allgemeine illustrirte Judenzeitung
- Volume
- 2 (1861)
- Issue
- 5 (1.2.1861)
- Date
- 1861-02-01
- Page
- Seite 39 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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—>• 39 *«־— beschick, angerufen!wird — ist und macht dieß kein RischuS? — Wenn dieselbe Gemeinde tie Behörden behelliget, weil ihr Rabbiner מעריב בזמנו macht, und dieß inhibirt haben will, waS freilich nicht geschah — ist und macht dieß kein Rlschus? — Wenn in einer andern jüdischen Commune Sch. der zwar etwas griesgrämige, aber mit bedeutendem talmudi» schen Wiffen begabte, zudem aber mit Nahrungssorgen belastete Rabbiner sich auf einige Tage entfernt, und sich während seiner kurzen Abwesenheit eine .שאל,־ ergibt, dieserhalb ein Expresse an den zunächst befindlichen Rabbiner geschickt und der Lohn dieses Boten dem ohnehin kärglich besoldeten Rabbi von seinen! Gehalte in Abzug gebracht wird — ist das kein Rischus? — Wenn bei der Meldung eines Israeliten um Aufnahme in eine aus christlichen und jüdischen Mitgliedern bestehende Gesellschaft letztere dagegen zu stimmen zum Befremden ersterer, sich geneigt zeigen — ist und macht dieß kein Rischus? --So könnte ich noch Dutzende von Beispielen jüdischen Rischus aufführen, füchtete ich nicht, die Geduld deS LeserS zu mißbrauchen. — Neueren Nachrichten zufolge soll das Damokles-Schwert des bayrischen Judengesetzes noch so lange über den bayr^ Israeliten schweben, bis die Kammern selbst zu dessen Entfernung einen Antrag stellen würden. Der hiesige iSr. Borstand wird eine diesfallsige Petition geeigneten Orts überreichen. Zwar wurde gegen dieses Vorhaben geltend gemacht, daß man für ein natürliches Recht nicht zu bitten habe. Die Unstichhaltigkeit dieser sonderbaren Ansicht ist aber augenfällig. Gerade als wenn ein Gläubiger gegen den die Zahlung verweigernden Schuldner nicht klagbar austreten soll, weil er die gerechtesten Ansprüche auf Heimzahlung des geniachten Darlehenhat. Nehme man sich ein Exempel an dem Lande deS Parlamentarismus, an England, in welchem um einen durchzusetzenden Gegendstand so lange fortpctitionirt wird, bis er zuletzt zur Annahme gelangt. Hoffen wir, daß von dem Hierlands dermalen versammelten so wichtigen Landtage auch für die Israeliten eine neue Aera beginnen wird. DaS von mir in Nr. 14 erwähnte politische Blatt erscheint wirklich seit dem 1. November v. Js. unter dem Titel der ״Fürther Bote", und hat er vielleicht noch um seine Existenz zu kämpfen, so ist ihm gleichwohl ein recht langes Leben zu wünschen, da die kernhafte Sprache, die klare politische Ein- und Umsicht und der gemessene Takt der Redaktion, die sich insbesondere in den Leitartikeln manifestiren, alles Lob verdienen. In der weltberühmten Handelsstadt Nürnberg hat der durch die dort wohnenden Israeliten betriebene Hopfenhandel dermaßen an Umfang und Ausdehnung gewonnen wie er ihn in ganz Deutschland nicht hat. Der in Folge dessen zunehmende Wohlstand hat auch seit zehn Jahren die Häuser- Miethe um mehr denn ein Drittel erhöhet und die Bevölkerung bedeutend vermehrt. — — Freuen soll es mich, wenn ich Ihnen in Bälde nur Erfreuliches über unsere Zustände berichten zu können in den Stand gesetzt werde. — Sch. Bayern. K. Die Abschaffung des Matrikelwesens rc. wäre eine so geringe Abschlagszahlung an den Geist der Zeit und der Gerechtigkeit, daß ick Ihnen dieselbe, in Uebereinstimniung mit Privat- und öffentlichen Nachrichten, als bevorstchend durch Vorlage eines Gesetzentwurfes bei den nunmehr versammelten Kammern, mit Sicherheit melden zu dürfen vermeinte. *) Leider ist dem zur Zeit nicht so. Offiziöse Blätter meldeten kürzlich, eS werde die Staatsregierung die Initiative in diesem Punkte nicht ergreifen, sondernsolche der Kammer überlassen. Inzwischen hat der iSr. Vorstand der Hauptstadt sich eine Audienz in dieser Sache bei dem Staatsminister von Neumaier erbeten und aus dessen Munde jene schmerzliche Kunde bestättigen gehört. Wir bayer'schen Juden sollen also noch ferner die Parias Europa'- bleiben und in einer Zeit, welche Bekenntnißfreiheit und Gleichheit der Confe'ssionen auf ihre Fahne geschrieben hat, eine Stellung im Staate einnehmen, die nirgends mehr ihre- Gleichen hat. Diese traurigen Aussichten haben endlich unsere Gemeindehäupter, unsere Rabbinen rc. rc. aus ihrer Lethargie aufgerüttelt, und man will endlich die Sache denn doch in die Hand nehmen. Aus allen großen Gemeinden, namentlich auS München, Fürth, AnSbach, Würzburg rc. und in Folge dessen auch auS ländlichen Kreisen werden Petitionen an die Kammern und zwar an die zweite, wir aber möchten wünschen und rathen, auch an die erste Kammer, abgehen. - j S Nr. S. Ztg. Letztere war es, welche sich seiner Zeit