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Allgemeine illustrirte Judenzeitung · 1860-12-14 · 20 (14.12.1860) · p. Seite 154

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Journal
Allgemeine illustrirte Judenzeitung
Volume
1 (1860)
Issue
20 (14.12.1860)
Date
1860-12-14
Page
Seite 154 (sequence 2)
Language
German
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——154 h נ«~- wackere Schwab diesem entgegen." (Jost.) Er setzte das Unheilvolle, Gefährliche und Verderbliche einer mit solchen Attributen ausgerüsteten Be- Hörde mit so überzeugender Gewalt auseinander, daß aus der Mitte seines meist doch aus finsteren Zeloten bestehenden Auditoriums der vielstimmige Ruf ertönte: ״Nein, keine Macht, nur keine Macht." Ermuthigt durch die Aufnahme, welche seine Worte fanden, sowie durch daS in vorhergegangenen talmudischen Conversationen angebahnke vertrauliche Entgegenkommen der Mehrzahl, trat Sckwab nun ferner mit seiner; Ansicht über Zweck, Aufgabe und Bestimmung einer solchen Versammlung : bervor. — ״Die Versammlung sollte allerdings die Bedürfnisse der Gegen- \ ״wart besprechen, und zwar: Weckung und Belebung des religiösen Sinnes; ״bei Erwachsenen, — Verbesserung des Erziebungswesens, — Wahrung : ״der Ehre und Würde der Religion nach Außen hin, — Herstellung eines j ״würdigen und weihevollen Cultus. — ״Die Mittel zur Abhilfe seien im! ״Einvernehmen mit der von sämmtlichen ungarischen Israeliten gewählten j ״Landesdeputation in'S Werk zu setzen, — eine einzuführende Behörde müsie! ״aus Rabbinen und Laien bestehen, — man möge dahin krackten, daß | ״in jeder Gemeinde eine zweckmäßige Schule errichtet, ein Verein für [ ״Verbreitung des Handwerks und deS Ackerbaues gebildet, und daß endlich i ״ein von allen Rabbinen approbirtes Religionsbuck abgefaßt werke, , ״welchegleichsam als unsere Ccufessions - Darlegung zu betrachten : ״sei. — ES möge zu letzterem Zwecke schon jetzt eine Commission niererge-; ״setzt, alles Andere eingehender und ausführlicher auf einer aus Rabbinen : ״und Laien gebildeten Versammlung besprochen werden. — Dock möge die ״gegenwärtige Versammlung schon jetzt feierlich im Namen rer Religion vor; ״Gott und der Wahrheit erklären: 1. Daß die ungarischen Israeliten dieses ״von ihnen bewohnte Land als ihr Vaterland anseben, testen Gesetze und ״Berfaffung sie zu achten und zu ehren, zu schützen und zu vertkeidigen; ״verpflichtet sind; 2. baß tie religiösen Pflichten der Menschenliebe nur I ״Gerechtigkeit in Bezug aus alle Menscheu geboten sind und gegen Alle, ״ohne Unterschied deS Glaubens in gleichem Umfange geübt werden müsten; 3״. daß der Eid unter bloßer Anrufung Gottes, ohne Rücksicht darauf, ob : ״er inner- oder außerhalb der Synagoge, mit oder ohne Beobachtung gej ״wiffer religiösen Ceremonien geleistet werde, volle Kraft besitze, unk daß ״das Kol-Nidre-Gebet hierauf, gar keinen Bezug habe; und endlich 3. daß es; ״heilige Pflicht jüdischer Eltern sei, die Binder zu nützlicher Gcwerbsthätigj ״seit zu erziehen." — Schwab batte dies Alles in ausführlicher mehrstündiger Rede entwickelt und den erwünschten Eindruck nickt verfehlt. Einem der frommen Männer gefielen allerdings die galckiscken Worte, deren Sckwab, trotz : seine- Bemühens die Ausdrucksweise den Zuhörern so viel als mö-stick zu j akkomodiren, sich zu bedienen nickt vermeiden konnte, nimmermehr, und er verbat sich alles Galckisch-Reden in einem Kreise von Rabbinen. Die Mehrheit hingegen erbat fick in einer zweiten Sitzung eine nochmalige Aus- : einandersetzung des Gehörten — worin Schwab sogleich willfahrte. — ׳ Er faßte ein Protokoll ab; alle Rabbinen stimmten Sckwab's Vorschlägen bei, fanden selbe nicht nur richtig, sondern völlig religiös begründet; — . — nur zu unterschreiben wagten sie dock nicht.— Forckevung folgt.׳ Die Peltrr isr. Laltssgemeiude - Vertretung. . Die ״Allgemeine Jllustrirte Jurenzeitung" hat im Laufe ihres nunj mehr halbjährigen Bestehens so manch' anerkennenswenhen Beweis der Freil müthigkeit und Selbstständigkeit, zugleich aber auch der Mäßigung und Selbstbeherrfchung an den Tag gelegt. Dieser Geist leidenschaftsloser Besonnenheit bat sich in nicht geringem Grade gegenüber dem, seit langer Zeit, mannigfachen Angriffen preisgegebencn Gemeindevorstand zu erkennen gegeben. Weit entfernt den-großen Chor der Ankläger und Besckwertenführer zu verstärken, war es vielmehr unsere angelegentlichste Sorge im Interesse der Würde der Pester Gemeinde jedem übereilten Vergeben nach Möglichkeit vorzubeugen und entgegen zu wirken. So hat der anstandswitrigc Angriff im ״offenen Tprechsaale" des ״Pester Llcvd" in unseren dem Jntereffe