Allgemeine illustrirte Judenzeitung
- Journal
- Allgemeine illustrirte Judenzeitung
- Volume
- 1 (1860)
- Issue
- 22 (28.12.1860)
- Date
- 1860-12-28
- Page
- Seite 174 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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Nation, haftet wie eingewurzelt an der Scholle des von ihm heiß geliehten Landes, reffen Bewohner, getragen von der Idee der unaufhörlich sortsch'reilenden Entwickelung des gesellschaftlicken Verbandes, schon im Jahre 1840 eS angemessen hielten, seine völlige Emancipation energisch zu befürworten; er klamme« sich fest und innig, in brüderlicher Liebe und aufrichtiger Hingebung an das Herz dieser Nation und hofft von diesem Heil und Gerechtigkeit. Allenthalben konftituiren sich löbliche Vereine zu erhabenen Zwecken; der durch mehrere schwere Jahre kein Lebenszeichen von sich gebende ״Augyaritö egylet" ist aus seinem Scheinschlummer zu neuer Thätigkeit erwacht, segensreiche, duftige Blüten zur Verbreitung vaterländischer Ideen, zur Einpflanzung edler Gefühle in die jüdischen Herzen verbeißend Auf diese und ähnliche Weise, im Geiste der Zeit und des Fortschritte-, im Geiste des Judentbums rehabilitiren wir uns, und nähren die Hoffnung auf ein gesundes bleibendes Befferwerden unseres socialen Lebens. wurde, auch dem concesfionirten Unternehmer die dieSfällige Priorität vindizirt werde: so müssen wir an den Mann erinnern, der wie es scheint, nicht nur von der Mitsondern auch von der Nachwelt verkannt und vergeffen zu sein bestimmt ist. Mauksch in L. Szent-Miklos war der Mann, der vor 20 Jahren schon, zwar ohne Concession, doch mit großem Geschick und Eifer die erste israelitische Taubstummenanstalt gründete und leitete. Daß er große Resultate damit erzielte, erhellt daraus, daß der» selben in einer historischen Skizze des: 1'rvonty-8ixtb annual report and documents of the New-York institution for the instruotion of the deaf and dumb 1848, rühmend erwähnt wird. — Möge der wackere Biograph, Reich, diesen Wink benützen. Dem zu eröffnenden Institute wünschen wir viel Glück und Erfolg. Möge dessen Gründer auch der Sprache unserer Religion und unserer Heimuth gerecht werden. — Dr. Oofeffg. Ist auch die Entfaltung der in Rere stehenden Mittel eine verhältnißmäßig umfangreiche und so Gott gäbe, ausgedehnte; so erstrecken diese denn doch nickt die Radien ihrer Wirksamkeit bis zu den vom Centrum fers wohnenden Ungaren. Es bedarf noch anderer Anregungen, anderer Fingerzeige. Zu den zweckdienlichsten dieser Art gehören Lcscvereine ״Olvasö cgylctek" und daS Jnslebenrufen von solchen stellt sich mit dem raschen Fortsckreiten der Kultur immer dringender heraus. Namentlich ist dies aus dem Laude der Fall; denn, legt auch die Sckule in das Herz des Jünglings einen gesunden Keim zu geistigem und nationalem Streben, der Schule entzogen, verdorrt die junge Saat; hinausgedrängt aus den die Gesühlsthäligkeit beinahe gänzlich ausschließenden Markt des materiellen Geschästslebens, entbehrt der an Nahrung gewöhnte Geist der Mittel zur Fortbildung, das Gesuhl wird abgestumpft, die edlen Triebe res Herzens verkümmern, ohne es zu ahnen, wird, er indifferent, gleichgültig für die hkhern Ansprüche der Menschheit. An materiellen Mitteln zur Ccnstituirung solcher Vereine gebräche es selbst in den kleinsten Gemeinden nicht. Und in der That gckt es auch schon״solche hie und da; doch entsprechen sie nicht rem Zwecke, indem sie, sich ihres ursprünglichen Motivs unbewußt, in sogenannte Casino's umschlagen. Tie in derlei Vereine ausliegendcn Blätter verstauben ungelesen, ober wenn sie gelesen werden, ist der Nutzen ein sehr geringer. Tie 'Ursache dieser Zweckverkennung liegt in kein Umstande, daß die Leitung solcher Vereine in den meisten Fällen in den Händen von solchen Individuen ruht, die weder den richtigen Takt bei der Sichtung der zu lesenden Blätter, neck das Endziel von Lesevereineu vor Augen haben. In Berücksichtigung der angeführten Momente ist es ein Zeitberürsniß geworden, daß tüchtige Kanzelredner, Sckuldirectcren, Toctoren, Träger der Intelligenz überhaupt diese Sache zur Hand nehmen; vorausgesetzt, daß ihnen der Fortschritt ihrer Mitbrüder am Herzen liegt und sie die alles Gute oft zerbröckelnden Neben- .sächelckcn aus rem Bereich ihrer Wirksamkeit ausschließen. An Unterstützung kann und wird es ihnen nickt fehlen, da eine Beisteuer von nur einigen Kreuzern mit Freuden geboren wird und die Leclüre eines einzigen Getankens diese Bagatelle reichlich auswiegt. Ick verstehe aber