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Allgemeine illustrirte Judenzeitung · 1861-01-18 · 3 (18.1.1861) · p. Seite 21

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Journal
Allgemeine illustrirte Judenzeitung
Volume
2 (1861)
Issue
3 (18.1.1861)
Date
1861-01-18
Page
Seite 21 (sequence 5)
Language
German
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—»י 21 — E« erregt aber meine höchste Verwunderung, daß dieser würdige Mann 'den bedeutenden Unterschied übersehen konnte zwischen dem göttlichen Psalmisten, bei dem ein Entschluß, zumal in religiösen Dingen, gewiß so fel» senfest stand, daß eine Ueberschreitung da undenkbar war» und einem dreizehnjährige» Kinde, da» jetzt erst zur Zurechnungsfähigkeit gelangt; — — daß er den Unterschied übersehen konnte zwischm einem Gelübde, daaus freiem heiligen Antriebe entstanden, und einem Gelübde, das erst gleichviel ob durch Worte oder stillschweigend, abverlangt wird; — den Unterschied überhaupt zwischen dem Gelübde, daß man eine» oder auch mehrere göttliche Gebote vollziehen, und dem Gelübde, daß man da» wozu die Geburt verpflichtet, daß man Jude bleiben will! — Ein Mensch kann wohl schwören, daß er die Pflicht der Ehrerbietung gegen seine Eltern, nie außer Acht lasten will; unmöglich aber kann er schwören, daß er nie aufhören will der Sohn dieser Eltern zu sein. — — Und zudem, wie oft sehen wir nicht Coufirmanden, die heute ein solche» Gelöbniß in Gegenwart einer feierlichen Menge auSsprecheo, nach einiger Zeit schon mit der brennenden Eigarre am Sabbate ftech durch die Straßen stolziren! — Sollten wir also nicht lieber den rabbinischen Lehrsatz beherzig«: מ״טב שיהיו שוגנין ואל1 יהיו מזידץ• (&1W Mtißiwj ) Samuel Oppenheimer wurde im Jahre 1631 zu Heidelberg geboren. Sein Pater Simon Wolf O. hatte den Kaisern Ferdinand II. und HL wichtige Dienste geleistet, der Sohn Samuel erwarb am Hofe Leopold I. großen Einfluß, und seinem treuen Diensteifer, seiner anfopfernden Hingebung, al» ״der röm. kais. Majestät Oberkrieg-4, und Hoffactor" ist e» zu danken, daß oft die kaiserlichen Heere vvr drohender Noch gerettet worden, daß e» im Kriege gegen Frankreich 1675 möglich war die Rheinfestungen zu halten und der berühmte Eugen von Savoyen die Mittel zur Kriegführung gegen die Türken besitzen konnte. — Oppenheimer'S Verdienste in dieser Beziehung sind am besten durch die Worte de» Geschichtsforschers Franz Gräffer bezeichnet: ״Ohne die unbe- ״greifliche Uneigennützigkeit, mit der O. dem Helden Eugen ״sein Hab' und Gut zur Verfügung stellte, wäre Oesterrreich, ״wäre Deutschland heute türkisch." — Wie zu dm Thatm des Kriege», so wirkte auch Oppenheimer, ״deffm Name nicht nur unter dm Kauflmtm und Wechsle« Europa'», ״sondem de» ganzm cultivirtm Erdkreise» berühmt war"/) thätig mit zu dm Werken de» Friedm», zur Hebung und Belebung de» Handel» und zur Fördemng de» allgemeinm Wohlstände». — Seine treuen Dienste wurde» von Leopold I. anerkannt.und seinen Nachkommm auch von dm folgendm Regentm Joseph I. und Karl VI. manche Privilegim verliehen und bestätigt. — Samuel Oppenheimer war durch seinm Reichthum, sein Anfehm und seine Rechtschaffenheit gleichsam da« schätzende Oberhaupt, der Wortführer und die Stütze der Juden, welche nach der 1670, zumeist auf Antrieb der Kaiserin und der Jesuitm stattgehabten Vertreibung, mittelst einer Summe von 400,000 fl. wieder da» Wohnrecht in Wien erwirkt hattm. ״In seinem Leben bescheidm, ließ O. nie, ״wie e» Emporkömmlinge pflegm, seine ״GlaubmSgenoffen fühlm, welchen Einfluß er auf bedeutmdste Personen ״seiner Zeit übte; sie konntm den nur merken, wmn e» ihnen in Drang- ״salm zu helfm galt. Er pflegte zu äußem: Ich bin dasselbe wa» ihr seid, ״meine Bevorzugung hängt nur von meinem Geld« ab, welcheich von ״meinem Vater geerbt habe, und Geld ist vergänglich." * *) — Seine Großmuth kannte keine Grenzm; stet» war sein Hau» den Armm geöffnet, täglich speistm 20—30 Personen an seinem Tische. In Zeitm der Theuerung und der HungerSnoth sandte er Mehl, Kleidungsstücke rc. rc. an die Gemeiudm. Viele Hunderte Menschm kaufte er au» türkischer Gefangenschaft lo», die er dann kleidete und reichlich beschenkte. Er ließ junge Leute auf seine Kosten studierm, und erbaute in mehrerm Gemeinden Synagogen, Schulen und Spitäler. Da» noch gegenwärtig segenreich wirkende iSr. Krankenhau» in Wim (Roßau) wurde von ihm 1699 gegründet. — O. hatte