Allgemeine illustrirte Judenzeitung
- Journal
- Allgemeine illustrirte Judenzeitung
- Volume
- 1 (1860)
- Issue
- 22 (28.12.1860)
- Date
- 1860-12-28
- Page
- Seite 175 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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« 175 Der Minister der auswärtige» Angelegenheiten von Frankreich, wie Lord John Nussel, der General v. Beaufort, wie Abdel Kader und Fuad Pascha, alle diplomatischen Agenten, die Herren Outreh, Briant und Wetzstein haben auf eine würdige Weise die Sache der Unschuld und der Menschlichkeit vertheidigt. — Einer jener armen Unglücklichen ist im Gefängnisse» in Folge des durch den Anblick der blutigen Scenen verursachten Entsetzens gestorben. — Die dreizehn Andern, deren Namen sind: Jacob Abulaffia, Sohn deS OberrabinerS von Jerusalem, Jizchak Nacvi, Eliavu Katalmi, Ariel Askenasi, Charim Malchi, Joseph Bolknau, Jizchak Antibi, Joseph Zelut, Joseph Levy Cuschi, Jeseph Maarebi, Jacob Suaizezi, Mardochai Halkin und Eliaou Couschi haben nnter dem 17. C'heschwan ~ 2. November einen rührenden Brief an mich gerichtet, worin sie sich für' die schwachen Dienste, welche ich Gott sei Dank, ihnen zu erweisen im Stande war, erkenntlich zeigen wollen. — Allein treu dem Worte unserer Weisen: ״) כל1 האומר דבר בשב אומרו מביא גאולתה ל*עולבWer eine Sacke im Namen ihres Urhebers mittheilt, fördert Heil in der sittlichen Welt") . — wie Solches sich auch in unserem Sprüchworte auSdrückt: ״Ehre, dem Ehre gebührt" — will ich hier folgende Männer der öffentlichen Anerkennung empfehlen: den Banquier Chameza Angelo von Damaskus, welcher keinen Tag versäumte, die Gefangenen zu besuchen, für ihren Unterhalt zu sorgen und ihnen Worte deS Trostes zu bringen; den Banquier Camondö von Konstantinopel und den Geschäftsträger des österreichischen Konsulats, Herrn Elioz Joseph von Damaskus, welcher mit allen Kräften die ge- Heimen Anschläge zu entschleiern suchte, welche man gegen unsere armen Brüder faffen wollte. Freiherr von Rothschild zu Paris und Herr MoseS Montefiore zu London haben, wie.immer, so auch hier, die Wärme ihrer menschenfreundlichen Handlungsweise kundgegeben; und Herr Picciotto in Beyrut hat nicht versäumt die Berläumdung, welche man verbreiten wollte, in's rechte Licht zu stellen. — Muselmann, wie Christ, alle Nationen und Klaffen der Gesellschaft haben' mit einander gewetteifett, um in unseren Tagen die Gräuclthaten jener Zeit nicht wieder aufkvmmen zu lasten, welche noch nicht sehr weit hinter uns liegt. — Wollen Sie gefälligst diese Zeilen, mit den beifolgenden Briefen des Generals von Beaufort, von Abdel Kader, *) Herrn Brant, Herrn Wetzstein, Consuln von England und Preußen, dem israelitischen Publikum mittheilen, und genehmigen Sie, Herr Redacteur, ich bitte, die Versicheruug meiner ausgezeichnetsten Hochachtung. Skbert Lohn. Präsident de« Comitö'S für isr. Wohlthätigkeit. Consul Dr. Wetzstein an den Oberrabbiner Perez in Damaskus. Damaskus, 17. Oktober 1860. Mein Herr! In Erwiderung Ihres mir heute zugegangenen Briefes, worin Sie meine Meinung über das Benehmen der jüdstchen Gemeinde während der Katastrophe im Christenquartier, sowie über die Beschuldigungen und Anklagen wider eine ziemlich große Anzahl von Juden zu hören wünschen, beehre ich mich, Ihnen die folgenden Mittheilungen zu machen. ES