Allgemeine illustrirte Judenzeitung
- Journal
- Allgemeine illustrirte Judenzeitung
- Volume
- 2 (1861)
- Issue
- 1 (4.1.1861)
- Date
- 1861-01-04
- Page
- Seite 5 (sequence 5)
- Language
- German
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gar wohl befinden, indem sie bei ihren respectiven Mitbürgern mehr Dank dafür erndten, als unsere deutschen Brüder in Deutschland. Iudeffen ist die Besorgniß deum da- Judenthum durch seine langjährige Wirksamkeit hochverdienten I)r. Philippson doch nicht gerechtfertigt, wenn er der Bermuthung Raum gibt, als könnte seine unverholene Aeußerung bei unin Ungarn einer üblen Deutung begegnen. Wir sind so unbefangen, de» Grund seines Ausspruche» nur in der irrigen Ansicht über Grad und Stand hierländischer Bildung zu erblicken. — Diese- Verkennen deS ungarischen Kultur» staodeS von Seite des Auslandes sind wir so gewohnt, daß wir eS der nicht zu bewältigenden Macht de- VorurtheilS zuschreiben müssen, von der auch der jüdische Stamm so viel de- Bedauerliche» zu erzählen weiß. Alle» die» hätte uns indeß zu keiner Verwahrung und Widerlegung Anlaß gegeben. Daß sich aber Herr Or. Philippsou auf Grundlage eine- Privatschreibenzu dem ehrenrührigen AuSspruche verleiten ließ, als ermangelten wir hier in Ungarn einetüchtigen gebildeten heimisch-jüdischen LehrstandeS, und daß wir genöthigt seien, diese Lücke auS Deutschland zu ersetzen, das ist, gelinde gesagt, ein überstürzte», von gänzlicher Unkenntniß unserer Verhältniffe zeugende- Urtheil, dawir im Interesse so vieler würdiger, aber aus blinder Vorliebe für da- Ausländische, unbeachtet gelassener ungarischjüdischen Schulmänner aufs entschiedenste zurückweisen müssen. Daß man sich vor nicht gar langer Zeit eifrig um deutsche Lehrer, Prediger rc. bewarb, beweist noch nicht, daß man recht daran gethan hat; sowenig als e» in jener Zeit von Vernünftigkeit und Zweckmäßigkeit zeugte, wo man bei unS mit blinden Eifer darauf besessen war, das Contingent geistiger Kräfte auS dem finstern Polen zu holen. DaS ist einmal in einem Lande nicht ander», wo, seiner günstigen Lage und freieren Gesetzgebung wegen, ein so großer Zuzug von Bewohnern auS der Fremde stattgefunden, daß da- Heimische darüber fteuid geworden. Da gibtS ein ewige» Kckcttiren nach dem AuSländischen, Weithergeholten; eine Vorliebe, die wir in alter und neuester Zeit nicht selten erfahren haben. Trotz alledem fiel e» aber noch keinem ungarischen Lehrer ein, seine Stimme gegen die fremden Schulmänner zu erheben. Die Bessern unter Letzteren finden sogar überall die verdiente Anerkennung und Werthschätzung. Sollten sie dennoch wegen Nichtkenntniß der Landessprache sich als unbrauchbar erweisen, so wird die« jeder Einsicht»- volle beklagen; aber Niemand wird deshalb ihre Beseitigung für unrecht finden, oder tadeln können. Der Anschluß an da- Vaterland ist eine hochheilige LebenSftage für die ungarische Judenheit! Dieser Anschluß kann sich nicht lebendiger und auftichtiger zu erkennen geben, als indem wir unserer Jugend eine nationale Erziehung angedeihen lassen. Die Sprache ist aber die Trägerin von nationalen Empfindungen und Ueberlieferungen, die nicht früh genug in die zarte KindeSbrust eingeimpst werden können. Keine Rücksicht auf die Existenz eines Privaten darf unS an der Erfüllung dieser hohen Pflicht gegen die Nation und unsere nachwachsende Jugend hindern. ES ist also kein Aft der Lieblosigkeit, wenn wir von dem deutschen Lehrer fordern, daß er sich binnen einer gewissen Zeit die ungarische Sprache eigen mache, oder seinen Posten einem Andern überlasse. Dagegen aber ist e» ein vom beschränktesten Egoismus eingegebener Vorwurf, unfern wohlgeschulten und allgemein wissenschaftlich gebildeten einheimischen Schulstand so tief zu verunglimpfen! — Lorrelpoudtnz. Waiyen, 23. December. Ihr geschätzte» Blatt, das seit seinem Erscheinen stets bereitwillig dem Ideenaustausche über unsere vaterländischen Interessen seine Spalten öffnete, brachte in Nr. 18 ״Noch ein I'ium 6k>8i6«rium" von Sr. Ehrwürden Herrn D. L. Straffer und zu Nr. 21, ein ״'Offenes Sendschreiben von einem Mitgliede de» ״Izr. magyar egylet," welche gewiß von jedem Ihrer geehrten Leser mit besonderer Aufmerksamkeit gelesen wurden. Der größte Ungar Szechenyi sagte: ״Jeder fülle seine Stelle als Schaffner auS" und diesen Spruch würdigend, erlaube ich mir diese» kleinen Nachtrag zu diesen wichtigen Aufsätzen Ihrem geschätzten Blatte zuzusenden. Seine Ehrw. Herr D. L. Straffer spricht Seite 138 den hochwichtigen Wunsch und Vorschlag aus: ״Es möge vor allem ein Landescomitö der ungarischen Israeliten gebildet werden." Allseits wurde dieser Vorschlag mit Freude ausgenommen, und