besondere Vorliebe für jüdische» Schriftthum und ließ keine Gelegenheit un- *) Dr. Jgn. v. Hofmannsrhal: Sam. Oppenheimer rc. ■3e. Eine biegt. Skizze, Wien 1849. *) L. A Frankl: Inschriften de» allen jüdischen Friekhefe« in Wien. 1855. benützt feltme hebräische Bücher und ManuScripte zu erwerbm. ״Prinz ״Eugen wußte dm Hoffactor für Geldoperationen zur Kriegsführung nicht ״beffer zu stimmm, al« wmn er ihm einige der hebräischm Schätze al« ״Prämie in AuSficht stellte. Kaum dürftm die Anleihemacher der Gegm- ״wart gleich «iffenschaftliche Zwecke al« Prämie für ihre Operation« rät ״Auge haben." *) Gegm da» Eude seiner Jahre, 1700, mußte er noch einen Pöbelauflauf, der au» Anlaß eine» Streite» zwischm seinen Dienern und zwei Schomsteinfegem entstand«, erleb«, wobei sein große» Hau» erstürmt und geplündert wurde und er selber mit seiner Familie fich eiligst rettm mußte. — Oppenheim starb im Frühling«>4703. Seine Nachkommm find weil verbreitet, und leb« hochgeachtet in Wim, Frankfurt, Fürth, Berlin, PeterSburg, Pari» u. a- O. . ._ Ztst. (Eingesandt.) E» war und ist da» Lo» verdienstvoller Männer aller Völker und aller Zeitm, daß ihnm Würdigung und Anerkenuung erst nach derm Ableben gezollt wurde. Die Erkenntniß, im Menschenthume, für da» Verdienst de» Menschen, scheint ganz nach den Gesetzen der Natur fich zu entwickeln: erst Keim, dann WachSthum, dann Blüthe, mdlich Frucht. Nur tritt leider fast immer der traurige Fall ein, da» der Berdimstvolle, wmn er die feinstm Früchte unserer Erkenntniß, wie er e» im Lebm oft nöthig hat, gmießen könnte, schon lange todt ist. — Diese Früchte fallen dann auf deffm Grab al» Monument, oder man sammelt fie zu wohlchätigcn Anstalten zur Glorifizirung seine» Ramm». Wenn anch spät dem Verbimste gehuldigt wird, immer bekundet e» eine sittliche Höhe de» Mmschchum». Auch au» Israel ist ein Verdienstvoller geschieden, der berühmte Gtlehrte und Historiker I>r. I. M. Jost, warum wird ihm in dm Gemeind« Jeschurun» keine Gedmkfeier abgehalten? זכר צדיק לברכה. Wir segnm an» selbst, wmn wir dem Gerechten an geheiligter Stätte, in Wehmuth und Gebet ein: ״wir gedmken dein" nachmfm. Le-lldnSH. £ Pest. Vergangenen Samstag fand« die erfim Vorlesungen im Verein-lokale de» ״Izraelita Magyar egylet" vor einem zahlreichen Zuhörerkreffe statt. Die Herrm Groß, Tatay, Ormody, Lustig und Br6dy warm die Bortragmden. Der gerechte Beifall der jedem von ihnen die»- mal zu Theil ward, kann nur ermunternd für die Folge wirken. Möge der ״Magyar sgylet" in seiner edlm gemeinnützigen Wirksamkeit nicht erschlaffen! — f. Die zweibändige Kriminalnovelle, ״Der Kozicer Magid" von L. Horowitz, welche bereit» Ende v. Jahre» hätte erschein« solle«, wird, wegen verzögerter Anfertigung der ililographien, erst in einigen Wochm der Oeffentlichkeit übergebm werden. ׳ C0rrtf>01)tN3. A Beßprim, 8. Jänner. Al» Nachtrag zu unserem Artikel in Nr. 8. diese» Blatte» vom v. I. haben wir die erfreuliche Mittheilung zu machen, daß der hiesige iSr. Leseverein, der gleichfalls von der protestautischeu Gemeinde angegangm wurde, unter sein« Mitgliedern eine Sammlung zu Gunst« der Renovirnng der Kirche »nd Schule zu veranlaffm, dieser Aufforderung in liberaler und humaner Weise entsprochen hat. Da» Ergebniß der Sammlung war der Betrag von 100 fl., der dm Kurator« der Protest. Gemeinde übergebm und mit Dank mtgegmgmommm wurde. Derselbe Verein hat auch schon vor Monatm eine Subskription zum Bortheile der ungarisch« Akademie eingeleitet, die aber au« unbekannte» Gründen noch immer nicht zum Abschlüße gediehm ist. — E» ist ein eigme» Fatum, daß wir in unser« Berichtm dm Licht׳ seiten auch ihre Schattmseitm nachzutragen Hab«. Da» frmndliche Entgegenkommm von Seilen der hiesigen J-raeliten findet nicht nur keine gebüh» rende Würdigung, sondem e» wird ihnm sogar bei keiner Gelegmheit die empfindlichste Zurücksetzung erspart. Bor einigm Wochm starb hier einer der achtbarsten Männer unserer Gemeinde, der Vorstandsmitglied und seit einigm Jahren auch MagistratSrath (Gemeinderath?) war, und sich eine» sehr guten Rufe» in der ganzen Stadt erfreuete. Bei seinem Leichenbegängniffe erschien keine einzige Person de» löbl. Magistrat» in offizieller Weise. Wmn man auch den Lebenden Ehre und Rechte verweigert, so sollte man sie doch *) L. A Frankl: Inschriften de« alten jüdische» Friedhöfe« in Wien, 185b.

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