Allgemeine illustrirte Judenzeitung
- Journal
- Allgemeine illustrirte Judenzeitung
- Volume
- 2 (1861)
- Issue
- 5 (1.2.1861)
- Date
- 1861-02-01
- Page
- Seite 35 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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—35 w «« ־ unvninögliche Intelligenz die Aufnahme in den Schoß der Gemeindeberathnng : ermögliche. Dies kann nur vurch die Herabminderung d«S CensuS auf ein entsprechendes Minimum erreicht werden. Mehr aber als von den Wablstatuten an und für sich hängt die Bildung eines würdigen, der Pester Gemeinde entsprechenden und den übrigen Landcommunen als Muster dienenden CultuSvorstandes von der Art und Weise ab, wie der Wahlact von Seiten der Wähler aufgefaßt und mit welchem Ernst und Eifer er gehandhabt wird. Das beste Wahlstatut würde durch Gleichgültigkeit, Lauheit oder auch durch irrige vorgefaßte Meinungen; im Publikum wirkungslos gemacht werden. Bor Allen muß man sich dessen ׳ klar bewußt sein, daß eS sich bei der Ausübung des WahlacteS um eine I Ehrensache und um daS heiligste Interesse der ungarischen Zudenheit handelt, j Die Pester Gemeinde, vermöge der Zahl der Mitglieder, so wie durch | deren materielle und geistige PrLvalenz ist dazu berufen, die geistige Leitung für die Iudenheit des ganzen Landes abzugeben. Bon ihrer rechten oder j verfehlten Zusammensetzung hängt zum großen Theil die Erfüllung oder das '■ Zunichtcwerden unserer theuersten Hoffnungen ab. — Man hat in neuester Zeit so oft den Nachdruck auf die Intelligenz bei den zu wählenden Vertretern gelegt. Diese ist allerdings eine sehr wünschenswerthe Eigenschaft. Derjenige, welcher berufen ist uns nach Außen ן zu vertreten, soll vermöge seiner genossenen Bildung und Erziehung dies | auf eine würdige Weise zu thun im Stande sein; derjenige, welcher über | Schul- und Cultusangelegenheit zu verfügen hat, soll wie billig auch die erwünschte Befähigung dazu besitzen; — aber man würde sich sehr täuschen, wollte man glauben, daß die GeisteS-Bildung eine der vorzüglichsten und unentbehrlichsten Anforderungen an dem zu wählenden Vorsteher bilden. Mehr noch als Bildung und Vermögen gibt dem jüdischen Vorsteher ein Anrecht auf daS Vertrauen und^die Verehrung seiner Commitenten der Charakter, dessen er sich erfteut. — Unter Charakter wollen wir aber nicht blos daS verstehen, was man im geschäftlichen Leben darunter zu verstehen gewohnt, daß er einen guten Leumund besitze, das er seinen merkantilen Verpflichtungen Nachkomme, daß er niemals daS in ihm gesetzte Vertrauen in auffallender Weise verletzt und mißbraucht habe rc.... Alles dies mag wohl auSreichen, ihm in privatlichen Kreisen die gebührende Achtung zu sichern; aber ein Vorsteher der Pester isr. Gemeinde'muß diesen Titel eines Charakters in noch höherem Sinne rechtfertigen. Er soll ein Charakter sein als Jude und als Patriot! In erster Richtung wie in der andern muß er von reiner Liebe für daS allgemeine Beste beseelt sein. Ein eifriger, unerschrockener Vorkämpfer für das Wohl und Gedeihen seiner Glaubensbrüder und ein warmfühlender hingebender Sohn des Vaterlandes. Religion und Vaterland — das seien die Wahrzeichen eines Lebens und StrebenS, für deren Verherrlichung unermüvlich zu wirlen er als seine