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Allgemeine illustrirte Judenzeitung · 1860-12-07 · 19 (7.12.1860) · p. Seite 148

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Allgemeine illustrirte Judenzeitung
Volume
1 (1860)
Issue
19 (7.12.1860)
Date
1860-12-07
Page
Seite 148 (sequence 4)
Language
German
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148 *■ ״Aber klebt nicht am Gewand Das nur Menschenhand gesponnen, — Schwört nicht jenem nickt'geu Tand, Den nur Frömmelei ersonnen." — Also mahnet ohne Rast Bildung kühn und fortgeschritten. Hoch vom geistigen Palast Blickend auf die nievern Hütten. Aber faßt nur nicht so dreist Ihren Leib mit argem Streiche, Denn ihr tödtet sonst den Geist Stürzt. ihr Formen und Gebräuche. Pflegt mit gläubigem Gemüth Jene kostbar alte Hülle, Daß aus ihr ein Kern erblüht Schwellend in gesunder Fülle. Auf die Hütten, schlickt und klein, ~ Aus die andacktsheißen Beter, Wo noch Goltesfurckt so rein Wird gepflegt im Geist der Väter. Pflegt den Leib mit treuem Sinn, Strebt ihn kräftig zu erhalten; Und als köstlicher Gewinn Wird der Geist sick frisch entfalten. Tie, wenn Unheil sie bewegt, Es dem alten Vater klagen. Und was sich im Herzen regt Auck mit ftommen Lippen sagen. Denker! die ibr frei, und groß Raget über enge Schranken, Und den Kern der Wahrbeit blos Suckt im sicktenren Gedanken. Wohl! den ihr so Heck verehrt. Er sei Richter rieser Frage, Und sein haarfein scharfes Schwert Werft in der Entsckeidung Wage. Mensckenwerk nennt ihr die Macht Ter Gebräucke heil'ge Weihe, Und was Menfckensinll vollbracht. Fügt sick nickt der Geist, der freie? Der Gedanke ist der Kern Die Gebräucke sind nur Schale, Und trat Heiligen so. fern Wie rer Staub dem Ideale? Und ihr selbst ihr Denker, rein! Die ihr euch so hoch erhoben. Seid ihr Seele ganz allein. Und nicht auch vom Leib umwoben? Wenn ihr forschend ohne Rast Selbst'erklimmt die höcksten Zinnen, Könnt' ohn' irdischen Ballast Freie Aussickt ihr gewinnen? Wenn ein sckwerer Bissen mehr Drückend lastet in dem Magen, Wird der Kopf gedankenleer; Muß die Geisteskraft versagen. Ohne Körper auck kein Geist, Uebermütb'ge Bildungsstteiter! Und so wird der Leib zumeist Euch eie eckte Himmelsleiter. Seht! sc ist'S im ird'scken Raum, Staub und Lickt gar fest verwoben. Wurzel scklägt so tief der Baum, Dock die Krone dringt nach Oben. Sprecht ihr kühn dem Einen Hohn Sinkt ihr in die Nacht der Fehle; Also auch Religion Hat auf Erken Leib und Seele. Engversckmclzen, glaubenssatt Bildet sie das eckte Ganze, Aber reißt mir nur kein Blatt Aus dem ew'gen Himmelskranze. - Unbeirret, unverzagt! i Dann wird sich das Rechte finden;! Was ihr tief im Herzen tragt. Sollt ihr laut in Worten künden! Lemberg. Dr. Zlloriz Rappaport. j - , Die israrl. Grmrindr mit ihre» Fustände», wie sie war. wie sie ist, und wie sie sein sollte, von I. Pfeil. (Fortsetzung.) *) Nun, nun, sagte ick. Sie scheinen in Ihrem Eifer denn doch etwas zu : weit zu geben. Ick habe erst unlängst, in einer fteilich bcdeutendra Gemeinde, einen Ausweis des Spitals gesehen, wo Einnahme und Ausgabe sich auf mehrere Tausende von Gulden belaufen, und der Krankenstand bedeutend! war." — ״Einnahme und Ausgabe!" ries er etwas hitziger werdend, ״bedeutender Krankenstand!" Wer bezweifelt dieß? Die äußere Verwaltung mag 1 wohl ganz gehörig, und der Ausweis genau und ganz nach den Regeln der j Buchhaltung geordnet sein; aber die innere Verwaltung, Herr! die innere Verwaltung, — da liegt's. — Zum Glücke kann ich mit einem kleinen; Beleg dienen. In .... habe ick zur Zeit der Messe feit Jahren schon ein! bestimmtes Ouartier. Als ick das letzte Mal dahin kam, vermißte ich den Nessen meines Ouartiergebers, einen jungen Burschen, den ich seiner Dienst-! fertigfeit wegen lieb gewonnen. Auf ineine Frage nach ihm, antwortete mir : der Onkel kleinlaut: ach, der wandelt nicht mehr unter den Lebenden. WaS, rief ick, dieser junge rüstige Mensch! Wie ist das so plötzlich geschehen? Ja, war die Antwort, die Krankheit that das Ihrige, und das Spital das l Seinige. Wie denn, ftagte ich, das Spital das Seinige? Nun so hören! Sie, der artne Junge wurde brustkrank. Sie wissen, daß diese Krankheit! anfangs langsam sckreitet, um so schneller aber zuletzt eilt. Einige Zeit hielt! ick ihn bei mir, aber die sorgsame Pflege konnte ich ihm auf die Dauer, bei meiner engen Behausung und zahlreicken Faniilie nickt angedeihen lassen, und ich mußte meine Zufluckt zum Spital nehmen; bin ich doch ein Chewra-Mann, dachte ich, man kann mir also die Aufnahme nickt verweigern. Da wurde ick erst zum Vorsteher, Spitalvater, Spitalarzt hin- und hergeschickt; bald war kein Bett leer, bald war die Krankheit nickt für Spij talbebandlung geeignet. Endlich wurde doch ein Bett eingeräumt und man! wollte es mit der Krankheit doch versuchen. —! Nun glaubte ick aller Noth Ende; ach, Gott sei es geklagt, fie fing! leider erst recht an. — Hier gcrieth der gute Mann in eine Art Wuth.! Herr! rief er, ein Spital wird ja für den armen Kranken zur Hölle, wenn! die Wärter Teufel sind! Ich vergoß bittere Thränen bei jedesmaligem Be- I such meinearmen Verwandten über die brutale Behandlung dieser Unmen- \ scken, und — wie ick Ihnen sagte, die Krankheit that das Ihrige, das > Spital das Seinige.-״Nun, mein Herr, fuhr mein Wirth fort, stand! so was auch in jenem Ausweise, wo Einnahme und Ausgabe sich auf j mehrere Tausende belief?" — Unk zudem, wer wird denn iisis Spital ' ausgenommen? Ter Angehörige eines Mitgliedes der sogenannten ״heiligen Brükersckaft": ist er kaS nickt, so ist die erste Frage, ob er zahlen kann?; und kann er das nickt, dann müssen gar besondere Umstände zusammenwir- ') Sieb« Nr. I.V

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