Allgemeine illustrirte Judenzeitung
- Journal
- Allgemeine illustrirte Judenzeitung
- Volume
- 1 (1860)
- Issue
- 22 (28.12.1860)
- Date
- 1860-12-28
- Page
- Seite 172 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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172 « Napoleon nnb der Saal Ichem. Es lagert tiefes Dunkel, sick bin auf Flur und Wald, Kein sanfter Windhauch säuselt, kein leiser Ton erschallt, Es hüllen finst're Wolken, des Mondes Schimmer ein. Mit schwarzem Mantel deckend, rer Sterne igold'nen Schein. Schwer auf der Minsker Haire, ein dichter Nebel liegt, Gleich sablem Todtenschleier, von Lüftchen zart gewiegt, Rings alles scheint erstorben, als wär's ein endlos Grab, Wo tausenrfackes Leben, sank in die Gruft hinab. — Am Saum der Minsker Haide, ein sinst'rer Wald sich debnt. Durch reffen nächtlich Dunkel, rer Eule Krächzen tönt, Des Walres Stimmen flüstern, durch raschelnd Eickenlaub, Vergilbte Blätter fallen, res kalten Herbstes Raub. Tort steht ein armes Häuschen, im tickten Forst allein. Darin ein Lämpckcn flackert, mit ungewiffein Sckein, Und über Folianten, sitzt dort ein Greis gebeugt. Das Haupt in tiefem Sinnen, zur Brust hinabgeneigt. Von seiner Sckläse ringeln, sich Locken silberweiß. Es wallet bis zum Gürtel, der BaN dem würt'gen Greis, Doch ungesckwäcktes Feuer, aus seinem Auge strahlt, D'rin sich des Geistes Leuchte, in ew'zer Jugend malt. Da schallen Pserrebufe, Lurch stille Waltesnacht, Sie hört ter greise Forscher, rer rrinnen einsam wackt, Schon sanken sie die Hütte, die Reiter treten-ein, Das Lämpchen flackert trübe, mit ungewiffem Sckein. — Dock sick, rer alte Rabbi, sich rasck vom Sitz erhebt, Er spricht mit lauter Stimme, rie ikm in Inbrunst bebt: ״Sei, ew'ger Gott gepriesen, - der du von; Wolkenthron, Die Majestät gespendet, dem schwachen Ertensohn!" ״Was führt r?n mäckt'gen Herrscher, der einer Welt gebeut', In meine arme Zelle, ter Andacht nur geweiht?" Betroffen siebt ter Kaiser, — wer's wohl dem Greis verrietb. Es sei rer Fürst, den heute, zum ersten Mal er siebt? — ״Nickt mögest Tu erstaunen, daß Tick mein Aug' erkannt. Ob Tu Tick auch gebüllet, in unscheinbar Gewand, Vor Jahren schon verküntet, bat mir der Sterne Spruck, Was beute jub erfüllte, — den ehrenten Besuch: Wohl Hab' ick oft und innig, rie Allmacht angefleht. Daß nimmer Rußlanr's Boren, Dein kühner Fuß betret'. Warst stets dock meinem Volke, in Gnatc Tu geneigt, Hast stets als güt'ger Herrscher, ten Armen Dich gezeigt. Dein Schicksal hat geleitet. Dich her mit mäckt'ger Hand, Tu willst den Sieg erringen, im rauhen Feindesland, O geh in Dich! Gewalt'ger, versuch' tie Gottheit nickt. Sie führet Dich entgegen, rem rächenden Gericht. — In dieser Nackt noch blicke, zum Firmamente aus, Sieb' Deinen Stern ton leuchten, — er eilt in raschem Laus, Dem Untergang entgegen, — sieh, schon erlischt sein Strahl, Ter erst noch bat gesunkelt, mit Hellem Glan; zumal. — Des Norren's eii'ge Kälte, des Feuers beiße Glutb, Des rauhen Winters Stürme, ter Ströme kalte Fluth, Sind gegen Dick verbündet, — der Elemente Macht, — Sie wirr hinab Tick srürzen, in düst're Sckattennacht! Unc ferme Deiner Heimaib, rem schönen Frankenlanr, Wirst einst Du einsam sterben, perlaffen und verbannt. Ob Tu auch heute herrschest, weit über Lanc und Meer, Und Deinem Schritte folget, ein mächtig' Kriegeshecr." — Hier schloß dyc greise Scher,— ein dunkles Grauen faßt Den Kaiser — sein Gefolge, sie eilen fort in Hast, Weit lieget hinter ihnen, die kahle Steppe