res JudenthumS gewidmeten Blättern die verdiente Zurückweisung gesunden. Deshalb nabmen wir auch keinen Anstand, von der jüngsten, einen bestern Geist verratbenden Beschlüssen res Gemeindevcrftandcs Akt zu nehmen, und den guten Willen trotz mancher nicht unerheblicher Bedenken gegen die Art und Weise der Kundgebung gebührend anzuerkennen. Ein so gerecktes und gewissenhaftes Verfahren läßt von Seiten des Vorstandes erwarten, daß unsere wohlgemeinten, von keinerlei Nebenabsicht, Parteileidenschast oder nur momentaner Auftegung geletteten, ernsten Borstellungen bei ihm billige Beachtung und Berücksichtigung finden werden. In dieser Voraussetzung sprechen wir es unverholen aus, daß eine Veränderung der Gemeindercpräsentanz nicht blos den Persönlichkeiten nach, sondern dem ganzen bis nun obwaltenden Systeme der Vertretung nach, allgemein als eine von der Zeit und den veränderten Verhältnisten dringend gebotene Aufgabe erscheint. — Ja mehr noch, wir stehen nicktan, es dem gegenwärtigen Vorstande ernstlich und nachdrücklichst au's E>erz zu legen, Laß er aus eigenem fteien Anttiebe die heilsame Aenderung herbeiführe und dadurch den Beweis liefere, daß eS ihm nicht um kleinlickc Rücksichten der Selbsterhaltung im Amte, sondern um das wahre Wohl der Gemeinde zu thun sei. Nach dem Vorangeschickten nehnien wir Gelegenheit in aller Kürze einen Vorschlag zur Reorganisirung des hiesigen Cultus-Gemeindevorstander. dessen leitende Grundsätze uns von achtbarer Seite mitgetheilt wurden, z:: veröffentlichen. Der künftige Vorstand — so lautet dieser Vorschlag — bestehe nick t aus einer einzigen Körperschaft, deren heterogene Elemente in allzuenger Nebeneinanterstellung mehr störend als fördernd fürs Ganze wirken, sondern aus gesonderten, selbssständig waltenden einzelnen Sectionen (Commissionen mir bestimmten sckarf abgegränzten Wirkungskreisen, innerhalb welcher sie ihre Thätigkeit enffalten sollen. So z. B. gebe es eine Section für Ueberwackung und Leitung von Cultusangelegenhciten im engern Sinne, eine für die Wohlthätigkeitspfleae. eine für Sckule und Biltungsanftalten (mit freier Selbstbestimmung), eine für administrative Angelegenheiten u. s. w. Jede dieser Commissionen bestehe aus etwa vier Mitgliedern nebst einem Vorsitzenden. Der Vorsitzende einer jeder Commission sei gleichzeitig Mitglied des engern und eigentlichen Vorstandes, so daß die Anzahl der VorstandSmuglieder der der Commissionen entspreche, die zusammen den Cultus-Gemeindcratb bilden sollen. Die übrigen Mitglieder der Commissionen sind in ähnlicher Weise Beiräthe der Gemeinde und zu stattfindenden Plenarsitzungen beizuzieheii. Die Vorstandsmitglieder wählen unter sich ebenfalls einen Präsidenten, dem die moralische Verantwortlichkeit, nebst Controle und Executive der ge faßten Beschlüsse obliegt, und in dessen Namen diese zur Ausführung gelangen. Damit ein Beschluß Geltung erhalte, ist es unumgänglich notkwendig, daß er zuerst im Schoße der betreffenden Cominifsio», dann aber ini enger:: Rache des Vorstandes die Stimmenmehrheit erlange, unv jedes Vorstands initglied, das zugleich Vorsitzer einer besondern Section ist. hat diese im Vorstandsrathe zu vertreten und in ihren!?kamen zu reseriren. Wird ein in der Commissionssitzung zum Beschluß erhobener Gegenstand von dein Vorstandsrathe verworfen, so muß derselbe unverzüglich de: betreffenden Commission zur Wiederberathung zugewiesen werten, unk im Falle sich eine abermalige Divergenz zwischen Commission und Vorstands rath ergiebt, hat eine Generalversammlung, bestehend aus sämmtlichen Vorständen und Beiräthen darüber endgültig zu entscheiden. — Solche Generalversammlungen müssen nicht blos in den angereuteten Fällen der?kickt Übereinstimmung einberufen werden, sondern auch sonst in bestimmten periorischen Zeiträumen zusammentreten, damit sich die ven'chietenen Commissionen über gewisse allgemeine Maßregeln und Prinzipien unter einander in Einklang setzen können. Indem wir uns des beengten Raumes wegen die Darlegung der diesen! Svsteme entsprechenden Wablmocalitäten auf eine passende Gelegenheit vorbebalten, begnügen wir uns jetzt damit, die leitenden Gruntzüge des unk mitgetbeilten Reorganisationsplanes veröffentlicht zu haben. Der Plan, an und für sich, bedarf weder einer detaillirten Auseinantersetzung nock einer besondern Mctivirung. Er empfiehlt sich vor Allen! schon deshalb, weil in ihm auf den wichtigen Umstand gehörige Rücksicht genommen wurde, daß nickt leicht Jemand zu finden sei, der alle einen!» Vorstände nörbigen Eigenschaften in sich vereinigt, und daß ein jeder Ver-

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