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Allgemeine illustrirte Judenzeitung · 1860-12-07 · 19 (7.12.1860) · p. Seite 150

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Journal
Allgemeine illustrirte Judenzeitung
Volume
1 (1860)
Issue
19 (7.12.1860)
Date
1860-12-07
Page
Seite 150 (sequence 6)
Language
German
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—n 150 t־*— Lorrespoudknz. J. Aünfkjrchcn, Ente November. Wie mit einem Zauberschlage schreiten Cie jütischen Schulen in unserem Valerlante raschen Schrittes einer zeitgemäßen Metamorphose entgegen. Das ungarische Idiom, wieder zur Bollgelrung gelangt, erzwingt sich männiglich Eingang, die deutsche und ungaristbe Sprache beginnen einen Rollenwechfel bezüglich des dafür berechneten Zeitunt Slcffausmaßes; unserer Jugend wird dieser Art der kostbarste Schatz der Nation, ihre Sprache und Literatur zugänglich'gemacht, auch wir adoptiren die ungarische Sprache als Umgangs- und Gcschäftssprache und schmiegen uns ehrlich und würdig an die ungarische Nation. Ties alles ist wohl recht und billig; wir Juden müssen zu eigenem Besten die Ten- Lenzen und Bestrebungen jenes Landes als die unserigen anerkennen, in dessen Mille wir leben; wir dürfen uns in gar keiner Weise vom allgemeinxn Thun und Lassen aussckließen, und so dem uns ohnehin gemachttn Borwurs, daß wir separatistische Ideen hegen, Borschub leisten. Aber vor Ueberstürzungen und den konsequent daraus ersließenren Ungerechtigkeiten müßen wir uns verwahren. Es gibt im weiten Baterlande Schulen, und zwar nicht wenige, an welchen nichtungariscke, oder selbst hierlands geborene und dennoch der ungar. Sprache nickt ganz mächtige Lehrer zur allseitigen Zufrietenstellung bis nun wirkten. Das soll nun mit solchen Lebrindivituen geschehen, die bei rem Umstande, daß sich bisber die Nclhwendigkeit nickt so sehr berausgestellt, des Ungarischen unkuudig sind? Wie lassen sich nun gewaltsame Maßregelungen gegen dieselben mit dem gewissen und deiwso gereckten liberalen Wünschen res Landes in Einklang bringen? Ein guter Ausweg wäre der: die Gemeinden mögen vor allem andern ibre Sckulen als ungarische Anstalten erklären. Wo jedoch in den Lehrern Hindernisse zur sofortigen Einsübrung der׳ ring. Sprache als Unterrichtssprache walten, möge ein Termin von wersigstens einem Jabre dazu stipulirt werden. Nach dieser Zeit müssen die an ung. Sckulen wirkenden Lehrer der Sprache sc weit nräcktig sein, als zu ihrer Einführung zur Unterrichtssprache erforderlich ist." «I. Prag. Herr Professor Dr. Kämpf hielt neulich als Gast in der königl. böbmii'cken Gesellschaft der Wissenschaften einen interessanten Pcrtrag .über Ebalil ben Ahmed, den Begründer der arabische«'Metrik und sein Susiem. Er stellte dabei, indem er mehrere Stücke in metrischer deutscher Ilebersetzung mikkbeilte, das Svstem dieses Tickters so anschaulich dar, daß allen Anwesenden ein klarer Einblick in diesen schwierigen Gegenstand verschasst wurde. Und wenn nun riese Anwesenden, die Creme der hiesigen gelehrten Welt, unter welchen auch Professor Purknne gewesen, sich über riesen Bcrtrag auf die anerkennendste Weise ausgesprochen, so har ein solcher Ausspruck doppelten Werth. Bon Purkyne ist es bekannt und wurde erü jüngst erwähnt, daß er im Jahre 18-17 in seinem Gutachten über Zulässigkeit rer Juden zum Lehramt sich geäußert, wie es sein innigster Wunsch fei, daß die Juden an allen Rechten und Freiheiten, Eulturmitteln und Glücksgütern Theil nehmen mögen, jedoch, ״ohne Beeinträchtigung der Kinder res Hauses," und deshalb fand er cs weder zulässig noch angemessen, daß sie akademische Lehrämter bekleiden. Wenn nun ein solcher Mann sich lobend über den gelehrten Vortrag eines Israeliten ausspricht, in einem Kreise gehalten, der aus mannigfachen Grünten als ein exclusiver betrachtet werden muß: so darf man die Ucberzeugung hinncbmen, daß in der nicht ofsi- : ciellen Anwesenheit dieses Mannes bei dem Bortrage und in feineni Ausfpruckc über riesen Bcrtrag auch das Gestänrniß liegt, daß er daS Irrige seiner wer dreizehn Jahren ausgesprochenen Ansicht erkannt, und in der Erkennknis eines Jrrthums liegt dock ressen Rücknahme. Stolz können wir : earauf sein, daß die jüdische Aristokratie des Geistes, daß unsere gelehrten Glaubcnsbrücer mit der Kraft ihres Wissens, mir der Macht ihres TalenteS, mit der erbebenden Gewalt ihrer Beredsamkeit überall dazu beigetragen, daß sie, und sie allein nur dazu beigetragen, die eherne Schranke des . Borurtheils zu brecken, welche so unendlich lange selbst die Wissenschaft in \ die engen Kreise absonderlicher Anschauungen gebannt. — ■ Ter Verein für geregelten Gottesdienst veranstaltet am 25. November eine Generalversammlung, bei welcher außer der Wahl eines Vorstehers,! Sekretärs unt zweier Bciräihe auch Bericht über den Erfolg der Subscripticn zum Bau eines Tempels erstattet