Allgemeine illustrirte Judenzeitung
- Journal
- Allgemeine illustrirte Judenzeitung
- Volume
- 2 (1861)
- Issue
- 2 (11.1.1861)
- Date
- 1861-01-11
- Page
- Seite 12 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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—♦« 12 »•־- . keit nach innen. Diese Aufgabe kann getrost der Schule and dem Leben auheimgestcllt werden; sie wird in der nächst kommenden Generation ihre volle Lösung erhalten. Wer daran zweifelt, der verkennt die Macht der Zeit und der sich in derselben kundgebenden herrschenden Ideen völlig! — Die Wiederbelebung der ungarischen Nationalität ist die beste Bürgschaft ihres BestandeS, chrer Erkräftigung und der Verbreitung ihrer Sprache! — Die Presse, die Gerichtspflege, die Verwaltung, die Gesetzgebung ist chr anheimgegeben; für sie wird eie Schule wirksam sein; der geschäftliche und gesellige Verkehr muß sich chr erschließen, auch dann, wenn die ungarische Sprache des ihr in hohem Grade eigenen Zaubers und die ungarische Literatur je- . nes Aufschwunges und edlen Reizes entbehren würde, deren sie sich in hohem Maße rübmen können! — Allein die Magharisirung wie sie uns im Bilde vorschwebt, soll eine tiefere und festere Grundlage gewinnen. Sie soll nickt in der Umwandlung des Jdiomds allein bestehen, sondern über alles Lippen- und Außenwerk erhaben, tief im Herzen beider sich verbrüdernden Stämme — des jütischen und magyarischen — ihren treuen unveränderlicken Ausdruck finden. Tie Magyarisirung, wie sie uns vorschwebt, sie ist ein inniges, brüderliches Verschmelzen, eine Einigung, wie sie der innersten Seele entkeimt, wie sie von der tiefsten Tiefe des Gcmüthes ausgeht, die nickt im Blute der Trauben, sondern — wenn es sein muß — im Blute des Herzens ihre Besiegelung findet. Eine solche seelenvclle, echte, allein wahre, allein herbeizuwünsckende Magyarisirung ist eine Feindin jeder Trennung, jeder Unterscheidnng, jeder Verkürzung und Sckmälerung des Rechtes. Sie verlangt unbedingt die volle Anerkennug unserer kindlichen Angehörigkeit zum Lande und unserer brüderlicken Gleichberechtigung mit den Bürgern desselben. In diesem Sinne ist die Magyarisirung mit der Gleickberechtignng im innigsten unzertrennlichen Zusammenhang. Möge die Zeit nicht ferne sein, in der wir beide verwirklicht sehen! — -Ignatz ./riedmann. Die Rettung Moses. n. Hast du, Jüngling, in dem Kinde, das den Wogen ward vertraut, Dich im Kämpfe mit dem Leben, deiner Seele Bild geschaut? — T ein auck freute sich die Mutter, und der Vater pries sein Glück; Schön ersckicn der theure Knabe dem beglückten Mutterblick! — Aber ach! schon barrte deiner wild und rauh des Stromes Fluth, Kurze Zeit nur hielt die Liebe treu bewahrt chr höchstes Gut; Flüchtig wie nur drei der Monde ist die Kindheit dir entfloh'n, ... Unk am Scheideweg des Lebens steht der heißgeliebte Sohn! Vaterpflickt und Mutterliebe beut dich selbst dem Strome dar; Auch ein Sckifflein soll dick bergen, soll dich schützen in Gefahr; Deiner Ettern fromme Lehre — ach, zu oft ein schwaches Rohr — Soll dich heben in des Lebens wildem Strome hoch empor! Einmal, einmal noch erklinget dir der Liebe mahnend Wort, Wie das Sckifflein nock die Sorge hat verbarzt am Userbord; - Horche, lausche, theurer Knabe, auf der Lehre Gcttesklang! Sckon ersaßen dick die Wogen — weh', sie rauschen dumpf und lang — Und sie drängen und sie treiben in die Brandung dick hinein; Auf res Lebens weitem Strome bist du einsam und allein! — Der Gewinn, er will dich locken, aber wilder drängt die Lust, Und die kalk«—Fluth der Sünde will umwogen deine Brust, Ringe mnkbig, flmze Seele, eh' du sinkst in Nacht und Graus! — In dem Bild der Schwester harret liebend dir die Freundschaft 'aus! Ja, am User deines Lebens werden treu die Freunde steh'n, Tick zu mahnen, dick zu warnen, deine Rettung zu erfleh'n! Kann wohl mehr die Freundschaft geben? — einsam barrt das Trauerbild; Dich erretten kann nur Einer, der Erbarmer treu und mild! — Er, der König, der dem Strome, der dem Leben mild gebeut. Läßt das Kindlein nickt versinken, das die Sünde wild umdräut; Drei rer Engel, Bolen Gottes, weilen in res Königs Haus, Und der Vater sendet liebend seine HimmelSköckter aus! — Junge Seele, die