Allgemeine illustrirte Judenzeitung
- Journal
- Allgemeine illustrirte Judenzeitung
- Volume
- 2 (1861)
- Issue
- 4 (25.1.1861)
- Date
- 1861-01-25
- Page
- Seite 27 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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—,« 27 h stempelt. DaS Uebrige wird schon kommen.) Da» ist wahrhaftig keine Ueber» treibung. Man lese nur die ungarischen Regierungsblätter von damals und überall findet man den PattiotiSmuS der Israeliten in beredten Worten und Thaten glänzen. DaS ist ein klarer Beweis, daß der JSraelite patriotisch dachte und statt dem stiefmütterlichen Vaterlande zu grollen, vaS ihn in Fesseln gefangen hielt, besaß er, erhaben über allen Egoismus, den Höhen! Schwung eines patriotischen Herzens, den die Liebe zum Baterlande verleiht. Er hat auf die Allmacht des vorschreitenden Zeitgeistes in Ungarn gebaut, auf die sichtbare Sänftigung und Veredlung der blinden, ihn verfolgenden Leidenschaften, vorzüglich auf den Edelmuth de» ungarischen Vol» kes, welches den Undank wohl vergessen kann, doch die Verdienste um sein geliebtes Vaterland nie vergißt. Der JSraelite hat Alles von dem Triumphe der Freiheit Ungarns gehofft, von jener Zukunft, die uns Allen wie ein glänzender Stern im 3! 1848 entgegenlenchtete und unser Vaterland mit Glück und Ruhm zu umsttahlen schien.... Wir haben es bereit» anderswo gesagt, die letzten Zciteu waren eine Probe für das Gefühl der Gleichheit der Bürger. Wir sind dazu gereist. Ob Glück oder Unglück, ob Segen oder Fluch das Geschick unS erringen mag, eS fühlt und begreift schon Jeder, daß in dem Staate keine AuSnähme sein darf. DaS Alles zeigt, daß der Sinn für Gleichstellung deS Juden mit uns ins Fleisch und Blut deS Landes stark übergegangen ist. Man schämt sich beinahe, den Juden jetzt als rechtlos anzusehen, wo Alles an den demokratischen Prinzipien festhält und der Wohlthat der Gesetze von 1848 theilhaftig wird. Viele Äomilate haben, nachgebend dem mächtigen Drängen deS Zeitgeistes, den schreienden Geboten deS Evangeliums, der Humanität und der ewigen Gerechtigkeit, im Einklänge mit den Sympathien und Gefühlen des Landes, den Israeliten die politische Speise schon — zu kosten gegeben. Immer etwas, wenn man bedenkt, daß so allgemein die Ansicht vorherrscht, der Respekt für die Gesetze des Landes gestatte eS nicht, ohne legislativen Spruch die Fesseln der Israeliten schon jetzt zu beseitigen und jenen Akt einfach aufzuheben, der nichts als eine empörende Gewaltthätigkeit, verübt an den ewig wahren und unverletzlichen Rechte» des Menschen ist, jenen Akt, der eine wahre christliche Menschen- Sklaverei ist, die das Evangelium der Christen wahrlich verunreinigt, die jenem göttlichen Christus zu Liebe, der eben eiu Märtyrer der Menschengleichheit und Menschenliebe war, ein ganzes schuldloses Volk seiner Menschenrechte beraubt.... Wir fragen nun, heißt es wohl die Gesetze deS Landes verhöhnen, wenn die Komitate und Städte Ungarns den ganzen Segen der demokratischen Gesetze deS I. 1848 schon jetzt auf den JSraelite» faktisch ausdehnten und dadurch dem künftigen Landtage jene Gesinnungen manifestitten, welche die Emanzipation der Juden als eine Sache der Gerechtigkeit, der Humanität, als einen Akt der Zivilisation, als eine Ehrensache und Schuld Ungarns aussprechen und so dem Landtage die klare Richtung vorzeichnen, welche er in diesem Punkte einzuschlagen hat? Wäre ein solch edleS Benehmen deS Landes, gegenüber den Israeliten, etwa eine flagrante Verletzung der Gesetz-Artikel von 1848? Wir wollen die Sache näher beleuchten. In den Artikeln des I. 1848 ist nirgend direkte auSgesprachen, daß die jüdische Religion ein Hinderniß zur Ausübung der politischen Rechte sei. Wenngleich der Lanrtag sich scheute, den Juden politische Rechte ausdrücklich zu gewähren, so wollte er doch auch nicht offen auSprechen, daß der JSraelite geradezu rechtlos sei. Vielmehr kommt iu den Artikeln über die Städte der PaffuS ״ohne Unterschied der Religion" vor. Dieser Landtag bahnte somit den Weg, damit in diesem Punkte jede Gemeinde nach Einsicht und Gewissen verfahre. DaS war ein Akt der Humanität, wir glauben man wollte, daß daS Land selbst die Thüre zur Frecheit dem Israeliten öffne.... Man fühlt eS heutzutage doch schon, daß eine Demokratie mit Judenknechtschaft ein Unding, ein Monstrum ist, man sieht es ein, daß man den Juden aus politischer Nothwendigkeit emanzipiren muß. DaS ist eine reife Frucht, die selbst vom Baume fällt. DaS steckt schon in den Köpfen der Intelligenz und diese ist eS am Ende, die in Ungarn regiert. Nun, die