ist hinreichend bekannt, daß daS Judenquartier damals ebenso sehr bedroht war, als daS der Christen, und Jedermann war überzeugt, daß die Wache von Drusen und Muselmännern, welcher unser Stadttheil anvenraut war, in Wahrheit weder die Macht noch auch nur den guten Willen haben würde, denselben zn schützen; in Folge besten hatte sich die große Mehrzahl der Juden in die muselmännischen Quartiere geflüchtet, und die Zurückgebliebenen wagten nicht, sich außerhalb ihrer Häuser zu zeigen. Die Behauptung, daß die Juden von Damaskus sich an der Plünderung deS Christenquartiers betheiligt haben sollten, ist daher eben so lächerlich als verläumderisch. Zum Glück ist die Maste der christlichen Bevölkerung entrüstet über die Beschuldigungen, denen Ihre GlaubenSgenoffen bis jetzt auSgesetzt sind, und es ist nirgends bekannt, daß irgend ein Christ, er sei Katholik, Protestant, Armenier, Maronit oder Syrier, beabsichtigt hätte, Klage wider einen Juden in dieser Sache zu erheben; alle Ankläger der Juden sind Griechen, und da die Personen, unter deren Einfluß diese Anklagen geschehen, recht wohl bekannt sind, so wird eS nicht schwer sein, Bemühungen zu vereiteln, deren Beweggründe einzig im Fanatismus und der Lust nach Erpressung zu suchen sind. Genehmigen Sie, mein Herr, die Versicherung meiner vorzüglichsten Hochachtung. vr. Wed st ein. —-־— > — <■»»Mr« *׳ — Vermischte Nachrichten un) Notizen. * Waitzen. In welchem freundschaftlichen Verhältniffe — so wird cem P. Lloyd geschrieben — die Waitzner Israeliten zu ihren christlichen Mitbürgern stehen, dies mögen folgende Daten beweisen. Der Cafe-Inhaber Herr Niedermaier hat der isr. Schule ein schönes Misrachbild zum Geschenk gemacht; der Pfarrer Együd hat zur Vergrößerung der Schulbibliothek durch einige Bücher beigetragen. — A Großwardein. In daS permanente Comitats-ComitL des Biharer ComitatS wurden auch 8, Israeliten gewählt. — ״M. Sajto" hofft, daß auch die andern Comitate diesem schönen Beispiele folgen und jenen Volksstamm, der wie im größten Tbeile Europa'S, so auch in unserem Vaterlande im Besitze solch' materieller und geistiger Kräfte ist, nicht unberücksichtigt Liehe unsere vorige Nummer. kaffen werden; ״eS hängt nur von uns ab, daß wir sie im Jutereffe unserr- Vaterlande» nützlich machen." w. (Die orthodoxe Bibel-AuSgabe.) Ueber diesen Gegenstand entnehmen wir einem Schreiben Raph. KirchheimS an l’Univers isra• £lite einige interessante Daten. — ״Die endliche Realisirung dieses ProjecteS wird Garibaldi und dem Erfolge der italienischen Revolution zu verdanken sein." ״Ein großes Handelshaus in H. hatte nämlich eine beträchtliche Menge von Gewehren zu niedrigem Preise eingekaust und zu recht hohem an Garibaldi veräußert. Den Zehnten de» bei diesem Geschäfte hereingebrachten Gewinne» hat der Chef des erwähnten HauseS für die ״orthodoxe Bibel - Ausgabe"^ bestimmt und auch den Betrag bereit» in die Hände de» Herrn R. P. hinterlegt. — Die TexteS-Correctur übernimmt der Rabbiner von Würzburg. In da» UebersetzungSgeschäft theilen sich die Rabbiner!: Hildesheim, Stern und Guggenheim, ״drei glänzende Sterne am jüdischen Horizonte."