dem von der Staatsregierung vorgelegten Gesetzentwurf wiedersetzte und jetzt wohl auch gleich dem Adel anderer Länder auf andere Gedanken gekommen sein wird. Auch die höhere katholische Geistlichkeit, die sich dazumal mit dem Adel gegen uns verbunden hatte, wird sich einer solchen gerechten Anforderung nicht mehr wiedersetzen. Einige Gemeinden wollen sich mit ihren Petittonen direkt an das Kabinet wenden, und sie thun wohl daran. Bereits erläßt auch an seiner Spitze ein vielgelesenes Blatt, der ״Nürnberger Anzeiger" eine ״Auffordernng an Alle, die Recht fühlen!" in zahlreichen Petttionen für da- Recht der Israeliten und Deutschkatholiken bei der Kammer aufzutreten. Ob letztere Aufforderung, -ך so anerkennenSwerth sie ist, von nachhaltigen Erfolg sein wird, bezweifeln wir. Ein Volk, das lange Zeit seine- Gleichen neben sich im Druck gesehen hat, gewöhnt sich daran, und sich überhebend, erhält eS solche gern darin, froh Andere noch unter sich zu sehen. So im Volke. Es müssen aber n Lchtig inflnirende Einflüsse vorhanden sein, wenn Staatsmänner unserer Zeit sich nicht berufen fühlen, alle unzufriedenen Elemente zu versöhnen, und so berechtigten Forderungen gegenüber sich gleichgültig und zuwattend verhalten. Unsere Hoffnungen und Erwartungen sind daher tief gesunken! — Auch die am 26. Dez. in Nürnberg versanimelt gewesenen bayer'schen Mitglieder deS deutsche» National-BereinS sprechen sich für Aufhebung deS Matrikelwesens rc. auf Antrag deS Herrn Reuß, Redakteurs deS Fr. Couriers, ans. Herr Crämer von DooS, der Vorsitzende, ein Mann voll Baterlandsliebe und unbeugsamer Redlichkeit, der Bertteter der Stadt Nürnberg, war nur gegen die Form des Antrags und meinte, man solle noch -die Schritte der Betreffenden selbst rc. abwarten, ehe man diesen Antrag als Direkt!» in die allgemeine Petition anfnehme, und meinte damit sicherlich, wir Israeliten sollten uns doch auch rühren. Nunmehr dies geschieht, wird Herr Crämer, der Mann bürgerlicher und religiöser Freiheit, unser warmer Fürsprecher in der Kaminer sein. Wären wir doch aller andern Personlichkeiten und Faktoren so sicher^ Ueberhaupt waltet in der alten Noris ein ftischer Geist der Freiheit und Brüderlichkeit, der sich die nunmehr dort wohnenden Juden würdig erweisen. ״Wir verdanken, sagt ein dortiges Blatt, diese neuerliche, so ersprießliche Errungenschaft — den Aufschwung des Hopfen- und Produktenhandels — wie wir mit Vergnügen konstatircn, neben der allseitig anerkannten fruchtbaren Thätigkeit unserer kestrennomirten Firmen größtentheils der außerordentlichen Rührigkeit und den intelligenten Spekulationen unserer israelitischen Mitbürger, welche die endlich Platz ge- י' griffen« liberalere Anschauung unserer Magistratur fteudig begrüßend, sich nach und nach in ziemlicher Anzahl mit ihrem Wissen und ihrem Gelde in unserer Metropole mitteldeutschen Handels eingefunden haben — sicherlich nicht, wie einige alte, einer abgethanen Zeit angehörige Perückenstöcke behaupten, zum Ruine unserer Bevölkerung." Nürnberg besitzt bereits eine israelitische ReligionSschule und an Herrn Fried einen eben so tüchtigen Lehrer wie umsichtigen Geineindebeamten, der den Gottesdienst mit Würde leitet, freilich nur in einem gemietheten Locale, jedoch mit entsprechender Einrichtung. Ueber ein Kleines werden wir dort eine neue Synagoge entstehen sehen, zu welcher der Magistrat den Platz bereits angeboten haben soll und wozu die Gemeindeglieder reichlich die Mittel haben, wenn sie nur ernstlich wollen. — Gegenüber obiger Auslassung erfüllt eS mit Schmerz in einem offiziösen Artikel des Ansbacher Morgenblattes zu lesen: ״Im amtlichen Sanitätsberichte v. I. 18”/»» rühmet der GerichtSarzt zu Fürth den WohlthätigkeitSsinn der iSr. Bevölkerung, wobei er es dahin gestellt sein läßt, ob religiöses Bewußtsein, bessere Verhältnisse oder Ostentation her Grund davon ist." Liest man dies, so wird man versucht die Worte Raschi'S zu 1 B. M. 41, 12 auszurufen, und möchte sothanen Berichterstatter, den BezirkSgerichtSarzt Herrn Dr. Maier in Fürth ftagen, ob er denn so sicher sei, daß der geringere Grad deS WohlthätigkeitSsinnS seiner GlaubenSgenossen nur allein lauter edeln Quellen entspringe? ES muß aber diese Aeüßerung in Fürth mit Recht böses Blut gemacht haben, denn derselbige Dr. Maier, der HauSarzt der ersten jüdischen Häuser in Fürth, tritt bereits mit der öffentlichen Erklärung hervor, er habe die k. Regierung um Deröffentlichung deS ganzen Berichts von seiner Seite angegangen, weßhalb die Entgegnungen. auS Fürth von der betteffenden Redaktion bis dahin zurückgelegt wurden. Die Bewerbungen um die Predigerstelle in München mehren sich. Dem Vernehmen nach sollendederen bereit- 17 sein, darunter nur ein Jnlän»