Zeit ist da, daß unser Vaterland über diese hochwichtige Frage abstimme. Man benütze die Initiative, die der Landtag von 1848 gewissermaßen uns einräumt. Man lasse den Israeliten an allen Wahlen Theil nphmeu. Man gebe der ganzen gebildeten Welt einen Beweis, daß Ungarn den Zeitgeist auch hier begreift, daß e» sich reinigt. von der Schande der Judenverfolgung, daß eS auch logisch einsieht,׳ die Demokratie der polisischen Freiheit sei unttennbar von der Gleichberechtigung der Juden. DaS Banner des Landes: ״Freiheit, Gleichheit und Brüderlichkeit" sei keine hohle Phrase, sondern eine Wahrheit, man würde ja diese« edle Banner durch die faktische Anerkennung der Rechtlosigkeit der Juden in den Koth ziehen. Die Stadt Arad möge Akt nehmen davon. Die JSraeliten sind bei unS nicht die letzten. In diesem Punkte sind wir die zweite Stadt in Ungarn. Wir sagen eS offen, eS wäre für uns keine Ehre, würden wir die Israeliten von dem allgemeinen Wahlrechte ausschließen. Und was gewinnt denn unsere Stadt, wenn die Israeliten von den Wahlen ausgeschlossen werden? Die Folge wird sein: Die rohe Kraft wird über die Intelligenz siegen. Wir werden Beamte bekommen, welche Güj, Sega, Sarkad uns gibt. Stimmt aber der ISraelit, so gibt er der Intelligenz das Uebergewicht. DaS möge sich jeder Patriot zu Herzen nehmen. Wir bauen auf den Patriotismus unseres Wahlkomitö'S. Es wolle den Ruf unserer Stadt als einer intclligenten, liberalen Stadt in Schutz nehmen. DaS In- und Ausland wird Akt nehmen von unseren Wahlen. Wir gewähren dadurch dem Inden keine Gnade, sondern erkennen ein Recht an, welches so klar ist wie die Sonne. Man würde sich lächerlich machen, wollte man bloß den 4—5 ISraeliten, welche Ehrenbürger sind, ein Wahlrecht gewähren. Die Inden brauchen keine Almosen. Sie verschmähen diese. Eins von den beiden: ״Entweder das Recht oder die Rechtlosigkeit." 4■ « * Auch die Zeitschrift ״Magyarorsziig" vom 17. Jänner brachte auS der ttefflichen Feder deS wahrhaft liberalen und aufgeklätten Herausgebers und RcdacteurS Herrn Pompe'ry einen lesenSwerthen Artikel unter der Ueberschrist: ״A’ Zsidök Magyar* irszaglmn" (die Inden in Ungarn), dessen wesentlichsten Inhalt wir im Anszuge geben. — Herr P. hebt zuerst die Duldsamkeit als eine charakteristische Tugend deS ungarischen VolksstammeS hervor und weist darauf hin, daß die Juden, während sie auch in neuerer Zeit selbst in dem gebildeten Deutschland Verfolgung erlitten und in Städten wie Preß bürg und GünS manche ttaurige Beweise der Feindseligkeit erfuhren, gleichzeitig in Szegedin und Miskolz, in Debreczin, Jazygien und Kumanicn, überhaupt in magyarischen Städten, Gemeinden und Dörfern unangefochten lebten. ״DaS ungarische ״Volk besitze Reife genug, un! einzusehen, daß im verfolgten Juden die^ ״Menschenrechte verletzt werden" und könne den ihm innewohnenden GerechtigkeitSsinn in Bezug auf jene Volksklaffe nicht verläugnen, deren Mängel und Schattenseiten aus den staatlichen Einrichtungen entspringen. — Der Ungar sehe eS ein, daß vom Juden, dem jedes Recht entzogen, nicht die Liebe zum Vaterlande und die Opferwilligkeit für dasselbe erwartet werden könne, wie von Jenen die er sich zur Rechten sitzen ließ, und die doch nicht alle und nicht immer der Erwartung entsprochen haben; der Ungar verdämme auch den Juden nicht (?) darüber, daß er in ihm keinen Förderer und Pfleger ungarischer Sprache und Literatur gefunden; da auch nicht jeder Ungar als solcher sich bewährte rc. rc. ״Seien wir gerecht", fährt der Verfasser sott. Es könne dem jüdischen Stamine daS Gefühl für daS Gute und Edle schon auS dem Grunde nicht abgesprochen werden, da er im Gebiete deS Geistes einen glänzenden Platz rinninunt, und er unter 2(X)0jäheigen Leiden und Verfolgungen von Seite der Regierungen und de« Volles sich vor Entartung bewahrt hat. ״Seien wir gerecht im Uttheil, untefan- ״gen bei der Prüfung, vergessen wir eS nicht, daß der ungarische Jude im ״Jahre 1848 kein undankbarer Sohn des Vaterlandes gewesen." — Die Ereignisse des Jahres 1848—9, die Strafen die über Juden verhängt wurden, widerlegen genugsam die Klage über Mangel an PatriotismuS. Rücksichtlich der Sprache möge nicht unbeachtet bleiben, ״daß manches in der Literatur der letzten Jahre bemerkbare Talent dem jüdischen Stamme entsprossen und daß die Zungen wie die Herzen der jüngeren Generation ungarisch sind»" — Soweit Herr P. Wenn auch der Standpunkt, von welchem aus der Herr Verfasser die Judenftage zu befürworten und die Juden vertheidigen zu müssen für uothwendig erachtet, nicht in Allem den Anschauungen deS jüdischen. LeserS