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Allgemeine illustrirte Judenzeitung · 1861-01-25 · 4 (25.1.1861) · p. Seite 29

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Journal
Allgemeine illustrirte Judenzeitung
Volume
2 (1861)
Issue
4 (25.1.1861)
Date
1861-01-25
Page
Seite 29 (sequence 5)
Language
German
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-—•m 29 י♦• Mögen sich daher die jüdischen Gemeinden nicht von diesem Beispiele der Sprechsalliteratur Hinreißen lassen. Mögen sie alles zur Erhaltung deS Friedenanwenden und auch im äußersten Falle sich nicht so weit vergessen,! um zu dem offenen Forum eines HandelSblatteS ihre Zuflucht zu nehmen, | wo eS sich um die Erörterungen von synagögalen und religiösen Angelegenheit handelt. Die jüdische Presse. Ein Wort an seine Rrüder von 311. 3t. •fudjs. Die Zunahme der Zahl der Tagesblätter gehört unstreitig zu den ehrendsten und erfreulichsten Erscheinungen der Gegenwart. In unserer Zeit, wo daS fluchende Hochwasser der Ereignisse den Jahrzehnte hindurch ange» häuften Schlamm wegspült und unS wieder der feste Boden gewonnen wird, aüf welchem die rechten Baumeister jeder Epoche, die Träger der Wissenschüft, der Wahrheit und deS Rechts jenen Bau vollenden können, in dessen lichten Räumen die Menschheit dereinst in Liebe und Eintracht wohnen soll; — da muß das Verdienst der TageSpresse, welche viel deS Materiales zu diesem geistigen Bau herbei schafft und daran rüstig mitarbeitet, besonders anerkannt werden. — Wir wollen hier jedoch nur jenen Theil der TageSpresse unserer Beachtung und Würdigung unterziehen, der unS ausschließlich oder zunächst berührt: die jüdische. — ״Eben so wie viele Eisenbahnen, Kanäle und Landstraßen, ,.welche ein Land durchkreuzen, mannigfaltige Bewegung und den Flor ma- ״teriellen Verkehres anzeigen, eben so sind die sich mehrenden Tagesblätter ״ein Abzeichen regeren geistigen Verkehres ihrer Epochen;" diese eben so geistreiche wie treffende Bemerkung Bürne'S über die Bedeutung der TageSpresse überhaupt gilt auch von der jüdischen insbesondere, welche in unserer Zeit einen erhebenden und erfreulichen Aufschwung genommen. Di«; jüdische Presse hat zwar kein besonderes Volk im Auge, weil die Juden' bereits in die Völkerfamilie eingetreten sind; aber sie schreibt für Brüder im Glauben, für die Bekenner der gemeinsainen Lehre. Diesen führt sie aus dem lebendigen Strome der Gegenwart und der Vergangenheit stärkende und erquickliche Nahrung in einladender und gefälliger Form zu, wodurch geistiges Leben geweckt und gepflegt wird. :— Berathend und belehrend, billigend oder verdammend registrirt sie das Leben und Streben im Inneren deS Judenthuines und ist nach Außen Vertheidiger und Vorkämpfer, und erhebt das ernste und kräftige Wort und schwingt die geistige Waffe, welcher endlich der Sieg zufallen muß, immer und überall, wann und wo unS Unbill droht oder engherziger Haß uns anschwärzt. Vor Allem hat sie aber die edle Aufgabe, das jüdische Bewußtsein zu wecken und wach zu halten. Namentlich in unserem Streben nach äußerer Anerkennung und nach Gewinnung eines Rechtsstandcs ist es ihr Beruf uns stets daran zu erinnern, daß wie einerseits Anmaßung und Selbst- Lberhebung unS nicht zum Ziele führen, so auch anderseits Kriechen und Bücken und Betteln unwürdige und nicht geeignete Mittel seien; daß unser Recht ein unveräußerliches ewiges Erbe deS Menschen unk daS unS zugefügte Unrecht, ob auch ein tausendjähriges, doch immer und ewig Unrecht sei und bleibe. Die Presse mahnt uns zu immerwährendem, beharrlichem Streben nach Veredlung und Vervollkommnung; nicht zu Gefallen den an uns von vielen Seiten, zur Beschönigung alten Unrechtes, ergehenden Hofmeisterlichen Belehrungen, sondern weil es Gebot unseres heiligen Glaubens ist, jener Sonne die am Sinai aufgegangen ist, und deren Helle Strahlen Israel und durch Israel die ganze Menschheit niit den herrlichen Ideen der Wahrheit, der Liebe und deS Rechtes erwärmt und erleuchtet haben. — Bei solchem Berufe und solcher Aufgabe der jüdischen TageSpresse, wie sollte die Theilnahme ihr gegenüber beschaffen sein? Sollte dieselbe nickt als die allgemeinste, werkthätigste und ausreichendste sich bewähren? — Und doch drängt sich leider die schmerzliche Wahrnehmung auf, wie daS Unkraut ״Jndifferenlismns," welches in unserer Mitte verderblich wuchert, dem doch nur cngbegrenzten Boden, worauf die jüdische Presse gedeihen und Frückte bringen soll, Saft und Nahrung zu entziehen droht. — Diese Gleichgültigkeit und Lauheit der jüdischen TageSpresse