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Allgemeine illustrirte Judenzeitung · 1860-12-07 · 19 (7.12.1860) · p. Seite 151

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Journal
Allgemeine illustrirte Judenzeitung
Volume
1 (1860)
Issue
19 (7.12.1860)
Date
1860-12-07
Page
Seite 151 (sequence 7)
Language
German
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י 151 •* kommen kann, allgemein gekannt und beachtet werde, und vielfache Nach» ahmung finde. — F. - t. Lemberg, am 25. November. Die seit einem Jabre schwebende Frage, ob unser Prediger Herr Dr. Schwabachcr dem Rufe nach Odessa Folge leisten werde oder nickt, hat am 17. d. M. ihre, für unsere Ge» meinde leider schmerzliche Erledigung gefunden. Es war die Abschiedsrede des gefeierten Mannes, die an jenen« Tage den Tempel in allen Räumen füllte. Wie gewöhnlich der Verlust den Werth deS geschwundenen Besitzes zumeist ins rechte Licht stellt, so war cs der eine Gedanke, das sckmerz» liche Gefühl, die alle Anwesenden beherrschten, daß «vir den Mann, der, eine Zierde jeder Kanzel, vorzüglich hier dazu berufen war, durch seltenes Rednertaleut zündend auf die Massen zu wirken, die reichlich vorhandene In» telligenz für die gottesdienstliche Idee zu begeistern, und den mehr als irgendwo tiefwurzelnden Jndifferentismus aus der behaglichen und selbstgefälligen Stagnation aufzurütteln. Ob diese Aufgabe die der edle, und galt es heiligen Zwecken, oft rücksicktslose Glaubensstreiter sich stellte, nickt auch Keime einer unliebsamen Opposition aiisstreute, wollen «vir jetzt nickt crör» tcrn; wir wollen nur konstatiren, daß in allen gebildeten Kreisen, ja selbst beim großen orthodoxe» Publikum sein Name hock in Ehren gehalten, seine Wirksanikeit als eine hcilvolle und für die Gesannntgemeinde zukunftreiche anerkannt wurde. Der ebenso gemüthliche. als geistvolle Mann nimint das beglückende Bewußtsein in die Fcnie mit, daß sei» Walten kein fruchtloses gewesen. Vieles wurde von ihin angeregt, manckes selbstständig ins Leben gerufen, aber schon der eine Erfolg seines bewältigenden Wortes, die Ueberzengung, daß der Tempel eure Nothwendigkeit, der geläuterte Gottesdienst nicht bloß eine Anforderung von außen, sondern auck ein inneres Bedürf- »iß sei, sichert ihm hier die dankbarste Erinnerung, das freundlichste Andenken. Unsere eigenthünilichen Verhältnisse bieten den« modernen Streben ein ebenso weitläufiges wie schwieriges Terrain. Nirgends tritt der Gegensatz zwischen Bildung und Orthodoxie so sckarf und grell hervor, als auf slavischem Boden, wo daS Judenthum einerseits in voller Ursprünglichkeit, ja mit niittelalterlicher Energie in den« alten hergebrachten Standpunkt wurzelt, andrerseits aber die größtentheils autodidaktisch erlangte Bildung mit DampscSkraft den besonnenen Gang des geregelten Fortschrittes überspringt. StarrcS Festhalten auf der einen, wie ein rapides Ueberstürzen auf der anderen Seite lasten eine Kluft zurück, die daS begeisternde Wort auf der gotteSdienstlichen Kanzel ausfüllen und allniählig für praktische Zwecke urbar machen muß. Zu unserem Glücke entwickelt sich zwischen diesen Extremen eine friscke, weite, sonnenhelle Fläcke. Die Massen liefern mit fortschreitender Schul» bildung der Jugend ein zahllose«, glaubenseifriges Contingent. Die Einsicht in den besseren Kreisen, daß die Heranwachsende Generation, da sie zum Alten nicht zurückkehren will und doch auch nicht «yie Mohanimeds Sarg haltlos zwischen Himmel und Erde schweben kann, einer festen religiösen Basis bedürfe, bricht sich immer mehr Bahn, und der tiefe Ausdruck deS allgemeinen SckmerzeS über den Verlust unseres verehrten Predigers gibt hiefür die sichersten Belege. Wa« uns einigermaßen Trost bietet, ist die Aussicht daß unser« Kanzel nicht lange verwaist bleiben werde. Der Posten, in materieller Beziehung ein hervorragender, (der fixe Gehalt beträgt 2100 st. ö. W. — Die ganze IahreSeinnahme muß aber auf mindestens über 3000 Gulden veranschlagt werden) — gewährt zugleich dem begeisterten GlaubenShelden ein Gebiet großartiger Thätigkeit. Nur muß der Mann für diese Stellung das klare Bewußtsein'seines großen Ber«lfeS mitbringen; sein Wort muß ein glänzendes, sein Wissen ein reichhaltiges, sein Eifer ein endloser sein. Wir machen — und ich spreche in! Namen der Besten unserer Gemeinde — den jetzigen Vorstand dafür verantwortlich, den Konkurs für diesen Posten so schnell als möglich zu publiziren. Eine Vakanz von längerer Dauer ist hier von unernießlichein Schaden, ja sie bedroht die Existenz deS Tempels. Mit dem verstunlmten Worte auf der Kanzel zieht der belebende Geist aus den heiligen Hallen, und das ju««ge, kaum frischaufkeimende Reis bedarf noch dringend der sckützenden Huth, der sorgsamsten Pflege. Nickt minder tröstet uns der Gedanke, daß die Stellung, die jetzt Dr. Schwaback er im großen MoSkoviterreicke cinzunehmen