(!!!) — Wenn Rabbiner Hirsch sich auch mit seiner Uebersetzung der Psalmen dabei betheiligt, dann werden wir eine authentische Bibelübersetzung besitzen ״von eben solchem Ansehen, wie.die Vulgata für die Katholiken" (sie). Eine große Schwierigkeit ist noch zu überwinden. Die Papier-Anschaffung! der Herr Rabbiner in Würzburg will durchaus nicht gestatten, daß die Bibel auf Schatne ß-Papier gedruckt werde!! In der That hat auch derselbe Herr Rabbiner alle seine Werke nur auf Papier drucken lassen, daS nach seiner Angabe fabrizirt worden. W. Es erscheinen jetzt zwei neue Ausgaben des babylonischen TalmudS: eine in Wilna in der jüdischen Buchdruckerei, die zweite in Warschau im Verlage des Buchhändlers Orgelbränd. Letzterer machte, so viel wir wiffen, ein sehr gutes Geschäft, da er über 30,000 Pränumeranten hat; aber auch die Wilna'er Ausgabe hat eine große Anzahl Abnehmer gefunden. * Frankfurt a. M. In Folge einer Aufforderung von Seiten de» Rabbiners Stein waren mehrere Damen auS der Gemeinde — an ihrer Spitze die edrlmüthige Frau Baronin Louise M. C. v. Rothschild — zum Behufe der inneren Ausschmückung der neuen Synagoge zu einem Comitä zusammenzutreten, auf deffen Anregung sich edle Frauen zahlreich bereit fanden, das schöne Werk theilS durch selbstständige Gaben, theil» durch Geldbettäge förderlichst 'zu unterstützen. — Circa 17.000 fl. wurden dem Synagogen-Bau-Comitä zur Verwendung für eine würdige innere AuSstattung übergeben. Eine noch restirende Summe wurde, theilweise zum Schreiben einer neuen Tora-Rolle bestimmt, welche am nächsten Jahrestage der Synagogen - Einweihung in die Synagoge gegeben werden soll, theilweise zur Anschaffung eine» Trauhimmels angesetzt. Der bedeutendste Theil der Restsumme aber wurde zur Anfertigung einer prachtvollen silbernen, reichvergoldeten Krone nebst Schild verwendet. Die Krone, welche zu den Sehenswürdigkeiten der neuen Synagoge gehört, trägt nebst der hebräischen Inschrift auf der Vorderseite, auch eine deutsche, die Gesammtstiftung der Frauen kundgebende an der Rückseite. An sämmtlichen auS dieser Damenstiftung angeschafften Stücken sind Palmen- und Eichenzweige angebracht, als Symbol für die innige Durchdringung de- Oriente- und Occident« in der Lehre Israels. (A. d. JSr. VolkSl.) O (Waisrnanstalten.) In dem kurzen Zeiträume von nicht zehn Jahren sind in Deutschland nachbenannte Waisenhäuser entstanden: 1. Die Jacobsohn'sche Waisenanstalt in Seesen, für arme Waisenknaben; 2. da» von I)r. Jost in Frankfurt a. M. errichtete Waisenhaus für Waisen- Mädchen; 3. die Feitel'sche Wqisenanstalt in Cassel, für Mädchen und Knaben; 4. daisr. Waisenhaus in Stettin; 5. eine Waisen-ErziehungSanstatt von Fräulein Nathan in Paderborn; 6. ein Waisenhaus in Danzig; 7. daS Simon'sche Waisenhaus in Hannover; 8. eine Zweiganstalt de» Jost'schen Waisenhauses in Heidelberg. Auch ist das Waisenhaus in Hambürg seit einigen Jahren durch niehrere Legate erweitert worden. (A. Z. d. I.) O Hofagent S. I. Kaulla von Stuttgart hat seine gewählte mosaisch-theologische Bibliothek, bestehend auS sännntlichen Werken biblischer Exegese. Talmude, Midraschim rc., der königl. isr. Oberkirchenbehörde unter der Bedingung zum .Geschenke gemacht, daß dieselbe vaterländischen Theologen zur freien Benützung überlassen werde und den Namen ״Rath Jacob Kaulla'sche Bibliothek," als vom Pater des Sriftcrs herrührend, führe. Die isr. ^)berkirchenbchörde hat dieses schöne Geschenk für die iSr. Kirche deS Landes dankbar angenommen. (Staatsanz. f. Württemb.)