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Allgemeine illustrirte Judenzeitung · 1861-01-11 · 2 (11.1.1861) · p. Seite 13

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Journal
Allgemeine illustrirte Judenzeitung
Volume
2 (1861)
Issue
2 (11.1.1861)
Date
1861-01-11
Page
Seite 13 (sequence 5)
Language
German
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—״ 13 Bis die Himmelssaat der Tugend lieblich keimt im Seelenschmerz! — Jeden Kummer mußt du segnen; prüfend naht der Erde Leid, Um zu retten deine Seele für daS Heil der Ewigkeit! Dann, wenn auS dem Thau der Thränen neues Leben dir beginnt, Hat das Schicksal mild errettet auS der Fluth das Schmerzenskind! Einmal wird dich dieser Engel mild erlösen sicherlich; Junges Herz im Strom deS LebenS, sorge früh' und rette dich! Religion und fromnie Liebe mögen Segen dir verleih'n, Und das Schicksal wird, dich läuternd, deiner Tugend Hüter sein! — Sieh', dein Vater sendet liebend seine Engel dir herab; Nun so steig', ein neuer MoseS, aus deS Stromes Wellengrad! Wirke göttlich du im Kleinen, wie der Seher licht und groß! Glück der ^Menschen zu verbreiten, du Erlöster, sei dein Loos! — Elmshorn ווו Holstein, 1800. Minna Cohen. I)r. Ja. Mark. 3oft. (Schluß.).') Hier in Wolfenbüttel schloß Jost, der nachmalige Meister jüdischer Geschichtsschreibung, Freundschaft mit Zunz, dem nachmalige» Meister jüdischer Geschichtskritik, der, nur ein Jahr jünger als jener, im selben Sommer 1803 in die andere Samson'sche Anstalt getreten war. Die Plackereien und Quälereien, welche die jüngeren Schüler von den älteren in beiden Anstalten zu erleiden hatten, verbanden die zwei Knaben mit einander. Sie trieben zusammen hebräische Grammatik, lasen jüdisch-deutsche Sagenbücher, die zuweilen ihren Spott hervorriefen, oft aber auch durch nit^flifd^en Ton und Inhalt auf ihre Phantasie tieferen Eindruck machten und selbst dem Aberglauben Nahrung gaben. — ״Der Josippon weckte in Zunz und mir etwas Sinn für Geschichte." Fast 4 Jahre waren so vergangen. Die Summe der Kenntniffe, welcher tie Zöglinge sich rühmen durften, bestand in ziemlicher Fertigkeit talniudische Stücke verwickelten Inhaltes zu verstehen, Eommentare und einschlägige Schriften zu benützen, ausreichender Kenntniß der religiösen Bräuche nach dem Schulchan-Aruch, einiger Bekanntschaft mit Maimuni und Kunde von Philosoph, theologischen Werken der spanischen Schule, einiger Ucbnng im hebräischen AuSdrnck mit ziemlicher Beachtung der grammatischen Regeln. Die Bibel hatte jeder für sich durchgenonnnen, tie Propheten und die geschichtlichen Bücher nur oberflächlich kennen gelernt. Im Rechnen waren mehrere sehr gewandt; ״deutsch lesen und schreiben war unsere Sache nicht. ״Ich selbst erinnere mich nickt vor zurückgelegtem 10. Lebensjahre einen ״deutschen Brief geschrieben zu haben." — Im Laufe der letzten dieser Jahre waren drei der Lehrer und der Vorsteher der Anstalt gestorben; die Verwaltung ging an einem Neffen des Vorigen über, welcher alsbald beide Stiftungen in ein HauS zu bringen und dem Ganzen überhaupt eine zeitgemäßere Richtung zu geben beschloß. — Tie Anstalt wurde in eine Elementarschule umgeschaffen; die Leitung übernahm S. M. Ehrenberg auS Braunschweig, ein Mann von schöner Gestalt, feinen und anmuthigen GesichtSzügen. edler Haltung und liebenSwürdigen Sitten. — Im April 1807 wanderte Jost mit unaussprechlichem Entzücken in daS andere Stiftungshaus, wo bessere Kleidung und Pflege seiner harrten. In freudiger Nückerinnerung spricht er von den 2 Jahren, die er nun in der Anstalt verlebte. Nur dieser liebevollen Behandlung bedurfte es, um zum Fortschreiten zu begeistern. Freilich waren ihm noch die ersten Elemente dessen was er Nun zu lernen hatte noch ftemd. Der 14jähr. Jost mußte ״vom ״ABC anfangen," Lesen und Schreiben war indeß bald überwunden. Durch die hebräischen Schriften der Berliner Schule, die er in den Erho» lungsstunden verschlang, wurden die Anlagen geweckt; er machte im Deutschen Fortschritte und erhielt auch einigen Unterricht im Französischen. Talmud wurde beim alten Lehrer in beschränkter Stundenzahl fortgesetzt. Die Aufhebung der bürgerlichen Beschränkungen durch den Eintritt der französ. Herrschaft vcranlaßte viele jüdische Eltern ihre Söhne und Zoglinge einem neuen Gebiete, der Werkstätte, zuznwenden. Auch Jost wurde von seinem Großvater für ein Handwerk bestimmt, und recks willig ') Siehe Nr. 1 ״zur