schönste ehrendste Aufgabe erachte. Wer den Ehrenposten eines Pester iSr. CultusvorstandeS würdig bekleiden soll, der sei vor allem Ander« eifriger Freund seines Glaubens und seine« Vaterlandes! Mögen nur die Wähler ihr festes Augenmerk auf die Erfüllung dieser beiden Haupterfor^erniffe richten, und die Wahl wird gewiß vom besten Erfolge gekrönt werden?! Der Hausirer. i! Sengend auf die weite Fläche I Nieder brennt der Sonne Gluth, I Und ein stetes düst'reS Schweigen j Drückend auf der Haide ruht. I Gelben SandeS dürre Ebnen | Dehnen sich zur Wüste dort, jj Wo die arme Homok-PuSzta j! Lieget an der Tisza-Port. In dem jüngsten Lenze schwollen! Hoch der Stromes Fluthen an,! Und die trüben Wogen brausten ׳ Ihre Dämme wild hinan; Wohl ist nun der Fluß gekehret Wieder in sein Bett zurück. Doch noch dehnen mächt'ge Seen Ferne sich vor uns'rem Blick. Krächzend tönt der Schrei der Möve, ') Durch die Oede weit dahin. Während hoch am Wolkensaume Graue Kranichfchaaren zieh'n. Bon dem Ufer dort ein Reiher Sinnend in die Fluthen blickt. Während hier ein Paar von Störchen Leise nur, wie träumend nickt. Und so weit das Auge reichet. Keinen Menschen eS erschaut. Und das Ohr erspäht vergebens Suchend, — froher Stimmen Laut. Einsam saß ich dort und tiefe Wehmuth hat mein Herz erfüllt, Und an meinen» Geist vorüber. Zog' manch düst'rcs Lebensbild. Horch! War'S nicht als hält' die Stille Jetzt ein Menschenfuß gestört? War niir's doch als ob ich deutlich Eines Wand'rers Tritt gehört. — Sieh,. da kommt er, müden Schrilles Unter schwerer Last gebeugt, Und sein Haupt, das altersgraue, Zu dem Boden tjef geneigt. Nieder wirft die wucht'ge Bürde, Er von seiner Schulter jetzt. Seufzend wischt von seiner Stirne Er den Schweiß, der sie benetzt; Ein Hausirer isVs, ein Jude, Der seit manchem Jahre schon, Weit und breit durchstreift die Puszten, Schwer sich müht um kargen Lohn. In de« Dorfes engster^Hütte Hauset er mit Weib und Kind, " Die des Anne» einz'ge Freude, Seines Leides Tröster sind. An der Arbeitstage erstem Zieht er, mit der schweren Last Auf dem krummgcbog'uen Rücken, In die Ferne — ohne Rast. '־ Sucht auf ungebahnten Pfaden, Jeden Weiler, jede Hütt', Wandert ewig lange Tage, Hin mit alterSmüdem Schritt.! Wandert — wenn die Sonne glühend Ihm auf seinen Scheitel brennt. Wandert matten Fußes, ohne Daß er selbst sich Ruhe gönnt; Wandert — wenn auf SturmeSfitt'gen, Schwere, sinst're Wolken ziehen. Vor des Donner« mächt'gen Schlägen, Scheu in'S Nest die Vögel stieh'n; Wandert — wenn aus rauhem Norden Eisig kalter Sturm erbraust, Ueber Fluren, über Auen Durch die Wälder pfeifend saust; Wandert — wenn der Schnee in Flocken Auf die Haide niederfällt. Und die weiße Sterbehülle Weithin decket Wald und Feld; Wandert nun seit langen Jahren Um zu nähren Weib und Kind, י* Die des Armen einz'ge Freude, ׳ Seines Glückes Quelle sind. Goßen weit sich in die Lande, Flutheten ei» wildes Meer, Ueber Triften, Fluren, Auen, Wüthend, unheilbringend her. *) Bon den Möv-n, im Ungarischen ooiillä oder *iiilj genannt, verläßt eint Abart, die Lachmöve, im Frühling« für längere Zeit die Küsten der nördlichen Meere, und wird dann häufig an den Gewässern in manchen Gegenden Ungarns, Böhmen! K. j gesunden. »nmerk. b. Berfasser». 1