unter dem Ausdruck ״< »Ivasi'y egyl׳-t" nur einen solchen Lcseverciu, wo die aufliegenden Tages-, Wochen- und andere periodische Zeitschriften nebst guten Erzeugnissen der ״vaterländischen Literatur in dieser Sprache von kundigen Männern vorgelesen, besprochen und gewürdigt werken. Bietet dock die neue Phase, in die das Heimathland getreten, reichhaltige Themata, die einer aussübrlichen Bebandlung würdig sind; und welcher jüdische Patriot könnte nun derlei nutzbringenden Zusammenkünften seine Theilnahme versagen! Ein derartiger Anfang wird nach' und nach die Mitgliederzahl vermckren, zum Beitritte animiren; und die dadurch zu erringende Bildung des Volkes, seine innere Erstarkung, seine Anhänglichkeit und Opsersreutigkeit wird der unausbleibliche Lohn solcher Unternehmungen sein." ssutman» Körmend, im Tecember. Geehrte Redaktion! Im Interesse historischer Treue werden Sie mir gewiß gestatten, die folgende Berichtigung Jbrcm >?.-Correspontenken in der. 10 dieser Blätter entgegen zu stellen. In seinem Referat über die in Pest zu eröffnende Taubstummenschule hält Herr Sz. dieselbe ״seines Wissens" ftir ״die erste in Ungarn." Damit .nicht, wie einst die Erfindung dieser Unterrichtskunst von Lobhudlern zwischeu L'Eptze und Heinike vertheilt, des spanischen Juden aber vergessen Fünfkirchen, im Tecember. Die Berufung eines Israeliten zur .Berathung nach Gran, hat auch hier freudige Sensation erregt, um so mehr als die Kunde hievon in einem Augenblicke eintraf, wo die Gemüther ohnedies in angenehmer Erregung durch die Ankunft Sr. Hochgeb. des Herr» Obergespanns v. Scitovszkh, Neffen Sr. Eminenz des Herrn Reichsprimas von Ungarn, sich befanden. Bei der Aufwartung die ihm der hiesige Kultusvorstand, angeführt von Herrn Oberrabbiner D1\ Hirschfeld, machte, wußte Letzterer, indem er in seiner Ansprache die Gemeinde dem wohlwollenden Schutze res Herrn Obergespanns empfahl, in taktvoller Weise auf das glänzende Beispiel von Erhabenheit über verjährte Vorurtheilc anzuspielen, welches jener gefeierte Kirchensürst so eben der Welt gibt, mit dem der Angeredete, dem Rufe nach, nebst dem edlen Namen auch die edle Gesinnung theile. In der Ewiderung sprach der Herr Obergespann den Wunsch ״einer völligen Amalgamirung der Israeliten mit den übrigen Staatsbürgern" auS ״damit auch dasjenige was für sie noch zu wünschen übrig ist, vollends in Erfüllung gehen könne." Wien, 251. Tecember. Aus sicherer Ouelle kann ich Ihnen die für unsere Glaubensgenossen wichtige und erfreuliche Mittheilung machen, daß die Negierung mit der Ordnung der jüdischen Rechtsverhältnisse in der freisinnigsten und humansten Weise sich eifrig beschäftigt, und — sagen Sie es Ihren Landsleuten zur Freude und zum Stolze — daß gerade die ungarischen Mitglieder des Ministerinrns in dieser Richtung thätig sind, sich mehr von Recht, Billigkeit und staatsmännischer Klugheit als von ausschlicßlichen nationalen Gefühlen beftimmen lassend. So hoffen wir, daß das Jahr 1801 ein Jahr guter Vorbedeuttingen für uns und ganz Oesterreich ^scin wird; denn im Rechte des Inden liegt die beste Garantie, daß Gerechtigkeit im Staate herrscht. Pit Puden in Damaskus. Herr Dr. Albert Cohn hat den Revactionen mehrerer jüdischen Zeitschriften folgendes Schreiben zugehen lassen: Herr Redacteur! Ick nabe Ihnen eine frohe Botschaft mittzutheilen. Alle Gefangenen von Tamaskus sind nicht nur in Freiheit gesetzt, sondern auch, nachdem die Einsperrung und die gerichtliche Untersuchung bei den Einen 50, den Andern 00 bis 70 Tage gedauert hatte, als.vollkommen schuldlos erkannt worden, und sind dieselben, nach den ausdrucksvollen Worten des Gelehrten, Herrn Wetzstein, Konsul von Preußen in Damascus, dem einzigen diplo» matischen Agenten, der, obwohl Christ, während der Gräuelthaten in Damaskus geblieben ist, ohne gezwungen gewesen zu sein, sich zu verbergen, nur die Opfer des Fanatismus und der Erpressung gewesen. — Ick will beute nicht auf die Bemerkungen zurückkommen, die seit dem Aniang des Monats September in den Zeitblättern von Frankreich, Englaut, Deutschland und besonders von Rußland erschienen sind; ich will auch nickt bei den verleumderischen Artikeln des Herrn Lenormant und Anderer verweilen, die, ohne Damaskus besucht noch je gesehen zu haben, die Unverschämtheit batten, Verleumdungen auSzusprengen, welche einzig und allein darauf ausgingen, die Beschuldigungen und das Unheil von 1840 in der-, selben Stadt Damaskus unter einer andern Form zu erneuern. — Aber Gott sei Dank, Alles ist anders gekommen!