Allgemeine illustrirte Judenzeitung
- Journal
- Allgemeine illustrirte Judenzeitung
- Volume
- 2 (1861)
- Issue
- 1 (4.1.1861)
- Date
- 1861-01-04
- Page
- Seite 4 (sequence 4)
- Language
- German
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4 Und Amram's Weib, von Gott geweiht. Gebar ein Kind zu Lust untf Leid; Sein Leben erbat sie vom HimmttSthron, Er war ja so schön, der geliebte Sohn? Drei Monde hictt sie ihr Kind verborgen. Drei Monde bewachten chn Muttersorgen. Doch nun! — Sieh' dort an Ufer- Bord, Die Mutter trägt den Liebling fort; 3m Schifflein von Rohr, verharzt und verpicht. Ereilen vielleicht wilde Wogen ihn nicht; — Tu mühst dich, du Arme, dein Kind zu erretten: Doch wehe, der Nil will sein Opfer umketten! — Noch einen Kuß, noch ein Gebet — Und dort im Schilf das Schifflein steht! ES rauschen die Wogen und steigeu empor. Sie fassen, sie beben das schwankende Rohr — Erbarmt euch, ihr Wellen, des Knaben, deS reinen! Erbarmt euch der Mutter! — sie fliehet in Weinen. Doch scbau! die treue Schwester sieht Dem Schifflein zu im Uferried; Am Strande dort harrt sie mit liebendem Blick, Sie. harret, za schauen deS Knaben Geschick; Ach, jede der wild ihn umwogenden Fluthen Erfödlet Vas Hoffen der Treuen, rer Guten! Und da! — wer schwebt zum Rilgestad? — Die holde Königstochter naht! ES spiegeln die Fluthen chr liebliches Bilk, Sie beugt sich hernterer und lächelt so mild; Wie schmeicheln die Wellen, der Hohen zu danken — Da sieht sie im Schilfe taS Schifflein schwanken! Und rasch entbeut sie ihre Maid Und schaut daS Kind in Weh' und Leid; Dem weinenden Engel flüstert sie zu: ״Ich weiß, ein ebräiscker Knabe bist.du; Dock nun bist du mir von der Welle gegeben; Mein Kind ist gerettet, gerettet zum Leben!" — ' O MoseS, hoher GotteSmann, So Hub dein lickteS Dasein an. In der -Woge Graus, in dem schwanken Rohr; Ta zog dich die Tochter des Königs empor! So bist du gewandelt, du Leuchte aus Erden! O möchten, dir ähnlich, errettet wir werden! — Elmehorn in Holstein, 1800. Jltinna Coljen. Ut ) Br. I. M. Jost wurde am 22. Februar 1793 zn Bernburg (Anhalt) geboren, wo sein Bater, der auS Iaroslaw in Polen stammte, 1780 Schutzjude geworden. Die Verhältnisse des elterlichen Hauses waren sehr beschränkt; rer Vater hatte eben׳ im Geburtsjahre J's. das Augenlicht verloren und als fünfjähriger Knabe war Letzterer der Führer deS Erblindeten. ״Ich kann nicht umhin" — schobt Jost von seinem Vater ') — ״mich des Einflusses zu ״erfreuen, den seine Rechtlichkeit und seine liebenswürdige Heiterkest auf mich ״übte. In seiner Blindheit wußte er doch nach Kräften seiner Familie das ״Nöthigste zu verschaffen.... Ten größten Theil seiner Kinder verlor er ״durch den Toc, dabei sah ich seine fromme Ergebung und die Wirkung ״seineeckt religiösen Sinnes." Bildung und Unterricht waren unter dortigen Israeliten jener Zeit noch auf der niedrigsten Stufe. Jost besuchte schon im zartesten Alter das E h-ek a 1 des Orts.- BorbeterS, der aber mehr von seinem Schächterberufe ' Zn den ״Skizzen au« meiner frübesten Zugend" im UL Bk. der Sipp urim, denen wir die meisten Notizen emlebnen. als von dem deS Pädagogen in Anspruch genommen war. Dürftiger Uuterricht in Bibel und Talmud war Alle» was Jost hier erhielt; ״unser ״Lehrer war selbst in seinem Fache nicht tüchtig; was er mittheilte, war ״rein maschienenmäßige Erklärung, seine Mittel grobe Worte und der Stock." — Als Knabe von 8 Jahren genügte ihm der Unterricht des Vorsängers nicht mehr. Vom Vater war chm Lieb« zu den hebräischen Studien eingepflanzt worden, welche einigermaßen dadurch Beftiedigung erhielt, daß ein Arzt, vr. Math iS, ihm nebst noch 3—4 Knaben dreimal wöchentlich in den Abendstunden Unterricht in der hebräischen Grammatik ertheilte; dabei ^ard er mit manchen einschlägigen Elementarbegriffen bekannt, und las nebenher andere hebräische Gramattken, worüber ihn sein Meister, der Schächter, auslachte, alle übrige Welt aber anstaunte. — Auch im Deutsch-Lesen und Schreiben ließ ihn der Bater ein wenig unterrichten, waS aber durch deffen Leiden, die auch den Tod herbeiführten, unterbrochen ward. ״Als der Vater 1803 starb, waren kaum die Kosten für den elen- ״den Leichenkasten da. Er hinterließ den noch vorhandenen vier Kindern, ״unter denen ich der älteste war, nichts, außer daß ich seine Gesinnung ״und ganz besonders sein Streben nach Selbstständigkeft erbte." — Jost kam zum Großvater nach Wolfenbüttel, wohin er sich schon lange gesehnt hatte, weil ihm so viel Rühmliches von einem älteren, damals bereits verstorbenen Bruder erzählt worden war, der sich in der dortigen Talmudschule so sehr ausgezeichnet haben sollte. — Zur Charakteristik jener Zeit mag erwähnt werden, daß der zehnjährige Jost in Halbcrstadt den Leibzoll enttichten mußte; daß er am Freitag vor den Thoren Wolfenbüttels augelangt, daselbst an 20 arme wandernde jüdische Familien im Freien lagernd traf, welche, da ihnen der Eintritt in die Stadt verwehrt war, hier warteten, bis ihnen der Vorsänger im Namen deS reichsten Gemeinoemitgliedes Almosen herausbrachte. — Der Unterhandlung dieses Almosenbringers mit der Thorwache dankte eS Jost, daß er in die Stadt gelassen wurde und zu seinem Großvater gelangeu konnte. — ״Hier war ich nun ״in einer neuen Welt, und zugleich am Ziel meiner Wünsche." Sein Großvater verschaffte ihm erst freien Zutritt zu der Samson'schen Stiftung und 4 Monate später gänzliche Aufnahme als Zögling. — Es waren dies eigentlich zwei, durch große Summen von zwei Zweigen derselben Familie begründete Talmudstiftungen, welche sich in zwei Häusern befanden, deren jedes 7—8 Talmudschüler zählte, die daselbst verköstigt und gekleidet wurden und in der Regel 6 Jahre verblieben. — Den Zustand dieser Anstalt zur Zeit seine- Eintrittes beschreibt Jost als einen höchst elenden, wobei die edle Wohlthätigkeit der Stifter auf schändliche Weise gemißbraucht worden. — ״In keiner Klosterschule des Mittelafters konnte es schlimmer auSsehen als bei uns," — Die Räumlichkeit schmutzig; die Kost dürftig und spärlich, nicht genügend den Hunger zu stillen; in soustiger körperlicher Hinsicht völlige Verwahrlosung, die Behandlung von Seiten des TalmudlehrerS eine rohe. — Den größten Theil der Unterrichtsstunden nahm natürlich der Tal-mud in Anspruch; ״zwei Tage in der ״Woche wurde der Pantateuch durchgenommen; die übrigen Bücher (der h. ״Schrift) konnte jeder lesen oder nicht. Moralische, besonders abergläubische .,Schriften standen uns viele zu Gebote." — .Nebstdem erhielten die Zöglinge 4 Stunden wöchentlich Unterricht im Lesen, Schreiben und Rechnen. ״Die meisten wurden versäumt; wir lernten so gut wie nichts. Keiner sah ״darnach." — (Schluß folgt.) --t«H*- Ein Wort -er Abwehr für de» nngarisch-jüdische» Lrhrkand gegen die Magdeburger ״Allg. Atg. des Andenthnms." (-g-) Die Magdeburger ״Allg. Ztg, d. Judenth." wendet neuester Zeit mehr als sonst chre Aufmerksamkeit den ungarischen Juden zu. — Sie warnt unS vor Ueberstürzung hinsichtlich der Aufnahme deS ungarischen Idioms und deffen Einführung in Schule und Gotteshaus. Sie will darin eine Losttennung von unfern zahlreichen deutschen Glaubensgenossen erkennen und zeigt aus daS Verderbliche eines solchen Vorgehen» hin. — Wir unserfeit» können dieser unheilverkündenden Auffassung nicht beipflichten, indem wir in der Annahme der herrschenden Landessprache nur dem Zuge unseres Herzens und dem Beispiele unserer Glaubensbrüder anderer außerdeutschen Länder folgen, die sich trotz der Annahme ihrer vaterländischen Sprache