Allgemeine illustrirte Judenzeitung
- Journal
- Allgemeine illustrirte Judenzeitung
- Volume
- 2 (1861)
- Issue
- 2 (11.1.1861)
- Date
- 1861-01-11
- Page
- Seite 14 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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chenSende ununterbrochen gelebt und gelehrt. Wie er in 'diesem Berufe gewirkt, davon zeugte die allgemeine und herzlich« Theilnahme, welche ihm eben im abgelaufenen Jahre bei Gelegenheit seiner fünfundzwanzigjährigen Amts- Jubelfeier, wovon aucb diese Blätter, Nr. 2 v. I. berichteten, zu Theil geworden. — Weitreichend^ war aber auch der Erfolg seiner daselbst entwickelten literariscken Thätigkeit. Nachdem er mit Heß die jüdische Abtheilung der von Hoeninghaus projectirten ״Universal-Kircheuzeituug" 1837 geleitet hatte, gab er selber die Vielen unserer Leser wohl bekannten ,^Israel. Annalen 1839—41" heraus, redigirte in Gemeinschaft mit Creizenach die hebräische Zeitschrift ״Zion," veröffentlichte 1842 gegen die preußischen Gesetzvorschläge über die Israeliten seine ״Legislative Fragen," ließ 1846 — 7 eine ״ Neuere Geschichte der Israeliten von 1815 bis 1845" in 3 Bänden erscheinen, welche sich als lOter Theil seinem großen Werke anschließt, und schrieb sein letztes hockst bedeutendes Werk ״Geschichte des Judenthumes und seiner Teeren" in 3 Bänden 1857—9. — Wir haben hier bloS die bedeutenderen, Juden und Judenthum berührenden Sckriften erwähnt, womit Jost die Wissenschaft des JudenthumeS nach vielen Seiten hin gefördert und namentlich zuerst lebhafte- Interesse für jüdische Geschichte in weilen Kreisen angeregt hat. — Zahlreich sind aber die zerstreuten wissenschaftlichen und kritischen Aufsätze, welche jüdische und nicktjürische Zcitschristcii, darunter die Jena'sche Lileralurzeitung, die Allgem. Kirckenzeilung u. a. in. in verschiedenen Sprachen von ihm brachten; so wie auch noch mehrere pädagogische, sprachwissenschaftliche und andere von ihm herausgegebene Werke zu erwähnen sind. Wir führen v׳n diesen au: Ausführliches Lehrbuch der englischen Sprache welches mehre Auflagen erlebte. Erklärendes Wörterbuch zu Skakespeare's ftlays Berlin, 1830, Tbeorer. prakt. Handbuch des deutschen Sn>ls 1835 u. a. m. War Jo st's Thätigkeit als Gelehrter und Schriftsteller geeignet, seineu Ruf weithin zu verbreiteu und seinen Namen unter seinen Glaubensgenossen unsterblich zu machen; so haben ihm jnSbesonrere sein Charakter und seine persönlichen Vorzüge ein ewiges Andenken gesichert in der Erinnerung derjenigen mit denen er zunächst in Verbindung gestanden, in dem kreise, wo er -- wie unser geehrter Mitarbeiter Herr Nab. 11 r. Tu schal sich trefsend ausgedrückl — als edler Mensch, als Waisenvater, als Krankenpfleger gelebt und gewirkt bat. — — Jost narb am 20. November v. I. im 68. Lebensjahre, kinderlos, als Wittwer. Tie Gattin, die er sich im Jabre 1818 angetraut hatte, eine Nichte teS berühmten Hebraisten Jsak Euchel, ward ihm schon im Seplembcr 1842 entrissen. Tie Zöglinge des von ihm begründeten Frauenvereines, welche seine Babre ums.auden, wurden seine Waisen genannt; und ihre Tbräuen gaben das sprechendste Zeugniß, daß der erste neuere Geschichlsschrcibcr der Juden auch einer rer besten und edelsten Männer gewesen. pek. 8. Von der in der vorigen Nummer dieser geschätzten Zeitschrift erwähnten, durch die lebt. Schulkcimuifsion in Pest veranstaltet.׳u Sammlung wurden ferner 45 arme Sckülcr rer isr. M uskerbauptschule mit warmen Kleidungsstücken beschenkt, und sollen, wie wir hören, auch die armen Schülerincn der hiesigen isr. Mädchenhauprschule mit Winterkleidern versehen Lerren, was mit rem Ausdrucke des wärmsten Tankes für die vielen Zeit- und Gelrcpser der löbl. Schulkcmmissicn, sowie für die. edlen Spenden der Jugendfreunde zur allgemeinen Nachahmung hiermit öffentlich bekannt gemacht wird. Emgesendet.' Eine bescheidene Anfrage. Sicherem Vernehmen nach, hat der hiesige isracl. Gemeinrevorstank bei der Regierung blos das Gesuch eingercickt, eine neue Wahl veranstalten zu lassen, ohne über den Wahlmodus irgend einen Antrag zu stellen. Ta in dieser Hinsicht bekanntlick gar keine feste Norm bestebl, intern die vormärzlichen Gemeinde-Statuten-im Jabre 48 aufgehoben wurden, und die letzten Wahlen noch als entserntc Ausläufer׳ res Belagerungszustandes betrachtet werden können, so dringt sich die Frage aus, ob cs wohlgethan war, der Regierung, welche ohnehin mit den wichtigsten