du ringest mit dem kalten Strom der Schuld, Sieh', es naht der Engel einer, naht in milder Gotteshuld; Du erkennst die lichten Züge und die Blicke gottgeweihk, , ES verklärte dieser Engel deiner Kindheit Wonnezeit! ' Ach, er ruft die Feierstunden deines Lenzes dir zurück, i Ach, er mahnet dich, zu werden deiner Eltern Lust und Glück, ' Und vor Gott, dem Allgerechten läßt er beben dich und knie'n, j Bis der Reue wild« Schrecken schaurig deine Brust durchzieh'«! Als zuerst der lichte Engel einst empfing dein Kindesherz, Sandtest deiner Lippen Flüstern als Gebet du himmelwärts; Heil dir, Heil, wenn deine Seele wieder solch' Gebet beginnt; Religion hat dann errettet aus der Fluth ihr weinend Kind! Religion, die Tochter Gottes, ist dir nah' und harret dein; | Laß dein Herz dem Engel offen — und erlöset wirst du sein!! Aus deS Todes kalten Armen kehrst zum Leben du zurück, 1 Denn die Sünde ist Verderben, und in Gott nur weilt das Glück! — Doch wenn trübe Fluth der Sünde schon zu mächtig dich umrauscht, ' Und dein Ohr dem Sturme lieber, als der Himmelsbotin lauscht, ' Steigt noch einmal dir ein Engel mild und lieblich erdenwärts, j Und das Himmelskind: die Liebe, sie berührt des Jünglings Herz! — | Ist die Seele dir umnacktet von der Fluthen grauser Macht, | O da sendet Gott die Liebe, zu erleuchten deine Nacht; : Und der Selbstsucht trübe Wogen, die umfangen deine Brust, Sie entweichen, sie verrauschen, nebelhaft, dir unbewußt; In rer Liebe treuer Sorge mußt du auf zum Himmel schau'n,! Temuth strahlt in deine Seele, es erwacht dein Gottvertrau'n: : Ja, aus trüber Fluth des Lebens hebt die Liebe dich empor,! Und dem Edlen, Ewig-Wabren öffnet sie der Seele Thor! Wie vom Himmel sie entsprungen, führt züm Himmel sie zurück;! Ack, und weinend, selig weinend wirst empfangen du ihr Glück!! Heil dir, Heil, wenn deine Seele treue Liebe ftomm gewinnt!! Auch die Liebe wird erretten aus der Flutb ihr weinend Kino!; Einmal naht der lichte Engel, einmal nur, im Lebensmai; : Tausch' für Selbstsucht wahre Liebe — und die Sunde läßt dich frei! — j Aber wehe, wenn verrinnet der geweihte Augenblick, Und im Dunkel wilder Wogen du nickt schaust dein Erdenglück; Dann, dann steigt ein trüber Engel, Gottes Bote, dir herab; Wehe, weh', der Menschen Schicksal, wird geleiten tick zum Grab! — : Wo mit Religion und Liebe gläubig sich die Seele schmückt, Wird versüßet Schmerz und Wonne, die der Vater liebend schickt: i Nur der Fromme fühlt deS Glückes reine, gottverklärte Lust, ( Und verdoppelt ist die Freude an der Liebe treuer Brust;! Auch im Sckmerze weckt der Glaube göttlich hohe Zuversicht,:; Und die Liebe strahlt dem Dulder hell und mild wie Sternenlicht! | Ack, wer liefen beiden Engeln kalt verschloß der Seele Thor,; Erst sein Schicksal läßt ihn ahnen, was in Sünde er verlor! — 1 Wäbnst du sicher dich geborgen auf des Lebens trüber Fluth? — Sieh', am Ufer steht der Engel, und er nimmt dir Gut auf Gut; , Nur zuweilen darf dir nahen Freude noch, dein selt'ner Gast, Daß du fühlest, wie die Reue grausig trübt die kurze Rast! > Dir zum Heile mußt du leiden, unk der Erde falsche Zier /! Sichst in Schuld du nah'n und scheiden; weihe keine Thräne ihr! Ob das Schicksal dir ertkdte deiner Jugend frohen Muth,! Höre nur des Engels Mahnen: ״laß dich retten! werde gut!-" — '• ,Udo, du Armer nennst dein ekgen wenig treue Herzen nur,! Und auck diese Bande reißen, die geknüpfet die Natur!; An der Deinen Schmerzenslager führt dich schaurig dein Geschick; ׳ Weißt du, was er brechend flüstert, keiner Eltern Schcireblick? ‘ Hast du, Sünder, ibre Lehren, ihre Klagen nicht gehört,! Hast die Blüthen ihres Lebens kalt und grausam du zerstött, 1 O so lausche nun, es flüstert brechend dir ihr Scheideblick: ״Kehre heim aus trüben Fluthen! Sünder, kehr' zu Gott zurück!" — Heil dir, Heil, wenn deine Seele den beredten Blick verstand! O dann faffe die geliebte, die erstarrte Todtenhand; Tie Vergebung des Alleinen mußt in Reue du erfleh'n, Tann, dann wird aus Tokes-Sckrecken neues Leben dir ersteh'«. — Sahst du wohl den treuen Pflüger? — er zerreißt die grüne Flur, Um aus ihrem Schooß zu wecken segensreiche Saaten nur; Auch das Schicksal ist ein Pflüger und zerreißt das Menschenherz,