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Allgemeine illustrirte Judenzeitung · 1861-01-18 · 3 (18.1.1861) · p. Seite 22

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Journal
Allgemeine illustrirte Judenzeitung
Volume
2 (1861)
Issue
3 (18.1.1861)
Date
1861-01-18
Page
Seite 22 (sequence 6)
Language
German
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-—»י 22 ״ — ten To««» wenigstens, wenn sie solche im vollem Maße verdienten, nicht voreytbalten. Ein gleich ungünstiges Resultat haben wir mitzutheilen von der in der letzten hier abgehaltenen Komitatskongregation stattgefundenen Debatte: ob Juden in den Kcmitatsausschuß aufzunehmen seien oder nicht. Herr v. Anyos, noch vom Landtage her ein Gegner der Emancipation, ist seinen politischen Grundsätzen treu geblieben, trotz der ereignißreichen Zwischenzett, rie Böller und Fürsten ihre Ansichten über Gewissensfreiheit und polnische Gleichberechtigung aller Konfessionen nicht unwesentlich ändern ließ. Derselbe hat sich bei Gelegenheit der erwähnten Debatte geäußert: ich liebe zwar den Juden, aber nur wenn ick Kukurutz »nd Gerste von ihm zu kaufen habe, nicht aber daß er auch unter uns sitze. Wir dachten, daß auch derjenige, der kein andere» Verdienst hat, als der Käufer und Verkäufer von Kukurutz und Gerste zu sein, falls er nur sonst ein braver Mann ist, dieselben Ansprüche auf alle politischen Reckte Hab«, als der Erzeuger von Kukurutz und (berste. — Unsere Sache hat zwar auch ihre warmen und beredten Fürsprecher gefunden im Herrn v. Kun und noch einigen Andern die darauf gedrungen haben, jene über sämmtliche Juden den Stab brechende Erklärung zu Prolokoll zu nehmen; aber schließlich wurde die Angelegenheit denn doch dahin entschieden, daß es bei den die Juden ausschließenden Landtagsgesetzrn von 1848, zu verbleiben habe. Wenn wir auch die Plausibttttät dieses Ausschließungsgrundes anerkennen müssen, ungeachtet die ung. Minister selber sich ohne vieles Bedenken darüber hinweggesetzt und Israeliten in ihren BüreauS angestellt hatten; so finden wir dennoch ein solches Vorgehen nicht gerechtfertiget in je»«A Komitaten, in welchen man schon im Jahre 1848 Israeliten mit Munizipaläwtern betraut hatte. So war in unserem Komitäte Herr Dr. Pscherhoser aus Papa, zu den intelligentesten Aerzten deS Komitats zählend und von Jedermann als Arzt wie als Mensch gerühmt, im Jahre 1848 Komitats-PhisikuS, und ist gleichwohl bei der jetzigen Re» stauration gänzlich präterirt worden. — Aber trotz diesen für unS demüthigenden Vorgängen leben wir dennoch der ungeschwächten Hoffnung und Ueberzeugung, daß der erste ung. Landtag unsere Emanzipation aussprechcn, und daß auch an uns das Wort deS Szüzat-Dichters zur Wahrheit werden würde: ״eS wird kommen, es muß kommen" die Zeit, die auch uns unser ganzes und ungeschmälertes Reckt wird bringen. — Den 23. v. M. hat der hies. isr. Gemeindevorstand mit dem Rabbiner, dem Herrn Obcrgespann, dem Baron Fiat, die Aufwartung gemacht. Ter Herr Lbergespann dankte für die Begrüßung mtt sehr freundlichen Worten und gab die Versicherung, daß er ein Verfechter des Prinzips der Gleichberechtigung sei und eS stets bleiben werde. Baja, im Jänner. Die Annexion der früher» Wojwodina an das angestammte Mutterland hat auch hier die freudigste Bewegung hcrvorgerusen. Mttwock am zweiten Jänner fand zur Feier dieser Annexion im ״Hotel zum Lamm" ein glänzendes Banquet statt, an welchem Christen und Juden theilnahnren; das in unserem Vaterlande allgemein verbrettete Wort ״j-I^yetertes" fand auch hier seinen würdigen Ausdruck, die Herzen erschloßen sich in Menschenliebe und Vertrauen, und der reine geläuterte Pa» triotiSmus verscheuchte alle mittelalterlichen Vorurtheile. Ueberhaupt ging die Feier der Annexion in unserer von mehreren Nationalitäten bewohnten Stadt in ungestörter Ruhe vor sich, welches nur den Männern zu verdauken ist,- die das Losungswort ״LAyetertes" im engsten Sinne des Wortes aufgefaßt haben. Möge der Himmel dieser Stimmung ewige Dauer und Festigkeit verleihen! Bielen Lesern Ihres gesckätzten unk wettverbretteten Blattes wird gewiß rie Anzeige angenehm sein, daß im nächsten Frühjahre die Gebete für Zionstöchter in vaterländischer Sprache erscheinen werden. Herr Lehrer Joseph Mannheim, der dieß Werk unter dem Tttel: ״Az ähitatossäg öräi", izraelita nök es lion leänyjai szämära, erscheinen läßt, hat sich rorzügtick an Stern und F. Neuda gehalten, und ries zeitgemäße Werk rurck eine populäre Spracke allen Ständen zugänglick gemacht. ■SamueC Mauksch. Brünn, int Jänner. Ihr Ccrrespondent aus Brünn nannte einmal die Brünn'er isr. Gemeinte eine Altneu-Gemeinde. Wirklich verdient sie ן diesen Namen in vielfacher