bereit ist, für die Lage unserer dortigen Glaubensbrüder von u»crn«eßlickem Bortheil sein dürfte. Sein Auftreten in Odessa zur Zeit seiner Gastpredigtey hat nicht nur die Gemeinde daselbst für diesen großen Redner begeistert, sondern auch die Bewunderung der hohen und höchsten Behörden erregt, und dieß allem machte unter den glänzendsten Bedingungen eine Anstellung möglich, die einen Ausländer nicht bloß zum Rabbiner und Prediger, sondern auch auS einstimmiger Wahl zum Deputirten der Synode in Petersburg berief. Seine Abschiedsrede war ein Meisterstück der Kanzelberedsamkeit, kein Auge blieb trocken, der Ernst und die Schwere der Stunde spiegelten sicht in jedem Antlitze ab. Möge ib» seine große Mission gelingen, und «nöge uns ein würdige«׳ Ersatz bald für die Größe dieses Verlusteschadlos halten. Signale aus Böhmen von Rabbiner Ehrentheil in Horic. III. Auf die Gefahr hin zu den Schnlfuchsereilicbhabern gezählt zu werden, «nuß ich heute wieder auf unser jüdisches Schulwesen in Böhmen zurückkommen, und zwar will ich den Leser nicht etwa in die Schule führen, um ihn Schulstaub schlucken zu lassen, er möge inir — «venu man so sagen darf — auf den Lehrermarkt folge». — Einen wirklichen Lehrermarkt denkt sich aber auch der schlichte jüdische Landbewohner Böhmen», wo man Lehrer iu Hülle und Fülle, Lehrer für alle Fächer, für alle AlterSclassen der lernbedürftigen Jugend finden könne, und diesen Markt denkt er sich — in Prag. — Warum sollte ihm aber auch nicht die böhmische Hauptstadt, der Central- Punkt aller Intelligenz, das Athen der Provinz, Lehrer bieten, wie und «vann er sie braucht? warum soll denn in dieser großen, uralten, zahlreichen und hochgeachtete» Geineinde nicht eine jüdische Lehrerbildnngsanftalt bestehcn? Ja, «venu ich dem guten Manne diese Fragen zu beantworten wüßte, wen» ich ihm so glatterdings eine Anweisung a» die Prager jüdische Präparandie geben könnte, um sich dort einen Lchrer für seine Gemeindeschule oder für sein HauS zu holen, dann stünde eS freilich besser um unfern Iugendunterricht. — Aber Prag hat gegenwärtig — «vie uns berichtet wird — keine jüdische Lehrerbildungsanstalt; in der bestehenden christlichen wird, wie ich höre, den jüdischen Jüglingen der Eintritt wesentlich erschwert, wenn nicht gar unmöglich gemacht. Einigen Wenigen gelingt «vohl die Aufnahrne in die Präparandie, aber «vie es dann mit dem jüdischen Lehrfache auSsieh»/ kann sich jeder Unbefangene leicht denken, — Freilich werden jetzt die Jünglinge nach Pesth wandern, dort ihr Heil suchen; wird ihnen aber dort allen Unterstützung geboten werden können? Thut Pesth des Guten nicht schon viel an Ungarns jüdischen Jünglingen? wird die milde Unterstützung edler Menschenfreunde auch für so Viele ausreichen? — Es kommt mir nicht zu, zu untersuchen, warum Prag jetzt, wo man überall dem Zeitgciste und rationellen Jugendunterrichte Rechnung zu tragen bemüht ist, keine LehrerbildungSanstalt für jüdische Lehramts - Candidaten hat? — Doch möchte ich diese Angelegenheit hiermit gerne angeregt haben, wohl wissend, daß Männer vom Fache und vom Einfluß in Prag gewiß von der Dringlichkeil dieses Bedürfnisses überzeugt sind. — Böhmen hat opferwillige Juden, wie sic jedes Land der Erde hat, Böhmen hat zudem selbst in den untersten Schichten der jüdischen Gesellschaft für Jugcndbildung begeisterte Men» schen; gerne würde die ganze böhmische Judenschaft die Lasten tragen helfen, die ein derartiges in Prag zu errichtendes Institut auflcgen würde — Pest hat nicht viel Federlesens gemacht, hat die jüdische Präparandie errichtet und das Werk gedeiht, nach allem was man davon hört, sichtlich. — Ewerde auch bei uns ein Anfang gemacht, damit wir jüdische Lehrer bekommen, , die für ihren hohen Beruf gehörige Bildung erhalten, und nicht als Lehrerdilettanten inS Blaue hinein schulnieistern auf jüdischem Gebiete. — Bis dahin aber, bis dieses pium desiderium bei uns in Erfüllung geht, möchte ich mir doch auch noch erlauben die Mildthätigkejt »«einer böhmischen GlaubenSgenossen auf die Pesther jüdische Lehrerbildungsanstalt zu lenken — Es sind nicht nur ungarische, eS sind auch «nährische und böhmische LandeSkinder, die dort Aufnahme gefunden. — mit aufopfernder Liebe sorgt der umsichtige allgemein geachtete Herr Dircctor Lederer auch für ihre leib« licke Unterstützung, e«nige ungarische Geineinde«« haben in anerkennenSwerther Milde jährliche Unterstützungen an Geld für arme Candidatew zugesagt, — sollen, oder wollen wir böhniische Juden denn hierin unseren ungarischen Brüdern nackstehen? — Gewiß, auch wir erkennen den Werth dieser Anstatt, «vir erkennen ihn um so mehr, weil sie uns noch fehlt; — und so möge sich die Anstalt kn Pesth auch unserer Unterstützung zu erfreuen haben. — Dem Leiter der Präparandie in Pest aber rufen wir aus vollen« Her-

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