schon, Noch hallt in ihren Ohren, der Schreckenswotte Ton. — Wohl spotten des Propheten, sie bald mit losem Mund, Doch dachten sein sic wieder, in jener Unheilsstund', Da höckauf Moskau lodert, ein weites Flammenmeer, Im nord'schen Frost erstarret, das kühne Frankenheer; Als Tausende erlagen, in eis'ger StromeSfluth, Dem ftühen Tod zur Beute, trotz kühnem Heldenmuth, Auf Rußland's weiten Steppen, die Tupfern fanden ihr Grab, Darein des Eorsen Größe, für ewig sank hinab. — Als er auf Set. Helena, saß einsam und verbannt, ן Der Feldherr ohne Krieger, der Herrscher ohne Land, ■ Da schwebt des Sehers Bildniß, vor seines Geistes Blick,! Da tackt' er noch mit Schauern, an jene Nacht zurück. — 1 M. Hatschest ‘ - Dit 28. Makame ^mmanuel's,! das ist die Makame von der Hölle und dem Himiiiinel. j Uebersetzt von Pr. A. A.!Fortsetzung.^ *) Und ick faßte sein Kleid voll ängstlicher Gedanken — und je mehr! wir in die Tiefe sanken — desto unebener wurde die Gegend, rauher —! umhüllt von Dunkelheit und Schauer — wo wirr durcheinander die Wege > liefen — nur Blitze zuckten und Donnerschläge riefen — wir vernahmen Töne, wie von in Schmerz sich Windenden — ein Gestöhne wie von! Entbindenden. — Nun kamen wir an eine Brücke — fast zerfallen in! Stücke — darunter brauste eines Wildbachs Fluth — als wollte er alle! die ihn sah'n verschlingen in seiner Wuth — mir ward dabei schauersich zu Muth — und am Brückenköpfe war ein Thor — ein flammen-; res Schwert wälzte sich hervor. — Da sprach der Mann: das Thor ist j ״Thor der Verwerfung" zu nennen — denn alle, die von der Welt; sich trennen — und bestimmt sind in der Hölle zu brennen — mögen j dieses Weges ziehen — und wenn wir eine oder zwei Stunden verziehen, j — so sehen wir anlangen — Myriaden derer, die auS der Welt geganj gen, — und wie sie geführt werden von den Todesdämonen — in daS Land wo Orte und Todesspuck wohnen — nachher befragen wir sie über ihre Sünten — und du wirst sehen, was sie für Ende finden. — Wundere tick nickt über ihre Plagen — über die Größe des Wehes, das sie erttagen — denn es ist ein Gelichter verderbt und verkehrt — eine Rotte, die der Traum entbehrt — und darum fahrt — in ihren Busen das Sckwert. — Und während wir da verweilen — horchend auf daS Stöhnen und Heulen — da traf erschütternd ein Wehruf uns're Ohren — eine Stimme welche rief: Weh' uns, wir sind verloren, — wir traten näher und wurren eine Schaar — von Engeln des Verderbens gewahr — die Hunderte und Tausende Verstorbene nach sich zogen — und ihnen zuriefen, sie schleppend durch des Thores Bogen: — Du Menschenkind, das von den Köstlichkeiten der Welt gezehrt bat — tas Gott und Menschen empört bat — ras Siriengesctz zerstört hat, — nun speie aus, womit du dich gebläht hast — und erntte die Frucht des Samens, den du gesäet hast — nun wirst du den Lohn deiner Tbaten empfangen — hinein geht Jeder, hinaus ist noch keiner gegangen. — Und die so fottgeschleiften und fortgetragenen — erhoben ein.Geheul wie von Erschlagenen — und weinten laut, renn sie mußten renken — daß man mit Drachengift sie werde tränken — ta sprach der Mann zu mir: Bettachte diese verlorenen Schafe, eine Weile — bestimmt zur Zielscheibe für die Höllenpfeile — es währt nickt lange so siehst du ein neues- Gewimmel — zahllos wie die Sterne am Himmel — wir schritten über rie Brücke unt drangen in der Erde Tiefen — unt alle die mick sahen, riefen — mir entgegen — was bist tu so verwegen — da sahen wir durchs dunkle Land — leuchten einen großen *1 Siebe Nr. 2Q.