man erwartete, die ehrsame Repräsentanz der Pester Gemeinde, werde die erforderlichen Schritte machen, um da» nöthige LandeScomitS in« Leben zu rufen. Die Graner Conferenz ist vorüber, und die Einberufung de» Landtage» wird mit Ehestem erwartet! — 1£1 1u6g a magyar, All m£g Bad* Wohl lebt noch da» Ungarn von 1839/40, und Ungarn besitzt noch edle Männer die unsere Emancipation befürworten, wovon wir noch in jüngster Zeit Ueberzeugung erlangten, aber dennoch ist ein LandeScomit» nöthig, welche« die Wünsche unserer Glaubensgenossen dem Landtage vonrage!" — Die ehrsame Repräsentanz unserer Brüder in Pest möge daher dieses wohlerwägen; ihr in der Landeshauptstadt steht e» zu. die nöthigen Aufforderungen an die einzelnen Gemeinde-Vorstände unsere» Vaterlandes zu richten. — Und mit Gottes Hülfe können wir dann da» Allerbeste hoffen! — Da unsere Synagoge hier viel zu klein ist, um selbst an Sabbaten die Zahl der Betenden zu fassen, so wird daher allsabbatlich im Locale der i»r. Hauptschule, ein separater Gottesdienst veranstaftct, wobei auf Anordnung de« löbl. Schulvorstandes da» Gebet für König und Vaterland in ungarischer Sprache vorgetragen wird, während diein der Synagoge wie bisher in hebräischer Sprache geschieht. — An unserer Hauptschule wird die vaterländische Sprache in möglichster Ausdehnung als Unterrichtssprache gebraucht; eS bedurfte nur geringer Aenderung in ihrer Organisation da denk vaterländischen Elemente stet« gebührende Rechnung getragen worden! — Diese Tage kaufte der hies. Gemeinde-Vorstand, den zwischen dem Gemeindehanse und der jetzigen Synagoge gelegenen großen Garten, als Bauplatz für den im Frühjahre zu erbauenden Tempel. — In Balaffa-Gyarmat wurden seiner Zeit zu der bereit« abgehaltenen ComitatS-Kongregration de» Neograder ComitateS die Herren ^Moritz Berczeller (zweiter Vorsteher dortiger i»r. Gemeinde) und Samuel Elfer gewählt. siallyai Ltßl6. Baja, 24. December. Ich sehe mich im Interesse einer rücksichtslosen Wahrheit und in dem der guten Sache veranlaßt, der in Nr. 20 Ihre« gesch. Blatteenthaltenen kurzen Notiz aus Baja einige Bemerkungen nachzuschicken, die, fast möchte ick selber eS behaupten, in gewisser Beziehung den Charakter der Berichtigung an sich tragen werden Die Berufung unsereS würdigen Rabbinen nach Theresiopel bleibe hierbei ganz auS dem Spiele. Es ist diese ein kalt accompli, da» vielleicht auch dereinst dem kritischen Griffel der historischen Muse anheimfällt, wie so manche» andere Factum unserer Neuzeit, und mehr als unarttg will eS mir scheinen, dieser erlauchten und erleuchteten Dame irgend wie vorgreifen zu wollen. 8mim cuique. Jener ״Jugendverein" aber zur Hebung und Förderung jüdisch-wissenfchafftlichen Interesses verdient nähere Beleuchtung. E» ist deck schlichten und anspruchlosen jungen Manne, der zuerst die Bildung eines solchen Bereine» angeregt (und beiläufig bemerkt, um jeder orthodoxen Anforderung zu genügen, die präliminirten Statuten desselben, dem Dr. Hirsch zu Frankfurt a. M. zur Begutachtung übernnttelte) ich weiß eS gewiß, nicht darum zu thun, seinen Namen in fetten Lettern hier oder sonstwo ausgezeichnet zu sehen; es genügt ihm da« Bewußtsein, am tief umdüsterten Horizonte jüdische« Wissen« seiner Jugendgefährtcn ein Lämpchen mehr angesteckt zn haben, daß eS leuchte in bescheidenem, wohlthuendem Lichte. Er dachte, e» werde Einer oder der Andere der < x ott'o dazu berufenen Lampenzünder in Baja'S I»- rael sein eigene» Licht an jenem Flämmchen anbrennen, und so allmälig Licht und Aufklärung in weitern Kreise verbreitet werden. An populär gehaltenen Vorträgen an« Bibel und an gesunder Exegese sich erbauen, zeitweise au« einem der vielbesprochenen und ׳mannigfach ntterpretirten religions - philosophischen Bücher einen reineren und höheren Genuß sich zu verschaffen, als ihn die schlichte, häufig auch unverstandene Lectüre eines derartigen Werkes bieten mag; nebstdem unbemittelten Talmudjüngern, deren Charafter, soweit er in den bcschränften Kreis der Oesfentlichkeit tritt, Jedermann sattsame Garantien bietet für redliches Streben und bprufsstarke Ausdauer, kleine Beiträge zum Behufe einer mehr gesicherten Existenz zusiießcn zu lassen; doch ׳auch jenen jüdischen Jünglingen unter die Arme zu greifen, die im Kreise profaner Studien sich bewegend, den au» dem Vaterhause überkommenen Satzungen und Lehren treu anhangend, für eine oder die andere Mußestunden zum noch immer lebhaft glimmenden Herd« jüdischer Wissenschaft sich flüchten; da« war da» Prototypon jene« Vereine», da» von mildem, wohlthuendem Lichte umstrahlt, der etwa» sanguinische junge Mann, der bei der Gründung die Initiative ergriff, in nächster Nähe