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Allgemeine illustrirte Judenzeitung · 1861-01-25 · 4 (25.1.1861) · p. Seite 30

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Journal
Allgemeine illustrirte Judenzeitung
Volume
2 (1861)
Issue
4 (25.1.1861)
Date
1861-01-25
Page
Seite 30 (sequence 6)
Language
German
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«ine Berathung statt, zu welcher nebst den noch amtirenden BorstandSmitgliedern und dem Herrn Ober-Rabbiner Dr. Meisel noch 15 Gemeinde- Mitglieder, die Herren Länhi, Dr. Hirschler, Dr. Hauser, Dr. Hasenseid, M. Bachrach, N. Stein, Al. Straffer, M. Hannover, N. Gottesmann, Jak. Kern, Jos. Ullmann, Carl Ullmann u. A. berufen waren. Nach heftiger Debatte, ob sogleich ein provisorischer Borstand einzusetzen sei, ward endlich der Beschluß gefaßt, daß die Mitglieder dieser Conferen; ein aus 50 Gemeindemitgliedern bestehendes Comite wählen werden, dessen Aufgabe eS sei, ein auf die Neuwahl der Gemeindeverwaltung und Vertretung bezügliches Statut auszuarbeiten, und daß bis zu dieser Neuwahl Ler^bisherige Vorstand weiter zu sungiren habe. — Die Wahl dieses 50ger Comitt': ist bereits am 21. d. M. vor sich gegangen. — L Die Herren Simon Januschka und G. Kaff, Vorsteher der hiesigen aus 350 christl. und 100 iSr. Mitgliedern bestehenden ״Greißler- Innung" haben der Tirection der isr. Musterhauptschule aus der Vereinskaffe 20 fl. ö. W. zur Unterstützung armer Lebramts-Candidaten übermittelt, welcher Akt wahrer Menschenliebe mit dem Ausdrucke des wärmsten DankeS hiermit öffentlich bekannt gemacht wirk. m. Herr Mezäfi Manä erbietet sich den Hörern der Universität zweimal wöchentlich unentgeltlich Unterricht in der französischen Sprache -zu ertheilen. Hieraus Refleklirende mögen sich in der Wohnung deffelben, Grünebaumgaffe Nr. 26, Thür Nr. 6 (täglich von 2 — 4 Uhr) zur Einschreibung melden. — ' (Eorrtfpoubtn). Baja, 8. Jänner. Geehrter Herr Redacteur! Im Drange kindlicher Pietät spreche ich Ihnen für die in Nr. 22 Ihres geschätzten Blattes meinem gottseligem Vater, Moritz Mauksch geweihten Zeilen meinen wärmsten Dank aus. — Auch dem edlen Einsender Herrn Dr. Joseffi in Könnend herzlichen Dank; Dank, daß er der Wahrheit die Ehre gegeben, und dem vergeffencn Genie das Wort geredet. Mir aber gestatten Sie es, geehrter Herr Redakteur, die kurze und gedrängte Erinnerung an ein verdienstvolles Leben durch manche kleine Notiz zu erweitern, damit Ihr Blatt Zeugniß gebe von dem Dasein eines Mannes, der in bescheidener Zurückgezogenheit sein Leben und Wirken der unglücklichen Menschheit geweiht, sich mit väterlicher Liebe der Taubstummen angenommen, ihnen die Sprache wieder gegeben, und sie zu nützlichen Mitgliedern der menschlichen Gesellschaft herangebildet hat. — Viele der geschätzten Leser Ihres Blattes werden sich meines seligen Vaters noch lebhaft erinnern, und seine noch lebenden Zöglinge sind sprechende Denkmäler seines erfolgreichen Wirkens. Er war der Erste im Kaiserthume Oesterreich, der Taubstummen die Vocalspräche beinahe bis zur Vollkommenheit beibrachte; er war der Gründer einer durch 16 Jahre in Lipt>'»-S;-Miklös bestandenen, in den enfferntesten Länkern gekannten Taubstummen - Anstalt. — Leider wurde dieser Genius der Welt zu ftüh entriffen, er starb im I. 1848 im 40. Jahre seines Leben« und hinterließ eine unglückliche Wittwe mit 4 Waisen in den drückendsten Berhältniffen. Tank der göttlichen Borfthung wurde seine Kunst nicht mit ihm zu Grabe getragen; in den letzten Jahren seines Lebens stand ich ihm hilfteich zur Seite, und nach seinem Tode übernahm ich, vom allgemeinen Vertrauen ermuntert, die fernere Leitung der Anstalt. — Aber nicht lange mehr sollte diese besteben, durch eie Wirren des Jahres 1849 löste sie sich völlig auf, die Erinnerung an sie ist ein schattenhaftes Traumgebilde, das aber bald zum lebendigen Bilde werden soll; denn mit dem Beistände Gottes und biederer Menschenfteunde soll die einst in Liptö-Sz.