gegenüber, ist um so beklagenSwerther, als sie zumeist in jenen Kreisen zu finden, wo nicht ein« mal Sparsamkeits»Rücksichten auch nur einigermaßen zur Entschuldigung dienen könnten; wo daS Zehnfache dessen, was zur Unterstützung jüdischer Journale auSreichen würde, ohne Bedenken und mit Leichtigkeit auf allerlei Scheingenuß und flitterhafte Aeußerlichkeit aufgewendet wird, und in Bezug! auf äußere Ausschmückung nahezu Verschwendung herrscht. | DaS Verderbliche und Bedauerliche dieser Erscheinung bedarf nicht vielen Nachweises. Die Zeit zu verstehen und zu begreifen ist unS Allen höchst nöthig; — wie soll aber die geistige Thurmuhr des ZeitenlaufeS die Stunde unS angeben, wenn wir daS Werk nicht schützen, und nicht sorgen, damit enicht stocke und der Zeiger nicht stehen bleibe? Wer die schwere aber edle und würdige Sendung der jüdischen Presse, und namentlich der zeiffchriftlichen, erkennt und beherzigt, dem muß auch die höchste Nothwendigkeit ihres Fortbestandes einlcuchten, dem muß es sich klar Herausstellen, wie dringlich, ja wie eS heilige Pflicht sei, der jüdischen Presse die vollste Theilnahme und die werkthätigste Unterstützung zuzuwenden. — Das heilsame Wort ist ja Ausfluß deS Geistes, der Geist aber kommt von Gott, und Gott soll man dienen mit ganzem Herzen und mit ganzem Vermögen, — Pest. Dem Vernehmen nach sind wir der ersehnten definitiven Organisirung unserer EultuS- Gemeinde nun doch um einen Schritt näher gerückt, indem, wie es heißt, ') zufolge der von mehreren Gcmeindegliedern, rcsp. Gegnern der jetzigen Verwaltung an die Behörde gerichteten Eingaben, so wie der vom Vorstände selber eingercichten Abdankung und Bitte um Neuwahl eines Vorstandes, in einer gestern stattgehabten Eonferenz zwischen Vorstand und dessen Gegnern die Wahl eines Comito'S zur Feststellung eines WahlmodnS für die künftige Gemeindeverwaltung vereinbart worden. — Mit den Details dieser Eonferenz zu wenig vertraut, muß Schreiber dieses sich natürlich jedes Urthcils darüber enthalten, muß aber gestehen, daß dasjenige, was darüber verlautet, seiner Fassungskraft zu hoch liegt, um eS völlig zu begreifen. — Der gestrige Vorgang hat ganz das Ansehen eines CompromiffeS zwischen zwei über persönliche Streitfragen differirenden Par- ן tHeien, wobei jedem Theile zu Gefallen etwas eingeräumt wird. Dem sollte aber nicht so sei». Ein constituirendes oder wahlleitendes Comito sollte durch die Genieinde oder durch deren Vertrauensmänner zusammenberufen werden Der Umstand allein aber, daß man bisher im Vorstande gesessen oder gegen denselben aufgetreten, qualifizirt meines Erachtens noch nicht 60 ipso, weder die Einen noch die Andern, das wahlleitcnde und constituirende Comitä zu ernennen. — CF* wäre denn, daß die löbl. Behörde die jetzigen 21 Wähler als ihre Vertrauensmänner designirt habe; — in welchem Falle freilich die Sacke eine andere Gestalt erhält. — Auch was die Aufgabe der jetzt zu wählenden 50 Männer anbelangt, ist es schwer eine klare Ansicht darüber zu gewinnen. Nach gewöhnlicher Anschauung und nach üblickrem Herkommen so wie der Natur der Dinge gemäß, wird zuerst der Berns, der Wirkungskreis einer leitenden Körperschaft präcisirt, dann die Mitgtiederzahl bestimmt, mit einem Worte, es wird zuerst der wesentliche Theil jedes Gesellschaftsstatuts angefertigt, ehe man an die Feststellung der Form geht, wonach die Persönlichkeiten in diese leitende Körperschaft zu berufen sind. — Unser zu wählendes Comito aber soll entweder das letzte die Forin betreffende Geschäft zuerst in Angriff nehmen; oder eS soll ein gut Theil des künftigen Statutes anticipiren ohne doch ein constituircndes Comitö zu heißen. — Ich habe mich bemüßigt erachtet diese unmaßgeblichen Bemerkungen zu veröffentlichen, ob dieselben nicht vielleicht eine Aufklärung von besser eingeweihter Seite Hervorrufen werben. — Es sei den! aber wie immer, stimme ich vom Herzen in den Wunsch eines Jeden, dem daS Wohl und die Blüthe unseres Gemeindewesens nahe geht, daß eS endlich gelinge, Letzterem eine feste gedeihliche Gestaltung zu geben, und daß wir an der Spitze unserer Gemeinde bald Männer sehen mögen, die im Besitze deS Vertrauens, nicht einer Cotterie, sondern der achtbaren jüdisch-fühlenden Mehrheit, den gewichtigen Anforderungen der Zeit zu entsprechen im Stande seien. — Pest, am 21. Jänner 1861. Dr. Cs. (Privatmittheilung.) Am 20. d. M. fand im Sitzungssaal« der iSr. CultuS-Gemeinde unter dem Vorsitze deS Herrn Stadtrichter» I. Gräfl ') Siehe di« Privatmittheilung. (Red.)

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