werden, und bei welcher die Schlußberalhung über den fraglichen Bau eines Tempels stattfinden wird. Tiefe Scklußberalhuiig ist von größerer Bedeutung als man vielleicht glauben wird. Tie zunehmende Population unserer Glaubensbrüder und das Bedürfniß, sein Herz vor dem Herrn der Welt an einer Stätte auszuschütten, an welcher die Formen der Gottesverehrung mit dem fühlenden Herzen und den Forderungen des Zeitgeistes übereinstimmen — um mich prosaisch auszudrückcn, — die zunehmenden und unbefriedigt bleibenden Anmeldungen um Sitze veranlassen, zu einer Vergrößerung des Tempels zu schreiten. Ob nn» diese Vergrößerung in einer Erweiterung der alten Räume, ob sie in der Aufführung eines neuen Gebäudes bestehen soll, wird Gegenstand dieser Berathung fein. So sehr wir uns der letzteren Ansicht hinneigen, so sehr fürchten wir, daß die Nothwendigkeit zu einer Erweiterung des jetzigen Tempels führen wird, weil das weite Prag, das noch über eine Masse von Bauplätzen gebietet, im Ccntrum der Stadt keinen füglichen, für ein schicklickes Gotteshaus aufzuweisen hat. — Mit Vergnügen werden wir über den Ersolg^diejer Berathung referiren. Butschowitz, November 1860. Man trifft nicht selten einzelne kleinere Gemeiuden in Israel, die für Förderung der Intelligenz, für zeitgemäße Veredelung des Gottesdienstes, für Entwickelung des wissenschaftlichen und religiösen Unterrichtes der Jugend, und für Begründung und Erhaltung von wohlthätigen Anstalten die größten Opfer bringen und die segensreicksken Resultate erzielen, ohne daß diese Gemeinden in der Ferne gekannt werten, weil sie aus Anspruchslosigkeit ihre stille heilige Wirksamkeit der Oeffentlichkeir zu übergeben unterlassen. Die 1Sr. Eultus-Gemeinde zu Butschowitz verdient es unstteitig unter dieselben gezählt und wegen ihrer edlen Bemühungen für Synagoge, Schule und humanitäre Zwecke, den geackteisten isr. Gemeinden an die Seite gestellt zu werden. Sie besitzt ein prachtvolles, anmuthiges, in edlem Style erbautes Gotteshaus, und der Umstand, daß es bei der Anzahl von bloß 120 steuerzahlendcn Mitgliedern mit einem Kostenaufwande von 30,000 fl. ö. W. in kurzer Zeit aufgeführt wurde, ist das glänzendste Zeugniß für die wahrhaft religiöse Gesinnung und die fromme Opferwilligkeit dieser Gemeinde. Der herrlichen Synagoge würdig ist der zeitgemäß geregelte Gottesdienst in ihr, der den Bedürfnissen des traditionellen Jutenthums und den Anforderungen׳ der Neuzeit auf gleichmäßige Weise entspricht, und durch Andacht, Gesang, Predigt, Ruhe und äußern Anstand geeignet ist, erbauend, belehrend und veredelnd aus die Gemürber zu wirkeu. Um den Bau der Synagoge, wie um die Regelung des Gottesdienstes hat sich rer frühere Eultus-Borsteher Herr Davit Spitzer, Besitzer eines großartigen Fabriksetablisiemcnts und rühmlichst in der Geschäftswelt bekannt, sebr verdient gemacht. Nicht minder lobcnswerth. ist die Verwaltung der Eultus-Gemeinde unter dem gegenwärtigen Vorstande Herrn Wolf Wltzek der trotz seiner Jugend cs verstanden hat, durch unausgcsetzte Tbätigkeit für das Wohl der EultuSgemeinde und durch taktvollcs Benebmen in den schwierigsten Verhältnissen die ungetheilte Anerkennung und Hochachtung Aller zu erwerben und zu erhalten. Zn Synagoge und Schule wirkt als Rabbiner, Prediger und Religionslehrer Herr Bernhard Löwenstein, einer der bekanntesten Schulmänner und Kanzelredner Oesterreicks, höchst jegensreich. Seine aus dem Herzen fließenden Wone auf der Kanzel unk am Lebrtiscke treffen oft die Zuhörer elektrisch, und reiße» sie zur Begeisterung für Glauben, Lehre und Humanität hin. Herr Jakob SusckAv, ein junger Mann von vorzüglichen Fähigkeiten, und Schüler des rühmlichst bekannten ausgezeichneten Lber-Cantors zu Pest, Herrn Mor. Friedmann, von der Natur schon mit einer kraftvollen klangreichen und sehr angenehmen Tenorstimme begabt, die durch musikalische Bildung noch anmuthiger wurde, hat sich als Cantor schon während seiner kurzen Anwesenbeit in der Gemeinde große Verdienste um Leitung und Verbesserung des ChoralgesangeS erworben. Wer in den letzten Feiertagen deS Neujahres-, Versöbnungs- und Laubhütlenfcstes in der Synagoge zu Butschowitz am Gottcsbieilste Theil nahm; wer da die allgemeine, die Seele ergreifende Andacht beim Gebete beobachtete, die exakt ausgeführten herrlichen liturgischen Gesänge bewundernd mitankörte, und an den trefflichen Kanzelreden, Lenen die Gemeinte gierig lauschte, sich zu erbauen Gelegenheit fand: der muß der Butschowitzer Cultuszemeiude daS vollste Lob spenden, allen würdige» Männern, die zum Gedeihen derselben so erfolgreich beitrugen, ungetheilte Achtung zollen, und den anerkennend-n Wunsch hegen, daß das hier aufgestellte Beispiel, wie selbst bei geringen Kräften und kleinen Mitteln durch festen Willen und religiöse Gesinnung Großes und und Edles zu Stande

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