Arbeiten zur Reorganisation des Landes überhäuft ist, auch die Sorge eine neue Ordnung der hiesigen isr. Gemeinde sestzustellen, ganz allein zu überlassen? Wäre es nicht angemessener gewesen, mit einem Vorschlag dicserhalb aufzutreten, den die Regierung bloS zu prüfen hätte und bald genehmigen könnte? Oder war eS mit Absicht darauf angelegt, die Wahl deS neuen Vorstandes ad calendas graecas hinauSzuschieben? Mehrere Gemeindeglieder. — Die erste Nummer deS von Dr. Rokonstein redigirten WochenblatteS ״Magyar Izraelita" ist in eleganter Ausstattung und angemeffener Zusammenstellung erschienen. Wir wünschen dem »ackern Unternehmer in jeder Beziehung den besten Erfolg! — Jedoch müssen wir die Redaction dieses Blattes darauf aufmerksam machen, daß in Zukunft bei Vorkommender Polemik gegen die ״Magdeburger Allg. Zeit, des JudenthumS" nicht wie diesmal — wahrscheinlich auS Versehen — ״Allgemeine Judenzeitung" angeführt werde, da dies leicht zu einem uns nicht gleichgültigen Mißverständnisse bei dem mit der Tendenz unserer Blätter minder bekannten Theil deS Publikums Anlaß geben könnte. Nach dieser harmlosen Bemerkung, noch einmal unser herzliches Glückauf! Corrrspondenz. Fünfkirchen, im December. (Verspätet.) Die in unserer Gemeinde vakant gewesene Stelle eines Cantors wurde in der Person des Herrn Gold st ein, Bruders des berühmteu Wiener Cantors gleichen Namens besetzt. Seine ausgezeichnet schöne Stimme und unverkennbar gute Schule haben ihm bald vielseitigen Beifall errungen. Es hatte derselbe sein schönes Talent auch bei Gelegenheit einer Chanukkaseier, die der Herr Ober-Rabbiner für die seinen Religionsunterricht genießende Schülerschaft des Unter- und Obergymnasium so wie der Realschule im Locale der Religionsschule veranstal- ' tete, manifestirt. Eine passende Ansprache des Herrn Oberrabiners, ein von j letzterem zu dieser Feier verfaßtes Gedicht, vorgetragen von einem an diesem Tage ״Barmizwah" gewordenen Gymuasialschüler, und einige schöne Gesangspieccn ausgeführt vom Herrn Cantor mit vollstimmigem Chore, bildeten, in passender Aufeinanderfolge, theils vor, theils nach dem Anzünden der Chanukkalichter an einer — dem Herrn Oberrabbiner von einem seiner zahlreichen Verehrer zu Geschenke gemachten silbernen ״Menorah" das Programm dieser schönen Abendfeier. -8. if. Siklos, Anfangs Jänner. Herr Redacteur! Einem jüdischen j Organe, welches sich so wie das Ihrige die dankbare Aufgabe stillte, das! Judenthum mit allen seinen Wechselbeziehungen in Wort und Bild zu illu- 1 striren, werben folgende des Registrirens nicht unwcrthe Notizen willkommen; sein, wenn sie auch nur aus einem kleinen, in diesen Blättern noch nicht erwähnten Oertchen, herrühren. Durch das gemeinnützige umsichtige Wirken un- 1 seres Vorstehers und Schulaufsehers Dr. Schulhof sind wir nach langer ' Stagnation in den Besitz einer ziemlich organisirten Schule und eines diese Schule leitenden Rabbiners gelangt. Ist auch das Haus GotteS bezüglich ' seiner innern Ausstattung noch immer mangelhaft, so ist doch der Dienst Gottes ein den Zeitanforderungen entsprechender, würde- und weihevoller. . Kanter Singer weiß die singlustige Jugend für die gottesdienstlichen Gesänge zu begeistern; und o wie dieser junge Lehrer bestrebt ist, mit Unterstützung und nach dem Vorbilde des Rabbiners, welcher den größten Theil seiner Muße zum Unterrichte des hebräischen mit ungarischer Uebersetzung verwendet, der Pflicht des Jugendbildners zu genügen, so gelingt es ihm auch als Kantor im Gotleshause Len religiösen Sinn der Erwachsenen zu beftierigen. Am 29. Dezember fand auf Veranlassung des erwähnten Vorstehers ein quasi VerbrüderungSfest der hier freundlich znsammenlebenLen verschiedenen Konfessionen statt, wobei der erst vor einigen Tagen definitiv angcstellte, Bezirksrabbincr eine ungarische Ansprache hielt, und durch die wohlgesormte, der Feier entsprechende Rede stürmischen Beifall von allen Seikrn erhielt. Am Schlüsse erklang das wohleinexerzierte Nativnallied ״.Szözat" zur Freude und Ueberraschung der Versammlung. — Wanderungen auf dem Gebiete der mährischen Gemeinden. 1 Schluß.) So müßten sich die Feste der Schule zum Theil an das religiöse Leben der Gemeinde ansckließeu, theils auf merkwürdige Ereignisse deS Vaterlandes Beziehung haben, theils auch die Volksfeste im edlern Sinn nachbilden. WaS die Feste der Schule betrifft, die sich auf das religiöse Leben beziehen, so dürfte *) Sieh« Nr. 1.