Beziehung. Dir wollen jedcck heute nickt von ׳ ihrer Zusammenwürfluug auS alten und neuen Theilen, von ihrer noch lange nicht vollendeten Conglomeration der verschiedenen Elemente sprechen, obwohl dieses genug des interessanten Stoffes darbieten würde; wir beschränken uns bloS auf die Darstellung deS synagogaleu Lebens, weil wtt durch diese offene, getreue Darstellung eine höchst wünschenswerthe Besserung hierin zu bewirken hoffen. Unser Gottesdienst bietet dem Beobachter ein wahrhaftes Zerrbild von Fortschritt und Rückzug, von Dampf und Hemmschuh dar. Treten wir Freitag Abends in die Synagoge! Wir finden dieselbe sabbathlich geschmückt, von dem wohlthuenden Lichte der Gasflammen hell erleuchtet. Das Begrüßungslied der Sabbathbraut, Lecho dodi wird durch die wohltönende Orgel intonirt und geführt, vom Chore und der ganzen Versammlung kräftig und taktmäßig gesungen, und wir fühlen uns -auf den Flügeln der Musik und des Gesanges empor gehoben und, wie König Saul und dessen Boten von dem begeisterten Chore in Samuels Prophetenschule, zum Einstimmen und Mitsingen hingerissen. Diese gehobene Stimmung wird durch den daraus folgenden Sabbathpsalm noch erhalten. Nun aber enden die Lieder, die Orgelklänge verhallen. Der Chor kommt von seiner hohen Region, ״im Himmel" der obersten Gallerte, in Reihe und Glied zum Altar hinan marschiert; eine ziemlich lange Pause entsteht, die von der müßigen Versammlung zu allerlei wechselseitigen Bemerkungen benützt wird. Der Schmelz der Begeisterungsflügel ist schon abgestreift! Indessen muß auch die Orgel eingefroren sein; denn bei dem, die ganze Gemeinde zum Preise Gottes auffordernden, Borchu erklingt kein Musikton mehr, die leitende Stimme der Orgel fehlt; die Gemeinde will den Chor, der Chor wieder die Gemeinde Lberschreien und eS entsteht ein Gesang, der, wie der Dichter sagt: ״Thiere weinen, Menschen rasend machen kann." Ist daS nicht Altneu? Ist daS nicht ein Zerrbttd von Fortschritt und Rückschritt? Wer hieß die Wellen der Musik an dem heiligen Borchu sich brechen? Wer rief ihnen zu: Bisher! und nicht weiteri Etwa derjenige, der dem׳ Meere seine Grenzen gesetzt, daß seine Wogen nicht die Ufer übersteigen? Etwa der erhabene Verkünder der Religion? Ach, wer dürfte so kleinlich und so sündhaft von dem erhabensten Wesen denken? Und dann, wer von u«S dürfte auch all' die Gemeinden und die Rabbinen an deren Spitze, welche die Orgel bei jedem FesttagS-GotteSdienst, Jomkippur^ nicht ausgenommen, anwenden, der Gottlosigkeit zeihen? Ach, es ist nichts Anderes, als die lächerliche Furcht, die, wenn sie zwei Schritte vorwärts gechan, geschwind einen Schritt zurück macht, die an'S Rad des ForschrttteS schnell den Hemmschuh anlegen zu müssen glaubt! ' (Schluß folgt.) -d. Prag. So wie in Pest sich in jüngster Zeit die Nationalitätsbestrebungen kund gaben, so auch bei uns. DaS Programm einer vom 1. Jänner erscheinenden czechischen Zeitung ״Häroänl listy", dem sich Männer wie Palacky, Brauner, Rieger, Pinkas u. s. w. angeschloffen, schreckt in Bezug der jüdischen Verhättnisse: ״Auch die Juden sind unsere Mitbürger; wir als consequente Verfechter der bürgerlichen Freihett wollen auch die vollkommene bürgerliche Gleichberechtigung der Juden. Dennoch wünschen wtt zugleich, daß auch sie selbst, als unsere Mitbürger, auS chrer Ausnahmsstellung heraustreten und sich als Fremdlinge unter unS zu betrachten aufhören, daß sie mit dem Volke, in dessen Schoß sie leben, zusammenfiießen, daß sie seine Culturbestrebungen, seine ethischen und socialen Anschauungen zu den ihrigen machen, und sie mit uns gemeinschaftlich verketen. Dann werden wir ihnen gewiß nicht nur daS Bürgerrecht gönnen, sondern sie auch hochschätzen, so wie es in der That geschieht, so oft Einzelne chre Theilnahme mit Auftichtigkeit dem Wohle der Gesellschaft und den Bestrebungen unserer Nation weihen. Daß wir aber unsere Hochachtung gegen jene aus ihnen hegen sollten, die für unser Volk auch nicht die geringste Sympathie bekunden, oder wohl gar gegen jene, welche verletzender als jeder Fremdling unsere heiligsten Interessen angreifen — das gebietet unS nicht einmal das Gesetz Christi." — Die ungarischen Leser dieser Blätter werden wol selbst im Stande sein, einen Unterschied, eine Parallele zwischen den Pester und Prager Verhältnissen zu ziehen, uns erübrigt nur zweierlei bcizufügen. Zunächst müssen wir erwähnen, daß der letzte Satz der angeführten Programmsslelle wohl niemals versaßt worden wäre, wenn nicht der Redactcur des hier erscheinenden ״Tagesbotcn", Kuh, einen Angriff gegen die Königinhofer Handschrift, das älteste Literalurstück Böhmens, geführt

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