-Mikl<',S gegründete Anstatt bald wieder ins Leben zurückgerufen und in eine größere Stadt Ungarns verpflanzt werden. In der Hoffnung, daß Sie geehrter Herr Redacteur diesen Zeilen die Spalten Ihrer vielgelesenen Zeiffchrift fteundlichst öffnen werden, habe ick die Ehre rc. :c. Samuek Mauksch. Lehrer an der isr. Hauptschule. Bollyhad, im Jänner. Tie vielen trefflichen und intereffanten Berichte, die Ihr geschätztes Blatt seit der kurzen Zeit seines Bestehens gebracht, lassen dasselbe gleichsam als das verläßlichste Organ der isr. Schule in Ungarn erscheinen. Es dürfte demnach auch folgender Notiz in diesem Blatte eia Plätzchen gegönnt werden. Unter nicht-ungarischer Bevölkerung lebend, wurde natürlich auf die Erlernung der ungarischen Sprache bisher in unserer Schule wenig Gewicht gelegt. In Folge der jüngsten politischen Ereignisse jedoch mußte auch unsere Schule eine Metamorphose erfahren. Nicht nur wird dem ungarischen Idiome die gehörige Pflege zugewendet, sondern haben auch Kataloge und Stundenpläne das Gepräge des MagyariSmus erhalten. Wir sind ernstlich bestrebt, uns nach Innen und Außen, nach Sprache, Kleidung und Sitte zu magharisiren. In wiefern es indeß unserer Schule gelungen, den Zöglingen die lieben HeimathSlaute zugänglich zu machen, bewies am besten die am 16. d. M. in Anwesenheit des neugewählten Stuhlrichters, Herrn Alexander v. Kimity und des gewesenen Herrn Bürgermeisters Sebastian v. Lottenstätter abgehaltene vierteljährige Prüfung. Die Fragen und Antworten geschahen in ungarischer Sprache, wobei man sich am besten überzeugen konnte, wie die Kleinen in einer verhältnißmäßig kurzen Zeit einen gewissen Grad von Fertigkeit im mündlichen Gedankenausdrucke sich erworben. Die Herren sprachen die vollkommenste Befriedigung über die bisherigen Leistungen aus, mit dem Bedeuten: man möge auch für die Zukunft stets mit gleichem Eifer und gleichem Glücke um die zweckmäßige Handhabung der Landessprache in der iSr. Schule bestrebt sein. Nächstens wird von hier ein Concurs verlautbart, behufs der Neubesetzung zweier Lehrerstellen. Daß die gründliche Kenntniß der ungarischen Sprache unabweisbar gefordert wird, ist sehr natürlich. Man hofft, daß tüchtige inländische Schulmänner für diese Stellen sich melden werden. — Ein Schulfreund. BrüUN, im Jänner. (Schluß.*) Wir verlassen also ärgerlich den Tempel, gehen aber zum Mussaph- Gottesdienste wieder hinein, da klingt uns schon der Sulzerische ״En Komocho" von Cantor und Chor trefflich ausgeführt, entgegen. Die Thora wird in schönster Ordnung, begleitet vom Vorstände, aus der heiligen Lade zum Schulchan gebracht. Das erste Stück deS Wochenabschnittes wird schön, obwohl nicht declamatorisch, wie wirs erwartet hätten, vorgelesen. ״Was aber beginnt nun der Mann mit der Kutte dort für ein unverständliches, näselndes Geschnarre?" fragt in komischer Verlegenheit unser Begleiter. ״Ach, daS wissen Sie nicht?" sagen wir ihm erklärend ״das sind ja die Segnungen des Himmels, die Segnungen der Patriarchen, die dem Aufgerufenen und dessen Familie, Verwandten und Bekannten ertheilt werden nnd die für das Gelöbniß von je 18 Groschen vervielfältigt werden können? Das sind ja die famosen Mischeberachs, wofür dann der Aufgerufene beim Hinabgehen von jedem Einzelnen, dessen Namen er da oben zum Segen nennen ließ, mit einem breiten ״Schecoach" begrüßt, hingegen von jedem, dessen er zufällig vergessen hatte, mit einem finstern Seitenblicke angesehen wird? ״Und dieses Geplärre" erwidert unser Beleiter ungeduldig, nennen Sie Segnung? Und für Geld werden diese Segnungen ertheilt? Also Mizwoth-Verkausen ist abgeschafft, weil, wenn man sichschon hie und da erlaubt, am Sabbath Geschäfte zu machen, dies doch beim Gottesdienste selbst unpassend ist; und mit Segnungen zu handeln, eine Art Ablaßkrämerei zu treiben, erlaubt man sich ja? Und mit diesem Handel erlaubt man sich die Thoravorlesung' zu unterbrechen, im Gottesdienste Pausen zu machen, die von der Versammlung zu eben so vielen Plauschstündchen verwendet werden? Und hierdurch verlängert man unnützerweise den Gottesdienst und macht denselben im kalten Winter und im heißen Sommer zur wahren Qual? Sind die Paar hundert Gulden, welche an Spenden hierdurch herein kommen, solchen Unfuges werth? Kann eine reiche Gemeinde, die an 25,000 fl. jährlich verausgabt, dieses Sündengeldes nicht entrathen? Und wenn dies überhaupt nicht geschehen könnte; so kann ja der Aufgerufene Alles, was er zu spenden beabsichtigt, bei Einem, aber vom Cantor feierlich gesprochenen, Mischeberach, zusammengeloben? Doch wir verschlucken unfern Aerger hierüber, fassen uns in Geduld und ertragen mit Resignation die immer mehr sich fühlbar machende Kälte, dafür befriedigt uns das Maftirlesen. Der Maftkr ist eben ein Bar-Mizwah; er trägt die Benedeiungen über die Thora und Haftorah, sowie die Haftora selbst, ohne allen Singsang in angemessener, vom Verständniß zeugender Declamation vor. Das ist wieder neu und schön! Doch der gute Eindruck wird sogleich verwischt. Der Confirmand hat die Brocho beendet und der Cantor beginnt Jekum Purkan! *) Siehe Nr. 3.

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