Allgemeine illustrirte Judenzeitung
- Journal
- Allgemeine illustrirte Judenzeitung
- Volume
- 1 (1860)
- Issue
- 20 (14.12.1860)
- Date
- 1860-12-14
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
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Allgemeine MHnrLe Kndenzeitmg. Eigenthümer, verantwottlicher Redacteur und Herausgeber: IllStf Därmnnn. ---?rfdjriit jrt« Freit,,. 1 Wan pranNMerirt i« Bkrlag«-Snmpknir Znnvik Gafft im Hole! Snropa. in allcn vmthondlnngtn , de« In. und «״«lande» ״nt dri allen Postämtern! M 90. Pest, am 14. December 1860. 1- | JPriu«tr1tiflM|rfij: 1 Biertcljäbrig . ...» ff. Lest. Wäbrnnß Halbjährig .« ft. ״ Ganzjährig .8 fl. ״ Löw Schwab. Liographische 8kizze von D. 8. (Fortsetzung.) ‘1 * Der bisher gezeichneten Thätigkeil Sckwab'S zur Bertheidigung und Ehrenrettung des Judenthums können wir füglich auch anreihen: sein öfteres, theils durch Einzelfälle veranlaßtes, theils selbstständiges Einschreiten zur Abschaffung des sogenannten Juden-EideS, Eid more judaieo, besten hierländische Verboczy'sche Fassung und Förmlichkeiten inSbesondere noch den ganzen Rost mittelalterlicher Anschauung an sich trugen, und dessen Ablegung jeden! innerlich gläubigen und fühlenden Israeliten mehr als eine Blasphemie denn als ein religiöser Act erscheinen mußte; so» wie sein Verhalten bei der ihrer Zeit viel besprochenen Versammlung ungarischer Rabbiner zu Paks im I. 1844. — In elfterer Beziehung hatten S.'S Bemühungen hier inanchen einzelnen und theilweisen Erfolg. In den deutschen Provinzen wurde die Eikesformet bekanntlich schon in den 18-tOger Jahren motisizirt, zumeist aus Anlaß mehrerer, durch den sehr angesehenen S. E. v. I'. in Wien eilige*!,ölten und der Regierung vorgelegten rabbinischen Gutachten, unter welchen das von Schwab herrührende, wie der erwähnte E. v. L. brieflich mit« ttieilte, besondere Beachtung bei den maßgebenden Behörden gefunken. — Die Rabbiner - Versammlung in Paks (August 1844), außer allem Zusammenhänge mit der beinahe gleichzeitigen und gleichnamigen Versammlung in Deutschland, war durch Paul Horowitz (gesl. 1845) Rab biuer in Papa augeregt worden. Von diesem gingen die brieflichen Einladüngen aus, und sein Bevollmächtigter oder Emissär warb die Theilnehmer der Synode und vereinbarte mit ihnen Zeit und Ort, Ziel und Absicht. — Welche Pläne der Mann hiebei hegte, ob ihn, wie verlautete, ehrgeizige Absichten leiteten, ob er, wie andere vermutheten, sein in der eigenen Genieinde schwankendes Ansehen dadurch hcrzustellen flickte, mögen wir nicht untersuchen. Wir glauben das Gelindeste auszusvrechen, wenn wir der Meinung beipflicktcu, daß er selber sich des Zweckes nickt ganz klar bewußt gewesen. Wie aus einer erst viel später in Beil, zu Nr. 21 der ״A. Z. d. I." vom Jahre 1845 veröffentlichten Correspondenz hervorgeht, batte Horowitz sich nicht ganz ohne Erfolg gemüht, eine in Ungarn viel gekannte und oft genannte, intelligente und fortschrittSfteundliche Persönlichkeit, Herrn L. H. in E. mit Phrasen von Verbesserungen und Anerkennung der Forderungen des Zeitgeiste« u. dgl. zu ködern.") Die warme Empfehlung an die Behörden de« Tolnaer ComitateS, in welchem Paks gelegen, die Horowitz von dem Päpaer Grundherrn und damaligen Obergespann des genannten Eomitates zu erwirken gewußt, läßt gleichfalls schließen, daß er diesem Magnaten nur lichtfreundliche Tendenzen als Zweck der beabsichtigten Synode vorgeslellt hatte. Und doch war Horowitz in seiner Gemeinde, Papa, sür nichts weniger als für einen Mann deS Fortschrittes bekannt; ja er trug in vielen, Synagogeneinrichtungen, Schule u. s. w. betreffenden Fragen einen mit chassidischem Fanatismus tingirten Haß gegen alles Neue zur Schau, wenn er sich auch in mancher Beziehung, wie z. B. durch jtenntniß der ungarischen Sprache, vor vielen seiner Beruf«- und Gesin- Sieh- Nr. l — 8. 