Abbildung." nach Berlin, um seine Stu- .Schleiermacher n.A. fortfand er sich darein, bald als Lehrbursche bei einem Buchbinder einzutreten. Indessen erschien im September 1808 der Vorsteher der Anstalt und äußerte den Wunsch, einen der fähigeren Schüler al« Gesellschafter seiner Kinder uach Braunschweig aufs Gymnasium zu nehmen. Die Wahl schwankte zwischen Jost und Zunz; jener erhielt den Vorzug, dieser sollte sich zum Unterlehrer der Anstalt ausbilden. — Er bedurfte nun einer starken Vorbereitung im Lateinischen und Griechischen; beide, Jost und Zunz, erhielten Unterricht darin und wandten allen Eifer darauf. ״Ganze Nächte arbeiteten wir in dem kalten Win- ״ter 1808—0, heimlich bei Kerzen, die wir aus dem Wachs, welche« von ״den großen Kerzen in der Synagoge herabtroff, unS selbst verfertigten, ״studirend"; und wirklich brachten sie es in 6 Monaten, bis April 1809, so weit, daß sie, Zunz in Wolfenbüttel, Jost in Braunschweig, in Prima deS Gymnasiums gesetzt wurden. — Vier Jahre blieb Jost im Hause seines Braunschweiger Gönners. 1813 bezog er die Universität in Göttingen , wo er, in der Absicht sich dem Schulwesen zu widmen, insbesondere philologischen Studien bei Mitscherlich und Wunderlich oblag, nebstdem die Theologen Stäudlin, Pott, Planke die Historiker Heeren, Lüders u. A. hörte. Seinen vorzüglichsten Lehrer nannte er aber Eichhorn, der ihn auch in dem schon damals gefaßten Plane, eine Geschichte der Juden zu ° schreiben, ermunterte, nachdem ihm Jost einige Vorarbeiten gezeigt hatte. — Im Herbste d. I. 1814 ging Jost mit der Familie Jakobsohn'S, welchen Letzteren er seinen Wohlthäter nennt, dien unter Buttman, Bökh, F. A. Wolfs, zusetzcn. — ״Berlin zeigte mir eine neue, schöne > nd vielseitig anziehende Welt. ״Bald ward ich mit allen hervorragenden P rsönlichkeiten der jüdischen Ge- ״meinde bekannt." Von diesen sind zu neninn: David Friedländer (st. 1834) ״der . von der Welt zurückgezogen lebte, <sber von Männern und Frauen der gebildetsten Kreise verehrt war"; Laz^rnS Bendavid, (geb. 1764, gest. 1832) der tiefe Denker, dabei von ÄVitz und Geist sprudelnd, stets lehrreich und mit jedem Worte anregend; Simon Veit, Schwiegerschn M. McndelSsohn's, der, von seiner Frau verlassen, Freude und einzigen Trost darin fand, die studierende Welt um sich zu versammeln und die Wissenschaft auf alle Weise zu unterstützen, — Sechs Monate 1815 war Jost Lehrer im Hause Jakobsohn'S (st. 1828), deS für die Wohlfahrt seiner Glaubensgenossen begeisterten Mannes. In diesem suchte bekanntlich die damals in Berlin sich geltend machende reformistische Richtung ihren Schwerpunkt, uud fand zunächst ihren Ausdruck in dem von ihm begründeten Tempel. Hier predigten der später in Hambürg berühmt gewordene Kley, Zunz und die beiden Brüder I. und B. Auerbach. Auch Jost ward von Jakobsohn unter glänzenden Bersprechungen zu predigen aiifjjeforfcert; er lehnte es aber ab. Er hatte sich inzwischeu einen neuen Beruf gegründet; er übernahm nämlich 1816 die höhere Bürgerschule des damals verstorbenen Bock, welche nun unter seiner Leitung trefflich blühte, eines verbreiteten Rufes sich erfreute, und der er bis 1835 mit Liebe und Eifer Vorstand. Seine Muße füllte er mit classischen, orientalischen und Geschichtsstukien aus. — Bereits 1819 hatte er die Ausarbeitung seines großen GeschichtS- Werkes begonnen, welches dem ursprünglichen Plane gemäß nur in drei Bänden erscheinen sollte, im Laufe der Ardtit aber zu größerem Umfange anwuchs und in 9 Bänden unter dem Titel: ״Geschichte der Israeliten seit d. Zeit der Makkabäer bis auf unsere Tage, nach den Quellen bearbeitet, Berlin 1820 — 8" erschien. — Der Beifall, welchen das Werk! trotz mancher Mängel gefunden, war ein allgemeiner; die Göttinger Universität übersandte ihm dafür das Doctor-Diplom. — Auch sonst war Jost während seines Berliner AnfcnthalteS sowohl auf jüdischem als auf anderen Gebieten literarisch fruchtbar. Wir nennen in ersterer Bezichung die Streitschrift gegen Abbe ('11iarini’8 Theorie du Judaisme, 1831, das Offene Sendschreiben an Herrn K. Streckfuß 1833, die Uebersetzung der Mischnah und vorzüglich die 1832 in 2 Bänden erschienene für einen größeren Leserkreis berechnete: Allgemeine Geschichte der Israeliten. — 1835 übersiedelte Jost nach Frankfurt a. M. wohin er einen Ruf als Oberlehrer an die Realschule erhalten hatte, und wo er bis au sein Le-

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