10 - IS, 14 — 17, I». י) In dem nach — synodischenTheil diese«Briefwechsels sucht Horowitz' Ruhe u!?b Besonnenheit vorlheilhast ab gegen die leidenschaftliche Erregtheit seine« Herrn Gegner«. —! nungSgenossen vortheilhaft auSzeichnete. — Ganz und gar nicht licht- und fortschrittSfteundlich klang aber Alles, was aus dem Kreise der Eingeweihten, der Rabbinen, über die bevorstehende Versammlung in die Oeffentlichkeit tranSpirirte. ״Befestigung der Religion ' war die unter ihnen verbreitete Parole, Wochen- und Monate lang vor der Zusammenkunft; von Errichtung einer religiösen UeberwachungSbehörde war die Rede, von Fernhaltung Unberufener und Unbefähigter vom Weinberge des Herrn; unter welch' letztercr Phrase natürlich nichts anderes gemeint war, als Ausschließung wisscnschaftlich gebildeter Jünger vom Rabbinat. — Daß solche Projekte von allen vernünftigen Laien einstimmig verdamnit worden, ist begreiflich; nur verlachten die Einen daS ganze Vorhaben als etwas Ungefährliches, welcheni man im schlimmsten Falle mit geeigneten Mitteln begegnen könne, während die Anderen mit Aengstlichkeit den hierarchischen Bestrebungen zur Bildung von Jnquisitionsbehörden entgegensahen und im besten Falle ein L'f N ‘:'!‘חל befürchteten. Schwab, an den Horowitz Aiistands halber kurz vor der anberäumten Zeit ein in allgemeinen Ausdrücken abgefaßtes Einladungsschreiben gesandt hatte, gab anfänglich gar nicht dem Gedanken Raum an dieser Versamnilung Theil zu nehmen. Dem laut verkündigten Programm konnte er natürlich nicht beipflichten, einen Boden sür anderweitige Tendenzen zu finden, durfte er nicht hoffen; er mußte demnach nur darauf gefaßt sein, im Verein mit seiner >G«meinde den etwaigen wirklich nachtheiligen Beschlüssen dieser Synode zu geeigneter Zeit und au geeignetem Orte entgegen zu treten. — In der zweiten Hälfte des Monates August 1844 waren nahe an U>> Rabbinen in Paks, den Ort, wo die ״Wiederherstellung der Religion" versucht werden sollte, angelangt. —. Einige Säulen der Orthodoxie, wie die Rabbinen von Preßburg, Unghvar u. A., obwohl geladen und Anfang« vollkommen mit. dem Unternehmen einverstanden, hatten sich nicht cingcfunven, sei'S daß sie koch kein rechtes Vertrauen in den Urheber setzten, oder daß sie unliebsamen Elementen kort zu begegnen scheuten, oder endlich selber sich keine Illusionen über die Ausführbarkeit threr Herzenswünsche machten. — Indessen zählte die Versammlung doch viele fromme und gelehrte Talmudisten, unter welckeu zugleich als der verständigste und erleuchtetste der zuni Alterspräsidenten designirte Rabbi Götz Schwerin gegolten. — Zumeist aus dessen Aufforderung, wahrscheinlich aber auch in Rücksicht auf Sckwab'S Stellung und Anseheu, beschlossen die Anwesenden ein von ihnen inSgcsammt gefertigtes Einladungsschreiben durch Einen aus ihrer Mitte an ihn nach Pest abzusenden. Solchem Andrängen konnte Schwab nicht widerstehen; er schöpfte vielmehr ans diesen« Verfahren seiner in Paks versainmelten Colle» gen die Ansicht, daß er dort, wenn auch nicht Gutes durchsetzen, so doch mindestens Schlimmes zu verhindern in! Stande sein werte; und folgte der Einladung. — Ani 21. August ward das Concil eröffnet, nicht durch feierliche Rede des Vorsitzenden, nicht durch wohldurchdachte Ansprache des Urhebers über Zweck und Tendenz der Zusammenkunft, sondern durch die hingeworfene Frage eines Rabbinen: ״Nun, Püpäer Raw, wozu sind wir hergekommen'?" Der Befragte erging sich nun in confuse Lamentationen über das herrschende Verderbniß, den Verfall der Religion, welchem Einhalt zu thun, eS kein besseres Mittel gäbe, als die Errichtung einer aus 12 der angesehensten und eifrigsten Rabbinen bestehenden Commission, welche da« ״Religion«- wesen" in ganz Ungarn überwachen und ausschließlich ermächtigt sein soll, RabbinatSviplome zu ertheilen. — ״Mit Klugheit und Energie tritt der